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Lernen angehende Lehrer bald bis zum Bachelor alle gemeinsam? GEW präsentiert Reformkonzept – weg von den Schulformen

MAGDEBURG. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Länder aufgefordert, bei der Bekämpfung des Lehrkräftemangels keine Abstriche an der Qualität der Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen zu machen. „Die Lage ist dramatisch: Schon jetzt sind tausende Lehrkräftestellen bundesweit nicht besetzt – und in den kommenden Jahren werden die Schülerzahlen weiter steigen. Wenn die Länder nun aus Verzweiflung Quer- und Seiteneinsteiger ohne abgeschlossene Lehramtsausbildung einstellen, darf das nicht zu Lasten der Qualität und damit auf Kosten der Schülerinnen und Schüler gehen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der GEW, Andreas Keller, während der Präsentation des neuen GEW-Konzepts zur Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung.

Dieses stellte die Bildungsgewerkschaft während einer Tagung in Magdeburg zur Diskussion. „Die Länder müssen eine umfassende berufsbegleitende Nachqualifizierung dieser Kolleginnen und Kollegen gewährleisten. Darüber hinaus müssen sie die regulären Ausbildungskapazitäten in Studium und Vorbereitungsdienst zügig ausbauen und die Attraktivität von Ausbildung und Beruf verbessern.“

Von wegen Ruhe - in den Schulen ist der Umbau auch im nächsten Schuljahr im vollen Gange. (Foto: US Departement of Education/Flickr CC BY 2.0)

Lernen angehende Lehrer bald bis zum Bachelor gemeinsam – die GEW will das so. (Foto: US Departement of Education/Flickr CC BY 2.0)

Mit den GEW-Vorschlägen lasse sich dem Lehrkräftemangel auch strukturell begegnen, erklärte Keller. „Es ist falsch, dass sich Lehramtsstudierende schon im ersten Semester auf ein bestimmtes Lehramt festlegen müssen. Richtig ist ein gemeinsames Bachelor- bzw. Grundstudium für alle Studierenden, egal ob sie ein Lehramt in der Grundschule oder der Sekundarstufe anstreben. Das ist nicht nur didaktisch sinnvoll, sondern würde den Studierenden auch helfen, flexibler auf die Anforderungen des Lehrkräftearbeitsmarkts zu reagieren“, machte der GEW-Vize deutlich. Perspektivisch müsse darüber hinaus die Zahl der Lehrämter reduziert werden: „Hauptschule, Realschule, Gymnasium – das traditionelle dreigliedrige Modell aus dem 19. Jahrhundert hat mit der schulpolitischen Realität des 21. Jahrhunderts nicht mehr viel zu tun. Zukunftsfähig ist eine Orientierung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung ausschließlich an den Schulstufen statt an den Schulformen“, betonte Keller.

Vor allem aber komme es darauf an, Ausbildung und Beruf attraktiver zu gestalten und so mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern. „Angehende Lehrerinnen und Lehrer müssen besser auf neue Anforderungen ihres Berufs wie digitale Welt, Ganztagsschule, Migrationsgesellschaft oder Inklusion vorbereitet werden. Wer bereits im Beruf steht, braucht entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote. Damit die Herausforderungen besser bewältigt werden können, müssen die Lehrerinnen und Lehrer entlastet werden: durch ausreichend Vertretungskapazitäten, moderate Unterrichtsverpflichtungen und eine bessere Lehrer-Schüler-Relation. Die Ausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer, egal ob sie an einer Grundschule oder einem Gymnasium unterrichten, ist schon heute in der Hälfte der Bundesländer gleichwertig und gleich lang. Deshalb müssen endlich auch alle voll ausgebildeten Lehrkräfte gleich gut bezahlt werden. ‚JA13‘: Die GEW macht sich für eine Bezahlung nach A13 (Beamtinnen und Beamte) und E13 (Angestellte) stark“, unterstrich Keller.

Er machte darauf aufmerksam, dass sich die GEW zurzeit bundesweit mit zahlreichen Aktionen für eine bessere Bezahlung der Lehrerinnen und Lehrer einsetze. Der Aktionszeitraum dauert noch bis zum 24. November.

„A 13 für alle!“ GEW-Aktionen laufen jetzt bundesweit heiß – und Eltern marschieren mit (in Bayern jedenfalls)

„In Sachsen-Anhalt fehlen massiv Lehrkräfte, massiv Referendare und massiv Lehramts-Studierende. Vor allem aber fehlt es den politisch Verantwortlichen an Ideen und klaren Bekenntnissen, wie dem aktuellen Mangel auf allen Ebenen begegnet werden soll. Die GEW bietet mit dem heute vorgestellten Konzept gute Vorschläge, wie auch in Zukunft gute und umfassende Bildung gewährleistet werden kann“, sagte Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, am Rande der Tagung.

