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Die KMK legt eine Strategie zur digitalen Bildung vor – und vergisst dabei die Ausstattung

BERLIN. Die Kultusministerkonferenz hat den Entwurf einer Strategie vorgelegt, mit der sie die Schulen in Deutschland digitalisieren möchte. Titel des 40-seitigen Papiers, das der „Rheinischen Post“ bereits vorliegt: „Bildung in der digitalen Welt“. Wie das Blatt berichtet, formulieren darin die  Bildungsminister und -senatoren der 16 Bundesländer, wie sie etwa den Unterricht, die Lehrerausbildung und die Nutzung von Bildungsmedien den „Herausforderungen der Digitalisierung“ anpassen wollen. Allerdings: Wie die technische Ausstattung finanziert werden soll, dazu findet sich so gut wie nichts in dem Entwurf.

Digitale Bildung? Die KMK meint: Ja, bitte - sagt aber nichts zu den Kosten. Foto: Thiago Marquez (CC BY-NC-SA 2.0)

Digitale Bildung? Die KMK meint: Ja, bitte – sagt aber nichts zu den Kosten. Foto: Thiago Marquez (CC BY-NC-SA 2.0)

Man stelle sich einen Architekten vor, der ein zu bauendes Haus entwirft, dabei seine Pläne in den schönsten Farben malt und in Gedanken die edelsten Materialien verwendet – aber die Kostenfrage komplett außen vor lässt und dem Bauherrn auf Nachfrage lapidar mitteilt: Ums Geld kümmern wir uns später, irgendwann mal. Unverantwortlich? Zumindest wenig vertrauenserweckend. Das muss wohl auch für die digitale Agenda der Kultusministerkonferenz (KMK) gelten, die nun in einer Entwurfsfassung vorliegt, in den kommenden Monaten mit den „Stakeholdern“ (also betroffenen Interessengruppen und dem Bundesbildungsministerium) diskutiert werden und dann bis Ende des Jahres verabschiedet werden soll.

In dem Papier heißt es laut „Rheinischer Post“, „neben die traditionellen Kulturtechniken Rechnen, Lesen und Schreiben“ trete nun „der kompetente Umgang mit digitalen Medien“. Der Einsatz digitaler Werkzeuge im Unterricht sei kein Selbstläufer, schreibt die KMK, „ebenso wenig wie der Besitz eines Smartphones schon zu mehr Bildung führt“. Das ist zweifellos richtig, andersherum gilt aber auch:  Ohne technische Ausstattung gibt es keine digitale Bildung.  Wie die KMK die technische Ausstattung der Schulen vorantreiben will, soll bis Herbst 2016 auch mit der Wirtschaft besprochen werden, so ist laut Zeitungsbericht in dem Entwurf zu lesen. Ansonsten gebe es dazu keine weiteren Angaben.

Schwerpunkte der Strategie seien die Unterrichtsgestaltung und Weiterentwicklung der Lehrerausbildung. Die KMK sei der Auffassung, „dass zumindest in den weiterführenden Schulen mittelfristig jede Schülerin, jeder Schüler jederzeit, wenn es aus pädagogischer Sicht im Unterrichtsverlauf sinnvoll ist, über digitale Hilfsmittel sowie über den Zugang zum Internet verfügen sollte.“ Alle Unterrichtsfächer seien davon betroffen, Schülern die „notwendigen Kompetenzen für ein Leben in einer digitalen Welt zu vermitteln“. Damit, so schreibt die „Rheinische Post“, spreche sich die KMK indirekt gegen das Konzept aus, die Vermittlung digitaler Medienkompetenz in einem einzelnen Schulfach zu bündeln. Die Idee, Programmieren als Schulfach verpflichtend einzuführen – wie von der SPD gefordert –, tauche in dem Papier nicht auf.

Die KMK-Präsidentin und Bremer Schulsenatorin Claudia Bogedan (SPD) sagt dazu: „Die Nutzung digitaler Medien kann zu einer Verbesserung der Unterrichtsqualität beitragen. Entscheidend ist dabei nicht, wie häufig oder wie lange die digitalen Technologie genutzt werden, sondern dass sie mit der bestehenden Didaktik klug verknüpft werden.“

Sechs Handlungsfelder

Microsoft-Managerin Renate Radon (der das unveröffentlichte Papier offenbar ebenfalls bereits vorliegt) würdigt die vorliegende Strategie: „Dem Entwurf der Kultusminister liegt (..) ein umfassendes und modernes Verständnis von Kompetenzen in einer digitalen Welt zugrunde. So soll die digitale Bildung generell in pädagogische Konzepte eingebunden werden, in denen das Lernen im Vordergrund steht“, schreibt sie in ihrem Blog. „Das Konzept zielt außerdem auf sechs Handlungsfelder ab; erstens die Bildungspläne und Unterrichtsentwicklung sowie curriculare Entwicklungen; Aus-, Fort- und Weiterbildung von Erziehenden und Lehrenden; Infrastruktur und Ausstattung; Bildungsmedien und Content; E-Government, Schulverwaltungs-Programme, Bildungs- und Campus-Managementsysteme; sowie sechstens die rechtlichen und funktionalen Rahmenbedingungen.“

