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Flüchtlingskinder: Bundesländer reagieren auf Lehrermangel

DÜSSELDORF. Die steigende Zahl schulpflichtiger Flüchtlings- und Migrantenkinder stellt alle Bundesländer vor dasselbe Problem: Es fehlen Lehrer, die die zusätzlichen Schüler unterrichten können. Die Landesregierungen begegnen diesem Problem oftmals mit dem gleichen Mittel: Sie schaffen neue Stellen. Doch nicht in jedem Land stehen ausreichend unbeschäftigte Lehrkräfte zur Verfügung – kreative Lösungen sind gefragt.

Die Brandenburger Landesregierung hat angekündigt, 2016 weitere 260 Lehrer einzustellen. Damit reagiere die Koalition aus SPD und Linke auf die große Zahl an Flüchtlingskindern, die in Brandenburg zur Schule gehe. In diesem Jahr hatte das Land bereits Geld für 340 zusätzliche Lehrkräfte bereitgestellt. Den gleichen Plan verfolgt die sächsische Staatsregierung: Mit Beginn des zweiten Schuljahres wollen die regierenden Parteien CDU und SPD 760 neue Lehrer unbefristet einstellen, um dem Generationenwechsel und der wachsenden Schülerzahl zu begegnen. Für die 760 neuen Stellen gibt es laut dem Direktor der Sächsischen Bildungsagentur, Béla Bélafi, mehr als 1600 Bewerber, die Hälfte davon kommt aus Sachsen.

Blick in einen Hörsaal

Lehramtsstudenten mit 1. Staatsexamen sollen in Bayern im Notfall unterrichten dürfen. Foto: this.is.seba / flickr (CC BY-SA 2.0)

Doch nicht überall können Landesregierungen den bestehenden Bedarf mit Neueinstellungen decken. So berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ), dass in Bayern in Ausnahmefällen sogar Lehramtsstudierende bereits unterrichten dürfen. Dafür reiche das erste Staatsexamen. „Wir brauchen in der jetzigen Situation kreative Lösungen“, zitiert die AZ den Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger. Studenten sollen demnach aber nur zum Einsatz kommen, „wenn geeignete Lehrkräfte über andere Wege nicht gefunden werden“. So bitte das Kultusministerium etwa, Teilzeitkräfte ihre Stundenanzahl zu erhöhen und Lehrer kurz vor dem Rentenalter ihren Ruhestand aufzuschieben. Gymnasial- und Realschullehrer, die auf eine Stelle warten, versuche das Ministerium zudem für die Arbeit an Grund-, Mittel- und Berufsschulen zu gewinnen. Wie erfolgreich all diese Maßnahmen sind, ist allerdings noch unklar. Der Ministeriumssprecher will sich laut AZ erst dazu äußern, „wenn die ersten Verträge schwarz auf weiß unterschrieben sind“. Die CSU geführte Landesregierung will ab Januar über das Jahr insgesamt 1079 befristetet Lehrerstellen in Bayern besetzen. Zusätzlich will der Freistaat 621 Stellen für Fachpersonal wie Sonderpädagogen schaffen. Die Mittel dafür aus dem Nachtragshaushalt sind seit etwa einer Woche offiziell genehmigt, heißt es im Beitrag der AZ.

Auch der baden-württembergische Landtag hat vor etwa einer Woche im Nachtragshaushalt 600 zusätzliche Lehrerstellen für die Vorbereitungsklassen beschlossen. Das berichtet die Online-Ausgabe der Tageszeitung „Stuttgarter Nachrichten“ (StN). Im Sommer hatte die grün-rote Landesregierung bereits 562 weitere Stellen bewilligt. Sie wirbt wie die bayerische Staatsregierung um pensionierte Lehrkräfte – und das mit Erfolg. 480 Lehrer im Ruhestand haben dem StN-Bericht zufolge gegenüber der Schulverwaltung Interesse bekundet, Flüchtlingskinder zu unterrichten. Ein Großteil wolle zehn Unterrichtsstunden pro Woche arbeiten. Die Tageszeitung bezieht sich auf Informationen des Sprechers des Kultusministeriums.

An pensionierte Lehrkräfte hat sich ebenfalls die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) gewandt. Das Land Niedersachsen hat zum 2. Schulhalbjahr des Schuljahres 2015/2016 an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen 1.600 Stellen zur Neueinstellung von Lehrkräften zur Verfügung gestellt. Darunter sind auch rund 400 zusätzliche Lehrerstellen, die im Rahmen der Beschulung von Flüchtlingskindern eingesetzt werden sollen. Außerdem werden Stundenkontingente im Volumen von 138 Vollzeitlehrereinheiten zur Verfügung gestellt, mit denen unter anderem pensionierte Lehrkräfte im Rahmen der Sprachförderung auf Vertragsbasis beschäftigt werden können. Laut Ministerium haben bisher mehr als 350 pensionierte Lehrkräfte Interesse an einem zeitlich befristeten Vertrag gezeigt.

Für die zeitlich befristeten Verträge kommen auch Lehramtsstudierende infrage. Darüber hinaus  beabsichtigt die Niedersächsische Landesregierung, zusätzlich Sozialpädagoginnen und -pädagogen einzustellen und stellt 100 weitere Stellen für berufsbildende Schulen zur Verfügung.

Die niedersächsische Kultusministerin sieht die Pensionäre als Ergänzung zu den zusätzlich geschaffenen Stellen, wie der Deutschlandfunk (DLF) berichtet. Zudem bereichern sie laut Heiligenstadt den Schulalltag. „Es ist gut fürs Schulklima, fürs Kollegium, für die Schüler – und die pensionierten Lehrer sind ja nicht jeden Tag da, sodass insgesamt, denke ich, eine gute Mischung an den Schulen hergestellt werden kann“, zitiert sie der DLF. Dem Beitrag zufolge plant die SPD-Politikerin für die Zukunft, auch Sprachlern-Apps zu nutzen und Deutschkurse per Videokonferenz zu übertragen. Die Kinder „können sich durch entsprechende technische Möglichkeiten zu Wort melden. Den Unterricht mitgestalten und ganz lebhaft am Unterricht mitwirken“. (News4teachers mit dpa)

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Titelbild: DFID / flickr  (CC BY 2.0)

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