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Menschenrechts-Beauftragter kritisiert die Entwicklung der Inklusion in Deutschland als „klar konventionswidrig“

BERLIN. Kritik aus seinem Mund zur Inklusion in den Schulen hat Gewicht: Valentin Aichele leitet die unabhängige Monitoring-Stelle beim Deutschen Institut für Menschenrechte. Und als Chef der Einrichtung ist er vom Bundestag beauftragt, den Reformprozess in Deutschland zu beobachten – und den Vereinten Nationen (UN) darüber Bericht zu erstatten. Wir sprachen mit dem Juristen und Menschenrechtsexperten.

BU: Sieht die Entwicklung der Inklusion in Deutschland kritisch: Valentin Aichele, Leiter der unabhängigen Monitoring-Stelle. Foto: Deutsches Institut für Menschenrechte

BU: Sieht die Entwicklung der Inklusion in Deutschland kritisch: Valentin Aichele, Leiter der unabhängigen Monitoring-Stelle. Foto: Deutsches Institut für Menschenrechte

News4teachers: Haben Sie Verständnis dafür, dass Schulen sich durch die Inklusion überlastet fühlen?

Aichele: Ja, denn vielerorts fehlen gute Rahmenbedingungen und teilweise auch die Erfahrung. Die Grundschulen, aber auch immer mehr weiterführende Schulen, brauchen bessere Bedingungen. Wir betrachten mit Sorge, dass Inklusion wegen politischer Fehlorganisation gefährdet wird. Besonders problematisch sind allerdings die Länder, die den Auftrag der Inklusion für sich immer noch nicht angenommen haben und nach wie vor auf schulische Segregation setzen. Im Bundesdurchschnitt haben wir heute mehr Exklusion als 2009, und diese Entwicklung ist klar konventionswidrig.

News4teachers: Welche Kinder bedürfen künftig auch weiterhin einer Sonderförderung?

Aichele: Alle Kinder sind förderbedürftig und haben ein Recht darauf. Besondere und das heißt individuelle Förderung in einem inklusiven System findet in der allgemeinen Schule statt. Ist dort die Förderung gut gemacht, sind Sondereinrichtungen hinfällig. Sonderpädagogische Förderung muss demnach von Sondereinrichtung in die allgemeinen Schulen verlagert werden, einschließlich des Personals und der Ressourcen. Die inklusive Schule sieht also ganz anders aus als die Schule, wie wir sie heute kennen.

News4teachers: Wo sind denn die Grenzen der Inklusion?

Aichele: Vor kurzem habe ich gelesen, dass ein Kind mit Behinderung, das in der Regelschule gemobbt werde, in die Sonderschule müsse, da sein Kindeswohl auf dem Spiel stehe. Kann das richtig sein? Ist es nicht verkehrte Welt, wenn diejenigen, die mobben, bleiben und schwächere Mitschüler verdrängen dürfen? In jeder Schule muss es Schutzräume geben, für alle Kinder. Inklusion gelingt, wenn solche Konflikte nicht vorfallen oder anders bearbeitet werden.

News4teachers: Sie fordern eine sehr weitgehende Inklusion, lehnen also zum Beispiel Sonderklassen ab. Woher leiten Sie Ihr Inklusionsverständnis ab? Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ja doch recht vage.

Aichele: Die Konvention spricht klar von „einem inklusiven System“ und nicht noch einem Parallelsystem. Dafür, dass die UN-Behindertenrechtskonvention die Sondereinrichtungen nicht umfasst, spricht auch die Entstehungsgeschichte. Inklusion heißt: zusammen, von Anfang an, unabhängig von Art und Schwere der Beeinträchtigung. Gute Praxis zeigt, dass es sehr gut funktioniert.

News4teachers: Gibt es international überhaupt ein vorbildliches Bildungssystem in Sachen Inklusion?

Aichele: Es gibt weltweit gute Praxis. Tatsächlich arbeiten Schulen in vielen Ländern auf allen Kontinenten daran, dass gemeinsamer Unterricht besser gelingen kann. Von anderen können wir lernen. Es gibt aber auch sehr gute Schulen in Deutschland, die Inklusion seit Jahrzehnten leben. Dabei ist auch klar: Wir müssen am Verständnis für gute Praxis und gute Inklusion arbeiten. Diese hängt ab von guter Haltung, guten Konzepten, Bedingungen, Ausbildungen, Gesetzen, Netzwerken, gutem Erfahrungsaustausch, guter Beratung, guter Begleitforschung – und nicht zuletzt einem politischen Willen, der diese Entwicklungen unterstützt.

News4teachers: Wenn man die Bundestagsprotokolle bei der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention liest, wird deutlich, dass alle Parteien (bis auf die FDP) die Inklusion in der Schule als Sparmodell verstanden haben. Wie ist Ihr Eindruck – hat sich das geändert?

Aichele: Wer mit Inklusion politisch Erfolg haben möchte, muss Geld ausgeben beziehungsweise es richtig organisieren. Die Politik, die Inklusion als Anlass zum Sparen nimmt, ist zum Scheitern verurteilt. 2009 waren viele Ressourcen und Kompetenzen da, wer jedoch zwei Systeme – also neben der allgemeinen Schule die Sondersysteme – zu unterhalten plant, wählt die teuerste Variante. Das ist mittlerweile fast allen klar. Der Eindruck vom Sparmodell entsteht, weil die Politik in vielen Bundesländern davor zurückschreckt, Ressourcen zu verlagern und den gemeinsamen Unterricht in der Regelschule angemessen auszustatten. Der Weg von Segregation zu Inklusion – man spricht von Transformation – braucht eben zusätzliche Mittel.