Sie weist allerdings auf ein weiteres ungeklärtes Problemfeld hin: den Datenschutz. Der stelle häufig noch eine „scheinbar unüberwindliche Hürde“ dar. „Das lässt sich beispielsweise an den Diskussionen erkennen, die Pilotprojekte wie das digitale Klassenbuch (Berlin) auslösen.“

Was die fehlenden finanziellen Grundlagen des Konzepts angeht, zeigt sich Radon hingegen verständnisvoll: „Der Strategie-Entwurf geht bereits sehr konkret auf die Anforderungen an Lehrpläne oder die Aus- und Weiterbildung von Pädagogen und Lehrkräften ein, klammert aber wichtige Fragen wie Infrastruktur, Finanzierung und Verwaltung noch aus. Verständlich, dass man diese Fragen in einem gesonderten Prozess mit kommunalen Spitzenvertretern klären möchte, schließlich spielen die Kommunen bei der praktischen Umsetzung aller Vorhaben eine entscheidende Rolle.“

Wie bitte? Auf die Kommunen soll es bei der Digitalisierung der Schulen ankommen? Zur Erinnerung: Die Kommunen sind in Deutschland auch für die Schulgebäude zuständig – und haben einen Sanierungsstau von zusammen mittlerweile 32 Milliarden Euro zu verantworten. Für die Schulen in vielen Städten und Gemeinden bedeutet das: gravierende Baumängel von bröckelndem Putz über Fenster, die sich nicht öffnen lassen bis hin zu völlig unbrauchbaren Toiletten oder ganzen Räumen oder Gebäudeteilen, die nicht mehr betreten werden können.

Ein Sparmodell?

Soll die digitale Bildung – wie zuvor schon G8 und die Inklusion – etwa als Sparmodell für notleidende Kommunen und sparwillige Bundesländer eingeführt werden? Ganz abwegig scheint der Gedanke nicht zu sein. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) schlägt bereits den Bogen zu den Problemen, vor denen die Schulen derzeit stehen: „Mit digitaler Bildung können wir aktuelle bildungspolitische Herausforderungen wie die Integration von Flüchtlingen und die Inklusion besser bewältigen“, erklärt sie in einer aktuellen Pressemitteilung.

Was sie dabei nicht sagt: Ihr Ministerium ist bereits dabei, einen besonderen Aspekt der digitalen Bildung voranzutreiben: die offenen Lernmittel OER (Open Educational Ressources) – eine Art Schulbuch-Wikipedia, das perspektivisch von Lehrern gespeist und von Schulen genutzt werden soll. Unentgeltlich natürlich. Für die Kommunen, die für Schulbücher jährlich eine halbe Milliarde Euro aufwenden müssen, tatsächlich eine nette Sparperspektive. Andrej Priboschek, Agentur für Bildungsjournalismus

Zum Bericht: Neue KMK-Chefin will digitale Bildung voranbringen – mit den Smartphones der Schüler

45 Kommentare

  1. Werden hier überhaupt Forschungsergebnisse zu digitalem Lernen berücksichtigt???

  2. Was für Forschungsergebnisse meinen Sie? ICILS hat beispielsweise ergeben, dass sich Medienkompetenz keinesweg „von selbst“ entwickelt, wie ja bei den sogenannten „digital natives“ gerne angenommen wird – es braucht Anleitung, und die lässt sich ja nicht offline bewerkstelligen.

    Wenn Sie Untersuchungen zur Wirksamkeit digitaler Lernmittel meinen, dann gibt es eine klare Tendenz: Es kommt drauf an … Digitale Lernmittel sind halt keine Zauberkästen, die ohne einen guten Unterricht funktionieren würden. Andersherum gilt: Gut und sinnvoll eingesetzt, erweitern digitale Lernmittel die Möglichkeiten von Lehrkräften enorm.

    Einen guten Überblick gibt diese aktuelle Studie (ich weiß, ist von der Bertelsmann Stiftung – die Autoren und der Inhalt sind aber seriös, und eine kritische Betrachtung wird nicht ausgespart): https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_IB_Wirksamkeit_digitale_Medien_im_Unterricht_2014.pdf

    • Ich meine, dass generell die Möglichkeiten digitaler Lernmittel überschätzt werden, dass Lernen mit e-Books im Gegensatz zu analogen Büchern schlechter ist, dass damit Laptop-Klassen überflüssig werden usw.
      Natürlich erweitern digitale Lernmittel die Möglichkeiten enorm, hat das Sprachlabor für Sprachlehrer aber auch. Weiteres Problem „gut und sinnvoll eingesetzt“ ist leider ein zu schwammiger Begriff. Befürworter des digitalen Lernens werden immer Behaupten können, dass, falls digitales Lernen nicht den erwünschten positiven Effekt zeigt, es nicht sinnvoll und gut genug war.
      Natürlich entwickelt sich Medienkompetenz nicht von selbst, genauso wenig wie Alkoholkompetenz. Wird deshalb mit Grundschülern in Kneipen gegangen?

