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WHO-Studie: Schüler leben gesünder als vor 10 Jahren

HALLE. Ernährungsverhalten, Übergewicht, körperliche Aktivität, schulische Belastung, Fernsehgewohnheiten: Alle vier Jahre untersucht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Gesundheitsverhalten von Schülern. Werden im März zum 8. Mal die internationalen Ergebnisse der HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children) vorgestellt, liegen bereits die ersten Ergebnisse aus Deutschland vor, erstmal aus allen 16 Bundesländern. Insgesamt habe sich das Gesundheitsverhalten grundsätzlich verbessert, junge Menschen sind glücklicher und gesünder als ihre Altersgenossen vor zehn Jahren. Doch trotz des Trends zum Positiven sehen die Forscher noch genügend Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitsförderung.

Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien etwa wiesen weiterhin eine schlechtere Gesundheit auf als die Altersgenossen aus wohlhabenden Familien. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede im Gesundheitsverhalten sind bemerkenswert.

Die Macher der HBSC-Studie sehen einen positiven Trend, was das Gesundheitsverhalten von Schülern angeht, aber es bleibt noch Einiges zu tun. Foto: Loren Kerns / flickr (CC BY 2.0)

Die Macher der HBSC-Studie sehen einen positiven Trend, was das Gesundheitsverhalten von Schülern angeht, aber es bleibt noch Einiges zu tun. Foto: Loren Kerns / flickr (CC BY 2.0)

So frühstückt an Schultagen mehr als die Hälfte aller Schüler, davon jedoch mehr Jungen (65,1 Prozent) als Mädchen (57,3 Prozent). Zudem frühstücken mehr Kinder mit hohem familiärem Wohlstand. Die Zahl derjenigen, die jeden Tag frühstücken, verringert sich allerdings mit zunehmendem Alter. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ist unter den „Nie-Frühstückern“ am höchsten (Mädchen 39,3 Prozent; Jungen 32,8 Prozent). Weil das Frühstück aber eine wichtige Basis für gute schulische Leistungen ist, müssen insbesondere bei Jugendlichen sowie bei Familien mit Migrationshintergrund und geringem sozioökonomischen Status wirksame Interventionen entwickelt werden.

Mehr als ein Viertel aller Jungen (26,9 Prozent) und Mädchen (28,9 Prozent) fühlt sich – fast unabhängig von familiärem Wohlstand und Herkunft – einigermaßen oder sehr stark von den schulischen Anforderungen belastet. Dieses Gefühl nimmt mit dem Alter insbesondere bei Mädchen noch zu. Interventionen wie beispielsweise ein gutes Schulklima, positives Feedback oder Interessenförderung können helfen, die Belastung zu mindern und damit psychischen Erkrankungen entgegenwirken.

Mehr als die Hälfte aller Befragten weist einen problematischen Fernsehkonsum auf (Mädchen 52,4; Jungen 58,8 Prozent), der sich mit zunehmendem Alter noch steigert. Je höher der familiäre soziale Status, desto geringer der Fernsehkonsum. Kinder mit Migrationshintergrund schauen häufig mehr als vier Stunden an Schultagen fern und dabei Mädchen ausgeprägter als Jungen. Intervention und Prävention sollten auf stärkere körperliche Aktivität und Maßnahmen zur Konsumreduzierung ausgerichtet sein.

Unter zwei oder mehr psychosomatischen Beschwerden pro Woche leiden Mädchen (31,3 Prozent) deutlich häufiger als Jungen (17,3 Prozent) und jene Kinder mit Migrationshintergrund ebenfalls stärker als jene ohne. Mit steigendem Alter verdoppelt sich der Anteil der Mädchen mit regelmäßigen psychosomatischen Beschwerden (11-Jährige 20 Prozent, 15-Jährige 41,4 Prozent). Zu solchen Beschwerden zählen beispielsweise Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder am häufigsten Einschlafprobleme (14; 8,3 bzw. 20,1 Prozent der Jugendlichen). Obwohl Kinder und Jugendliche zum gesündesten Teil der Bevölkerung zählen, zeigt sich in diesem Bereich großer Handlungsbedarf, der zudem geschlechts- und sozioökonomisch sensibel ausgerichtet sein sollte.

