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Studie zu Hausaufgaben: Hilfe von Eltern schadet oft mehr, als sie nützt

TÜBINGEN. Elterliche Hilfe bei Hausaufgaben führt nicht unbedingt zu besseren Schulleistungen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz nach der Auswertung einer Längsschnittstudie, in der knapp 1700 Schweizer Schüler und ihre Eltern über einen längeren Zeitraum hinweg befragt wurden. Gemessen wurde das elterliche Engagement bei den Hausaufgaben in Klassenstufe 6 sowie die Leistungsentwicklung über ein Schuljahr. So fielen sowohl die Deutschnoten als auch die Leistungsentwicklung im Lesen bei Kindern, deren Eltern häufig bei den Hausaufgaben halfen, schlechter aus als bei Kindern, die ihre Hausaufgaben selbstständig machten. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Educational Research“ veröffentlicht.

Schlechte Zeugnisnoten sind für viele Eltern Anlass, sich verstärkt in die Hausaufgaben ihrer Sprösslinge einzumischen. Ob das Kindern hilft, ist jedoch umstritten, die dazu zahlreich vorliegenden Studien kommen zu widersprüchlichen Aussagen. „Das liegt unter anderem daran, dass die Studien ganz unterschiedliche Aspekte der elterlichen Hausaufgabenhilfe untersucht haben. Einige erheben zum Beispiel nur, wie oft Eltern ihren Kindern helfen und nicht, wie diese Hilfe konkret aussieht. Außerdem begrenzt die Untersuchungsmethodik die Aussagekraft vieler Studien“, so Ulrich Trautwein, Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen.

Zementieren Hausaufgaben die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem?; Foto: woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Unterstützung oder unliebsame Einmischung? Nur im ersten Fall ist Hilfe bei den Hausaufgaben sinnvoll. Foto: woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Des Weiteren zeigten die Ergebnisse der Studie, dass sich die Qualität der elterlichen Hausaufgabenhilfe von Familie zu Familie deutlich unterscheidet. So erwies es sich als besonders günstig für den Lernfortschritt der Kinder, wenn Eltern sich wenig einmischten, aber dennoch zur Unterstützung des Lernprozesses zur Verfügung standen.

„Es macht einen großen Unterschied, ob Kinder die Unterstützung der Eltern als Hilfe oder als unliebsame Einmischung und Kontrolle empfinden“, erklärt Sandra Moroni von der Pädagogischen Hochschule Bern, die Erstautorin der Studie. Da Eltern bekanntlich oft verstärkt dann eingreifen, wenn die Leistungen ihrer Kinder nachlassen, frustriert das Kinder oft doppelt. Ihnen wird dadurch signalisiert, dass sie gute Leistungen anscheinend nicht alleine erreichen können. „Das führt zu einem Teufelskreis“, erklärt Moroni. Ihr Rat: Zunächst genau prüfen, warum die Leistung des eigenen Kindes nachgelassen hat, und – ggf. auch gemeinsam mit den Lehrkräften – nach Möglichkeiten suchen, wie es wieder selbst Verantwortung für die Hausaufgabenerledigung übernehmen kann.

Die Autoren der Studie untersuchten auch, wie sich ihre Ergebnisse veränderten, wenn sie – wie das in vielen früheren Studien der Fall war – wichtige weitere Faktoren wie frühere Leistungen und familiären Hintergrund – außer Acht ließen. Das Ergebnis: Die Effekte der Hausaufgabenhilfe wurden bisher deutlich überschätzt. Das Fazit von Ulrich Trautwein: „Besonders bei einer so wichtigen, häufig diskutierten Thematik wäre es wichtig eine gute Datengrundlage zu haben. Mehr und vor allem bessere Studien sind daher unerlässlich.“ nin

Mehr Informationen zur Studie hier

Zum Artikel Gastbeitrag: Hausaufgaben – Darum sind sie nur ein leeres pädagogisches Ritual

5 Kommentare

  1. Ob guter oder schwacher Schüler: Die Eltern sollen darauf achten, dass Ihr Kinder ihre Hausaufgaben machen. Wenn das Kind von sich aus Fragen stellt, sollen sie nach bestem Wissen und Gewissen helfen. Interesse an der Arbeit des Kindes zeigen, ist das Credo, nicht die Arbeit für das Kind machen.

