Digitale Bildung: „Wenn Konzepte fehlen, bleibt es bei der Pseudodigitalisierung – bisschen was klicken, bisschen was hin- und herschieben“

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TÜBINGEN. Florian Nuxoll ist Lehrer (an einem Schulverbund aus einem Gymnasium und einer Gemeinschaftsschule). Und er ist Experte für Digitale Bildung. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen aus der Grundschule hat er jetzt ein Medienbildungskonzept für die Primarstufe entwickelt. Im Interview spricht Nuxoll über Herausforderungen und Chancen digitaler Bildung. Das Interview erschien zunächst in der Ausgabe “Keine Angst vor Tablet und Co” der Zeitschrift “Grundschule”.

Hier lässt sich das Heft bestellen oder lassen sich einzelne Beiträge herunterladen (kostenpflichtig).

“Schüler wachsen in einer digitalen Welt auf. Wir müssen sie dabei pädagogisch begleiten, um ihnen Orientierung zu geben.” Foto: Shutterstock

„Digitale Bildung als Aufgabe annehmen“

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Vorweg eine grundlegende Frage: Wer sind denn nun eigentlich die sogenannten Digital Natives?

Florian Nuxoll: Per Definition sind Digital Natives Personen, die nach 1980 geboren wurden, weil sie schon in ihrer Kindheit mit digitalen Technologien sozialisiert worden sind. Demnach gibt es bereits einige Grundschullehrkräfte, die selbst Digital Natives sind. Ich würde aber sagen, man muss innerhalb dieser Gruppe noch mal unterscheiden und zwar zwischen den nach 1980 Geborenen und denjenigen, die nach 2000 geboren worden sind, also die heutigen Schülerinnen und Schüler. Diese sind von vornherein mit Smartphones und sozialen Netzwerken groß geworden. Vor diesem Hintergrund sind Lehrkräfte Digital Immigrants, die sich das Wissen über diese Technologien im Nachhinein aneignen müssen.

Es ist allerdings ein Fehlschluss zu glauben, dass die heutigen Schülerinnen und Schüler, nur weil sie mit dem Tablet und dem Smartphone aufgewachsen sind und sie bedienen können, auch kompetent mit ihnen umgehen können.

Die Zeitschrift 'Grundschule'

Dieser Beitrag und weitere zum Thema Legasthenie und Dyskalkulie sind in der Zeitschrift “Grundschule” mit dem Titel “Probleme richtig deuten” erschienen. Hier lässt sich das Heft bestellen oder lassen sich einzelne Beiträge herunterladen (kostenpflichtig).

Digitale Medien sind fester Bestandteil unserer Lebenswelt. Schülerinnen und Schüler können in der Regel schon wischen und klicken, bevor sie schreiben können. Die Bezeichnung “neue Medien” erscheint somit bereits veraltet. Häu¿g gilt das allerdings noch nicht für den Schulalltag, obwohl es viele Gründe gibt, die für den Einsatz digitaler Medien sprechen – schon in der Grundschule. Die Ausgabe der “Grundschule” bringt Beispiele für eine sinnvolle und leistbare Unterrichtspraxis.

Heißt das, dass wir die Kompetenzen der Digital Natives gemeinhin überschätzen?

Nuxoll: Wir Digital Migrants haben manchmal das Gefühl, dass uns die Digital Natives wahnsinnig viel voraus haben. In letzter Konsequenz gilt das häufig aber nur für die Bedienungsebene. Auf der nächsten Ebene können wir den Digital Natives sehr wohl noch Hilfestellung geben, etwa wenn es um Gefahren und Chancen der digitalen Welt geht. Als Lehrkraft muss ich mich dafür ein bisschen in der digitalen Welt der Schülerinnen und Schüler auskennen und zum Beispiel musical.ly (eine Social-Media-App, mit der kurze Videoclips erstellt werden können; Anm. d. Red.) und Snapchat (eine Social-Media-App, mit der temporär Inhalte geteilt werden können; Anm. d. Red.) kennen. Darüber können Lehrer mit Schülern intensiv ins Gespräch kommen.

Wie sollten Lehrerinnen und Lehrer diese Apps am besten im Unterricht thematisieren, um an die kindlichen Erlebenswelten im Digitalen anknüpfen zu können?

Nuxoll: Das ist schwer zu beantworten, denn rein rechtlich dürfen Schüler der Grundschule und der Sekundarstufe I diese sozialen Netzwerke noch gar nicht nutzen. Für den Messenger-Dienst WhatsApp muss man zum Beispiel 16 Jahre alt sein. Vor kurzem hat aber ein Teilnehmer bei einer Fortbildung erzählt, dass die meisten seiner Erstklässler schon WhatsApp haben. Das heißt, wir müssen die bei Schülern beliebten Apps kennen und auch den rechtlichen Rahmen, um sie entsprechend thematisieren zu können. Dabei darf es natürlich auf gar keinen Fall dazukommen, dass wir durch unseren Input das Bedürfnis der Kinder schüren, die Apps nutzen zu wollen. Sie sollen nicht nach Hause gehen und sagen: „Unser Lehrer hat heute über Snapchat geredet. Ich will jetzt ein Smartphone haben und Snapchat nutzen.“

Florian Nuxoll. Foto: Rene Stryja

Das ist ein schmaler Grat. Wie lässt sich dieser Konflikt umgehen?

Nuxoll: Das haben meine beiden Grundschulkolleginnen und ich uns auch gefragt, als wir unser Medienbildungskonzept entwickelt haben. Wir haben uns schließlich entschieden, in unserem Medienwelten-Grundschulheft eine Storyline zu verfolgen, in der die großen Geschwister diejenigen sind, die WhatsApp, Snapchat und ähnliche Programme nutzen – nicht die Grundschulkinder. Dadurch können wir sie im Unterricht an diese Programme heranführen, ohne dass ihnen suggeriert wird, andere Acht-, Neun-, Zehnjährige nutzen das auch.

Gibt es auf der anderen Seite auch Chancen, die die Digitalisierung Kindern bietet?