News4teachers: Die Lehrer fordern fast einhellig eine Doppelbesetzung für den inklusiven Unterricht – das ist aber angesichts der Bereitschaft der Länder, sehr viel mehr Geld ins Bildungssystem zu stecken, eine Illusion. Müssen Sie hier nicht viel härter mit der Politik ins Gericht gehen – und massive Bildungsinvestitionen fordern?

Aichele: Wir nehmen Kritik gerne auf, diesen Punkt haben wir allerdings in der Vergangenheit schon angesprochen. Wir denken auch, dass mit der Behindertenrechtskonvention eine Prioritätenentscheidung für gute inklusive Bildung getroffen wurde, aus der noch nicht die Konsequenzen gezogen wurden. Aber ich wiederhole mich, wenn ich unterstreiche, dass Ressourcen nicht alles sind, sondern andere Faktoren eine erfolgreiche Inklusion bedingen.

News4teachers: Sachsen, genauer: die Stadt Chemnitz, hat gerade für 35 Millionen Euro eine neue Förderschule gebaut. Das wirft die Frage auf: Machen die Länder Inklusion nach Gutsherrenart?

Aichele: Neue Sondereinrichtungen zu schaffen, ist der falsche Weg. Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt: Die Energie und die Ressourcen müssen in die allgemeine Schule und den Aufbau eines inklusiven Systems fließen. Was Sachsen macht, ist zweifelhaft und mit der UN-Konvention nicht vereinbar.

News4teachers: Was spricht gegen ein Elternwahlrecht zwischen Regelschule und Förderschule?

Aichele: Die Kinder, gleich ob mit oder ohne Behinderung, haben ein Recht auf inklusive Bildung. Das muss der Staat einlösen. Die Kinder haben aber nach der Behindertenrechtskonvention kein Recht auf Sonderschule. Gegen ein Elternrecht spricht, dass die menschenrechtliche Verantwortung, ein Systemwechsel hin zur Inklusion zu betreiben, einem „Elternwillen“ überantwortet wird. Das halten wir für problematisch.

News4teachers: Teilen Sie den Eindruck, dass die Inklusion in den Schulen durch das Thema Flüchtlingskinder aktuell ins Hintertreffen gerät?

Aichele: Dazu fehlt derzeit der Überblick. Klar ist: Wenn wir das inklusive Schulsystem schon hätten, dann wäre jetzt die Integration der Flüchtlingskindern um ein Vieles einfacher. Menschenrechtlich ist auch klar: Beide Gruppen dürfen nicht gegenseitig ausgespielt werden. Kinder, gleich ob mit oder ohne Behinderung, ob mit oder ohne Fluchterfahrung, haben ein Recht auf Bildung. Gesellschaftspolitisch treten wir dafür ein, dass die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, zu der sich Deutschland mit der Konvention verpflichtet hat, durch andere sozialpolitische Fragen nicht aufgehalten werden oder ins Hintertreffen geraten darf.

 

Monitoring-Stelle
Deutschland hat sich mit der Annahme der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 auch dazu verpflichtet, eine unabhängige Stelle einzurichten, die den Prozess der Umsetzung überwacht. Das Deutsche Institut für Menschenrechte wurde deshalb von der Bundesregierung beauftragt, die Einhaltung der Rechte von Menschen mit Behinderungen nach der UN-Behindertenrechtskonvention zu fördern und die Umsetzung in Deutschland zu begleiten. Hierzu hat es die so genannte Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention eingerichtet.

Die unabhängige Monitoring-Stelle trägt unter anderem durch Forschung, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung und zum Schutz der in der UN-Konvention verankerten Rechte bei. Die Stelle formuliert Empfehlungen an die Politiker, etwa an die Regierungen in Bund und Ländern, und gibt Stellungnahmen zu menschenrechtlichen Fragen ab. Die Monitoring-Stelle berichtet darüber hinaus dem UN-Ausschuss über die Rechte von Menschen mit Behinderungen über die Umsetzung der Konvention in Deutschland. Dieser internationale Fachausschuss überprüft in regelmäßigen Abständen die Umsetzung der Konvention. Dr. Valentin Aichele, leitet seit 2009 die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte.

45 Kommentare

  1. mehrnachdenken

    Bei dem, was dieser Herr da von sich gibt, streuben sich bei mir mehr als nur die Nackenhaare.
    Warum nur hat Deutschland diese UN – Behindertenkonvention unterschrieben? Könnte Deutschland sich auch wieder davon verabschieden?

    • mehrnachdenken

      natürlich “sträuben”

      Schade finde ich, dass H. Aichele von n4t offensichtlich nicht mit dem Meinungsbild zur Inklusion in diesem Forum konfrontiert wurde. Es geht nämlich überwiegend Richtung “Skepsis” und “Ablehnung”.

