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Schon über 300 Schulschwänzer im Jugendarrest seit Jahresbeginn – allein in Niedersachsen

HANNOVER. Massive Probleme in der Familie sind eine häufige Ursache dafür, dass Kinder dauerhaft dem Unterricht fernbleiben. Hunderte dieser Jugendlichen landen in den fünf Arrestanstalten im Land Niedersachsen.

Mehr als 300 hartnäckige Schulschwänzer haben seit Jahresbeginn in Niedersachsen einen Jugendarrest wegen Schulverweigerung verbüßt. 101 dieser Jungen und Mädchen saßen in der Jugendarrestanstalt in Emden ein, 83 in Göttingen, 61 in Verden, 42 in Nienburg sowie 39 in Neustadt. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Mündliche Anfrage der FDP im Landtag hervor. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt höchstens 544 Schüler. Die Anstalt in Göttingen konnte für 2014 nur die Anzahl der vollstreckten Beschlüsse – nämlich 168 – nennen. Darunter können aber auch Jugendliche sein, die binnen eines Jahres mehrfach wegen Schulverweigerung in die Anstalt geschickt wurden.

Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) hatte im April angekündigt, das Jugendarrest-Vollzugsgesetz zu reformieren, weil zwei Drittel der jugendlichen Straftäter nach der Entlassung wieder straffällig werden. Zukünftig soll mehr Wert auf eine anschließende Begleitung im Alltag gelegt werden. Der Gesetzentwurf soll bald ins Kabinett eingebracht werden. Landesweit wurden 2014 insgesamt 3781 Jugendarreste vollstreckt, davon etwa 200 Kurz- und Freizeitarreste in Amtsgerichten.

Jeder vierte bis fünfte Arrestbeschluss geht an lernunwillige Jugendliche. Dabei sei Jugendarrest aufgrund von Schulschwänzen das letzte Mittel, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Marco Hartrich der dpa. Wenn Kinder dauerhaft fehlen, informieren Schulen zunächst die Eltern. Fruchten alle pädagogischen Maßnahmen nicht, wird das Ordnungsamt informiert. Die Behörde erlässt einen Bußgeldbescheid. Wird dieser nicht gezahlt, kann ein Jugendrichter den Schulschwänzer dazu verpflichten, stattdessen Arbeitsstunden zu leisten. Verweigert der Jugendliche dies auch, folgt ein Arrest von maximal einer Woche pro Bescheid.

In den fünf Arrestanstalten im Land erhalten die Jungen und Mädchen in der Regel jeden Tag vier Stunden Schulunterricht. Nachmittags erledigen sie handwerkliche Aufgaben. Die meist männlichen Arrest-Insassen sind laut Ministerium zwischen 17 und 22 Jahre alt. Das Land Bremen hat keine Jugendarrestanstalt.  dpa

Zum Bericht: Ministerium will Gefängnisstrafe für Schulschwänzer abschaffen – Direktoren sind dagegen

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