      • Ich habe nix gegen dein Einsatz von Computern im Unterricht, man sollte nur auf dem Boden bleiben, die Möglichkeiten nicht überschätzen. Warum sollte man Kinder an ein Medium heranführen, dass viele Gefahren birgt. Zu viel Facebook macht depressiv, zu viel Smartphone macht kurzsichtig, das Smartphone zu spät am Tag genutzt macht schlechten Schlaf, damit müde und damit lernt das Gehirn schlechter usw.
        Das einzige Lernziel eines Medienkompetenztrainings für junge Schüler ist doch dann, dieses so wenig wie möglich einzuschalten.

        • Naja, der Vergleich mit Alkohol hinkt doch sehr. Ohne Alkohol lässt sich gut leben. Kein heutiger Schüler aber wird in seiner späteren Berufstätigkeit ohne Computer auskommen – und Medienkompetenz, also die Fähigkeit, zwischen seriösen und nicht-seriösen Informationen zu entscheiden, ist die Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts. Und wer, außer der Schule, sollte diese vermitteln? Die Funktionsweise von Google, Wikipedia und Co lässt sich aber nunmal nicht ohne Bildschirm erklären.

          Wenn Sie sich mal hier im Forum umschauen: Wie viele (Lehrer) verweisen immer wieder auf dubiose Quellen, können offenbar Meinung nicht von verifizierter Information unterscheiden? Schauen Sie sich das Gehetze und Gemobbe auf Facebook an: Wie viele Menschen kennen die Grundlagen digitaler Kommunikation nicht? ICILS hat ein besorgniserregendes Ausmaß von digitalem Analphebetismus unter deutschen Schülern offenbart – wir liegen damit auf einem Niveau mit Russland, weit hinter High-Tech-Nationen wie den USA, den Skandinaviern oder den Asiaten. Unser Wohlstand baut aber schon darauf, dass wir technisch mithalten können.

          Da mutet der Hinweis auf Medienmissbrauch, sorry, doch etwas altbacken an. Vor Comics und Fernsehen hat man seinerzeit ähnlich gewarnt. Umgekehrt ist es doch richtig: Gerade weil es Gefahren im Internet gibt, müssen Kinder und Jugendliche darauf vorbereitet werden. Und natürlich muss das dann passieren, wenn die Schüler mit den Medien konfrontiert werden – also altersgerecht schon in der Grundschule. Mittlerweile hat jeder 4. Viertklässler ein eigenes Smartphone, verfügt also über einen freien Internetzugang. Tendenz: stark steigend.

          Wir reden hier nicht über ein Spielzeug, das mal mehr, mal weniger zum Einsatz kommt. Wir leben in einem Zeitalter, in dem Computer unser aller Leben prägen – und das der Schüler noch viel mehr als unseres. Darauf muss die Schule schon Antworten geben, sonst wird sie von den Schüler bald nicht mehr ernst genommen.

          • Es lebe der uneingeschränkte Fortschrittsglaube!

          • Es leben die sinnfreien Kommentare. Können Sie auch inhaltlich argumentieren? Es geht doch gerade nicht um naiven Fortschrittsglauben, sondern darum, die Entwicklung steuern zu müssen. Aber Nichtstun ist nicht steuern.

          • Welche Entwicklung meinen Sie? Die der Kinder oder die technische Entwicklung?

          • Die Entwicklung hin zu einer digitalen Gesellschaft. Die werden wir sowieso (wenn wir sie nicht schon sind), fragt sich nur: Was für eine?

          • Diese Vermittlung von Schlüsselkompetenzen in Bezug auf spätere Berufstätigkeit haben aber nichts mit der Nutzung von Tablets im Deutschunterricht zu tun.

            Wenn es um die berufliche Vorbereitung geht, dann gehört zu der Vermittlung von Schlüsselkompetenz, dass Vermitteln technischer Aspekte und guter Informatikunterricht (oder NaWi oder oder). Mit einem Tablet im Unterricht ‚rumzuspielen‘ bringt da auf irgendeine spätere Berufstätigkeit gar nichts.

            „Dubiose Quellen“ und fehlendes kritisches Denken ist nicht an Computer gebunden, sondern sollte auch „offline“ und „analog“ berücksichtigt werden.

          • Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine Altersbeschränkung für Smartphones.

  3. Es geht nicht um Nichtstun – es geht darum über die Gefahren aufzuklären. Dafür braucht man die Geräte nicht. Gute von schlechten Quellen musste man auch im Vor-Internet-Zeitalter, dieses Thema ist also nicht an den Billdschirm gebunden. Für diese Unterscheidung ist vor allem eines Nötig: Wissen, auch dieses ist nicht an den Bildschirm gebunden.
    Die Anwendersoftware ist mittlerweile so benutzerfreundlich, dass ein halbwegs intelligenter Neuntklässler nicht mal eine Stunde benötigen dürfte, die Funktionsweise von Wikipedia, Google und Co zu verstehen. (Funktionsweise verstehen != Gute von schlechten Quellen unterscheiden)
    Allein das Programmieren scheint mir ein sinnvoller Unterrichtsinhalt zu sein, da es sich bei Programmiersprachen ja laut IT-Experten um die wichtigsten Fremdsprachen der Zukunft handelt.