Nuxoll: Es gibt definitiv Vorteile. Ich glaube aber, dass die Konzepte, die die absoluten Vorteile fürs Lernen bringen, noch teilweise in der Entwicklung sind. Ich denke da etwa an Programme zum adaptiven Lernen, die den Lernstand der Schüler genau analysieren – das ist der Bereich „Learner Analytics“. Das Programm kann dann jedem Schüler die Aufgaben geben, die für ihn gerade am relevantesten sind, um einen Lernfortschritt zu erreichen. Ein Beispiel wurde hier in Tübingen entwickelt: Prosodiya ist ein Programm zur Verbesserung der Lese- und Rechtschreibleistung. Mit ihm lernen Kinder Schritt für Schritt, einzelne Wörter in Silben zu gliedern und zu erkennen, welche Silbe betont ist. Anschließend lernen sie, wie sie die sprachrhythmischen Merkmale mit Rechtschreibregeln verbinden können. Dieses Programm ist so aufgebaut, dass jeder Schüler in seinem Tempo arbeiten kann und Feedback zu seinem Lernstand bekommt. Interessant dabei ist – ob das jetzt positiv oder negativ ist, muss man auch gar nicht bewerten –, dass Schüler das Feedback der Software manchmal eher annehmen als von einer Lehrkraft. Das wirkt so objektiv, sodass die meisten Schüler es dann emotionslos annehmen. Sie sind dann nicht sauer, sondern sagen einfach: „Okay, das Programm sagt, ich muss das noch üben“ – und dann wird das gemacht.

Das klingt ganz spannend. Was bedeutet es aber, dass sich solche digitalen Konzepte für den unterrichtlichen Bereich, wie Sie sagen, noch Großteils in der Entwicklung befinden?

Nuxoll: Ein Fehler, der jetzt oft gemacht wird, ist, dass die Ministerien besonders die Technik pushen wollen. Digitale Endgeräte sind natürlich eine Voraussetzung zur Umsetzung digitaler Bildung, aber wenn die Konzepte noch nicht da sind, die für die Lehrkraft wirklich hilfreich sind, dann bleibt es bei dieser Pseudodigitalisierung der Bildung, die wir heute vielfach beobachten können: bisschen was klicken, bisschen was hin- und herschieben – da ergibt sich kein Mehrwert für den Unterricht beziehungsweise das Lernen.

Was muss Medienarbeit in der Grundschule bieten, damit es nicht bei der von Ihnen erwähnten Pseudodigitalisierung der Bildung bleibt?

Nuxoll: Wir haben ja bereits festgestellt, dass die Schüler inzwischen in einer digitalen Welt aufwachsen und wir sie dabei pädagogisch begleiten müssen, um ihnen Orientierung zu geben. Das Ziel muss dabei sein, die Schüler zu unterstützen, sich zu mündigen Nutzern von Medien und digitalen Technologien zu entwickeln. Das heißt auch, dass sie lernen, wann der Einsatz digitaler Medien sinnvoll ist und wann nicht. Sie müssen entscheiden können: Recherchiere ich jetzt digital oder analog? Präsentiere ich mit einem Poster oder nutze ich ein computerbasiertes Programm?

Was empfehlen Sie Lehrkräften, die digitale Bildung umsetzen möchten, sich im Umgang mit der aktuellen Technik aber noch unsicher fühlen?

Nuxoll: Wir haben im Rahmen unseres Medienbildungskonzepts festgestellt, dass drei Stufen digitaler Bildung existieren. Auf der ersten Stufe können Lehrkräfte Medienbildung komplett ohne digitale Technologien unterrichten, etwa indem sie mit ihren Schülern die eigene Mediennutzung reflektieren. Dafür brauchen sie kein Tablet oder Ähnliches. Auf der nächsten Stufe können sie die Technik einsetzen, mit der sie sich wohlfühlen und die Schüler zum Beispiel im Computerraum einen Steckbrief erstellen lassen. Auf diese Weise können Lehrerinnen und Lehrer sukzessive ausprobieren, was sie können. Das führt vielleicht dazu, dass sie nach und nach mehr digitale Technologie im Unterricht einsetzen und ausprobieren. Also: Lehrkräfte müssen nicht immer digital unterwegs sein, um die Schüler auf eine digitale Welt vorzubereiten. Wichtig ist, dass sie digitale Bildung als Aufgabe annehmen und angehen.

Ines Oldenburg führte das Interview.

Ein Konzept für die Praxis

Das Arbeitsheft „Medienwelten Grundschule“, das Florian Nuxoll gemeinsam mit Grundschulpädagoginnen entwickelt hat, richtet sich an die Klassenstufen 3 und 4 und besteht aus sechs Modulen. Zu ihnen gehören unter anderem die Themen Recherchieren, Präsentieren und Kommunikation. Die offline erworbenen Kenntnisse können die Kinder in einem kostenfreien, auf das Arbeitsheft abgestimmten Online-Angebot anwenden und festigen.

Hier lassen sich das Arbeitsheft und die dazugehörige Lehrerhandreichung bestellen (kostenpflichtig).

Digitale Bildung: Worauf es beim Computer-Einsatz im Unterricht wirklich ankommt – ein Interview mit dem Bildungsforscher Klaus Zierer

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24 KOMMENTARE

  1. Wenn es allein um die Ausstattung geht, um einen Abverkauf von Hardware,
    “dann bleibt es bei dieser Pseudodigitalisierung der Bildung, die wir heute vielfach beobachten können: bisschen was klicken, bisschen was hin- und herschieben – da ergibt sich kein Mehrwert für den Unterricht beziehungsweise das Lernen.”

    Genau DAS ist es, was Lehrkräfte bemängeln, dass ein Beamer oder ein Board allein noch keinen Mehrwert bringen, wenn der Einsatz einem Tageslichtprojektor gleichkommt. Wenn dann der Aufwand für Beschaffung, Einarbeitung, Erarbeitung von Medien und Wartung erheblich höher ausfällt als bisher, treten sehr viele Lehrkräfte davon zurück und sehen viel Arbeit für wenig Nutzen, die sie unter derzeitiger Belastung nicht leisten können und wollen.