Die Situation in Sachsen-Anhalt stehe exemplarisch für den bundesweiten gravierenden Lehrkräftemangel. Im letzten Schuljahr sei an einigen Schulen tage- und wochenweise der komplette Unterricht ausgefallen. In der Ausschreibungsrunde zum Schuljahresstart seien von 370 Lehrerstellen fast 100 nicht besetzt worden, weil die Bewerbungen fehlten, im Vorbereitungsdienst seien etwa 50 von 300 Stellen zunächst unbesetzt geblieben, betonte Gerth. Eine Volksinitiative habe den Bedarf an zusätzlichem Personal kürzlich allein in Sachsen-Anhalt auf 1.000 Lehrkräfte beziffert. Für die Einstellung der zusätzlichen Pädagoginnen und Pädagogen habe sie fast 100.000 Unterschriften gesammelt. N4t

 

Mecklenburg-Vorpommern: Jeder sechste neu eingestellte Lehrer ist keiner

SCHWERIN. Der Lehrermangel ist auch in Mecklenburg-Vorpommern gravierend: Jeder sechste zu Schuljahresbeginn 2017/18 eingestellte Lehrer hat dort keine Lehrbefähigung. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Landtagsfraktion der Linken hervor, die am Freitag in Schwerin veröffentlicht wurde.

Von 408 Neueinstellungen waren demnach 67 sogenannte Seiteneinsteiger, also Menschen aus einem anderen Beruf. Das entspricht 16,4 Prozent. Die Seiteneinsteiger müssen neben dem Unterrichten Fortbildungskurse belegen, um die Lehrbefähigung zu erlangen.

Die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg forderte, die Lehrerausbildung und den Schuldienst in Mecklenburg-Vorpommern attraktiver zu machen. So müssten die Gehälter an den Grundschulen an die anderer Schularten angeglichen werden. Grundschullehrer verdienen deutlich weniger als Regionalschul- und Gymnasiallehrer. Oldenburg verlangte auch eine Verringerung der Unterrichtsstunden für Lehrer. «Wenn der Schuldienst für junge Lehrkräfte nicht attraktiver wird, kann MV im bundesweiten Wettbewerb um Lehrerinnen und Lehrer nicht bestehen.» Viele wanderten nach dem Universitätsstudium ab.

39 Kommentare

  1. Man könnte mal erheben, wie viele der Lehramtsstudenten bereits vor Beginn des Studiums wissen, welche Schulform sie bevorzugen. Ich vermute mal eine ganze Menge.

    Abgesehen davon dürften dann eine Menge Studenten abspringen, weil sie die fachwissenschaftlichen Anforderungen für Sek II im Gegensatz zu Grundschule nicht schaffen.

    • Bei den üblichen Bachelor/Master Studiengängen im Lehramt ist der fachliche Teil schwerpunktmäßig beim Bachelor, der pädagogische beim Master angesiedelt. Das liegt auch an der gewünschten “Polyvalenz”, d.h. nach dem Bachelor sollen auch andere Türen offen stehen als die schulischen. Insofern ist der Vorschlag der GEW absurd. Denn fachlich muss sich das beim Grundschullehramt vom Sekundarschullehramt unterscheiden. Es müssen sich sogar Sek I und Sek II unterscheiden.

      • Die Frage ist auch, für welche Fächer sich angehende Grundschullehrer einschreiben sollen, also Studenten, die bereits vor dem Studienbeginn wissen, dass sie unbedingt Grundschullehrer werden wollen. Ich hoffe für alle Beteiligten, dass Mathematik nicht verpflichtend wird, weil die dabei keine Chance hätten. Über die hier

        https://www.morgenpost.de/berlin/article208118063/Angehende-Grundschullehrer-wuetend-ueber-Matheklausur.html

        dargestellten Anforderungen würden Sek II-Studenten Mathematik nur müde lächeln, Hauptfachmathematiker sowieso. Ich vermute mal, dass das in Deutsch / Germanistik ähnlich ist. Alle anderen Fächer machen aus meiner Sicht für Grundschule noch weniger Sinn, weil ein Bachelor in Geschichte, Biologie usw. nicht ansatzweise das abdeckt, was für den Sachunterricht der Grundschule notwendig und sinnvoll ist.

