Nach dem Fall Schavan: Unis rüsten gegen Plagiate auf

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STUTTGART. Guttenberg, Koch-Mehrin und zuletzt Schavan: Die Plagiats-Affären um deutsche Politiker haben die Universitäten im Land für Betrugsversuche ihrer Studenten sensibilisiert. Viele wappnen sich mit neuer Software, mit Schulungen oder überarbeiteten Vorschriften gegen Täuschungsversuche. Dabei werden nicht nur Doktor-Arbeiten, sondern auch kleinere Seminararbeiten zumindest stichprobenartig auf Copy-and-Paste-Passagen überprüft.

Kämpft vor Gericht um ihren Doktortitel: Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Foto: Jahr der Geisteswissenschaften / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Kämpft vor Gericht um ihren Doktortitel: Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Foto: Jahr der Geisteswissenschaften / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Zugleich warnt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Karl Joachim Ebeling, vor Generalverdächtigungen. Ein prinzipielles Prüfverfahren für Doktorarbeiten sei abzulehnen. «Ein Unternehmen ist nur auf Vertrauens- und nicht auf einer Kontrollbasis erfolgreich zu führen – das gilt auch für Hochschulen», sagte Ebeling. Alles andere wäre aus Sicht des Präsidenten der Universität Ulm ein «Armutszeugnis für unsere Gesellschaft», zumal Täuschungsversuche äußerst selten vorkämen.

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«Der Anteil der Doktorarbeiten, bei denen Fehlverhalten nachgewiesen werden kann, liegt bei unter einem Promille.» Bei 400 Promotionen pro Jahr sei in Ulm derzeit gerade mal ein Täuschungsfall bekannt. Deshalb dürfe nicht jeder, zumal nicht jeder Politiker mit Doktortitel unter Generalverdacht genommen werden. «Ich halte das für übertrieben», sagte Ebeling, der seit einem Jahr an der Spitze der Uni-Rektoren steht.

Die HEIDELBERGER Universität wendet seit Juni vergangenen Jahres eine Anti-Plagiatssoftware an. Auch die Universität HOHENHEIM setzt auf eine Software und plant einen Leitfaden mit Empfehlungen für die Plagiatsbekämpfung. Der Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft überprüfe sogar von vornherein alle Arbeiten, teilte Pressesprecher Florian Leonhardmair mit.

An der juristischen Fakultät in Tübingen wird jede Hausarbeit überprüft

In TÜBINGEN überlegt die Medizinische Fakultät noch, eine flächendeckende Überprüfung einzuführen. Die juristische Fakultät ist schon einen Schritt weiter: Jede Hausarbeit müsse auch online hochgeladen werden und werde dann überprüft, erläuterte Janna Eberhardt, Sprecherin der Uni Tübingen. In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften müssen Arbeiten auf CD abgegeben werden, damit die Gutachter bei einem Verdacht den Text im Computer prüfen können.

Eine strengere Ahndung von Plagiaten wegen der jüngsten Skandale gebe es aber nicht, sagte Forschungs- und Medienreferentin Kerstin Eleonora Kohl von der PH FREIBURG. Die Hochschule setzt auch auf Informationen für Studenten und auf Hilfe beim wissenschaftlichen Arbeiten. Einen Erfolg verzeichnet die PH Freiburg auch mit ihrer freiwilligen Plagiatskontrolle. Vor der offiziellen Abgabe könnten Studierende ihre Arbeiten von Experten auf Herz und Nieren prüfen lassen – um so in einer persönlichen Beratung auf Fehler aufmerksam gemacht zu werden.

Manche Universitäten arbeiten im Kampf gegen Kopien an technischen Lösungen. Die Fakultät für Informatik am KARLSRUHER Institut für Technologie (KIT) entwickelt eine eigene Software. Das Programm soll Wissenschaftlern dabei helfen, effektiver Plagiate aufzudecken. Die Universität KONSTANZ wiederum hat damit begonnen, eine zentrale Datenbank aufzubauen. In dem digitalen Speicher sollen Dozenten aller Fachbereiche Täuschungs- und Plagiatsversuche eintragen können, erklärte Uni-Sprecherin Julia Wandt.

Die Universität FREIBURG setzt neben professioneller Software auch auf ein gängiges Hilfsmittel: «Google ist nach aktuellen Untersuchungen das wirkungsvollste Hilfsmittel. Das kann jeder selber nutzen», sagte der Direktor des Rechenzentrums, Gerhard Schneider. Die Universität STUTTGART sieht in der Anschaffung von teurer Software eher einen geringen Nutzen. «Täuschungen kommen in so geringen Fällen vor, dass die Anschaffung in keiner Verhältnismäßigkeit stünde», sagte Pressesprecher Hans-Herwig Geyer.

In der Diskussion kommt Ebeling die Frage nach der Qualität von Doktorarbeiten zu kurz. «Der Erkenntniswert einer wissenschaftlichen Arbeit spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle», kritisierte er. Dabei sei dies doch gerade das entscheidende Leistungskriterium, nicht das Erfüllen von Formalia. Allerdings sei der Fall des zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) glasklar gewesen. Anders sieht Ebeling das bei der ehemaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Hier halte er es mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der sich über eine «Skandalisierung der fehlenden Fußnoten» in Schavans Doktorarbeit mokiert hatte, sagte Ebeling. David Fischer/dpa

(2.4.2013)

Zum Bericht: “Gericht: Plagiate Koch-Mehrins weit über Bagatellschwelle”

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