    Auch wir haben ein Medienkonzept erarbeitet – mehrfach schon. Zur Zeit des Konjunkturpaketes I und II war die Bereitstellung der Ausstattung an die Erstellung eines Konzeptes geknüpft.

    Einige Jahre danach haben wir ein neues Konzept erstellt mit Modulen für die Arbeit am PC und die Auseinandersetzung mit Gefahren und Risiken.
    Es war uns wichtig, die ersten Interaktiven Tafeln kamen in die Schulen, wir wollten Medienkompetenz und wollten den Mehrwert berücksichtigen. NRW hatte genau zu der Zeit bereits ein Konzept erstellt,
    das Medien als digitale Werkzeuge sieht, aber auch Risiken aufgreift.
    Wir haben ein Konzept mit unterschiedlichen Modulen geschrieben, Nutzung von PCs, Auseinandersetzung mit Risiken, Fallen bzw. Gefahren im Internet … und zusätzlichen Modulen als Angebot für Projekte oder besondere Einheiten.

    Meine Erfahrung: Ich weiß nicht, wo ich die Zeit dafür hernehmen soll.
    Gerne wird gesagt, Medien müssten in allen Fächern aufgegriffen werden und alle Fächer sollen daran mitwirken. Gleiches gibt es auch für andere Lernbereiche, z.B. Mobilität.
    Man geht davon aus, dass allein diese Aufforderung bewirkt, dass man das dann auch umsetzen kann, zusätzlich zu den anderen Inhalten. Das ist aber ein Trugschluss, der darauf basiert, dass man keine zusätzliche Unterrichtszeit dafür finanzieren will.

    Dass SuS sobald sie schreiben und lesen können in sozialen Netzwerken verkehren, sehe ich. Die SuS der 80er und 90er hatten zwar andere Möglichkeiten, die Gefahren waren aber ähnliche. Chats, die nicht immer moderiert und geschützt sind, finden sich seit vielen Jahren auch auf Kinder-Spiele-Seiten im Internet.
    Das internet-abc und die Internauten bieten seit Jahren angemessene digitale Inhalte, mit denen sich auch mit jüngeren SchülerInnen Themen aufgreifen lassen.
    Wenn das alles, wie Verkehrserziehung, Zahngesundheit und Mitbestimmung Inhalt des Unterrichts sein soll, braucht es Zeit im Unterricht. Dann reicht es nicht aus, zu fordern, Medien müssten in allen Fächern präsent sein, man muss die Lehrpläne entrümpeln und anderes streichen…
    Aber was?

  2. Eine andere Erfahrung dazu:
    Die Innovation, die ich vor Jahren gesehen habe, die mich Staunen lassen hat, bei der Lehrkräfte leuchtende Augen bekamen, sich über Mehrwert oder den Einsatz im Unterricht ausgetauscht haben, ist verpufft! Das, was wir uns alle vorgestellt haben, ist nach ca. 10-15 Jahren nicht im Ansatz in Schulen angekommen.

    Hat die Wirtschaft die Verbesserung des Unterrichts und den Mehrwert überhaupt je in den Blick genommen?
    Man hätte vor 10 Jahren Lehrkräfte entpflichten und mit Programmierern gemeinsam Medien entwickeln lassen können, pädagogisch sinnvoll, medial gelungen umgesetzt, sauber programmiert – für Boards, als Lernplattform, inzwischen als App.

    Wenn der Mehrwert bedeutet, dass Lehrkräfte zusätzlich zu ihren sonstigen Belastungen auch noch auf die Suche danach gehen müssen, selbst Konzepte UND Materialien entwickeln und erstellen müssen, dann schmilzt der Mehrwert und es bleibt nicht viel davon übrig.

  3. Vielleicht sollten LuL das digitale Lehren erst einmal selber lernen, z. B. in einem Fernstudium an der FernUni Hagen. Der Masterstudiengang “Bildung und Medien: eEducation” bietet hier diverse Fortbildungschancen.

  4. Eine interessante Debatte, die endlich einmal geführt werden muss. Technik vs. Konzepte bzw. Technik ohne Konzepte. Digitalisierung sollte kein Selbstzweck werden… und wenn jeder Lehrer erst ein “Fernstudium an der Fernuni Hagen” bräuchte, ist ja klar, dass das nichts werden kann.

    Ich halte übrigens in diesem Kontext gar nichts von Lehrerbashing, im Sinne von, die Lehrer sollen erst einmal lernen die Technik etc. zu bedienen. In der freien Wirtschaft können die Leute das doch auch. In der freien Wirtschaft gibt es aber auch immer IT Abteilungen, in den Schulen “nur” den Physiklehrer, der 1 oder 2 Deputatsstunden bekommt.

    • Naja ich sehe das ein bisschen anders. Technik bedeutet laut Politik doch erstmal eine Netzanbindung und W-Lan in allen Klassen. Da geht es also nicht um Technik vs Konzepte.

      Zudem möchte ich mal folgendes einwerfen: es wird keine neuen Konzepte benötigen. Nehmen wir den Beamer als Beispiel. Günstig und praktikabel. Darüber kann man Präsentationen halten, Videos schauen, Bilder einblenden, etc. Es stellt lediglich ein neues Medium dar. Es ist jedoch kein neues Konzept. Früher hat man auf dem OHP Bilder anprojektiert oder VHS Kassetten über den Röhrenfernseher gesehen. Genauso hat die Erfahrung gezeigt, dass es keinen sinnvollen Einsatz für interaktive Displays gibt. Es ist lediglich ein teures Präsentationsmedium.

      Wie sieht es dann mit Smartphones, Laptops oder Tablets aus? Es kommt da einfach auf die Software an. SuS sollten weiterhin auf Papier schreiben, was sich jedoch ändern wird ist das Schulbuch. Es wird digital und ergänzt durch interaktive Aufgaben. Alles andere ist unnötig und Geldmacherei.