        • grundschullehrer

          Wie kommen Sie darauf, dass alle GS-Lehrer so versagen würden, wie es in dem Fall aus Berlin geschildert wird? Sämtliche GS-Lehramtsstudenten in Mecklenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt MÜSSEN Deutsch und Mathematik verpflichtend auf wissensschaftlichem Niveau studieren, Klausuren inklusive. Ich bin sicher, dass das auch in weiteren BL der Fall ist. Ich habe an der Uni Erfurt Matheklausuren auf Uni-Niveau schreiben und bestehen müssen, ebenso wie ich in Deutsch von Germanistik-Dozenten und Professoren unterrichtet wurde. Das fundierte Fachwissen ist auch im Lehramtsstudium der Grundschule gemeinsam mit didaktischen Kenntnissen und Methodenwissen die Basis der Lehrerausbildung.

          • Ich habe Mathematik studiert (Sek II, damals noch zusammen mit Diplomern). Die genannte Klausur ist einsehbar und ein schlechter Witz im Vergleich zu dem, was ich an der Uni machen musste. Beispielsweise waren Rechenaufgaben die große Ausnahme, ohnehin auf Buchstabenrechnen beschränkt, Zahlen größer als 2 waren schon selten genug. Wenn Sie dieselben Veranstaltungen besucht und die gleichen Klausuren geschrieben haben wie die Sek II-Lehrer, dann nehme ich allerdings meine Aussage in ihrer Globalität zurück. Für NRW halte ich sie aber aufrecht.

          • Da möchte ich dann doch mal widersprechen. Die Mathe-Vorlesungen für Grundschullehrer sind ein lächerlicher kleiner Rechenkurs. Wenn in Berlin Aufgaben nach dem 1. Semester in der Klausur gestellt werden, die gute Zehntklässler auch können (Beispiel: “Wie verändert sich das Volumen eines Würfels, wenn die Seitenlänge verdoppelt wird?”), dann ist das bitter, wenn da auch nur ein einziger durchfällt. So einen billigen Mist hätte 1990 doch kein Lehrer in einer Obverstufenklausur zu stellen gewagt.

          • “Wie kommen Sie darauf, dass alle GS-Lehrer so versagen würden, wie es in dem Fall aus Berlin geschildert wird? Sämtliche GS-Lehramtsstudenten in Mecklenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt MÜSSEN Deutsch und Mathematik verpflichtend auf wissensschaftlichem Niveau studieren, Klausuren inklusive.”

            Weil schon bei allen LehramtsstudentInnen die Abbruchquote, zumindest in Mecklenburg-Vorpommern, derart hoch (50%) ist, dass es zu einem Fall für den Landtag geworden ist.

            http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Jeder-zweite-Lehramtsstudierende-brich-ab,lehraemter100.html

            http://www.news4teachers.de/2016/02/gruene-beklagen-hohen-anteil-von-lehramtsstudenten-ohne-abschluss/

            Und der große Teil davon scheinen StundentInnen für das Grundschullehramt zu sein, denn sonst hätte der ehemalige Bildungsminister Brodkorb sicher nicht den Verbesserungsvorschlag gemacht deren Fachmodule durch mehr Alibimodule zu ersetzen.

        • Ich will zwar jetzt nicht die allgemeinen Niveauvergleiche zwischen den Lehrerausbildungen eingreifen, zumal auch meine Lehrerausbildung schon lange her ist:
          Doch eins kann ich mit Sicherheit sagen: Wenn ich die Aufgaben sehe, die in einem Berliner Artikel am Rande stehen, die die Studenten aus dem Gedächtnis wiedergegeben haben: Da war mein Matheabitur, das ich vor Jahrzehnten in Ba- Wü geschrieben habe, wesentlich schwerer.

          • Es muss doch wohl hoffentlich jedem Lehrer klar sein, dass die Anforderungen an die jeweiligen Schulformen sehr stark sich unterscheiden. Offensichtlich ist es den Gewerkschaftsvertretern gar nicht bewusst, ebenso wie einigen Kultusministern auch nicht, dass man Gymnasiallehrer nicht einfach in Grundschulen stecken kann.
            Genauso ist diese Vorgehensweise im umgekehrten Sinn auch eine Überforderung für die Lehrer und bedeutet nicht gerade eine optimale Beschulung.Will man so die Einheitsschule und den Einheitslehrer erzwingen.Da werden die Ergebnisse der Vergleichsprüfungen noch schlechter ausfallen, aber in Bremen und Berlin bleibt es wohl bei den selben Ergebnissen.

