Auch Großeltern sollten die Literaturvorlieben ihrer Enkel akzeptieren

3

Für viele Großeltern gibt es kaum etwas Schöneres, als sich mit dem Enkelkind gemütlich in einen Sessel zu kuscheln und vorzulesen. Doch nicht jedes Kind hat dazu Lust. Dann gilt es, Enkel da abzuholen, wo ihre Interessen liegen.

«Am besten gemeinsam in die Bibliothek gehen und das Kind selbst aussuchen lassen», rät Christine Kranz von der Stiftung Lesen. Dabei sollten Oma oder Opa offen sein für die Figuren, die das Kind interessieren. «Der größte Fehler, den man machen kann, ist vorzuschreiben, was ein gutes Buch ist.»

Anzeige


Ist eine Prinzessin aus einem Film etwa in der Schule oder Kita gerade angesagt, kommt ein Buch über diese Figur vermutlich gut an. «Es muss ja nicht dabei bleiben.» Prinzessinnen sind auch in vielen klassischen Märchen Thema. Ist das erste Buch einmal ausgelesen, können Oma oder Opa ein thematisch ähnliches anbieten.

Auch die alten Märchen kommen nach Kranz’ Erfahrung gut bei Kindern an. Zu viele Sorgen, dass sie zu grausam seien, muss man sich nicht machen. «Die Grimms-Originale würde ich aber schon der Sprache wegen eher ab Mitte der Grundschulzeit empfehlen.» Für Kitakinder gibt es abgespeckte, behutsam modernisierte Varianten. Die Expertin rät, auch da auf das Kind zu achten. «Sehr ängstliche Kinder werden Hänsel und Gretel eventuell ohnehin nicht mögen und das auch äußern», sagt Kranz. Darauf gilt es dann natürlich Rücksicht zu nehmen. dpa

IGLU offenbart: Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht vernünftig lesen – Studienleiter Bos: “Eine Schande!”

Anzeige


3 KOMMENTARE

  1. Die Meinung von Frau Kranz reproduziert die derzeitige Mode, Kinder von Anfang an wie autonome Entscheider zu sehen und zu behandeln. In der Regel folgen die Kinder dann dem, was die Unterhaltungs-Industrie derzeit bewirbt, z.B. Fäntasy, Hexen und Zauberer, Einhörner und Werwölfe. Dass Großeltern auch einen Erfahrungsschatz haben, dass sie den Kindern etwas Neues zeigen wollen oder etwas vermitteln, was ihnen selber wichtig ist, kommt in diesem Ansatz nicht vor.

  2. Wenn Großeltern keine Bücher empfehlen sollen, warum werden dann hier Empfehlungen gegeben?

    Meine Beobachtung ist, dass viele jüngere Kinder (Leseanfänger) Hilfe bei der Auswahl benötigen, da sonst die Augen größer als der Hunger sind und dies Misserfolge nach sich zieht. Für Leseanfänger ist Harry Potter zwar womöglich als Film bekannt, aber als Buch ungeeignet.

    Wer zum Lesen locken möchte, sollte auf die Vorlieben des Kindes achten, um so mehr, je weniger gerne das Kind liest. Auch das Lesevermögen ist individuell, Altersangaben sind nur Richtwerte.

    Ansonsten glaube ich, dass Eltern/ Großeltern auch mit ihrer Wahl die Kinder faszinieren können und bereits vor dem eigenen Lesen der Kinder durch Vorlesen und Erzählen den Zugang zu Büchern erschließen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here