      Der Unterricht wird sich also gar nicht so sehr verändern. Neue Konzepte halte ich auch nicht für notwendig. Was ich jedoch für nötig halte, ist die Einstellung der Lehrer. Weiterbildung ist kein so großes Thema in unserer Berufsgruppe. So heißt es immer öfter “lebenslanges lernen”, nur Lehrer machen da nicht mit. Es fehlt die Einstellung sich mit neuen Themen auseinanderzusetzen. Das sehen sie auch hier: bestimmte Beiträge ziehen Lehrer an und werden viel diskutiert. Das sind Beiträge, in denen Lehrer kritisiert werden oder sie meinen sie wüssten es besser. Bei allem neuen wo sie sich nicht auskennen halten sie sich fern. Im Lehrerkollegium ist es noch schlimmer. Da werden neue Ansätze regelrecht blockiert. Es kommt dann gerne die Ausrede, dass man dafür keine Stundendeputate übrig hat. Bei der Digitalisierung heißt es dann, so wie bei ihnen, dass es in Unternehmen dafür IT-Abteilungen gibt. Sorry aber aus Lehrern sollen keine IT-Experten gemacht werden. In der Wirtschaft müssen sich Menschen auch nebenbei weiterbilden, zusätzlich zu ihrer Arbeit, in Themen von denen sie zuvor auch noch nie gehört haben. Ich glaube das müssen wir als Lehrer in Zukunft den SuS besser vorleben, da es immer wichtiger wird.

      • “Bei der Digitalisierung heißt es dann, so wie bei ihnen, dass es in Unternehmen dafür IT-Abteilungen gibt. Sorry aber aus Lehrern sollen keine IT-Experten gemacht werden.”

        Sie vergessen da einen sehr wichtigen Punkt. In der freien Wirtschaft können die Verwender der digitalen Medien davon ausgehen, dass die Apparatur technisch aktuell und funktionsfähig ist. Der Mitarbeiterstab hat ein Team von Systemadministratoren im Hintergrund und muss die Wartung nicht selbst während der unbezahlten Freizeit übernehmen.

        • Sie haben meinen Punkt nicht verstanden. Ich sprach nicht von der Wartung, sondern davon sich weiterzubilden. Sehen sie den anschließenden Satz:

          “In der Wirtschaft müssen sich Menschen auch nebenbei weiterbilden, zusätzlich zu ihrer Arbeit, in Themen von denen sie zuvor auch noch nie gehört haben.”

          In der freien Wirtschaft heißt es: entweder man bildet sich weiter oder man wird mittelfristig nicht mehr mithalten können und fliegt raus. Diesen Druck gibt es im Beruf des Lehrers nicht. Somit sehen sich viele auch nicht genötigt dahingehend etwas zu tun.

          • Ich weiß ja nicht, in welcher Welt Sie leben. In meiner Realität jedenfalls ist das Problem ganz sicher nicht, dass Lehrer sich zuwenig fortbilden, sondern dass diese Fortbildungen inhaltlich unter aller Kanone sind oder sich mit rein system-administrativen Themen beschäftigen. So habe ich selbst z.B. in den vergangenen Jahren allein an sieben Fortbildungen zum Thema “Implementation von Bildungsstandards und Kerncurricula” teilnehmen dürfen.

      • Es ging doch im Artikel oben um den Mehrwert.

        Wenn der TLP durch den Beamer ersetzt wird, sehe ich auch keinen Mehrwert.
        Wenn ein Interaktives Board einen TLP auch nicht.
        Wenn das interaktive Board nicht mit Stiften beschriftet, sondern als solches benutzt wird, gibt es manches, dass dort m.E. praktikabler ist, z.B. Unterricht, der sonst mit Wortkarten abgehalten wurde.
        Ein Mehrwert ergibt sich, wenn interaktive Schulbücher oder Charts vorhanden wären, die unterschiedliche Medien problemlos miteinander verbinden. Die Seiten eines Schulbuches zu zeigen und gemeinsam mit den SuS zu füllen, sehe ich in den seltensten Fällen als Mehrwert.

        Ein Mehrwert ergibt sich auch, wenn z.B. das, was früher mit Karteien geübt wurde, per Programm gesteuert wird, das eine Differenzierung ermöglicht, die der Lehrer bestimmt (Aufwand) oder die im Programm angelegt ist.

        Ein Mehrwert ergibt sich, wenn über die angebotenen Programme eine Differenzierung hinsichtlich der Inklusion erfolgen kann: Texte in einfacherer Sprache, visuelle Darstellung von Inhalten für die, die nicht lesen können oder der Sprache nicht mächtig sind, Hörbeiträge, für die, die nicht gut sehen können, Einsatz von Kopfhörern/ vorgelesene Texte uvm. … gerne auch zu den üblichen Themen der Curricula.

        Ein Mehrwert ergibt sich dann, wenn A5 oder A4-Medien über eine Kamera genutzt werden können, für alle sichtbar, darüber Schülerarbeiten o.a. einbezogen werden und Lösungen diskutiert werden können.

        Wenn sich der Lehrkraft der Mehrwert nicht erschließt, warum soll sie dann viel Zeit auf etwas verwenden, das nicht läuft, weil es nicht gewartet wird, und das den Unterricht gar nicht verbessert, da nur das abgebildet wird, was es bisher schon gab?

      • “Bei allem neuen wo sie sich nicht auskennen halten sie sich fern. Im Lehrerkollegium ist es noch schlimmer. Da werden neue Ansätze regelrecht blockiert. Es kommt dann gerne die Ausrede, dass man dafür keine Stundendeputate übrig hat. ”

        Das mag Ihre Erfahrung sein, meine ist es nicht.
        Boards werden geliefert, die LuL würden sich einarbeiten, aber leider hat der Schulträger “vergessen”, dass Boards auch Laptops benötigen.
        So ist es bei vielem anderen auch: der Schulträger kommt nicht voran, von der Schulbehörde gibt es Vorgaben, aber keine Unterstützung.

        Eigeninitiative wird bei Lehrkräften besonders groß geschrieben.
        „Fortbildungen“ in diesem Bereich sind aber gerne Präsentationen von Herstellern.