          • Als ob es darum ginge. Die Gymnasiallehrkräfte werden an den Grundschulen für die nächsten drei Jahre geparkt. Wenn im Schuljahr 2019/20 offiziell das neunjährige Abitur bzw. das G9 an den Start gehen und in NRW die Schüler, die im Februar für das Schuljahr 2018/19 angemeldet werden, als erste wieder nach 9 Jahren ihre Abiturprüfungen ablegen können, dann benötigt das LAnd NRW für ein vierzügiges GY für den zusätzlichen Jahrgang rd. 8 Vollzeitstellen mehr. Da die nicht auf “Bäumen wachsen” und zur Zeit ein Überhang bei den SekII-Lehrkräften existiert, legt das Land einen Vorrat an. Um nicht gegen das Haushaltsrecht zu verstoßen werden diese zusätzlichen Kräfte zunächst für 2 bis 3 Jahre mit der Zusage am Ende der Zeit eine feste Planstelle an einem GY zu bekommen an Grundschulen, die unter einem Lehrkräftemangel leiden, zwischengelagert. Ob das für die Schüler an Grundschulen gut bzw. zielführend ist, ist doch dem Ministerium egal. Es hat schließlich ganz andere Interessen als die Grundschüler und deren Eltern. DAs Problem wird für das Ministerium erst am Ende der Legislatur virulent, dann muss es den GY die Lehrkräfte, die jetzt an GS untergebracht sind, (zurück-)geben. Nur in der Zwischenzeit werden nicht ausreichend viele Lehrkräfte für die Primarstufe mit ihrem ersten und zweiten Staatsexamen fertig, so dass sie die Personallücken schließen könnten. Bleibt als einzige Möglichkeit in der Zwischenzeit zusätzliche Stellen für GS und die SekI für den Seiteneinstieg gem OBAS zu öffnen, und die Seiteneinsteiger zwischenzeitlich zu qualifizieren. Das Problem der fehlenden Sonderpädagogen und Aspiranten nach VOBASOF besteht aber weiterhin, da die Letztgenannten ja nur aus der Riege vorhandener, berufsergahrener Lehrkräfte erwachsen können.

      • “Denn fachlich muss sich das beim Grundschullehramt vom Sekundarschullehramt unterscheiden. Es müssen sich sogar Sek I und Sek II unterscheiden.”

        Die Aufteilung Bachelor=Fachwissenschaft, Master = Pädagogik kann ich nicht nachvollziehen, mein Studium lag davor. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man im Lehramtsstudiengang nach dem Bachelor keine Leistungen mehr in den gewählten Fachwissenschaften erbringen müsste.

        Fachlich sehe ich es so, dass bisher in sehr vielen Bundesländern die Grundschullehrkräfte auch Lehrkräfte für die SekI. sind, also ebenfalls für HS/RS und daraus entstandene Schulformen (IGS, Oberschule) ausgebildet wurden.
        SekII-Lehrkräfte unterrichten nicht allein dort, sondern ebenfalls einen Großteil ihrer Stunden ebenfalls in der Sek I.
        Dem entsprechend sind alle Lehkräfte zugleich Lehrkräfte für die SekI.

        Spezielle fachwisschenschaftliche Vertiefung braucht es offenbar für die SekII (das ist den Philologen hier ja immer wichtig, dass sie mal einen Schein in Mathe für Diplom absolviert haben, ohne den sie nicht in der Lage wären, zu unterrichten).

        Spezielle fachliche wie pädagogische Vertiefung braucht es für das Grundschullehramt, um im Anfangsunterricht entsprechend unterrichten, bewerten und fördern zu können.

        Spezielle pädagogische Vertiefung braucht es auch für das Unterricht von Förderschülern, wobei zu fragen ist, ob im Zuge der Inklusion weiterhin Förderschullehrkräfte ausgebildet werden oder ob auch andere Leherkräfte Zusatzausbildungen dazu absolvieren können, da sie die Arbeit ohnehin übernehmen müssen – unter derzeitigen Bedingungen.

        • Die Kategorie “SekI” ist nicht eindeutig genug. Je nach Schulform werden sehr unterschiedliche Bildungsziele und Schwerpunkte wichtig. So ist z.B. in den “berufsorientierten” Kursen die praktische Anwendung und Kontextorientierung, im Gymnasium (und sicher auch in den entsprechenden Niveaus der IGS) dagegen die Herleitung und der innere Aufbau der einzelnen Themen wichtiger. Es erscheint mir schwer vorstellbar, dass man beides in der selben Vorlesung oder im selben Seminar lernen kann.

        • Palim: “Die Aufteilung Bachelor=Fachwissenschaft, Master = Pädagogik kann ich nicht nachvollziehen …”

          Hier steht ein schönes Beispiel. Im 4-semestrigen Master gibt es pro Fach nur noch 12 Leistungspunkte in der Fachwissenschaft, normalerweise sind das gerade mal zwei Lehrveranstaltungen:

          http://www.uni-bremen.de/studium/studienangebote/lehramt.html

          Im Bachelor gibt’s erheblich mehr. Und das ist beim Grundschullehramt genau so wie beim Sekundarschullehramt. Die Fachdidaktik kommt dann jeweils noch hinzu. So ähnlich habe ich das auch in anderen Bundesländern gesehen. Die Zahlen differieren allerdings.