  4. Es gibt grundsätzliche Unterschiede zwischen gedruckten und digitalen Quellen. Ein Buch oder eine Zeitschrift durchlief stets einen Produktionsprozess, an dem viele Menschen (ein Verlag, eine Redaktion) beteiligt war. Sie konnten früher also direkt von der Quelle auf die Qualität schließen. Beim Brockhaus mussten Sie den Inhalt nicht hinterfragen. Heute gibt es aber keinen Brockhaus mehr. Heute gibt es die „Schwarm-Intelligenz“.

    Wie wollen Sie denn Schülern die Idee der Schwarm-Intelligenz mit Büchern erklären? Wo liegen die Probleme des Konzepts? Wie wollen Sie bespielsweise den Lobbyismus in Wikipedia anschaulich machen, ohne ins Internet gehen zu können? Wie wollen Sie erklären, nach welchen Kriterien Google Suchergebnisse individuell zusammenstellt? Was landet oben, was unten? Wie suche ich überhaupt gezielt im Internet? Und woran sollen Schüler seriöse Internet-Quellen erkennen, wenn ihnen diese niemand zeigen kann? Erkären Sie Excel und andere für Schule und Studium wichtige Programme dann theoretisch? Welche Spuren hinterlasse im im Internet? Stichwort: Datenschutz – was muss ich beachten? Ist Kommunikation im Netz privat? Ohnehin: Wie kann ich über das Netz mit anderen zusammenarbeiten?

    Die Anwendersoftware bedienen zu können und die im Hintergrund laufenden Prozesse (samt der daraus resultierenden Ergebnisse) zu verstehen – das ist Zweierlei, und es bedarf der Erfahrung und des praktischen Umgangs mit dem Medium, um die Tücken erkennen zu können. Ein bisschen kurios: Oben warnen Sie vor den großen Gefahren des Internets, unten meinen Sie, die Schüler hätten das alles nach einer Stunde drauf. Die Studie ICIL zeigt ja: Sie haben es nicht drauf.

    • „Es gibt grundsätzliche Unterschiede zwischen gedruckten und digitalen Quellen. Ein Buch oder eine Zeitschrift durchlief stets einen Produktionsprozess, an dem viele Menschen (ein Verlag, eine Redaktion) beteiligt war. Sie konnten früher also direkt von der Quelle auf die Qualität schließen. Beim Brockhaus mussten Sie den Inhalt nicht hinterfragen.“

      Und da fängt das Problem doch schon an. Warum sollte ich nicht etwas hinterfragen, nur weil Brockhaus, Zeit, taz, Junge Freiheit, Kopp, Welt, Spiegel, Stern darüber steht oder gerade deswegen?
      Die Welt ist eben nicht nur binär.

      „Wie wollen Sie denn Schülern die Idee der Schwarm-Intelligenz mit Büchern erklären? Wo liegen die Probleme des Konzepts? Wie wollen Sie bespielsweise den Lobbyismus in Wikipedia anschaulich machen, ohne ins Internet gehen zu können? Wie wollen Sie erklären, nach welchen Kriterien Google Suchergebnisse individuell zusammenstellt? Was landet oben, was unten? Wie suche ich überhaupt gezielt im Internet? Und woran sollen Schüler seriöse Internet-Quellen erkennen, wenn ihnen diese niemand zeigen kann?“

      Für alles was sie nannten reicht mir eine Tafel und die Diskussionsbereitschaft der Schüler.

      „Erkären Sie Excel und andere für Schule und Studium wichtige Programme dann theoretisch?“

      Genau hier machen sie ja schon den nächsten Fehler. Schule soll gerade keine Produktschulung sein. Ja, man kann Schülern wirklich Officeprogramme lehren, ohne sich auf bestimmte Hersteller fokussieren zu müssen.

      „Welche Spuren hinterlasse im im Internet? Stichwort: Datenschutz – was muss ich beachten? Ist Kommunikation im Netz privat? Ohnehin: Wie kann ich über das Netz mit anderen zusammenarbeiten?“

      Und nochmal: Wozu brauchen sie dafür Computer im Unterricht? Das sind Offline(zu vermittelnde)-Themen, bei denen sie, meiner Meinung nach, sogar die Computer ausgeschaltet haben müssen damit sich die Schüler nicht abgelenkt werden.

      • Na, da werden Sie die Schüler sicher sehr ernst nehmen, wenn Sie mit der Kreide in der Hand Google-Suchergebnisse an der Tafel simulieren.

        Zeigen Sie mir einen einzigen Wissenschaftler in der Welt, der heute ohne Computer forscht. Wie wollen Sie jungen Menschen denn Wissenschaft nahebringen, bei Ihnen Interesse für Wissen wecken, wenn Sie wie in einem Schulmuseum auftreten? Haben Sie sich mal Klassenzimmer in den USA, in UK, den Niederlanden oder Skandinavien angeschaut? In Südkorea gibt’s gar keine gedruckten Schulbücher mehr. Und was bieten wir? Verranzte Leihexemplare, die schon durch zig Schülerhände gegangen sind.