      • Damit wie Ausgrenzung funktioniert hat Deutschland ja schon einmal eine- wenn auch unrühmliche und menschenverachtende – Vorreiterrolle gespielt. Die Menschenrechtskonvention zur Inklusion als Chance anzunehmen und umzusetzen fällt dem Großteil der Detschen schwer. Warum? Rückständig? Obrigkeitshörig oder besser Lehrerverbandshörig? Dem Alten verhaftet? Höchstwahrscheinlich von allem ein bisschen und eben ein bisschen zuviel. Selbst in Südtirol, lernen Kinder ( und um sie geht es, egal ob mehr oder minder intelligent, intelligenzgemindert, körperlich ausserhalb der geltenden Normen) gemeinsam..genauso wie in den skandinavischen Ländern, die uns in jeder PISA-Studie weit enteilen.
        Wer selbst betroffen ist und ein besonderes Kind hat, weiß ein Lied davon zu singen. Aber der Marsch durch die Instanzen lohnt sich. Was normal ist liegt im Auge des Betrachters und fußt meist auf dem berühmt-berüchtigtem “Das war schon immer so..” Gut, dass sich viele Menschen nicht davon beeindrucken lassen und mehr nachdenken wie mehrnachdenken sonst wäre “Rulaman” nicht Vergangenheit sondern Gegenwart. Oder um es mit dem Sozialpädagogen Peter Graf von Finckenstein zu sagen:” Die Vielfalt des Seins ist mit dem Verstand nicht zu erfassen”. Die Menschenrechtskonvention ist zweifelsohne ein Paradigmenwechsel vom medizinischen zum menschenrechtlichen Modell von Behinderung. Bis das auch in den Köpfen der meisten angekommen ist dauert es eben etwas, aber steter Tropfen höhlt den Stein.

        • Das mit der PISA-Studie und den skandinavischen Ländern war vor 15 Jahren richtig, neuere Untersuchungen dagegen … bitte auch zur Kenntnis nehmen!

        • Sehen Sie auch die Möglichkeit, dass viele deutsche Lehrer nicht menschenverachtend noch dumm noch denkfaul sind, sondern einfach für bestimmte Formen der Behinderung eine Beschulung in eigenen Klassen für die Schüler wie auch die Mitschüler menschlicher und erfolgreicher finden?

          • Lieber Pälzer,

            natürlich sehe ich die und ich denke, ich habe auch schon mehrere Male darauf hingewiesen, dass es auf den individuellen Fall ankommt und ich mir Parallelstrukturen durchaus vorstellen kann, wenn es für das Wohl des Kindes wichtig und sinnvoll ist. Mir ist es da auch relativ egal, ob das mehr kostet: das Geld ist da, es muss nur per Steuersystem eingetrieben werden.

            Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: nicht jeder, der Sorgen hat wegen der Inklusion wie sie gerade praktiziert wird, wird von mir kritisiert. Genau diese Sorgen und Bedenken sollten ernst genommen werden, geht es doch eben oft um das Gefühl, allein gelassen zu werden und überfordert zu sein, weil die Transformationsprozesse mies geplant und nicht ausreichend finanziert sind.

            Wenn man allerdings die Erfahrungen aus vielen Schulen in Deutschland und anderen Ländern genauso wenig ernst nimmt wie die gravierenden Nachteile des aktuellen Förder-/Sonderschulsystem und dann auch nicht verstanden hat, was Menschenrechte sind, rege ich mich auf.

            Ich arbeite gerade als Integrationspädagoge in einer Grunschulklasse und merke jeden Tag, wie wichtig eine Doppelbesetzung ist, will man nicht Kinder, die nicht hundertprozentig ins System passen, aussortieren müssen. Ich kann soviel auffangen, was in einer Klasse mit 26, bald 27 Kindern von einer Lehrerin nicht geschafft werden KANN.

            Und genau solche Kinder, nämlich die mit sozial-emotionalen Auffälligkeiten geht es doch zu einer sehr großen Teil, wenn von Inklusion geredet wird. Die Schwert mehrfach behinderten, vor denen immer alle Angst haben, machen einen winzigen Teil aus und sind selbsredend nicht von einer Regellehrkraft alleine in einem normal Klassenverband beschulbar.

    • Menschen wie Sie gähnen ja auch über Berichte von Opferstellen rechtsextremer Gewalt mit den höchsten Zahlen seit deren Einrichung. Warum sollte sich Herr Aichele denn gerade für Ihre Meinung interessieren?

      Menschen sind Ihnen doch offensichtlich recht egal.

      • mehrnachdenken

        Hören Sie endlich auf, hier Lügen zu verbreiten!!
        In einem meiner letzten Beiträge habe ich dezidiert formuliert, dass ich jegliche Gewalt von rechts oder links ablehne und verabscheuungswürdig finde.

        “Gähnen” bezieht sich nicht auf Attacken gegen Flüchtlinge, sondern gegen Ihre Art, uns hier permanent missionieren zu wollen. Halten Sie das bitte auseinander.

      • Ich verbreite keine Lügen, nein nein. Bitte liefern Sie doch einen Nachweis, wenn Sie mal wieder so große Worte in den Mund nehmen.

        Sie haben sehr wohl gegähnt, mehrnachdenken. Und das ein einem sehr, sehr unpassenden Punkt, der aber sinnbildlich steht für Ihre gesamte Argumentationen. Eigentlich passt das alles auch voll ins AfD-Bild, dass Sie hier abliefern.

        Die Opferberatungsstellen übertreiben sicher, sind bestimmt links unterwandert. In jedem Fall sind die Linken aber schlimmer, soviel ist klar.

  2. Ich tue mich noch etwas schwer mit “unabhängig von der Schwere der Beeinträchtigung”. Mir fehlt als Lehrer einfach das Können, zum Beipsiel vollkommen blinde bzw taube Kinder in einer Regelklasse zu unterrichten. Wie soll ich das machen?