  2. Milch der frommen Denkungsart

    Der übliche linke Reflex: den pädagogisch-didaktischen Einheitsbrei, den man allen zu fressen aufzwingen will, als angebliche Qualitätsssicherung unterzurühren.

    • genau. Nicht umsonst sind Veterinärmedizin, Humanmedizin und Zahnmedizin drei verschiedene Studiengänge. Allerdings werden die “Zahnis” von den Humanmedizinern ob der deutlich geringeren Anforderungen belächelt.

    • Mit dem Einheitsbrei für alle als “angebliche Qualitätsssicherung” treffen Sie den Nagel auf den Kopf.

      • Nivellierung auf niedrigem Niveau. Kennt man vom Zentralabitur.

        • Wieso Einheitsbrei? (Gilt das eigentlich auch für A 13 für alle?

          Die Differenzierung der weiterführenden Schulen würde doch bestehen bleiben. Nur die Lehrer weiterführender Schulen würden an allen Schularten unterrichten können. Sie würden doch dadurch nicht weniger, sondern mehr lernen müssen.

          Ist die Grundschule eigentlich auch “Einheitsbrei”? Da sind doch auch alle zusammen.

          • Ich glaube, hier wird wieder mal etwas mit aller Vehemenz verteidigt, was man gewöhnt ist, weil man es gewöhnt ist. 🙂

          • Wie bei der alten Rechtschreibung.

            Und wie bei der Einführung der 5-stelligen Postleitzahlen (1993?). Da gab’s ja auch einen Riesenaufschrei. Tradition, Kulturverlust und und und … 🙂

            Und welcher Hahn kräht heute noch danach?

          • Die Umstellung auf den Bachelor sollte ja auch für eine bessere Durchlässigkeit vom Lehrer zum “reinen” Fachwissenschaftler oder umgekehrt sorgen. Beim Lehramt Mathematik entspräche das dann dem Bachelor of Science, Lehramt Germanistik dann dem Bachelor of [Germanistik] usw. Um das zu erreichen, müsste man besonders die Anforderungen für Grundschule und Sek I massiv erhöhen. Rein zeitlich geht das auch, wenn der pädagogisch-didaktische Anteil heruntergefahren wird. Da aber Pädagogik und Didaktik fachlich deutlich weniger anspruchsvoll ist als das eigentliche Fach, wird die Abbrecherquote deutlich steigen. Das ist aber andererseits auch nicht so schlecht, weil aktuell viel zu viele anfangen zu studieren.

          • xxx: “Die Umstellung auf den Bachelor sollte ja auch für eine bessere Durchlässigkeit vom Lehrer zum „reinen“ Fachwissenschaftler oder umgekehrt sorgen.”

            Das Gegenteil ist eingetreten, denn der Lehramts-Bachelor ist ein Zwei-Fach-Bachelor und hat notwendigerweise andere fachliche Anforderungen als ein Ein-Fach-Bachelor (mit kleinerem Nebenfach).

            In Bremen ist man schon bei 72 Leistungspunkten in jedem der zwei Fächer (plus Didaktik) angekommen. Und das ist der Einheits-Sekundarstufen-Lehrer. Damit entfallen nur noch 144 von 300 Leistungspunkten im Bachelor + Master auf Fachliches. Gleichwohl ist es im Grundschullehramt natürlich noch weniger. Die GEW sollte nicht von Dingen reden, von denen sie keine Ahnung hat.

          • ist es Ursache oder Folge, dass in pisa-schlusslicht Bremen nichtmal mehr die Hälfte des Studiums zur Fachwissenschaft gehört?

          • Milch der frommen Denkungsart

            @sofawolf:

            Mit Ihrem Kommentar haben Sie die vergiftete Praline ja selbst aus der glitzernden Verpackung hervorgeholt: hinter dem “Lehrer für alle Schul-arten” lauert doch gleich einem Fußpilz der lang’ gehegte Wunsch aller bildungspolitischen Flurbereiniger, nämlich die Einheitsschule !

          • xxx: “ist es Ursache oder Folge, dass in pisa-schlusslicht Bremen nichtmal mehr die Hälfte des Studiums zur Fachwissenschaft gehört?”