        Schule sollte schon Realität abbilden – und zur Realtät gehören digitale Medien nun mal dazu.

        • „Na, da werden Sie die Schüler sicher sehr ernst nehmen, wenn Sie mit der Kreide in der Hand Google-Suchergebnisse an der Tafel simulieren.“

          Was wollen sie denn an Google-Suchergebnissen simulieren? Sie brauchen nichts zu simulieren, sondern müssen erklären wie Suchergebnisse generiert werden und manipuliert werden. Sie können die Schüler ja gerne wochenlang „simulieren“ lassen, aber das nützt alles nichts, wenn sie ihnen erklären was im Hintergrund passiert.

          „Zeigen Sie mir einen einzigen Wissenschaftler in der Welt, der heute ohne Computer forscht. Wie wollen Sie jungen Menschen denn Wissenschaft nahebringen, bei Ihnen Interesse für Wissen wecken, wenn Sie wie in einem Schulmuseum auftreten? Haben Sie sich mal Klassenzimmer in den USA, in UK, den Niederlanden oder Skandinavien angeschaut? In Südkorea gibt’s gar keine gedruckten Schulbücher mehr. Und was bieten wir? Verranzte Leihexemplare, die schon durch zig Schülerhände gegangen sind.“

          Bei Wissenschaftlern ist der Computer aber nur ein Werkzeug und als genau das sollte er auch genutzt werden. Das unterscheidet sich auch nicht vom Unterricht, wo der Computer als Werkzeug, als Hilfe etc. genutzt werden kann. Die Naivität jedoch, man mache Schüler zu High-Tech-Experten, nur weil sie ein bisschen Klickibunti machen, kann sogar kontraproduktiv sein.

          Ich wiederhole einfach einmal einen Satz des bekannten Informatiker E. W. Dijkstra „In der Informatik geht es genauso wenig um Computer wie in der Astronomie um Teleskope“.

          „Schule sollte schon Realität abbilden – und zur Realtät gehören digitale Medien nun mal dazu.“

          Und sie glauben allen Ernstes, dass die Schüler sie brauchen um WhatsApp und Facebook zu bedienen?
          Haben sie sich auch schon überlegt, dass das vermittelte Wissen im Unterricht nachhaltig sein sollte? Es nützt den Schülern absolut nichts, wenn man als Lehrer jedem Hype hinterherjagt.

          • „wenn sie ihnen NICHT erklären was im Hintergrund passiert.“

          • Ich hörte schon von Schülern, die ein, am PC getipptes „Werk“ mit vielen Rechtschreibfehlern abgegeben haben. Die Schüler haben einfach die Rechtschreibkorrektur ignoriert.

        • „Jedem Hype hinterherjagen“ – die Bemerkung ist gut. PCs gibt’s ja erst seit 40 Jahren, und in Deutschland werden Computer so selten im Unterricht eingesetzt wie in keinem anderen der bei ICILS untersuchten Ländern.

          Die Technik ist natürlich kein Selbstzweck. Die Möglichkeiten sind aber enorm – ob Sie in den Naturwissenschaften Versuche ohne aufwendiges Auf- und Abbauen zeigen (und an entscheidenden Stellen auch mal stoppen) können, ob Sie in Geschichte mit Filmdokumenten arbeiten können, ob Sie im Fremdsprachenunterricht Kontakte zu Schülern im Ausland herstellen und in Sekundenschnelle kommunizieren können, ob Sie in Biologie Tiere und ihr Verhalten so zeigen können, als wären Sie für die Aufnahmen tagelang durch irgendeinen Sumpf gekrochen, ob Schüler in Mathe interaktiv arbeiten können ohne erst lange auf ein Feedback des Lehrers warten zu müssen …

          Klar, geht alles auch theoretisch. Schwimmen kann man wahrscheinlich auch ohne Wasser lernen, zumindest die Bewegungen lassen sich hinbekommen. Ob’s dann aber reicht, um tatsächlich den Kopf über Wasser zu halten?

          • Noch einmal, ich bestreite gar nicht, dass Computer schlecht sind, das Gegenteil ist sogar der Fall, aber es wird immer so getan, wenn ich diese Artikel lese, als ob wir nur Tablets in jedem Fach einsetzen müssten und dann könnten wir uns den Informatikunterricht sparen, weil ja dann alle Schüler voll die Cracks mit Computern werden und genau das ist falsch.

            Zu einer guten Ausbildung im Bereich Informatik, Medien usw. gehört auch eine fundierte theoretische Ausbildung, ganz altmodisch auf einem Blatt Papier oder an der Tafel.

            Genauso können Computer eben nicht alle Versuche ersetzen, sondern nur eine Ergänzung bieten. Glauben sie wirklich, dass der Lerneffekt auf einem Bildschirm genauso im Gedächtnis haften bleibt als wenn ich ein Glühlampe mittels Kartoffel zum Leuchten bringe oder einen Gegenstand mittels Magnetismus ’schweben‘ lasse?