        Wo gibt es denn die, die sich wirklich eingearbeitet haben und – wie oben angesprochen – entsprechende Konzepte vorlegen, die den pädagogischen Nutzen, Didaktik und Methodik in den Blick nehmen?
        Vor Jahren gab es einen MOOC der Uni Hildesheim zum Lernen mit Tablets. Wo sind andere digital zur Verfügung stehende Fortbildungsangebote, die flächendeckend allen Lehrkräften zur Verfügung gestellt werden, um sie zu unterstützen?

        Dass Lehrkräfte früher oder später Schwerpunkte hinsichtlich der Eigeninitiative setzen, ist zudem kein Wunder, angesichts extrem vieler Themen, die auf sie einstürmen und die sie sich alle selbst erarbeiten dürfen.
        Da ist es wieder, das „bisschen Engagement“, das man von Lehrkräften doch wohl erwarten kann.
        Leider ist es ein bisschen für alles: Medien, Materialien, Curricula mit Kehrtwendungen alle 5-10 Jahre, Datenschutz, Förderschwerpunkte vielfältigster Art, Integration von Migranten, Dokumentationen, Beauftragungen für alles Mögliche … noch was? Ach so, ja Unterricht… ein bisschen Engagement für den Unterricht muss dabei noch übrig bleiben.

        • In diesem Fall möchte ich Ihren Ausführungen ausdrücklich zustimmen. Bei uns bestand die Fortbildung zu den Smartboards vor ca. 6-7 Jahren darin, dass ein sehr junger Mitarbeiter des Herstellers aus dem Handbuch vorlas und uns einzelne Funktionen ausprobieren ließ. In den Folgejahren gingen mehrere der in den Geräten verbauten Beamer kaputt – und Smart Industries kam mit der Reparatur nicht hinterher. Außerdem müssten und müssen die Teile dauernd neu kalibriert werden, weshalb wir weitgehend zu Laptop-Beamer-Kombinationen mit entsprechender Software zurückgekehrt sind – so, wie es viele Kollegen schon vor der Anschaffung der sauteuren Smartboards dringend empfohlen hatten. Gewartet werden diese Laptop-beamer-kombinationen natürlich von den jeweiligen Fachobleuten in ihrer Freizeit.

    • @ Technik, ja… aber
      Die Erkenntnis, dass LuL erst einmal selber lernen müssen, bevor sie lehren, ist bestimmt kein Lehrerbashing. Das sollte sich von selbst verstehen!
      Ihr Vergleich mit der Wirtschaft hinkt. Denn in der freien Wirtschaft lernen Mitarbeiter die Technik genauso weit zu beherrschen, wie sie diese benötigen. Sie erwerben also nur rudimentäres (Halb-)Wissen. Das Lehren in der Schule verlangt deutlich mehr Professionalität. LuL benötigen einen deutlich weiteren „digitalen Horizont“, um mit digitalen Medien lehren zu können.
      Ich denke, gerade LuL der Primarstufe werden gut nachvollziehen können, dass es nicht ausreicht, den zu lernenden Inhalt selber zu beherrschen. Es reicht z. B. nicht aus, selber rechnen zu können, wenn man Kindern das Rechnen beibringen will.
      Aus diesem Grunde fordere ich umfangreiche Fortbildungen für LuL. Und weil es aktuell keine geeigneten Angebote gibt, empfehle ich exemplarisch das Studium “Bildung und Medien: eEducation” an der FernUni – natürlich auf Kosten des Dienstherren und in der Dienstzeit!

  5. @ xxx und @ FElixa
    Sie irren, wenn Sie glauben, dass LuL keine IT-Experten sein sollen. Lesen Sie mal die Strategie der Kultusministerkonferenz auf Seite 24 (https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2016/Bildung_digitale_Welt_Webversion.pdf):
    „Alle Lehrkräfte müssen selbst über allgemeine Medienkompetenz verfügen und in ihren fachlichen Zuständigkeiten zugleich „Medienexperten“ werden. Der bereits in der KMK-Empfehlung „Medienbildung in der Schule“ von 2012 formulierte Qualifizierungsanspruch gilt daher für alle Lehrkräfte.“
    Und genau deshalb fordere ich umfangreiche Fortbildungen für alle LuL, beispielsweise im Masterstudiengang “Bildung und Medien: eEducation” an der FernUni Hagen. Denn Experte wird man nicht durch eine Nullachtfünfzehn-Fortbildung.

    • IT-Experte != Medienexperte. Als Lehrer geht es darum ein rudimentäres Wissen darüber zu erwerben was für den eigenen Alltag benötigt wird. Nicht jeder Lehrer muss einen Server, Netzwerk, etc. warten können. Das muss man in der Wirtschaft ja auch nicht, nur weil man in einer IT-Firma arbeitet.

      Es scheitert bei vielen ja schon daran den Computer vernünftig zu bedienen. Da kommen täglich mehrere Fragen von Kollegen, dass sie wieder Probleme mit dem Computer haben. Das liegt daran, weil sich die Leute damit nicht mal 5 Minuten beschäftigen.

      Wenn ich mich mal ein Wochenende privat damit beschäftige welche digitalen Endgeräte und welche digitalen Materialien für den eigenen Unterricht in Frage kämen und mich dann darin einarbeite, hätte ich schon einen wichtigen Schritt gemacht. Das macht nur kaum jemand.

      Das können sie auch auf jedes andere Thema übertragen.

      • “Wenn ich mich mal ein Wochenende privat damit beschäftige”, wird das für das, worum es im Artikel geht, nicht ausreichen.
        Das eine ist, sich selbst mit z.B. Hardware oder Programmen vertraut zu machen, oft auch Möglichkeiten zu sichten, um sie vernünftig einsetzen zu können.
        Das andere ist, sinnvolle Ziele für SuS festzulegen und deren Umsetzung zu planen – über Fächergrenzen hinweg, denn ein Fach dafür gibt es ja bisher nicht, also braucht es gemeinsame Abstimmungen im Kollegium, denn jeder muss in seinem Fach ein bisschen Zeit dafür hergeben.

        “Wenn ich mich mal ein Wochenende privat damit beschäftige,” dann brauche ich auch mal ein Wochenende für alles andere, was notwendig ist – von A wie Alphabetisierung von Migranten über I wie Inklusion bis hin zu Z wie Zusatzbeauftragungen unterschiedlichster Art.