    Wenn ich zu 100% des Unterrichts eine Lehrkraft nur für dieses Kind im Unterricht habe, ok. Aber das kann und will sicher dann auch wieder keiner bezahlen.

    Es geht mir hier nicht so sehr um die Grundsatzdiskussion, sondern darum, die “normalen” Lehrkräfte nicht zu überfordern. Entweder stattet man uns mit entsprechenden geschultem Personal aus oder aber man reduziert ganz gewaltig die Stundenverpflichtung.

  3. Unterschrieben hat Deutschland diese Behindertenkonvention, weil sie menschlich ist. Wieso sollte man Kinder, deren größter Wunsch es ist zur “normalen” Gesellschaft zu gehören, dies verweigern und sie in Förderschulen
    stecken, wo sie von uns NORMALOS wie die Affen im Zoo bestaunt werden. Stellen Sie sich doch mal an eine solche Schule und hören sich die dummen Sprüche an, die über die Kinder hinter dem Zaun fallen oder wie sie
    angegafft werden. Je früher gelernt wird das es Menschen verschiedenster Art gibt und das diese, nicht anders
    als wir, einfach nur glücklich sein wollen, umso eher wird man auf Toleranz und Miteinander stoßen. Wir haben diesen unschönen Teil der Deutschen Geschichte ja GOTT SEI DANK hinter uns gelassen.

  4. g. h., wir haben Ihren Kommentar gelöscht. Wir möchten Sie bitten, auf Beleidungen von Diskussionsteilnehmern zu verzichten.

    Die Redaktion

    • mehrnachdenken

      Hallo Redaktion,

      da bin ich aber komplett baff!! Den Beitrag von g.h. löschen Sie wegen angeblicher Beleidigung anderer Tn, aber was hier Georg und Co veranstalten, nämlich permanent andere zu beleidigen und mehr scheint Sie nicht auf den Plan zu rufen.
      Leider stößt Ihre Haltung bei mir auf vollstes Unverständis, ja, für mich ist das ZENSUR und ich glaube, das ist ein Grund mehr, Ihrem Forum auf Wiedersehen zu sagen.

      Ich wünsche Ihnen noch einen erkenntnisreichen Abend!
      mehrnachdenken

  5. mehrnachdenken

    Danke für die Klarstellung. Genau das wollte ich mit dreimal “gähn” ausdrücken.

    Aber g.h., ich schrieb bereits früher einmal: Die aggressive und in Teilen diffamierende Schreibe von “Georg” u.a. hat zur Folge, dass sich immer mehr Nutzer zurückziehen, weil ja mittlerweile nicht mehr respektvoll Meinungen ausgetauscht werden, sondern hier versucht eine Seite der anderen ihre Weltsicht regelrecht aufzuoktroyieren.
    Alle, die sich widersetzen, werden teilweise übel attackiert so nach dem Motto: “Bist du nicht willig, so will ich mal mit verbaler Gewalt nachhelfen.”
    Die Protagonisten scheinen aber nicht zu kapieren, dass sie sich mit dieser Vorgehensweise immer weiter ins Abseits manövrieren, und ich befürchte, wegen fehlender Leser, irgendwann mit sich selbst unterhalten dürfen.
    Ich jedenfalls werde mich an diesem Trauerspiel nicht weiter beteiligen und – wenn überhaupt – nur noch einigermaßen harmlose Themen kommentieren.

    • Das bedaure ich sehr, mehrnachdenken, denn Ihre Beiträge fand ich immer sehr ehrlich und authentisch. Ich muss aber zugeben, dass mir auch schon der Gedanke kam, mich zu verabschieden. Nur die Vermutung, dass die Kontrahenten gerade dies wollen, hat mich bisher davon abgehalten.
      Wenn ich Abschied nehme, dann allerdings total. Alles andere wäre inkonsequent und ein falsches Zeichen.

      • Mein geheimer Plan, enttarnt. Alle sollen hier schweigen, außer der Gutmenschenphallanx mit ihren irren Forderungen mach Belegen und Nachweisen.

        All das viele Geld, das ich für meine Trollerei bekomme, soll bald nicht.mehr fließen, weil mehrnachdenken und Sie nicht mehr da sein werden?

        Wie soll es denn dann weitergehen mit unseren gehaltvollen und gut begründeten Diskussionen an diesem letzten Hort der Wahrheit und unzensierten Rede im Meer von Meinungsmache und Indoktrination des deutschen Volkes?

        Frauke, Beatrix, Peter – kommt, rutscht auf euren Mäusen aus und herbei und rettet uns vor der Knechtschaft durch sie linksgrünversiffte Meinungsguerilla.

  6. Georg, auch Ihren Beitrag mussten wir leider löschen. Wir möchten Sie ebenfalls bitten, auf Beleidigungen zu verzichten.

    Die Redaktion

  7. Ja, das ist für mich nachvollziehbar, obwohl ich es bedaure, da ich ihn aus Sicht meiner aktuelen Pöbellaune heraus wirklich ganz gelungen fand. Und Pflaume ist eine wirklich schönes, viel zu selten genutztes Schimpfwort, finden Sie nicht? 😉

    Einen schönen Abend Ihnen und sorry, dass Sie hier um die Uhrzeit noch den Wachhund spielen müssen. Ich versuche mal, meine Spitzen, die jetzt öfter zu erwarten sein werden, weil ich den Käse hier wirklich leid bin, auf die Zeit vor 18 Uhr zu verlagern.