            Gerade aber bei ihrem zweiten Abschnitt des mittleren Teils stimme ich ihnen zu, was die Stärken der computergestützten Ausbildung betrifft. Moodle, Ilias und wie sie alle heissen, können eine wunderbaren Beitrag leisten, aber eben als Ergänzung.

            Zum letzten Teil: sie werden wohl kaum ein Unterrichtsfach habe (also mir fällt keines ein), das keine theoretischen Anteile hat. Selbst der von ihnen genannte Schwimmunterricht hat seinen theoretischen Anteil.

          • Wo Sie gerade Mathematik und Schwimmen ansprechen:

            Gleichungen lösen kann man nur durch mehr oder weniger stupides Lösen von Gleichungen lernen. Die Bildungspolitik ist anderer Meinung und ersetzt diese mathematische Grundkompetenz durch sündhaft teure Taschenrechner.

      • Sie haben Recht, dass natürlich auch bei gedruckten Quellen die Seriosität der Information hinterfragt werden muss. Aber mal ehrlich: Wie viele Schüler (und Lehrer) in Deutschland nutzen heutzutage Wikipedia für den Unterricht – und wie viele davon betrachten kritisch die Ergebnisse? Lassen Sie mich mal schätzen: 100 Prozent (wenn wir die Grundschulen ausklammern) zu 0 Prozent?

        So, jetzt schauen Sie sich zum Beispiel mal den Beitrag in der Wikipedia über „Scientology“ an. Wer den wohl geschrieben hat? Mit solchem Info-Müll werden unsere Schüler heute meistens alleingelassen – es sei denn sie haben das Glück, von besonders engagierten Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet zu werden, die sich des Themas Medienerziehung annehmen. Davon gibt’s gottseidank immer mehr, aber auch sie stoßen ohne Ausstattung an enge Grenzen.

        • Ich widerspreche ihnen ja gar nicht, wenn es darum geht kritisch zu hinterfragen, sondern erweiterte das ja sogar noch in Bezug auf ihr „wird ja redaktionell geprüf“ und „bei den Namen gibt es kein Hinterfragen mehr“.

          Nur, um jetzt nicht zu weit vom Thema abzuweichen, warum brauchen sie dafür unbedingt einen Computer? Was macht ihn so alternativlos? Könnten sie den Text nicht auch ausdrucken/an die Wand projezieren etc. und dann durchgehen, erklären, diskutieren, aufzeigen, vergleichen, … ?

          • Weil Computer im Unterricht eine Fülle von Möglichkeiten bieten (siehe mein Beitrag oben).

            Aber ich glaube, wir sind gar nicht so weit voneinander entfernt – ich will ja gar keinen Computereinsatz dauernd und um jeden Preis. Aber die Instrumente (wie Sie richtig sagen – mehr sind Computer ja nicht) zu verteufeln, damit machen wir Erwachsene (die wir den Computer ja auch ständig nutzen – Sie posten ja selbst fröhlich hier in ein Internet-Forum) uns doch ein bisschen lächerlich, oder?

          • „Aber die Instrumente (wie Sie richtig sagen – mehr sind Computer ja nicht) zu verteufeln, damit machen wir Erwachsene (die wir den Computer ja auch ständig nutzen – Sie posten ja selbst fröhlich hier in ein Internet-Forum) uns doch ein bisschen lächerlich, oder?“

            Ich verteufle nichts, schließlich ist Informatik mein täglich Brot, aber ich verfolge die Diskussion und mir drängt sich unweigerlich der Gedanke auf, dass Computer als Wundermittel gegen Probleme herhalten sollen (fehlende Motivation, Lernschwäche, Unruhe im Unterricht, Langeweile), die überhaupt nichts mit Computern zu tun haben und nebenbei Unternehmen zukünftige Kunden generieren und binden wollen (Tablets nur von Apple, Software nur von Microsoft usw.).

    • Die Kriterien, nach denen Google seine Ergebnisse liefert sind ein Firmengeheimnis. Wie soll ich diese Kriterien meinen Schülern erläutern?

    • „Oben warnen Sie vor den großen Gefahren des Internets, unten meinen Sie, die Schüler hätten das alles nach einer Stunde drauf. Die Studie ICIL zeigt ja: Sie haben es nicht drauf.“

      Was ist jetzt so schwer daran, bei Google Suchbegriffe einzugeben – ich versteh es einfach nicht, helfen sie mir. Die Kunst ist doch die richtigen Begriffe einzugeben, nicht das Eingeben – also die Funktionsweise selber, oder irre ich mich?

      • Es geht doch nicht ums Eingeben – es geht um die Ergebnisse.

        Hier mal ein Beitrag, der das Problem anhand eines Beispiels erkennen lässt: http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article124160321/Die-zerstoererische-Macht-des-Google-Algorithmus.html

        Zitat daraus: „Die wenigsten Suchenden im Netz machen sich die Mühe, über Googles erste zehn Treffer hinauszuscrollen.“ Heißt: Die Relevanz von Informationen wird von der Reihenfolge, in denen Suchmaschinen sie listen, maßgeblich beeinflusst.