            Das eine hat mit dem anderen nicht direkt was zu tun. Dieser neue Master-Studiengang fing erst 2014 an. Die Absolventen sind jetzt bestenfalls im Referendariat. Sie sind nicht Schuld an PISA.
            Nein, ich persönlich würde die Bremer Situation damit in Zusammenhang bringen, dass seit 1946 die SPD jede Wahl gewonnen und den Regierungschef gestellt hat. Sowas prägt.

          • @ Sofawolf: “Ist die Grundschule eigentlich auch „Einheitsbrei“? Da sind doch auch alle zusammen.” Ich weise hier seit Jahr und Tag darauf hin: Die Grundschule ist die einzige mir bekannte Gesamtschule in Reinkultur. Alles, was so eine Gesamtschule in der Theorie so ausmacht, findet sich dort: Heterogene Lerngruppen in erfrischender Radikalität, keinerlei äußere Differenzierung, Differenzierung didaktisch-methodisch nach innen, sage und schreibe drei Abschlüsse schon nach 4 Jahren! Selbst hardcore-Gesamtschulen im (irgendwie ja immer noch) sozialdemokratisch verseuchten NRW- Feindesland können diesbezüglich mit der bayerisch-katholischen Grundschule in Radolfzell nicht mithalten, denn zwar gibt es auch hier verschiedene Schulabschlüsse zu erwerben (nämlich 5 im Unterschied zu einer RS, wo es nur einen gibt), aber ansonsten überall Selektion in Form einer äußeren Differenzierung ab Jahrgang 6, dass es eine Freude ist: I.d.R. gleich vier (!) WP-Kurse, E-Kurse, G-Kurse, Latein, bilinguales Englisch, Berufsvorbereitung, dutzende Förderveranstaltungen je nach Bedarf und und und. Selbst das Gymnasium ist unter diesem Aspekt betrachtet gesamtschulerischer als jede Gesamtschule sein kann. Den “Einheitsbrei” (der ja auch mal schmecken kann) bekommen die Kinder jedenfalls anderswo serviert und zwar an den “10-G-Schulen” (Stadler, 2016), wo alle Gleichaltrigen zum gleichen Zeitpunkt, beim gleichen Lehrer, im gleichen Raum, mit den gleichen Mitteln die gleichen Dinge zu tun haben und zu den gleichen Fragen in der gleichen Zeit die gleichen Antworten zu geben haben.

          • kleine Korrektur: Am Bodensee gibt es nur einen kleinen bayerischen Teil, z.B. Lindau gehört zu Bayern. Radolfzell gehört zu Baden- Württemberg. ; – )

          • @jagothello
            Sie haben damit einerseits recht, andererseits vergleichen Sie aber auch ein wenig Äpfel mit Birnen oder noch besser verschiedene Ausgangspositionen.

            Die Grundschule fängt bei allen Schülern nahezu bei Null an und hört bei nicht sonderlich weit davon entfernt auf. Das Spektrum ist auch nach der vierten Klasse noch immer nicht weit auseinander.

            An den Gesamtschulen ist das Spektrum riesig. Sie müssen sich nur die unterschiedlichen Anforderungen für den mittleren Schulabschluss, den Hauptschulabschluss und die Vorbereitung auf die Sekundarstufe II ansehen. Mit letzterem meine ich ausdrücklich nicht den MSA mit Quali, sondern eine wirkliche Vorbereitung auf die Sek II wie sie am Gymnasium mit einem Schuljahr weniger stattfindet. Die ist zwar auch nicht das wahre, aber immerhin noch weitaus besser als an der Gesamtschule.

            Gerade weil das Spektrum an der Grundschule noch vergleichsweise klein ist, kann dort die Inklusion noch halbwegs gelingen, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen.

          • “Die Grundschule fängt bei allen Schülern nahezu bei Null an und hört bei nicht sonderlich weit davon entfernt auf.”
            Diese Aussage klingt ziemlich arrogant. Tut mir leid, das einmal so deutlich schreiben zu müssen.
            Zudem widerspreche ich dieser Aussage. Schüler der Grundschule machen in den 4 Jahren Schule enorme Lernfortschritte. Das kann anscheinend nur jemand verstehen, der selbst Kinder hat oder dort unterrichtet bzw. guten Einblick in die Grundschule hat.
            Kleine Ausnahme die schwächeren Kinder: Dennoch machen sie für sich Lernfortschritte, die für diese Kinder eine Leistung von ihren Grundvoraussetzungen her darstellen.

          • xxx: “Das Spektrum ist auch nach der vierten Klasse noch immer nicht weit auseinander.”

