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Kritik an der Inklusion, Lob für höhere Abschlüsse – GEW benotet die Bildungspolitik in NRW mit drei plus

BOCHUM. Mehr Licht als Schatten sieht die GEW in der Bildungspolitik von Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen. Gute Noten bekommen Kraft und Löhrmann etwa in Sachen Sitzenbleiberquote oder Abschlüsse. Keine Fortschritte sieht die Gewerkschaft beim Thema Chancengleichheit.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat der Bildungspolitik der rot-grünen Landesregierung seit 2010 Erfolge, aber auch Defizite bescheinigt. So gebe es nach wie vor zu wenig Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren, teilte die nordrhein-westfälische GEW am Freitag am Rande eines Bildungskongresses in Bochum mit. Auch stagniere der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem Bildungserfolg sei unverändert stark.

Fortschritte attestiert die GEW der Regierung etwa beim Abbau der Sitzenbleiberquote. Auch hätten mehr Schulabgänger mindestens einen mittleren Abschluss. «Befriedigend plus» sagte die Vorsitzende der GEW NRW, Dorothea Schäfer, auf die Frage nach einer zusammenfassenden Schulnote für die Bildungspolitik von Rot-Grün.

Die Bewertung der Bildungspolitik nahm die Gewerkschaft auf der Grundlage eines zuletzt 2011 überarbeiteten «Bochumer Memorandums» vor. In dieser Denkschrift hatte die GEW zehn konkrete bildungspolitische Ziele formuliert.

Schäfer ist in NRW GEW-Chefin. (Foto: GEW NRW)

Eingeschränkt positiv sieht die Gewerkschaft den Ausbau der Inklusion, also des gemeinsamen Unterrichts in Regelschulen von Kindern mit und ohne Behinderungen. «Allerdings sind die Rahmenbedingungen für die inklusive Beschulung mehr als unbefriedigend», sagte Schäfer. Weder beim Personal noch bei den Sachmitteln würden ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt.

In ihrer Begrüßungsrede hatte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zuvor eingeräumt, dass «es an der ein oder anderen Stelle nicht gut genug funktioniert». Zu berücksichtigen sei jedoch, dass das Land nicht der einzige Akteur sei. So habe sie davon gehört, dass in einem Fall eine entsprechende Unterstützung von der kommunalen Seite mit Integrationshelfern «nicht in der Qualität und in der Zahl zur Verfügung steht. Deshalb müssen wir auch an diesen Stellen nachsteuern.» Finanziell nicht leistbar sei es allerdings, jede Klasse doppelt zu besetzen, «das muss ich der GEW auch sagen».

Schäfer betonte, dass die Menschen insgesamt zwar ein höheres Bildungsniveau erreichten, sich die Kluft innerhalb der Gesellschaft aber hartnäckig verfestige. «Im Bereich der Chancengleichheit sind in Nordrhein-Westfalen keine sichtbaren Fortschritte erzielt worden», sagte der Schweizer Bildungsforscher Christian Reintjes. Er hatte zusammen mit Gabriele Bellenberg von der Ruhr-Universität die Umsetzung der im Memorandum formulierten Ziele überprüft.

Die GEW-NRW-Vorsitzende Schäfer forderte in diesem Zusammenhang erneut, «dass Schulen, die besondere Herausforderungen zu leisten haben, zusätzliche Unterstützung bekommen. Dazu gehört auch ein Ausbau der Schulsozialarbeit und des Ganztags.» dpa

9 Kommentare

  1. Von der gew habe ich nichts anderes erwartet. Sind sie doch aus demselben Holz geschnitzt wie die Bertelsmänner.

    • Jetzt behaupten Sie nur noch die INSM ist eine Organisation des DGB bzw. Frau D. Schäfer sei eine uneheliche Tochter von L. Mohn.

  2. Pfeiffer - mit drei F

    Inklusion – von Beginn an eine Totgeburt. So wie die Inklusion derzeit praktziert wird (ich bin Lehrer an einer Gesamtschule bei Köln), ist alles in diesem Zusammenhang eine einzige Katastrophe. Auf den Rücken der Schüler, besonders auf den Rücken der Förderschuler, auf den Rücken der Schüler, die mehr können und wollen und ausgebremst werden, und auf den Rücken der Kollegen wird das ausgetragen. Inklusion ja, aber anders!!! Ich wünsche mir, dass die Eltern auf die Barrikaden gehen und die Abschaffung dieses Irrsinns fordern.
    Förderschulen haben ihre Berechtigung! Von dort aus kann jederzeit ein Schüler an eine Reglschule wechseln, wenn die Noten oder Beurteilungen stimmen.
    Ich hoffe, im Sinne der Kinder, dass die Wünsche der Eltern gehört und akzepiert werden.

    • @ Pfeiffer. Genau auf den Punkt gebracht.
      Inklusion: Ein guter Gedanke, gespeist von sozialem Denken, aber einem Schulsystem, das Leistungen abverlangen muss und in dem nur ein Lehrer eine Klasse mit vielen Schülern, bestehend aus einer heterogenen Schülerschaft, zu unterrichten hat, verlieren alle, auch die, die normalerweise keine Probleme haben. Die im Augenblick durchgeführte Inklusion hilft keinem, sie macht alles schlechter. Schwierige Schüler und Schüler, die sich mit dem Lernen schwer tun, brauchen kleine Schülergruppen und viel Betreuung. Ausnahme: Körperbehinderte. Wenn es nur Körperbehinderte zu inkludieren gäbe, gäbe es wenig Probleme.

      • axel von Lintig

        Volle Zustimmung von mir. Wir müssen unser bisheriges Fördersystem erhalten.

      • Volle Zustimmung. Das Ministerium weiß das auch selber, weil nicht umsonst die Hochglanzprospekte der Inklusionsbefürworter hauptsächlich Kinder im Rollstuhl oder höchstens ein Mädchen mit Downsyndrom zeigen.

    • Eben, Teilhabe an allgemeiner, gleicher Bildung heißt eben nicht unbedingt alle gehen auf ein und dieselbe Schule. An den GeS würde man aus Kostengründen am liebsten die äußere Differenzierung in G- und E-Kurse aufheben, aber gleichzeitig sollen Flüchtlinge integriert un dSchüler mit unterschiedlichen Förderbedarfen inkludiert werden, während schon unter „normalen“ Umständen die Stellensituation nur bei 94% der Sollstärke liegt. Zusätzlich noch um die $% Krankenstand und der Laden steht – eigentlich wie immer – kurz vorm Kollaps.

      Das, was in den Fortbildungsveranstaltungen zur Lehrergesundheit vermittelt wird, und das, was ich täglich erlebe, muss unterschiedlichen weten entsprungen sein. – Es kann einfach nicht aus einem Hause – dem Schulministerium – kommen. Außer die haben eine bipolare Störung.

      • Die Bedeutung der Worte „jeder“ sowie „alle“ sind unterschiedlich und der Finanzminister regiert über alles andere …

  3. Kann man sich diese Art von Inklusion wehren, wenn ja wie?

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