        Mal überspitzt ausgedrückt: Wenn ich nach „Pute“ suche, bekomme ich zunächst allerlei Rezepte – dass es sich um ein Tier handelt (die eigentlich relevante Basisinformation also), erfahre ich erst viel weiter hinten, wohin wohl nie ein Sucher gelangen wird. Sowas sollten junge Menschen, die täglich mit Suchmaschinen umgehen und ihr Weltbild aus den Ergebnissen ableiten, schon wissen und verinnerlicht haben, oder?

        Hier ein Interview, das das Problem gut umreißt: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/debatte-um-wissensmonopol-google-bestimmt-unser-weltbild-a-775516.html

        • Überspitzte Antwort auf Ihr überspitztes Beispiel „Pute“:

          Erst das fünfte Suchergebnis ist die erste Rezepteseite, das erste ist die wikipedia über das Tier. Die deutsche wikipedia ist bei naturwissenschaftlichen Themen relativ brauchbar, teilweise für Schüler schon übertrieben.

          Ich weiß aber, worauf Sie hinaus wollen und gebe Ihnen dahingehend recht. Bei yahoo, bing usw. dürfte das Suchergebnis nicht nennenswert anders aussehen.

        • Sie sprachen von der Funktionsweise.

        • Um Ergebnisse beurteilen zu können brauche ich Wissen. Was nützt es hunderte Suchanfragen abzuschicken, kann ich damit Wissen üben?

          • Sie brauchen Wissen, ja. Aber sie brauchen mehr: Medienkompetenz.

            Mit dem Wissen, das heute in der Schule vermittelt wird, werden die Schüler von heute kaum im Laufe ihres Lebens auskommen. Heißt: Sie müssen, um erfolgreich sein zu können, jahrzehntelang eine Unmenge an Informationen und Wissensgebieten aufnehmen und beurteilen. Was das inhaltlich ist, können wir heute aber noch gar nicht absehen. Deshalb müssen wir sie fit dafür machen, sich auch selbst neue Wissensgebiete erschließen zu können, und das geht nur, wenn sie wertvolle Informationen von Info-Müll unterscheiden lernen.

          • Es ist mir schleierhaft, wie man sich mit Medienkompetenz neue Wissensgebiete erschließen soll. Neue Wissensgebiete erschließe ich mir mit Wissen. Medien können dazu ein Werkzeug sein. Wie gesagt, das Erlernen der Handhabung dieses Werkzeugs stellt aber nicht das Problem dar.

          • Vielleicht reden wir an einander vorbei. Definieren Sie bitte mal, was Sie unter Medienkompetenz verstehen?

          • Erst mal wissenschaftlich:

            „Medienkompetenz meint grundlegend nichts anderes als die Fähigkeit, in die Welt aktiv aneignender Weise auch alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Handlungsrepertoire von Menschen einzusetzen.“ Professor Dr. Dieter Baacke (1934 – 1999)

            „Ähnlich wie beim Erlernen einer Sprache geht es bei der Vermittlung von Medienkompetenz nicht darum, einfach eine Reihe von technischen Fertigkeiten zu lernen, um z. B. einen Computer oder ein Handy verwenden zu können. Es geht vielmehr auch darum, das Lernen zu lernen, um sich neue Fähigkeiten und neues Wissen im Bereich Medien selbst zu erschließen. Zu den weiteren Zielen gehört es, die eigene Mediennutzung zu reflektieren und die Entwicklungen im Bereich Medien kritisch zu verfolgen.“ (Quelle: http://www.medienkompetenzportal-nrw.de/grundlagen/begriffsbestimmung.html)

            Und jetzt noch mal praktisch:

            Vielleicht hilft ein weiterer Vergleich, um deutlich zu machen, worum es geht: Auch Autofahren lernt niemand nur theoretisch. Dabei ist die Bedienung des Fahrzeugs schnell erklärt, und die Kenntnis der Verkehrsregeln (= Wissen) ist die Grundlage. Selbst ein zusätzlicher Kurs in Automechanik (= Informatik, Programmieren) ersetzt dann aber nicht die praktische Anleitung. Warum? Autofahren ist relativ komplex, weil in kürzester Zeit unter sich ständig wechselnden Bedingungen viele Entscheidungen zu treffen sind, und zwar richtige – eine einzige falsche Entscheidung kann schließlich fatale Konsequenzen haben. Fahrschüler müssen deshalb praktische Fahrstunden in unterschiedlichen Situationen (Autobahnfahrt, Nachtfahrt etc.) absolvieren, und trotzdem sind Führerschein-Neulinge immer noch eine Hochrisikogruppe auf der Straße. Es fehlt ihnen halt an Erfahrung.

            Das Arbeiten im und mit dem Internet (wohlgemerkt: nicht das darin Herumspielen) ist noch deutlich komplexer, weil es kaum festgelegte Regeln gibt – oder gravierend andere als in der analogen Welt. Um so wichtiger ist es, die Akteure und deren Rollen zu kennen, und weil die zahlreich sind und sich je nach Themengebiet deutlich unterscheiden können, ist eine praktische Beschäftigung unter Anleitung (!) in möglichst vielen solcher Themenfelder notwendig, um Medienkompetenz entwickeln zu können.