            Die jüngste IQB-Studie zu Viertklässlern behauptet es ganz anders. Bei der Orthographie gibt es schon zwischen den Mittelwerten der Länder Unterschiede bis zu 90 Punkten, und dann gibt’s die Unterschiede auch innerhalb der Länder und natürlich auch innerhalb der Schulen. Zwischen den besten und den schwächsten 5 % liegen immer 300-350 Punkte (Abb. 6.3 im Bericht). Wie soll es anders sein? Die geringste Streuung hat Bayern, die höchste Bremen. Die Kinder türkischer Herkunft liegen bei Tests in Klasse 4 im Durchschnitt immer weit hinten, um 1-2 Jahre, amtlich festgestellt vom IQB.

            Manche Leute behaupten, dass bereits bei der Einschulung Unterschiede in den Lernständen von bis zu 2 Jahren vorhanden sind. Die werden dann nicht kleiner, sondern größer.
            Das ist die ach so hoch gepriesene Heterogenität.

          • “Die Grundschule fängt bei allen Schülern nahezu bei Null an und hört bei nicht sonderlich weit davon entfernt auf.”

            Ich schließe mich ysnp an: Wer solch eine Aussage tätigt, hat sich mit Einschulung, Lernvoraussetzungen und Lernausgangslagen noch nie beschäftigt.

            Klar, wer meint, in Klasse 5 auf wissenschaftlichem Niveau arbeiten zu können (anderer Thread), muss zu diesem Schluss kommen, lässt aber auch da Entwicklungspsychologie und Pädagogik außer Acht: Hauptsache, die Lehrkraft selbst muss das erlernte fachwissenschaftliche Niveau nicht verlassen!
            Das hat m.E. mit Unterricht nichts zu tun, in dem es ja gerade darum geht, SuS zu höherem Niveau zu befähigen und es nicht vorauszusetzen.
            Natürlich gibt es SuS, die nahezu jedes Thema in kürzester Zeit aufnehmen, verknüpfen und anwenden können, aber selbst diese beneötigen in der Regel Förderung in anderen, nicht rein kognitiven Bereichen.

            Schon früher gab es Studien dazu, dass die Entwicklungsunterschiede zu Beginn der 1. Klasse ca. 3 Jahre ausmachen: einige Kinder sind eher 4, andere 7 Jahre alt – entsprechend ihrer Lernvoraussetzungen.

            Diese Unterschiede sind inzwischen weit größer.
            Das können aber diejenigen, die in ihren Fachwissenschaften gefangen scheinen, vermutlich nicht verstehen.
            Entsprechend muss ihr Urteil über Differenzierung im Unterricht ausfallen.

          • XXX
            In den Grundschulen werden die Grundlagen für einen späteren Lernerfolg der Schüler gelegt. Was hier vermittelt wird, wirkt sich auf die gesamte Schullaufbahn aus.
            Die Arbeit Ihrer Kollegen in den Grundschulen ist ebenso, wie die Arbeit in den Kindergärten und zu Hause durch die Eltern, enorm wichtig für die geistige und sprachliche Entwicklung der Kinder.
            Wird die Basis in den Grundlagenfächern nicht richtig gelegt, dürfen Sie sich mit den Folgen herumschlagen.
            Aber bei Null fängt die Grundschule erst einmal nicht an, denn die Schüler sind unterschiedlich weit in ihrer sprachlichen, sozialen, motorischen,auditiven und kognitiven Entwicklung und es steckt eine Menge Arbeit darin, den Kindern eigenständiges Schreiben, eine verbundene Schriftsprache, Lesen,Hörverstehen und Rechnen beizubringen.
            Die Entfesselung schöpferischer Fähigkeiten gelingt aus meiner Sicht im Anfangsunterricht in einer zügigen,linguistisch gestützten, Lehrer gesteuerten Vermittlung der 5 Grundsäulen der Intelligenz.
            Verbunden mit direkter Führung im Anfangsunterricht, welche die Schüler zunehmend in eigenständiges Arbeiten versetzt, wird die Eigenständigkeit am ehesten erreicht.
            Aber nicht jeder Schüler erreicht diesen Zustand in diesen zwei ersten Schuljahrenahren ,sondern die Zahl der Schüler, die ungünstige Vorraussetzungen mitbringen, nimmt in Folge der chaotischen Inklusion,von Migrationsbewegungen und eines zunehmendem Rückzugs der Eltern aus ihrem Verantwrtungsbereich für Schule, beständig ab.
            Im Gymnasium erhalten Sie noch die am besten präparierten Schüler, welche eben nicht mehr den Ihnen aus früheren Zeiten bekannten Standart mitbringen.
            Es haben sich auch die Lernstandarts der Grundschulen geändert, andere pädagogische Ideen und Methoden haben ihre Verbreitung gefunden, ebenso wie die Motivation der Schüler für Schule sich verändert hat,aus welchen Gründen auch immer.

