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Interims-Kultusminister Hoff will Unterrichtsgarantie ohne zusätzliches Personal

ERFURT. Die Not scheint groß. Ganze Unterrichtsfächer würden wegen der hohen Unterrichtsausfallquoten in Thüringen nicht mehr erteilt, kritisiert die GEW. Rund 10.000 Schüler erhielten entsprechende Vermerke statt Noten. In seiner von Protesten begleiteten Regierungserklärung kündigte Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff an, prüfen zu lassen, wie eine Unterrichtsgarantie mit den vorhandenen Ressourcen erreicht werden könne.

Thüringen will angesichts des Stundenausfalls an den Schulen an einer Unterrichtsgarantie arbeiten. Das kündigte Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) am Donnerstag in seiner Regierungserklärung vor dem Landtag an. Es sei nicht akzeptabel, dass am Schuljahresende Schüler in einzelnen Fächern keine Note auf dem Zeugnis hätten, weil der Unterrichtsausfall zu hoch war. Die «Kommission Zukunft Schule» solle Vorschläge unterbreiten, wie eine Unterrichtsgarantie mit den verfügbaren Ressourcen erreicht werden könne.

Musste im Landtag viel Kritik einstecken: Benjamin-Immanuel Hoff (LINKE) kommissarischer Leiter des Schulministeriums. Foto Vincent Eisfeld / Wikimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)

Musste im Landtag viel Kritik einstecken: Benjamin-Immanuel Hoff (LINKE) kommissarischer Leiter des Schulministeriums. Foto Vincent Eisfeld / Wikimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)

Denn allein mit mehr Personal lasse sich das Ziel nicht erreichen, betonte Hoff, der derzeit das Bildungsressort kommissarisch für die erkrankte Ministerin Birgit Klaubert (Linke) führt. Er reagierte damit auf die Forderung von Gewerkschaft, Lehrer-, Schüler- und Elternvertretungen nach sofortiger Einstellung von 2500 Lehrern in Thüringen. Mehrere hundert Demonstranten protestierten wegen des hohen Stundenausfalls und Lehrermangels vor dem Parlament.

Derzeit sei der Unterrichtsausfall in den naturwissenschaftlichen und musischen Fächern am größten, sagte Hoff. In diesen Mangelfächern könnten aber gar keine neuen Lehrern gewonnen werden, weil sie bundesweit händeringend gesucht würden. Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden ganze Unterrichtsfächer in Thüringen nicht mehr erteilt. Dass Zeugnisse statt Zensuren entsprechende Vermerke enthielten, betreffe inzwischen rund 10 000 Schüler.

Hoff wies den Vorwurf zurück, die Thüringer Schulen stünden vor dem Kollaps. Thüringen habe mit 8100 Euro pro Schüler im Bundesvergleich die höchsten Bildungsaufgaben pro Kopf. Um der Lehrerschaft den Rücken zu stärken, solle sie bereits zu Beginn des kommenden Schuljahres von Bürokratie entlastet werden – etwa durch mehr Autonomie an den Schulen.

Die Thüringer Horte sollen Hoff zufolge im kommenden Jahr mit mehr als 150 Vollzeitstellen personell verstärkt werden. So sollen unter anderem alle Beschäftigten mit halben Stellen das Angebot zur Aufstockung auf 60 Prozent erhalten. Die Schulen würden in den kommenden beiden Jahren spürbar durch die Neueinstellung von 1550 Lehrern entlastet. Sie ersetzten Pädagogen, die aus Altersgründen ausscheiden. Bis 2025 erreichen 7500 Lehrer laut Hoff das 65. Lebensjahr. Der erhöhte Altersdurchschnitt führe auch zu mehr Erkrankungen. Insgesamt seien 946 Lehrkräfte dauerkrank.

Die CDU-Fraktion sprach von einem Frontalangriff auf das Schulsystem und einer Demontage der erkrankten Ministerin. «Nichts ist besser geworden, im Gegenteil», sagte der CDU-Abgeordnete Christian Tischner zur rot-rot-grünen Bildungspolitik. Es fehlten mehr Lehrer, viele Schulleiterposten seien unbesetzt und Beförderungen selten. «Eine Unterrichtsgarantie muss eigentlich für jede Regierung selbstverständlich sein.»

AfD-Fraktionschef Björn Höcke warf der rot-rot-grünen Regierung angesichts eines «Unterrichtsausfalls auf Rekordniveau» das völlige Scheitern und einen bildungspolitischen Amoklauf vor. Er forderte ein Moratorium für Inklusion und Konzepte, um die Pensionierungswelle an den Schulen aufzufangen. Schüler, Eltern und Lehrer würden mit immer mehr Bildungsexperimenten verunsichert. Das störe den Schulfrieden. «Wir brauchen ein Ende der Dauerrevolution im Bildungsbereich.» (dpa)

5 Kommentare

  1. Zitat:
    „Unterrichtsgarantie ohne zusätzliches Personal“

    somit werden aus 48-Stundenwochen 50-Stundenwochen für die betroffenen Lehrkräfte.

  2. 6 Vertretungsstunden in dieser Woche!

  3. Wir könnten auch die Klassen zusammenlegen: Tische raus, dann passen locker zwei Klassen à 28 Schüler in einen Raum. Wahrscheinlich lassen sich dann im Winter auch Heizkosten sparen 😉
    Unterrichtsausfall durch Langzeiterkrankte ist eine Seite und Ersatz sicher schlecht planbar, aber Stundenstreichungen, weil die Fachlehrerstunden nicht ausreichen (und das seit Jahren!) – da kommen mir doch große Zweifel an einer Unterrichtsgarantie.

  4. Es ist sicher richtig, dass die Politiker kolossal versagt haben, aber es hilft momentan nicht weiter.

    Mir scheint, der einzige kurzfristig hilfreiche Weg sind die, wie sie nach dem Krieg genannt wurden, die Neulehrer, also Quer- und Seiteneinsteiger. Die müssen natürlich ein Mindestmaß an Qualifikation mitbringen und erwerben.

    Es gibt doch anscheinend genug Interessenten, oder?

  5. Ich will das noch dazu sagen: Es ist sicher der falsche Weg, die vorhandenen Lehrer weiter zu belasten. Einmal mehr möchte ich deshalb betonen, dass wir nicht mehr Gehalt („Schmerzensgeld“) brauchen, sondern Entlastungen! Wird der umgekehrte Weg gegangen, werden noch mehr Lehrer in Teilzeit gehen, sich frühpensionieren lassen oder dauerkrank werden.

    Das verstärkt den Lehrermangel aber nur und behebt ihn eben NICHT !

    Wir dürfen uns nicht damit kaufen lassen, dass wir ein bisschen mehr verdienen, aber unsere Gesundheit geht vor die Hunde. Und der Arbeitgeber und die Schüler haben auch nichts davon!

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