  8. n4t hat sehr sachgerecht und höflich die Gretchenfrage gestellt:

    “Was spricht gegen ein Elternwahlrecht zwischen Regelschule und Förderschule?”
    Die Antwort von Dr. Aichele zeigt erneut, dass ihm (und dem “Institut”) ein “Systemwechsel” Vorrang vor individuellem Menschenrechtsanspruch hat, zu welchem Anspruch ganz zentral die individuelle Entscheidungsfreiheit gehört. Menschenrecht wird damit ad absurdum geführt. Damit ist Dr. Aichele nicht tragbar für ein “Institut”, welches sich ernsthaft mit Menschenrecht zu befassen hat.

    Ich bin der Meinung, man muss solchen Leuten das direkt mitteilen. Ich habe das für mich erledigt mit folgender Email vom 22.02.2015:

    Email an:
    Deutsches Institut für Menschenrechte e.V., Monitoring-Stelle
    Leiter: Dr. Valentin Aichele
    [Die unten zitierte Passage enstammt der Studie „Inklusive Bildung: Schulgesetze auf dem Prüfstand“]

    Sehr geehrter Herr Dr. Aichele,
    sehr geehrte Damen und Herrren,

    im Juni letzten Jahres ist mir eine Stellungnahme Ihres Instituts bekannt geworden, die sich im Zusammenhang mit der Umsetzung der UN-BRK im Schulwesen auch zu den Punkten Kindeswohl und Elternwahlrecht äußerte. Ich empfand und empfinde die dort geäußerten Ansichten unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten als absurd und skandalös, versäumte aber, Ihnen das mitzuteilen, was ich hier nachholen möchte. Aus Zeitmangel muss ich auf Textpassagen aus anderen Zusammenhängen zurückgreifen:

    Um eine von oben erzwungene “Eine Schule für alle” rechtfertigen zu können, muss die Gesamtintention der UN-Konvention, die stärkstes Gewicht auf die Autonomie der Persönlichkeit, auf ihr Recht auf Unterstützung, auf ihre freie Wahl der Lebenszusammenhänge etc. legt, nicht nur verkürzt, sondern im Schulbereich ins Gegenteil verkehrt werden, indem Elemente wie das freie Schulwahlrecht, Vorrang des Kindeswohls etc. zurechtgebogen werden. Es ist skandalös, dass sich sogar ein “Deutsches Institut für Menschenrechte e.V.” unverhohlen an dieser Um-Interpretation beteiligt:

    >>Der Grundsatz “Wohl des Kindes” verbindet sich mit der Vermutung, dass das Kindeswohl im inklusiven Regelschulzusammenhang am besten verwirklicht werden kann. (…) Die in einigen Ländern vorgesehene Einführung des genannten Wahlrechts der Eltern, zwischen Regel- und Sonderbeschulung zu entscheiden, ist nur übergangsweise vertretbar: Sollte die Existenz eines Elternwahlrechts nachweislich den Aufbau eines inklusiven Bildungssystems verzögern oder untergraben, beispielsweise weil es die erforderliche Reorganisation von Kompetenzen und Ressourcen für das Regelschulsystem erschwert und in diesem Zuge das Sonderschulwesen stärkt, ist das Elternwahlrecht mit dem Gebot der progressiven Verwirklichung des Rechts auf inklusive Bildung nicht in Einklang zu bringen.<<

    Die zitierten Sätze offenbaren ein erschreckend autoritäres Gesellschaftsverständnis, für das eine herbeizuführende Änderung des "Systems" Vorrang hat vor den Bedürfnissen und Rechten der einzelnen Menschen. Vereinfacht heißen die Sätze: "Liebe Eltern, wir Experten wissen besser als Ihr, was für Euer Kind gut ist. Ihr seid frei in Eurer Schulwahl-Entscheidung, aber nur so lange, wie Ihr Euch so entscheidet wie es unserer Expertenwissen als geboten ansieht. Denn die Quote muss erfüllt werden."

    Die zitierten Sätze stehen in diametralem Kontrast zum Selbstverständnis einer offenen Gesellschaft und zu einem modernen Verständnis von Menschenrechten, welches deren Unteilbarkeit betont (auch in der UN-BRK ist diese explizit erwähnt). Unteilbarkeit bedeutet, dass keins der miteinander in Beziehung stehenden, quasi nur als Paket zu habenden und zu verteidigenden Menschenrechte vernachlässigt werden darf, weil die anderen Rechte damit ihren Sinn verlieren. In der UN-BRK ist als allererster GRUNDSATZ (Art. 3, Grundsätze diese Übereinkommens) genannt: "die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit".

    Diese Achtung lässt das Deutsche Institut für Menschenrechte e.V., sehr geehrter Herr Dr. Aichele, in der genannten Passage schmerzlich vermissen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin Cuno

  9. Mich würden die Namen und Anschrift der Schulen interessieren, die schon seit Jahrzehnten mit Inklusion arbeiten.

    • Sehr geehrte/r WFrommann,

      schauen Sie doch mal auf die Seite des Jakob-Muth-Preises. Damit werden Schulen ausgezeichnet, die beispielhaft inklusiv arbeiten: http://www.jakobmuthpreis.de/

      Die Redaktion

      • Wird der Jakob-Muth-Ptreis von der Bertelsmann-Stifung vergeben?
        https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Muth

        • Na klar. “Wo es um die Zerstörung des allgemeinen öffentlichen Schulwesens geht, ist die Bertelsmann Stiftung nicht weit.”, schreibt Clemens Knobloch in “Wie man öffentlich über „Inklusion“ spricht (und was man daraus schließen kann)”, http://www.nachdenkseiten.de/?p=24597

          • Schauen Sie sich die Schulen bitte einfach an, bevor Sie urteilen. Es gibt z. B. Videos auf youtube, die die Schiulen portraitieren. Die Schulen sind real, die dortige inklusive Praxis auch.