        Im übrigen mache ich das nicht PRIVAT… wie kommen Sie darauf?
        Ich beschäfitge mich nicht PRIVAT mit Dokumentationen, nicht PRIVAT mit der Umsetzung von Inklusion in meinem Unterricht, nicht PRIVAT mit den Korrekturen und der Unterrichtsplanung, nicht PRIVAT mit Konzepten aller Art für die Schule. Tatsächlich ist das Arbeit und Arbeitszeit … die Arbeitszeitstudie zeigt ja deutlich, wie viele Lehrkräfte am WE und in den Ferien sich um genau diese Aufgaben kümmern.

        Ich kann mich privat mit Medien beschäftigen, mit Inklusion, mit Migration, ich kann mich ehrenamtlich in einem oder allen diesen Bereichen engagieren, aber das, was Sie vorschlagen, ist dienstlich.

        Ich bin es leid, unter dem Hinweis auf “ein bisschen Engagement” zu noch mehr Mehrarbeit gezwungen zu werden “für die Kinder”.
        Wer Ziele und Arbeit verteilt, muss auch das verteilen, was zur Erfüllung zwingend notwendig ist: Arbeitszeit und Materialien.

        Aber sicherlich trifft sich der Techniker der IT-Service-Firma am Wochenende PRIVAT mit dem Zuständigen des Schulträgers, damit sie das, was sie seit Jahren nicht geschafft haben, gemeinsam in ihrer Freizeit erledigen: Planung und Umsetzung sowie Wartung von Hartware im Schulgebäude … weil ihnen Bildung so wichtig ist und weil sie das gerne PRIVAT “für die Kinder” machen möchten.

        • Warum geraten so viele hier in den “Verteidigungsmodus” sobald man mal Dinge hinterfragt? Ich habe nicht behauptet, dass Lehrer wenig arbeiten. Das ist mir tagtäglich ja auch bewusst, jedoch scheint ihnen nicht bewusst zu sein was man in der freien Wirtschaft PRIVAT zusätzlich machen muss. Der Begriff “lebenslange Lernen” kommt nicht von ungefähr. Es reicht heute nicht mehr eine Ausbildung zu machen, 1 mal im Jahr auf eine Fortbildung zu gehen und dann sich sein Leben lang darauf auszuruhen. Insbesondere in akademischen Berufen heißt es mittlerweile sich stetig weiterzubilden. Dies geschieht nun mal in der eigenen Freizeit. Das macht man ja auch nicht jedes Wochenende, nur muss man alle paar Jahre etwas neues Lernen und dann heißt es dranbleiben.

          “Ich beschäfitge mich nicht PRIVAT mit Dokumentationen, nicht PRIVAT mit der Umsetzung von Inklusion in meinem Unterricht, nicht PRIVAT mit den Korrekturen und der Unterrichtsplanung, nicht PRIVAT mit Konzepten aller Art für die Schule.”

          Genau und innerhalb der Arbeitszeit macht man dies auch nicht. Wie auch. Bleibt ja neben dem Unterrichten, Planen, Korrigieren und weiteren Verwaltungsaufgaben ja gar keine Zeit mehr. Fragen sie mal sich selbst und ihre Kollegen wer sich wirklich weitergebildet hat und damit meine ich nicht auf eine pseudo-mäßige Weiterbildung wo man sich mal für ein paar Stunden etwas angehört hat. Viele werden sich gar nicht privat weitergebildet haben. Da werden Sie wenn diese Spezialisten finden. Der eine beschäftigt sich viel mit Inklusion, der andere mit Digitalisierung, der nächste mit Integration. Es fehlt, dass sich jeder Grundwissen (!) zu all diesen Themen aneignet. Es geht nicht darum Experte für Thema X zu sein. Ich kann ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass das nicht viel Arbeit ist. So viel ändert sich im Schulsystem innerhalb von wenigen Jahren nicht. Wenn ich mir mal 1-2 Wochenenden im Jahr nehme um mich in neue Themen einzuarbeiten reicht das völlig. Wenn ich es sogar schaffen würde meine Arbeitszeit effizienter zu gestalten, würde diese Weiterbildung sich vermutlich in meine Arbeitszeit integrieren lassen.

          “Das eine ist, sich selbst mit z.B. Hardware oder Programmen vertraut zu machen, oft auch Möglichkeiten zu sichten, um sie vernünftig einsetzen zu können.
          Das andere ist, sinnvolle Ziele für SuS festzulegen und deren Umsetzung zu planen – über Fächergrenzen hinweg, denn ein Fach dafür gibt es ja bisher nicht, also braucht es gemeinsame Abstimmungen im Kollegium, denn jeder muss in seinem Fach ein bisschen Zeit dafür hergeben.”

          Ich verstehe ihren Einwand nicht so ganz. Was meinen Sie mit einem eigenen Fach bzw. über Fächergrenzen hinweg? Es ging in dem Beitrag um Konzepte bzw. dem Einsatz digitaler Medien. Das findet im eigenen Unterricht statt.

          • “Warum geraten so viele hier in den “Verteidigungsmodus” sobald man mal Dinge hinterfragt? ”
            Was hinterfragen Sie denn?
            Sie behaupten, Lehrkräfte würden sich nicht fortbilden und wären nicht bereit, sich für das Thema Digitalisierung zu engagieren.

            Und jetzt äußern Sie folgendes:
            „Der Begriff “lebenslange Lernen” kommt nicht von ungefähr. Es reicht heute nicht mehr eine Ausbildung zu machen, 1 mal im Jahr auf eine Fortbildung zu gehen und dann sich sein Leben lang darauf auszuruhen. (…). Das macht man ja auch nicht jedes Wochenende, nur muss man alle paar Jahre etwas neues Lernen und dann heißt es dranbleiben.“
            „Es fehlt, dass sich jeder Grundwissen (!) zu all diesen Themen aneignet. Es geht nicht darum Experte für Thema X zu sein. Ich kann ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass das nicht viel Arbeit ist. So viel ändert sich im Schulsystem innerhalb von wenigen Jahren nicht. Wenn ich mir mal 1-2 Wochenenden im Jahr nehme um mich in neue Themen einzuarbeiten reicht das völlig.“

            Aha.
            Wenn Ihnen also 2 WE im Jahr ausreichen, um sich mit Medien und oben genannter Aufstellung eines die gesamte Schule betreffenden Medienkonzeptes sowie mit Inklusion, Integration, neuen Curricula, Beauftragungen zur Sicherheit u.a. auseinanderzusetzen,
            DANN verstehe ich IHREN Einwand, man sei nicht bereit, sich fortzubilden, NICHT.