Weitere Ergebnisse im Überblick:

86,4 Prozent der Jungen und 78,8 Prozent der Mädchen geben an mit ihrem Leben „eher zufrieden“ zu sein. Insgesamt zeigt sich, dass Mädchen im Vergleich zu Jungen generell weniger zufrieden mit ihrem Leben sind. Während die Einschätzung der Lebenszufriedenheit bei den Jungen über das Alter hinweg so gut wie keine Veränderungen zeigt, nimmt der Anteil der Mädchen, die eine hohe Lebenszufriedenheit angeben, mit höherem Alter ab.

Bei der subjektiven Gesundheit lässt sich im Geschlechtervergleich erkennen, dass Mädchen ihren Gesundheitszustand insgesamt zu einem geringeren Anteil als „ausgezeichnet“ und zu einem höheren Anteil als „schlecht“ bezeichnen als Jungen. Insgesamt bezeichneten 16,7 Prozent der Mädchen und 10,2 Prozent der Jungen ihren Gesundheitszustand als schlecht. Steigt bei den Mädchen im Altersverlauf der Anteil derjenigen mit einem „schlechteren Gesundheitszustand“ deutlich an, bleibt bleibt dieser Anteil bei Jungen relativ konstant.

57,5 Prozent der Mädchen und 69,3 Prozent der Jungen sind regelmäßig (mind. 2 Stunden/Woche) sportlich aktiv. 5,5 Prozent der Jugendlichen sind nicht sportlich aktiv.

7,8 Prozent der Mädchen und 10,1 Prozent der Jungen sind übergewichtig oder adipös. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der übergewichtigen/adipösen Jungen an. Auch Mädchen im Alter von 13 und 15 Jahren sind häufiger übergewichtig oder adipös als im Alter von 11.

30,6 Prozent der Mädchen und 19,5 Prozent der Jungen verzehren mindestens ein Mal am Tag Gemüse. Damit sind deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede zu Ungunsten der Jungen erkennbar. 43,3 Prozent der Mädchen und 31,6 Prozent der Jungen essen regelmäßig (mindestens ein Mal am Tag) Obst. Ein verhältnismäßig kleiner Anteil an Jungen (10,1 Prozent) und Mädchen (5,2 Prozent) isst seltener als ein Mal pro Woche oder nie Obst. Der regelmäßige Obstkonsum nimmt sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen mit zunehmendem Alter deutlich ab.

Der größte Anteil der Jugendlichen trinkt mindestens einmal pro Woche Softdrinks, also zuckerhaltige Getränke (Mädchen 43,8 Prozent; Jungen 49,0 Prozent). Je höher der familiäre Wohlstand, desto weniger Jugendliche konsumieren täglich Softdrinks. 16,0 Prozent der Mädchen und 24,0 Prozent der Jungen gaben an, täglich Softdrinks zu sich zu nehmen.

15,6 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 17,8 Prozent der Jungen haben in ihrem bisherigen Leben Cannabis, Haschisch oder Marihuana konsumiert. Der Anteil der Mädchen und Jungen, die in den letzten 30 Tagen diese Drogen konsumiert haben, liegt bei 7,0 bzw. 9,6 Prozent.

Insgesamt beteiligen sich derzeit 44 Länder an der HBSC-Studie. In Deutschland werden die Befragungen seit 1993/94 durchgeführt, wobei für die nun vorliegenden Ergebnisse erstmals Daten aller 16 Bundesländer erhoben wurden. Bundesweit wurden 5.961 Schüler und Schülerinnen im Alter von 11, 13 und 15 Jahren aus 188 allgemeinbildenden Schulen und acht Förderschulen anonym, freiwillig und mit Einverständnis der Eltern befragt sowie in Hamburg und Hessen repräsentative Länderstichproben durchgeführt. In jeder Altersgruppe sind mindestens 1.500 Kinder und Jugendliche befragt worden. (pm)
• Webseite zur HBSC-Studie

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