Startseite ::: Aus der Wirtschaft ::: Deutscher Schulleiterkongress: Warum die digitale Revolution noch lange auf sich warten lässt (an den meisten Schulen jedenfalls)

Deutscher Schulleiterkongress: Warum die digitale Revolution noch lange auf sich warten lässt (an den meisten Schulen jedenfalls)

DÜSSELDORF. Der renommierte Wissenschaftler Prof. Christoph Igel fordert auf dem 6. Deutschen Schulleiterkongress 2017 in Düsseldorf ein Umdenken bei der digitalen Bildung. Er sagt: „Nicht alle Schulen müssen vorrangig mit neuen Medien arbeiten“ – es reiche, wenn sich einzelne darauf spezialisieren.

Ohne pädagogisches Konzept kein sinnvoller Einsatz digitaler Lernmedien: Prof. Igel. Foto: privat

Ohne pädagogisches Konzept kein sinnvoller Einsatz digitaler Lernmedien: Prof. Igel. Foto: privat

Mit rund fünf Milliarden Euro will das Bundesbildungsministerium die Ausstattung der deutschen Schulen mit digitalen Lernmedien bundesweit fördern – und schürt damit Erwartungen an eine digitale Revolution im deutschen Bildungssystem. Obwohl darüber hinaus auch Bundesländer und Kommunen in Informationstechnologie an Schulen investieren wollen und die Kultusministerkonferenz (KMK) unlängst eine Strategie zur digitalen Bildung vorgelegt hat, wird sich der Unterricht nicht radikal verändern – jedenfalls nicht kurzfristig und nicht überall. Das meint Prof. Dr. Christoph Igel, Leiter der Forschungsgruppe Bildungstechnologien am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Er wird seine These auf dem Deutschen Schulleiterkongress 2017 vorstellen.

Eine Analyse zur „didacta“: Wie sich Lehrkräfte für digitale Technik gewinnen lassen – und wie sicher nicht

Prof. Igel macht zwei Probleme aus, die sich nicht kurzfristig in der Breite werden lösen lassen, um neue Technologien erfolgreich und sinnvoll in den Unterricht einbeziehen zu können. Erstens: „Wir wissen aus der Forschung, dass Ansätze zur digitalen Bildung nur funktionieren, wenn pädagogische Konzepte dahinterstehen. Schulen brauchen also Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen und das gilt nicht nur für die Schulleitung und die Lehrkräfte, sondern auch für die Eltern und Schüler. Das ist ein wesentlicher Punkt: Die digitale Bildung muss, damit sie funktionieren kann, Teil der Schulentwicklung sein.“ Und Schulentwicklung ist ein Prozess, der Jahre erfordert.

Zweitens ist die notwendige Ausstattung sehr kostspielig. Kommunen benötigen nicht nur finanzielle Mittel, um die erforderliche Infrastruktur (wie Breitbandanbindung, W-LAN und Endgeräte) bereitzustellen, sondern auch, um diese zu erhalten und regelmäßig zu erneuern. Igel: „Da reicht keine Einmalzahlung und vielen Kommunen fehlen schlicht die Mittel dazu.“

Was ist wichtiger: den Unterricht digital aufzurüsten – oder die maroden Schulgebäude instandzusetzen? Wanka: beides

Selbst wenn die Finanzierung gesichert ist, entscheiden am Ende immer noch die Schulen selbst, ob und wie sie sich umstellen. „Am Ende wird es in Deutschland einen Flickenteppich geben. Ähnlich wie heute schon werden einige Schulen die digitale Bildung als strategisches Element wahrnehmen und als Schwerpunkt hervorragend umsetzen. An anderen Schulen werden die Lehrkräfte neue Technologien, wenn überhaupt, nur minimal in ihren Unterricht einbeziehen“, so Igel.

Aus seiner Sicht stellt eine solche Entwicklung allerdings kein Problem dar, schließlich seien nicht alle beruflichen Tätigkeitsfelder komplett digitalisiert. „Das Handwerk wird Handwerk bleiben, auch wenn etwa neue digitale Messgeräte zum Einsatz kommen.“ Daher müssten nicht alle Schülerinnen und Schüler an einer IT-Schwerpunktschule lernen, aber bei Interesse sollten sie die Chance haben, diese zu besuchen. „So wie es möglich ist, von einer Regelschule auf eine Eliteschule des Sports zu wechseln, müsste der Übergang auf eine Profilschule für digitale Bildung möglich sein.“

Schulleitern, die die digitale Bildung in ihrer Schule umsetzen wollen, empfiehlt Igel, sich in ihrer Kommune ein Netzwerk aufzubauen, um die Aufgabe zusammen mit anderen Schulen anzugehen, eventuell auch gemeinsam mit Vereinen und städtischen Einrichtungen. „Wenn die Offenheit zu teilen besteht, verteilt sich die Last und alle profitieren.“ Dabei sei es notwendig, dass Thema selbstständig anzugehen: „Es wird niemand mit einem Masterplan kommen, der einen an die Hand nimmt und sagt: So soll der Unterricht in Zukunft aussehen.“

Prof. Dr. Christoph Igel wird seine These am 25. März 2017 von 10.45 bis 12 Uhr auf dem 6. Deutschen Schulleiterkongress vorstellen.

 

 

Ein Kommentar

  1. Die Sportgymnasien sonnen sich gerne mit den sportlichen Leistungen ihrer Schüler. Dieses Renommee und wahrscheinlich auch die Förderung durch den deutschen Sportbund ist ein Grund für die Finanzierung solcher Schwerpunktschulen. Wie das bei der Außenwirkung über digitale Bildung funktionieren soll, ist mir schleierhaft, weil sich die Vorzeigewirkung über sehr gute schulische oder gar naturwissenschaftliche Leistungen in Grenzen hält. Programme wie “Schüler an die Uni” oder “Jugend forscht” sind das Maximum. Allerdings lassen diese sich kaum so öffentlichkeitswirksam ausschlachten, dass es die enormen finanziellen Anstrengungen rechtfertigt.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*