            Und wenn man Kritik an Studien und Preisvergaben übt, muss diese m. E. immer auch konkret. Sonst verkommt es zu bloßen pauschalen Abwertung, die ja ganz offensichtlich keines Beweises mehr bedarf.

            Und das wäre schlicht nicht genug.

          • mag sein. beim Stichwort Bertelsmann Stiftung sind viele hier aber erst einmal skeptisch …

          • Kann ich gut verstehen und ich finde es auch richtig und wichtig, ein Auge drauf zu haben, aus welcher Ecke welche Studien kommen.

            Letzlich geht es aber um Inhalte und Argumentationen, um genutzte Daten und Herangehensweise – diese müssen kritisiert werden. Ansonsten kann man genauso gut sagen: die Person/Insitution gefällt mir nicht, also muss auch die Studie oder Erhebung nichts wert sein.

            Das kann nicht funktionieren und wäre billig.

            Außerdem möchte ich noch ergänzen, dass dies ein Preis ist. Ich finde es gut, dass die Bertelsmann-Stiftung mit Preisgeld honoriert, was ohnehin gemacht wird und gleichzeitig dokumentiert und bekannt macht, wie Inklusion in diesen Schulen funktioniert.

            Die Schulen, die sich bewerben, arbeiten ganz praktisch inklusiv. Die Erfahrungen, die dort gemacht werden, sind Gold wert, weil sie im deutschen Kontext zeigen, wie das funktionieren kann.

            Und niemand sagt, dass alles funktioniert. Aber Lösungen werden gefunden, wenn man sie sucht, nicht wenn man sagt, dass es sie nicht geben kann.

            Hier einige Beispiele, viele andere gibts auf youtube:

            https://www.youtube.com/watch?v=OGKxYbaX7Gk
            https://www.youtube.com/watch?v=acYt5seOMLk
            https://www.youtube.com/watch?v=VHhPjQZSFRs

          • Liebe Leute,

            ich habe auf die Frage nach der Bertelsmann Stiftung hier doch nicht deswegen reagiert, um den Jakob-Muth-Preis oder gar damit ausgezeichnete Schulen irgendwie zu kritisieren. Gegen solche Preisverleihungen, Wettbewerbe etc., die es ja wie Sand am Meer gibt, ist ja nicht das geringste einzuwenden. Auch gegen “inklusiv” arbeitende Schulen ist nicht das geringste einzuwenden.

            Wirklich: es geht doch absolut nicht darum, die Vorzüge gemeinsamen oder nicht gemeinsamen Lernens gegeneinander auszuspielen und sich darüber die Köpfe einzuschlagen. Vielleicht gibt es ja noch irgendwo einen Preis, der für vorbildlich arbeitende Förderschulen ausgeschrieben wird – aber darum geht es nicht. “Wir” Pädagogen, denen die Kinder am Herzen liegen, jedes für sich, sollten uns nicht auf diese Weise auseinander und gegeneinander treiben lassen – und zwar von wem?

            Ich habe den Hinweis auf Clemens Knobloch gebracht, weil im Zuge der Wirksamwerdung der UN-Konvention bis heute eine großangelegte, ideologisch motivierte Welle durchs Land läuft mit dem mehr oder weniger offen erklärten Ziel, bestimmte Strukturen des öffentlichen Schulsystems zu zerstören, nämlich die Förderschulen abzuschaffen. Ob dies Ziel erreicht wird, ist ja noch offen. Dieses Ziel kann jedenfalls weder aus der Zielsetzung der UN-Konvention abgeleitet werden und schon gar nicht aus irgendeinem Menschenrecht, deswegen fällt der Vorgang für mich massiv unter den Titel Ideologie.

            Bestandteil der Ideologie ist der insgesamt äußerst variable, aber von den entscheidenden Akteuren sehr zielbewusste Wortgebrauch von “Inklusion”. Dieses Wort (in diesem pseudowissenschaftlichen Kontext ist es kein Begriff, sondern ein Schlagwort) entstammt nicht der UN-Konvention. Nichts desto trotz verwenden Akteure wie Dr. Aichele / “Institut” für Menschenrecht e.V., oder eben die Bertelsmann Stiftung, dieses Schlagwort zur Abwertung bis Zerstörung von Förderschulen, und dies im Namen von “Menschenrecht”. Ich persönlich nenne das nicht nur ideologisch, ich nenne es demagogisch.