  2. Ich glaube, die elterliche Hilfe ist ganz besonders gefragt bei der Organisation des Arbeitsplatzes. Hat ein Kind einen (Schreib-)Tisch und einen Stuhl oder ist so viel Chaos im Haus, dass beides nicht auffindbar ist? Gibt es einen ruhigen Raum und ausreichend Zeit? Überprüft ein Erwachsener, dass die Hausaufgaben auch erledigt werden und gibt evtl. Rückmeldung? – es reicht ja eine Rückmeldung darüber, ob die Zeilen eingehalten wurden oder ob das richtige Heft benutzt wurde.
    Wird der Ranzen regelmäßig ausgeleert und von unnötigen Kunstwerken befreit? Sind Stifte vollständig und angespitzt. Meiner Meinung nach – und das beobachte ich bei meinen SChülern sehr häufig – kann der lernschwächste Schüler eine Menge aufholen, wenn er kurz Hilfe bei der Organisation seiner Materialien erhält und die Hausaufgaben im richtigen Heft erledigt. Die Kinder können sich dann auf den Inhalt konzentrieren und schaffen die meisten Aufgaben selbstständig. Diese Aufgabe gehört allerdings zumeist ins Elternhaus. Ausnahme sind vielleicht Kollegen, die fünf verschiedene Hefte und drei Mappen pro Fach im Umlauf haben. So etwas erschwert vielen Kindern den Überblick darüber, welches Heft aktuell ist.
    Die oben beschriebenen Helikoptereltern sind in meinen Klassen in dieser Form noch nicht aufgetreten.

  3. Ist die Studie nicht so angelegt, dass gute Schüler automatisch bei „Eltern helfen nicht bei den Hausaufgaben“ mitgezählt werden? Eltern brauchen normalerweise nur zu helfen, wenn es Probleme gibt. Wenn die Kinder dann weiterhin Mühe in der Schule haben, was Konsequenz ihres IQ sein könnte, zählt das als: „Hilfe von Eltern schadet oft mehr, als sie nützt“. Oder schließt die Anlage der Studie diesen Effekt aus?

  4. Schade, dass diese Untersuchung nur in Klasse 6 durchgeführt wurde. Meiner Meinung nach, ist die Unterstützung der Eltern bei jüngeren Kinder nötiger/effektiver. In Klasse 6 sollten die Kinder schon ziemlich selbstständig sein, heutzutage kann man sich ja mit Hilfe des Internets viele Dinge erschließen. Natürlich sollen Eltern Fragen der Kinder beantworten oder mal etwas abfragen. Aber eine stundenlange tägliche Paukerei sollte das nicht sein. Auf einem meiner letzten Elternabende als Mutter habe ich jedoch gelernt, dass andere Mütter mit ihren Elftklässlern die Literatur des Deutschunterrichts zusammen mit der dazugehörigen Sekundärliteratur lesen und durcharbeiten, mit ihren Kindern innere Monologe, Textvergleiche…. verfassen und dem Lehrer auch noch vorwerfen, dass er ein anderes Thema in der Klassenarbeit drangenommen hat. Da fragt man sich doch, wie diese Abiturienten je ein Studium schaffen wollen.

    Fazit: Mit zunehmendem Alter der Kinder sollte die Hilfe der Eltern abnehmen.

  5. Hm, das dritte Mal ein Artikel zu diesem Thema? 🙂

    Nun finde ich meinen alten Beitrag nicht mehr und muss alles neu schreiben. *zwinker* Ich finde, Hausaufgaben werden immer von denen gemacht, die sie gar nicht nötig hätten. Jene, die damit üben sollen und müssen, machen sie meistens gar nicht und geraten somit noch mehr ins Hintertreffen – ganz abgesehen von den 6en, die man ja oft für nicht gemachte HA bekommt.

    Hausaufgaben kosten mich wertvolle Unterrichtszeit. Das Anschreiben und Erklären, das Vergleichen und die Kontrolle, da gehen gut und gerne pro Stunde 10 Minuten verloren – wenn nicht mehr. In diesen 10 Minuten könnte ich auch einfach eine Wiederholungsübung mit allen Kindern unter meiner Anleitung machen. Davon haben alle was, vor allem jene, die diese Übung brauchen.

    Hausaufgaben können dann immer noch Lernaufgaben sein oder wenn etwas zu Hause zu beenden ist. Das reicht !

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