Zeugnisstreit: Laut GEW beschweren sich immer mehr Eltern über Noten

3

MÜNSTER. In den nächsten Tagen gibt es wieder Halbjahreszeugnisse. Bei schlechten Zensuren sind die Sorgen vieler Eltern groß: Wird es beim Nachwuchs einmal für den Traumjob reichen? Mancher legt dann bei der Schule Widerspruch gegen Noten ein. Laut GEW steigt die Zahl der Beschwerden.

Zeugnisse geben Orientierung, bieten aber keine konkrete Hilfestellung. Foto: Dirk Vorderstraße / flickr (CC BY 2.0)
Schlechte Noten verursachen bei einigen Eltern Zukunftsängste.       Foto: Dirk Vorderstraße / flickr (CC BY 2.0)

Egal, ob Medizinstudienplatz oder die Ausbildung zum Mediengestalter: Um in beliebten Berufen Fuß zu fassen, brauchen Jugendliche häufig gute Noten. Am Freitag schauen viele Eltern deshalb bei den Halbjahreszeugnissen wieder ganz genau hin. Und längst nicht immer werden die Zensuren einfach akzeptiert. Werden Noten als ungerecht empfunden, legen Eltern durchaus Beschwerde oder Widerspruch ein. Laut GEW Nordrhein-Westfalen kommt das in den letzten Jahren immer häufiger vor. «Nach unserem Eindruck stellen Eltern öfter als früher die Kompetenz der Lehrkräfte in Frage», sagt Berthold Paschert, Sprecher der GEW NRW. Häufigere Beschwerden seien die Folgen.

Anzeige


Wer sich gegen Noten zur Wehr setzen will, muss sich in einem ersten Schritt an die Schule wenden. Wie viele Beschwerden gegen Noten es auch nur in NRW an den Schulen gibt, lässt sich nicht sagen. Kommt die Schule allerdings zur Auffassung, korrekt benotet zu haben, und die Eltern halten am Widerspruch gegen die Note fest, prüft in einem zweiten Schritt die Bezirksregierung. Denen liegen Zahlen vor – hier gibt es kein einheitliches Bild.

Im Regierungsbezirk Detmold ist die Zahl der Widersprüche von Eltern gegen Noten deutlich angestiegen. In den drei Regierungsbezirken Köln, Münster und Arnsberg ist die Zahl der Widerspruchsverfahren dagegen zuletzt rückläufig. Obwohl sich bei den Bezirksregierungen also kein Trend feststellen lässt, ist nicht ausgeschlossen, dass Eltern sich häufiger beschweren. Denn es ist denkbar, dass Auseinandersetzungen über Noten eben gar nicht bis zur Bezirksregierung gelangen.

Die Zahl der Elternbeschwerden über die von den Lehrern vergebenen Noten hat nach Einschätzung der GEW an den Schulen spürbar zugenommen. «Nach unserem Eindruck stellen Eltern öfter als früher die Kompetenz der Lehrkräfte in Frage», sagte Berthold Paschert, Sprecher der GEW NRW. Immer häufiger gebe es Beschwerden oder Widersprüche von Eltern gegen die Benotung der Lehrer.

Viele Bezirksregierungen bieten zu den Halbjahreszeugnissen an wieder Zeugnistelefone an. Schüler und ihre Eltern können sich hier etwa über Schullaufbahnen informieren, sich aber auch beraten lassen, was sie gegen eine als ungerecht empfundene Note machen können.

Zu den Erfolgsaussichten von Eltern mit solchen Widersprüchen lässt sich auch noch etwas sagen: Zumindest im Regierungsbezirk Detmold sei ein Widerspruchsverfahren in vielen Fällen nicht erfolgreich, erklärte ein Sprecher. Notenkorrekturen kämen seitens der Bezirksregierung nur vereinzelt vor. Im Schuljahr 2016/17 habe es 16 Fälle gegeben bei 112 Verfahren. Die Eltern können dann noch klagen. Im Schuljahr 2016/17 hat es im Regierungsbezirk laut dem Sprecher acht Klageverfahren gegeben, von denen zwei durch einen Vergleich beendet wurden. Die übrigen seien noch nicht entschieden. dpa

Die meisten Schüler bekommen fürs Zeugnis eine Belohnung

Anzeige


3 KOMMENTARE

  1. Es wäre mal schön, wenn unsere Vorgesetzten vertreten, was Gerichte dazu bisher geurteilt haben, dass “normale Noten” sich inhaltlich einer gerichtlichen Überprüfung aufgrund des Ermessensspielraums des Lehrers entziehen. Dass ein Lehrer dennoch seine Noten begründen können sollte, sollte klar sein.

    Soweit ich weiß, sind nur berufsrelevante Noten gerichtlich überprüfbar (Abschlusszeugnisse).

  2. Eltern wissen eben, dass ihre Beschwerden heutzutage auf Gehör stoßen und um sie rumscharwenzelt wird, damit sie sich ja nicht auch noch höheren Orts beschweren oder zum Rechtsanwalt laufen.
    Ich fürchte, dass so mancher Lehrer aus Angst vor Beschwerden lieber eine unverdient gute Note erteilt als sich tage- oder gar wochenlang mit Sorgen und Schlafstörungen rumzuplagen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here