    • @ Milch: “pädagogisch-didaktischer Einheitsbrei”

      Wenn Pädagogen. Didaktiker oder Politiker sowas verzapfen, könnte man ja noch Nachsicht üben. Aber die GEW ist für sowas nun wirklich weder zuständig noch kompetent. Offenbar gibt es noch kein GEW-Dokument darüber, ich nehme an, das war diese Tagung hier (immerhin firmiert da ein Herr Pistorius als Pressesprecher, dem könnte man doch mal eine E-mail schreiben):

      https://gew-sachsenanhalt.net/aktuelles/138-bundesweite-fachtagung-zur-lehrerbildung-am-16-november-in-magdeburg

      Da werden unerträgliche Vokabeln genannt, z.B.
      “Weiterentwicklung einer demokratischen, sozialen und inklusiven Gesellschaft sowie die Herausforderungen einer Migrationsgesellschaft” und “Inklusionsorientierung”.

      Wohlgemerkt im Hinblick auf die Reform der Lehrerausbildung. Das ist keine Gewerkschaft mehr, sondern eine politische Partei im Funktionärsstaat oder so ähnlich. Die legitimen Interessen der Lehrer sind keineswegs auf Inklusion und Migration gerichtet, eher schon auf das (offenbar ungelöste) Problem, wie man damit ohne einen Nervenzusammenbruch umgehen kann. Ob die GEW das weiß?

  3. ZITAT 1: “Zukunftsfähig ist eine Orientierung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung ausschließlich an den Schulstufen statt an den Schulformen“, betonte Keller.”

    Das finde ich bekanntlich richtig. Lehrerausbildung nach Grundschule und weiterführender Schule (Zusatzqualifikation für Sek II für die Lehrer weiterführender Schulen).

    • Ich bin etwas unschlüssig, ob eine Zusatzqualifikation für Sek II ausreicht. Die heute berufsbegleitend angebotenen Zusatzqualifikationen für Mangelfächer sind es aus meiner Sicht kaum. Vielleicht ist mein Sachstand auch überholt und / oder basiert auf sehr schlechte Dozenten, die sich für ihre Abordnung einen sehr schlanken Fuß machten.

    • Ich kann freilich “nur” aus Blick eines Berufsschullehrers schreiben, die allerdings bekanntlich auch Sek II zugeordnet werden. An den Berufskollegs/Berufsschulen werden nicht nur Berufe ausgebildet, sondern auch Techniker (hier bedarf es wirklich Experten ihres Faches und das auf Hochschulniveau). Berufskollegs decken aber auch die ganze Bandbreite aller Schulabschlüsse ab, vom ersten Abschluss (noch schulpflichtiger SchülerInnen) bis zur Allgemeinen Hochschulreife.
      Alle diese unterschiedlichen Abschlüsse werden von Berufsschullehrern unterrichtet und in der Regel nicht von den Allgemeinbildnern (die es aber auch gibt).

      Ich weiß nicht, ob einer von Ihnen Einblick in die Berufsbildung hat, aber die Berufe sind heute so anspruchsvoll, dass die Ausbildung der Lehrerkräfte eigentlich noch weiter fachlich vertieft werden müsste und wesentlich mehr Weiterqualifikationen nach der Lehrerbildung erfordern würde und nicht das Gegenteil davon.

      Wenn ich mir überlege, dass auch diese Lehrergruppe von dieser “Zusatzqualifikation” der angehenden Lehrer betroffen sein sollte, dann befürchte ich Schlimmstes für die Schulen, die SchülerInnen und die deutsche Wirtschaft.

  4. ZITAT 2: ” Damit die Herausforderungen besser bewältigt werden können, müssen die Lehrerinnen und Lehrer entlastet werden: durch ausreichend Vertretungskapazitäten, moderate Unterrichtsverpflichtungen und eine bessere Lehrer-Schüler-Relation.”

    Das liegt vielen von uns am Herzen. Danke ! Ein Schritt in die richtige Richtung.

    • “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen” Helmut Schmidt

      Bereits jetzt haben wir einen kaum “stopfbaren” Personalmangel in wichtigen Fächern und im Alltagsbetrieb. Auf solche Floskeln, um mehr handelt es sich nicht, gebe ich daher wenig.

      Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, daher sollte erst einmal “ausreichend Vertretungskapazitäten, moderate Unterrichtsverpflichtungen und eine bessere Lehrer-Schüler-Relation” umgesetzt werden und dann schauen wir weiter. Da das aber nie passieren wird, wird man sich wohl direkt weiter mit der Zerschlagung der Lehrerausbildung beschäftigen.

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