            Der Jakob-Muth-Preis ist dabei natürlich überhaupt nicht entscheidend; wichtiger ist die Arbeit der Bertelsmann Stiftung im Hintergrund. “Inklusion in Deutschland – eine bildungsstatistische Analyse” von Prof. em. Dr. Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung: diese Studie kann sich jeder herunterladen (wie auch übrigens die UN-Konvention). Dort wird schon auf den ersten Seiten klargestellt, dass Förderschule = Exklusion ist, und dass ein “Doppelsystem” nicht zu finanzieren sein wird. Man kann das überlesen, oder … aufwachen? Oder sich zumindest die Frage stellen, was denn eigentlich die Hintergrundzusammenhänge sind: warum sich z.B. eine für ihre neoliberale Orientierung hinlänglich bekannte Stiftung für diese merkwürdige “Inklusion” einsetzt. Eben dies tut Clemens Knobloch im verlinkten Text. Ob seine Thesen stimmig sind, kann jeder selbst entscheiden.

        • @Martin Cuno
          Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Herr Cuno, hier gibt es ein paar Leute, die einem ständig das Wort im Mund herumdrehen, mit Unterstellungen und Diffamierungen arbeiten oder einen lächerlich machen, wenn ihnen eine Meinung nicht passt.
          Man könnte sagen: Alles, was nicht zur sog. politisch korrekten Propagandalehre passt, wird von ihnen platt gemacht.
          Stellen Sie sich künftig lieber auf solche Reaktionen ein. Am besten ist, sich gar nicht zu verteidigen und auf Antworten zu verzichten. Andere Leser verstehen Sie umso besser. Da machen Sie sich mal keine Sorge.

          • Bitte nennen Sie doch konkrete Namen und konkrete Beispiele und tun nicht so geheimnissvoll.

            Und “politisch korrekten Propagandalehre” und “platt machen” sind starke Worte, die unterstellen, diffamieren, das Wort im Mund herumdrehen.

            Meinten Sie also vielleicht sich selbst?

  10. Inklusion sieht konkret so aus: Mein Sohn ist entwicklungsverzögert und feinmotorisch nicht sonderlich gut. Ein Antrag auf Schulbegleiter wurde nach zwei Jahren hartem Kampf abgelehnt. Er sitzt mit 28 anderen Kindern ohne Handycap und einem Autisten in einer extrem lauten Klasse. Die Lehrer sind weder ausgebildet noch willens, sich hier zu engagieren. Eine Kraft von der Förderstelle geht bestenfalls mal stundenweise und auch nur sehr unregelmäßig zu meinem Sohn in die Klasse. Bei allem, was der Lehrerin nicht passt oder wozu sie keine Lust hat, wird Hendrik einfach aus dem Unterricht in den Trainingsraum geschickt. Er ist mehr draußen als drin. Die Regelschule will, dass er in eine Förderschule geht – diese hat ihn aber nach nur einem Jahr wieder in die Regelschule übergeben, weil er für die Förderschule zu gut sei. Keiner will dieses Kind. Mein Sohn fängt langsam an, Schule komplett zu verweigern. Das Ganze hat mit inklusivem Unterricht oder Chancengleichheit überhaupt nichts zu tun. So sieht das Ergebnis des hessischen Sparwahns aus!

  11. Horst Petersen

    Inklusion
    Der wievielte Schulversuch es auch ist, einer der dümmsten dürfte er auf alle Fälle sein. Bei der Inklusion handelt es sich vornehmlich um eine Sparmaßnahme! Nicht ausgebildete Lehrkräfte übernehmen -unzureichend flankiert von Förderschullehrern- die Beschulung von “I-Schülern”. Die Lehrkräfte der Förderschule sind meist nur max. 3 mal / wöchentlich mit völlig unzureichender Stundenzahl in der Regelschule vorhanden. Den Lehrkräften der Regelschule allein hingegen obliegt der Spagat zwischen dem Schulerfolg der Regelschüler und der behinderten Schüler in der Klasse. Während es in den Schulen gewaltig knirscht und die erhofften schulischen Erfolge in der Inklusion sich nicht einstellen wollen verbreiten Schulamt, Förderschule und Lehrerfortbildung eine rosarote Sicht der Dinge. Die Politik in meiner Heimatstadt in Hessen hat bereits dazu geführt, dass eine große Förderschule zum Flüchtlingsheim umgebaut wurde. Man ist wohl der Ansicht, dass die Zeit der Förderschulen dem Ende zugeht. Eher werden jedoch die bestehenden Schulsysteme in die Knie gehen und irgendwann infolge unzureichender finanzieller Ausstattung nur noch Mist produzieren. Den privaten Schulen kann langfristig eine rosige Zukunft prognostiziert werden!

    • Das bestehende Schulsystem wird nicht in die Knie gehen. Die neueste Maßnahme gegen unseren Sohn lautet Suspendierung vom Unterricht, weil er sich aufgrund ständiger Überforderung einfach unmöglich verhält. Das heißt für uns, dass wir uns von den anderen Schülern geben lassen müssen, was durchgenommen wurde, um den Stoff dann zuhause als Mutter-Sohn-Tandem zu erarbeiten – in allen Fächern!! Und das in einem Kreis, in dem die Schüler weit auseinander wohnen. Ich darf als Mutter also Gott weiß wo hinfahren, nur dass mein Sohn die ausgeteilten Arbeitsblätter bekommt. Hier wird durch die Hintertür das in Deutschland verbotene Homeschooling eingeläutet – wobei die Eltern dann zu 100% als Lehrer einspringen und sogar noch den Schulstoff organisieren müssen. Für die Schule ist das einfach: offiziell ist das Kind der Schule zugeordnet, der Schulpflicht ist also Genüge getan – inoffiziell wird alles an die Eltern abgedrückt, die kosten nämlich nichts.