            Und wenn ich mich in meinem Kollegium umsehe, dann weiß ich, dass sich ALLE in den letzten Jahren fortgebildet haben, in Bereichen, die sie für den Unterricht interessieren UND in Bereichen, die notwendig sind, aber weniger Freude bereiten, UND schulintern zu einigen dieser Themen UND innerhalb von Konferenzen, weil es nur über gemeinsame Absprachen möglich ist, das umzusetzen, was oben angesprochen und in Curricula gefordert ist.

            “So viel ändert sich im Schulsystem innerhalb von wenigen Jahren nicht.”
            Da weiß ich nicht, auf welchem Stern Ihre Schule steht, in meiner Schule und in unserem Schulsystem hat sich in den letzten 10 Jahren so einiges verändert. Die Unterstützung hinsichtlich digitaler Medien gehört allerdings NICHT dazu.

          • @LuL dort steht etwas komplett anderes als was sie gerade geschrieben haben. Dort geht es um eine fachübergreifende digitale Bildung und fachübergreifende Kompetenzen. Das hat aber nichts mit den digitalen Medien zu tun. Der Einsatz von digitalen Medien geschieht entsprechend nach ihrem Fach. Machen Sie sich bitte den Unterschied klar. Dies steht nochmal explizit auf der Seite 24, die sie bereits zuvor zitiert haben:
            “Konkret heißt dies, dass Lehrkräfte digitale Medien in ihrem jeweiligen Fachunterricht professionell und didaktisch sinnvoll nutzen sowie gemäß dem Bildungs- und Erziehungsauftrag inhaltlich reflektieren können.”

            Sollte auch logisch sein. Im Mathematikunterricht hat man andere Anforderungen als im Deutschunterricht. Somit macht es auch keinen Sinn einen fachübergreifenden Einsatz von digitalen Medien zu planen. Anders sieht es eben mit übergreifenden Kompetenzen oder fachunabhängigen Thematiken aus.

            @Palim
            “Sie behaupten, Lehrkräfte würden sich nicht fortbilden und wären nicht bereit, sich für das Thema Digitalisierung zu engagieren.”

            Sie können mir gerne die Lehrkräfte nennen. Leider gibt es bisher nicht so viele Kollegen mit denen man sich darüber austauschen kann. Sie scheinen ja leider nicht dazuzuzählen.

            “eines die gesamte Schule betreffenden Medienkonzeptes”

            Ich glaube sie wollen es nicht verstehen. Es geht doch nicht um ein Medienkonzept. Wo steht das in meinen Ausführungen? Wo steht das in dem Artikel? Es geht um sie, sich selbst für den eigenen Unterricht weiterzubilden. Das hat nichts mit einem Medienkonzept zu tun.

            “Und wenn ich mich in meinem Kollegium umsehe, dann weiß ich, dass sich ALLE in den letzten Jahren fortgebildet haben, in Bereichen, die sie für den Unterricht interessieren UND in Bereichen, die notwendig sind, aber weniger Freude bereiten, UND schulintern zu einigen dieser Themen UND innerhalb von Konferenzen, weil es nur über gemeinsame Absprachen möglich ist, das umzusetzen, was oben angesprochen und in Curricula gefordert ist.”

            Wahnsinn was sie für eine großartige Schule haben. Beneidenswert. Dann machen sie das publik, sodass andere Schulen von ihrem Können profitieren dürfen. Meine Kollegen sind immerhin so ehrlich und geben zumindest in privaten Gesprächen zu, dass sie sich mit den meisten Problemthemen bisher nicht viel mit auseinandergesetzt haben. Da herrscht bei vielen eher entweder Resignation oder Verzweiflung.

            “Da weiß ich nicht, auf welchem Stern Ihre Schule steht, in meiner Schule und in unserem Schulsystem hat sich in den letzten 10 Jahren so einiges verändert. Die Unterstützung hinsichtlich digitaler Medien gehört allerdings NICHT dazu.”

            Ich weiß auch nicht warum man immer und immer Unterstützung erwartet. Es gibt so viele Schulen, die selbst großartige Lösungen gefunden haben. Wenn man damit andere Schulen erreichen würde wäre das super. Nein. Stattdessen machen Schulen Fehler, die andere Schulen schon vor 5 Jahren gemacht haben, weil man sich nicht informiert. Irgendjemand meinte ja hier auch, dass Laptops sinnvoll seien. Für das Geld gibt es bessere Möglichkeiten… Um auf ihren eigentlichen Punkt zu kommen beende ich unsere Konversation mit den Worten einer Kollegin, die sie mir mal entgegengebracht hat: “Schule ist verdammt viel Arbeit, aber weißt du was ich an dem Job so liebe? In meinem alten Job musste ich ständig neue Sachen machen. Das habe ich hier nicht” Sie sprach von ihrem Job in einem Maschinenbauunternehmen, indem sie ständig neue Dinge lernen musste, in anderen Bereichen eingesetzt wurde, Technik und Software stetig weiterentwickelt wurde, etc., bevor sie nochmal umsattelte. Vielleicht darf man da auch mal das Positive an unserem Beruf sehen und ein bisschen mehr darüber nachdenken.

          • _Auf Unterstützung warten_:
            Es ist schön, wenn andere Schulen Lösungen finden. Ich kann ja schlecht in “andere Schulen” gehen und dort die Hardware mitnehmen, die unser Träger und die zuständige Firma seit mehreren Jahren nicht sach- und fachgerecht in die Räume der Schule bringen und einbinden können.
            Warum soll ich in diesem Punkt nicht auf Unterstützung warten? Oder denken Sie, man solle auch die Hardware für die Schule PRIVAT anschaffen und mitbringen? Macht man das im Maschinenbauunternehmen auch?
            Ich kann Ihnen aus Erfahrung sagen: DAS findet unser Schulträger gar nicht lustig!

