Lebenshilfe befürchtet Pause bei der Inklusion in Niedersachsen – GEW: Bedingungen verbessern

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HANNOVER. Die Bildungspolitik gilt als das schwierigste Kapitel bei den nun anlaufenden Koalitionsverhandlungen in Niedersachsen. Die GEW fordert SPD und CDU auf, den Ganztagsunterricht auszubauen und die Inklusion an Schulen zu verbessern. Auch der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte appellierte an die Verhandlungsführer Weil und Althusmann, „in der Bildungspolitik endlich Nägel mit Köpfen zu machen“. Der Schulleitungsverband sprach sich für „A13 für alle“ aus. Die Lebenshilfe befürchtet eine Pause bei der Inklusion.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen hat zu Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU eine Weiterentwicklung der bisherigen Reformen gefordert. „Die GEW erwartet ganz klar den weiteren Ausbau des Ganztagsunterrichts, die fortgesetzte Förderung der Gesamtschulen, die Beibehaltung von G9 beim Abitur und Schritte zu einer gelingenden Inklusion“, sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth am Freitag in Hannover. Auch müssten alle Lehrkräfte auf dem Niveau der Gymnasiallehrer bezahlt werden. Gerade in Zeiten des Lehrkräftemangels müsse die Politik aktiv werden, um die dringend benötigten Fachkräfte zu gewinnen, sagte Pooth.

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Nach der Landtagswahl am 15. Oktober verhandeln SPD und CDU derzeit über eine große Koalition. Das Thema Bildungspolitik gilt dabei als schwierig, da die Positionen beider Parteien relativ weit auseinanderliegen. So will die CDU eine einjährige Pause bei der Inklusion einlegen und Schullaufbahnempfehlungen wieder einführen. In der Bildungspolitik strebt sie eine Unterrichtsversorgung von 102 Prozent an und spricht dabei von einer „Unterrichtsgarantie“. Die GEW-Vorsitzende Pooth kritisierte, dieses Versprechen sei unseriös. Es brauche ausreichend Personal im System, keine wohlklingenden Worthülsen.

Auch der niedersächsische Schulleitungsverband forderte die beiden Parteien auf, sich im Falle einer großen Koalition für eine Besoldung auf Gymnasiallehrer-Niveau für alle Lehrer einzusetzen und die Schulleitungen durch geringere Unterrichtsverpflichtung zu entlasten.

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR) verlangte von den beiden Verhandlungsführern, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Bernd Althusmann (CDU), spürbare Entlastungen für alle Lehrkräfte in naher Zukunft umzusetzen. Die kontinuierlich gestiegenen Belastungen an den Schulen hätten zu Unmut und Frustration geführt. „Die Zeit des Herumlavierens muss ein Ende haben. Es müssen jetzt in der Bildungspolitik Nägel mit Köpfen gemacht werden“, sagte VNL/VDR-Vorsitzender Torsten Neumann.

Der Verband sieht großen Handlungsbedarf bei der Umsetzung der Inklusion. Hier habe Ideologie nichts zu suchen, es bedürfe pragmatischer Maßnahmen. Es seien an allen Schulen ausreichend Förderschullehrkräfte vorzuhalten. Diese dürften nur an einer und nicht an verschiedenen Schulen eingesetzt werden. Der vor der Landtagswahl eingeschlagene Weg, pädagogisches Unterstützungspersonal an Niedersachsens Schulen einzustellen, muss konsequent fortgesetzt werden – und zwar zügig.

Die Lebenshilfe äußerte sich besorgt über das im Wahlkampf angekündigte Vorhaben der CDU, eine Pause bei der Inklusion einlegen zu wollen. Aus Sicht seines Verbandes sei das ein politisch falsches Signal, sagte Landesgeschäftsführer Holger Stolz. „Ich hoffe, dass sich die CDU damit nicht durchsetzt.“ Eltern von förderbedürftigen Kindern müssten die Wahl haben, ob sie ihr Kind in eine allgemeinbildende oder in eine Förderschule schicken wollten. Die Lebenshilfe favorisiere dabei das Modell, Kooperationsklassen für Kinder mit Förderbedarf an allgemeinbildende Schulen anzugliedern. N4t / mit Material der dpa

 

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3 KOMMENTARE

  1. Die Lebenshilfe kann ja mal mit gutem Beispiel voran gehen und das Personal in ihren Wohnheimen aufstocken und angemessen bezahlen. Ferner soll sie die behinderten Arbeitgeber in ihren eigenen Werkstätten so bezahlen, dass sie keine Sozialhilfe o. ä. mehr benötigen.

    • Die Lebenshilfe-Vertreter schrieben, die Inklusion dürfe nicht durch Ideologie verhindert werden, dabei ist diese selbst durch ihre einseitige Auslegung, auf die Schule bezogen, und dem Universalanspruch der einseitigen Auslegung , zu dieser geworden.
      Inklusion muss in der Gesellschaft gelebt werden, indem man die betroffenen Menschen nicht beruflich ausschließt und diese schulisch fördert.Es existieren leider ,in den mir bekannten Förderschulen keine geeigneten, individuellen Förderpläne für diesen Personenkreis.
      Das ist so, und so sind wir gezwungen, der Unterforderung durch eigene individuelle Förderung zu begegnen.
      Wir schließen diesen Personenkreis in uns ein.
      Diese Förderung gestaltet sich schwieriger als die medizinische Versorgung von Intensiv-Patienten, allerdings gelingt es durch strukturiertes Arbeiten mit klar vorgegebenen Reiz-Anwort-Methoden und strukturiertem Aufbau, enormes zu leisten.
      Dieses können inklusive Schulstrukturen nie erreichen, weil Individualisierung als selbstständiges Arbeiten mit losen Blattsammlungen umgesetzt wird.
      Damit sind diese Betroffenen aber vollkommen überfordert.

  2. So,so, die Lebenshilfe prangert Ideologie bei Meinungsgegnern an und ist blind für die eigene Besessenheit von einer Radikalinklusion, der ein Großteil der niedersächsischen Förderschulen in kürzester Zeit zum Opfer fiel und die Regelschulen in einer Weise belasten, die Schüler und Lehrer als unerträglich empfinden.

    Es ist immer wieder erschreckend, welches Unheil im Namen von Humanität und Moral angerichtet wird. Hauptsache, die Theorie klingt wunderbar edel und schmückt die Vertreter.
    Die Hölle der Praxis haben dann andere auszubaden mit der Auflage: ‘Wenn ihr den Inklusionsgedanken laut in Zweifel zieht, kommt ihr an den Schandpfahl. Erlaubt und sogar erwünscht ist nur Kritik an Rahmenbedingungen.’

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