  12. Dr. E. Meyerhof

    Geradezu erschreckend finde ich hier, wie sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Inklusion argumentieren. Und zwar vor allem dann, wenn sie selber Lehrer sind. Wie können sich die Vertreter dieses Berufsstandes nur selber so viele Steine in den Weg reden? Aus meiner Sicht stellt sich nur die Frage, ob heterogene oder homogene Klassen einfacher und effektiver zu unterrichten sind. Und jeder vernünftige Praktiker wird sich doch mit Blick auf seine eigenen zeitlichen und psychischen Ressourcen homogene Klassen wünschen, die ein zieldifferentes Unterrichten nicht erfordern. Ich kenne keinen Beruf, bei dem sich viele einen komplizierteren Arbeitsalltag geradezu herbeisehnen – außer anscheinend bei den Lehrern. Wie wäre es wohl, wenn man den Schornsteinfegern neben der Kontrolle der Heizungsanlagen auch noch mal eben das Ablesen der Stromzähler auferlegte – natürlich bei gleicher Arbeitszeit und gleicher Entlohnung? Vielleicht aufgrund ihrer besonderen Affinität zu Ableseergebnissen? Als Lehrer bin ich für eine ganz bestimmte Schulform ausgebildet und zuständig. Für die Schüler anderer Schulformen bin ich nicht zuständig und möchte es auch nicht sein. Für mich ist deshalb ganz klar, dass man einer Homogenisierung der Lerngruppen das Wort reden sollte. Diese lässt sich nur durch eine äußere Differenzierung erreichen, die es auszubauen und zu fördern gilt. Sogar Gewerkschaften und Berufsverbände der Lehrer schwingen sich zu Befürwortern der Inklusion auf. Angeblich – so deren Tenor – sei diese im Prinzip gut aber nur unzureichend umgesetzt. Vielleicht sollten sie bei anderen Gewerkschaften in die Lehre gehen, um z. B. bei der GdL zu erfahren, wie man die Interessen ihrer Mitglieder festlegt und durchsetzt, und ihre Aufgabe nicht als ein bildungspolitisches Mandat betrachten. Es mag sein, dass Inklusion für Förderschüler ein Mittel zu besseren Lebensbewältigung ist. Für mich ist aber Exklusion das bessere Mittel für meine Lebensbewältigung.

    • Ihrem Kommentar, Herr Dr.Meyerhof, stimme ich aus voller Seele zu.

    • Das setzt voraus, dass es “homogene” Klassen gibt. Gibt’s die denn? Oder ist das nur eine Schimäre?

      • Die gäbe es (halbwegs) an einem dreigliedrigen Schulsystem oder an einer entsprechend intern differenzierenden Gesamtschule. Allerdings bei einem prozentualen Verhältnis HS-RS-GY=30-40-30 und nicht wie aktuell 10-30-60. Gleichzeitig könnte man dann auch wieder halbwegs anständige Abschlussklausuren konzipieren.

      • “Homogene” Klassen brauche ich nicht und kriege ich auch nicht. Ich brauche Klassen mit einer Bandbreite der Fähigkeiten, die einen geordneten, wirksamen und für Kinder und Lehrer angenehmen bzw. wenigstens erträglichen Unterricht erlauben. Der Rest ist Sache der Erfahrung. Bei einer zu großen Spreizung der Abstraktionsfähigkeit oder der Lernbereitschaft oder anderer Lernfaktoren gelingt es nicht mehr, dass alle etwas lernen können. Darum war die Einteilung in “Klassen” historisch der große Sprung zu einem effektiveren Unterrichten. (Lesen Sie mal Jan Amos Comenius).
        Aber es interessiert mich, wie Sie Ihren Unterricht organisieren. Möchten Sie das etwas beschreiben?

        • In Ihrem zweiten Satz haben Sie meine Definition von Homogenität bei Schulklassen sehr treffend beschrieben, in Ihrem vierten Satz meine Befürchtung bei konsequent vermurkster Inklusion und Gleichmacherei wie sie von der Politik angestrebt wird.

  13. Eben, halbwegs. Bestenfalls. Warum etwas nachlaufen, was ohnehin nur in schlichten Modellen der Verteilung von Schülerpotenzialen existiert?

    • Die von Ihnen favorisierte Alternative kann auch wie folgt aussehen (heute gehört):

      lebhafte Regelschulklasse mit mehreren Inklusionskindern
      Bei den Inklusionskindern gibt es einen hochintelligenten Asperger-Autisten und einige lernbehinderte Kinder. Der Autist ist vom Lärmpegel massiv gestört und intellektuell genauso massiv unterfordert, die lernbehinderten Kinder derart überfordert mit dem Material, der Situation o.ä., dass sie laufend mit der flachen Hand auf den Tisch schlagen.
      Der Autist ist von sich aus ruhig, fühlt sich in der Klasse aber überhaupt nicht wohl.

      Eine solche gemischte Klasse ist offen für alle, aber nicht sinnvoll für jeden. Beachten Sie meine Wortwahl, die Politik tut das zu selten. Leider springen Sie auf den Politikerzug auf.

      (Ich habe schon mehrere Asperger-Autisten kennengelernt. Mit ausnahmslos allen konnte man super arbeiten, sind super angenehme Menschen. Es dauert nur ein wenig, bis sie sich an neue Situationen gewöhnen, das ist auch alles. Ich gehe sogar so weit, dass eine gesunde Portion Asperger-Syndrom dem Leben mehr nutzt als schadet.)

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