            Eine pauschale Warnung vor den Gefahren des Internets bringt da wenig: Das Internet bietet ja auch eine Menge Chancen – jedenfalls für den, der sie erkennt und damit umzugehen weiß.

          • Autos dürfen auch erst ab 18 gefahren werden. Vielleicht sollten auch die digitalen Geräte erst ab einem bestimmten Alter zugänglich sein.

          • Wenn die Gehirne der Kinder weit genug entwickelt sind.

          • Es ist doch selbstverständlich, dass Medienerziehung altersgerecht geschehen muss. Eine allgemeine Regel, wann „die Gehirne der Kinder weit genug entwickelt sind“, gibt es aber nicht – es kommt dabei natürlich auf die Inhalte an.

            Und der Einwand ändert nichts an der Grundsatzfrage: Wenn Schulen Wissen und Bildung vermitteln wollen, kommen sie künftig am Internet nicht mehr vorbei.

    • Auch die Bild-Zeitung

  5. Wäre eine schöne Gelegenheit für den Autor gewesen, von den „CHANCEN“ der Digitalisierung an Schulen zu sprechen. Leider werden hier wieder die „Herausforderungen“ hervor gehoben. Immerhin geht es nicht gleich um „Probleme“…

  6. Was mir in der Diskussion über digitale Medien fehlt, ist der gesundheitliche Aspekt, der in meinen Augen eine wichtige Rolle spielt. Man kann eine übermäßige Computernutzung z.B. in den Zusammenhang bringen mit Haltungsschäden, Dauerrückenschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Störung des Schlafrhythmus, Bewegungsmangel, Augenschäden. Dies alles wird übertüncht durch die Forderung nach Digitalisierung.
    Die Forschungen diesbezüglich sind leider noch nicht so konstant, doch immer wieder gibt es Ergebnisse, die aufschrecken.

  7. Was mir fehlt, ist die Zeit:
    Die Rechnung, dass jedes Fach „mal eben“ noch ein bisschen „digitale Bildung“ mit übernimmt, geht nicht auf. Wer mit Kindern am PC arbeiten will, muss sie den Umgang lehren, denn „daddeln“ ist nicht „arbeiten“. Natürlich kann man Klassenfahrts-Tagebücher als Wiki schreiben oder andere Formen nutzen, ABER es braucht immer zusätzliche Zeit, die Medien vertraut zu machen und zu nuzen.

    Was mir auch fehlt, ist noch mehr Sinn und Verstand:
    Die „Herausforderungen“ mit Inklusion und Migration lösen sich doch nicht durch „digitale Bildung“. Ich kann einen PC zum Fördern einsetzen, wenn ich mir die Mühe mache, etwas Passgenaues zu suchen, das den Kindern beim Lernen oder Wiederholen hilft und Rückmeldung gibt. Klar. Aber „digitale Bildung“ ist das nicht.

    Und zum OER-PRojekt:
    Ich möchte die Lehrkräfte sehen, die unentgeltlich neben einem vollen Deputat mit sämtlichen zusätzlichen Aufgaben einschließlich Inklusion, Migration und dem zusätzlichen Aufgabenfeld „Digitale Bildung“ auch noch eine Plattform mit Inhalten füllen.
    Die das tun, findet man bei 4teachers… das läuft seit Jahren hervorragend 🙂
    Andere OER-Projekte, wie z.B. das von der BPB zum OER-Schulbuch Wirtschaft sind leider stecken geblieben.
    Wer Aufgaben und Arbeit verteilt, sollte die, die sie tun sollen, auch bedenken!

    Für Digitale Bildung braucht es Verlagerungsstunden zur Pflege/Wartung und zur Implementierung von Inhalten in Curricula oder zum Erstellen von Schulplänen UND Unterrichtszeit.
    Es braucht stabile Lösungen, die getestet sind, sodass sich nicht jede Schule selbst alles zusammenstellen und zusammensuchen muss und jedes Problem allein findet, ergründet und löst (Datenschutz, Sicherheit, Systempflege)
    Und es braucht dem Alter der Schüler angemessene Ausstattung, die dem Lernen nützt und nicht nur Gelder verbrennt. Die Arbeit mit PCs (oder anderen Geräten) soll nicht „schick“ sein, sondern dem Lernen dienen.

    Was ich mir zudem wünschen würde:
    Einen Studiengang „pädagogische Informatik“ … es gibt „medizinische Informatik“ und andere Fachrichtungen… warum gibt es nicht auch Informatiker, die sich mit Schulen, Bildung, Bildungsangeboten befassen?

    Wer Forderungen stellt und Lehrkräfte mit Arbeit überhäuft, sie dann aber mit allem alleine lässt, muss sich nicht wundern, wenn Lehrkräfte die Forderungen vor lauter Arbeit gar nicht mehr hören und sehen.

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