            “Wahnsinn was sie für eine großartige Schule haben.”
            Ja, habe ich.
            JEDER muss sich mit Inklusion und Integration auseinandergesetzt haben, denn JEDER muss das jeden Tag leisten. Es gibt keine Klassen ohne Kinder mit besonderen Bedürfnissen.
            Und jeder hat sich auch mit Hardware auseinandergesetzt, mit dem Medienkonzept, hat sich schulen lassen.
            WÄRE der Schulträger schneller, HÄTTEN wir uns auch schon wieder fortgebildet.

            “Dann machen sie das publik, sodass andere Schulen von ihrem Können profitieren dürfen.”
            Mache ich.
            Wo teilen Sie denn Ihr Können?

  6. @LuL Ich verstehe Ihren Wunsch, dass KollegInnen mehr Kompetenzen erwerben. Aber wie soll das praktisch aussehen, wenn jeder Klassenlehrer bzw. Fachlehrer laut KMK diese Kompetenzen erwerben soll? Über eine Millionen Lehrer sollen einen zusätzlichen Masterstudiengang belegen? Außerdem ist Medienkompetenz nur ein Bereich, bei dem es noch Defizite gibt. Ein Studium zum Thema Inklusion müsste dann auch noch belegt werden….

    • Ja, die Probleme bei der Digitalisierung und der Inklusion ähneln sich sehr…
      „Vergleicht man die Herausforderungen im Bereich der Schulausstattung, fehlen den Schulen für die Digitalisierung oftmals mobile Endgeräte, schulische IT-Ausstattung, Breitbandanbindung, WLAN etc. Aber auch für die Inklusion sind die Schulen häufig nicht gut ausgerüstet. Hier fehlen abgesenkte Bordsteine, Rampen, automatische Türen, Aufzüge, Snoezelen-Räume, Räume für therapeutische Unterstützung, körperliche Versorgung, medizinische Betreuung etc.
      Genauso wie es für die Verwaltung und Pflege der schulischen IT-Ausstattung Personal braucht, ist auch Personal für die Umsetzung der Inklusion nötig. Hier werden u. a. Assistenten, Pfleger, Therapeuten und natürlich Taxifahrer für den Schulweg benötigt.
      Die curricularen Grundlagen, Richtlinien und Erlasse sind nicht nur im Bereich der digitalen Bildung, sondern auch im Bereich des inklusiven Lernens noch nicht ausgereift. Hier hapert es beispielsweise bereits bei verbindlichen Regelungen für den Nachteilsausgleich. Zurzeit wird dieser noch von Bundesland zu Bundesland und Schule zu Schule unterschiedlich gehandhabt. Die Schulleitungen haben hier einen enorm großen Ermessensspielraum.
      Weil Inklusion nur bei 3 Prozent aller LuL zur Ausbildung gehörte (forsa, 2017, S. 17: http://www.vbe-nrw.de/downloads/PDF%20Dokumente/Forsa_Inklusion_Ergebnisse.pdf ), müssen sich hier ähnlich viele LuL fortbilden, wie für die Digitalisierung. Die Fortbildungen für den inklusiven Unterricht sind auch ähnlich umfangreich, wie für den digitalen Unterricht. Früher war für eine sonderpädagogische Tätigkeit eine sonderpädagogische Facultas nötig. Heute hat die Educational Governance diesen Anspruch nicht mehr. Dem gegenüber halten LuL eine sonderpädagogische Facultas aber immer noch für wichtig. Über 90 Prozent aller LuL wünschen sich beim gemeinsamen Lernen eine konstante Doppelbesetzung von LuL mit und ohne sonderpädagogischer Facultas (forsa, 2017, S. 6).
      Doch diese Doppelbesetzungen gibt es noch seltener, als es LuL mit einer sonderpädagogischen Facultas gibt. Der Lehrermangel stellt nicht nur für die Digitalisierung, sondern auch für die Inklusion eine enorme Herausforderung dar. 68 Prozent aller LuL beurteilen die personelle Ausstattung für den gemeinsamen Unterricht als mangelhaft oder ungenügend (ebd., S. 33).
      Erschreckend ist, dass ein Jahrzehnt nach der Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention die meisten LuL immer noch keine sonderpädagogischen Kenntnisse haben (ebd., S. 21). In der Folge werden viele inklusive SuS von LuL ohne jegliche sonderpädagogische Kenntnisse betreut – manchmal vielleicht auch nur verwahrt.
      Dass die meisten LuL über keinerlei sonderpädagogische Kenntnisse verfügen, könnte daran liegen, dass das Fortbildungsangebot im Bereich der Inklusion ähnlich begrenzt ist, wie im Bereich der Digitalisierung. Knapp die Hälfte aller LuL beurteilt das inklusive Fortbildungsangebot als mangelhaft oder ungenügend (ebd., S. 10).
      Der Arbeitsaufwand Unterrichtsmaterialien an die neue Situation anzupassen ist sowohl bei der Digitalisierung als auch bei der Inklusion sehr groß. Zumal die Unterrichtsmaterialien ja so überarbeitet werden müssen, dass sie zugleich digitales und inklusives Lernen ermöglichen, z. B. in barrierefreien Lernumgebungen…“
      Quelle: Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ Herausforderung für Educational Governance, Schulentwicklung und schulisches Qualitätsmanagement, Tectum Wissenschaftsverlag, S. 95 ff.

  7. Deutschland verfolgt das Ziel, im Bereich der digitalen Bildung im internationalen Vergleich bis 2025 zur Spitzengruppe der Länder aufzuschließen (https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/digitale-strategie-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=16, S. 51). Dort sollen die deutschen Schulen und ihre LuL im Bereich der digitalen Bildung dann internationale Maßstäbe setzen (https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/170703regierungsprogramm2017.pdf?file=1, S. 53).

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