Lehrer nutzen Sabbatjahr häufig vor der Pensionierung

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STUTTGART. Ein Jahr schulfrei: Für Schüler mag das ein Traum sein – Lehrer können sich diesen erfüllen und ein Sabbatjahr einlegen. Viele gehen in das so genannte Sabbatical, bevor sie pensioniert werden.

Lehrer in Baden-Württemberg nutzen ein Sabbatjahr vor allem, um früher in Pension zu gehen. Das geht aus Zahlen hervor, die das Kultusministerium auf Anfrage mitgeteilt hat. Seit 2001 haben sich demnach etwa 7660 Lehrer über 60 Jahre ein Schuljahr frei genommen – im aktuellen Schuljahr bleiben etwa 470 Lehrer über 60 Jahren der Schule fern. «Die Lehrer sparen sich Zeit an und können so früher in den Ruhestand», sagte Matthias Schneider, Sprecher des Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Stuttgart.

Frühpensionierung auf Umwegen. Viele Kollegen arbeiten sich mit einem Sabbatjahr einen früheren Ruhestand heraus. Foto: qimono / Pixabay (CC0 1.0)
Frühpensionierung auf Umwegen. Viele Kollegen arbeiten sich über ein Sabbatjahr einen früheren Ruhestand heraus. Foto: qimono / Pixabay (CC0 1.0)
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Das Sabbatjahr, auch Sabbatical genannt, ist eine besondere Form der Teilzeitbeschäftigung. Die Freizeitansprüche der Teilzeit werden, wenn es um das Sabbatical geht, zunächst nicht in Anspruch genommen, sondern über zwei bis sieben Jahre angespart und dann mit einem Jahr zusammengefasst. Der Lehrer erhalte in der Auszeit weiter Geld, weil er in den Jahren davor zwar voll gearbeitet habe, in diesen Jahren aber geringer entlohnt wurde, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Und für was nutzen die Lehrer ihr Jahr ohne Schule? «Das ist total unterschiedlich. Viele nehmen sich eine Auszeit, gehen auf Reisen oder bilden sich fort», sagte Schneider von der GEW.

Etwa 15 300 Lehrer – Angestellte und Beamte – haben laut Ministerium im Land seit 2001 ein Sabbatjahr eingelegt, sich also ein Schuljahr frei genommen. In den vergangenen Jahren wurde das Freistellungsjahr bei Lehrern demnach immer beliebter.

«Im Schuljahr 2001/2002 nahm nur ein Beamter ein Freistellungsjahr. 2014/2015 nahmen mit 1635 Personen bisher die meisten Kräfte ein Sabbatjahr», sagte die Ministeriumssprecherin. Inzwischen sinken demnach die Sabbaticals bei Lehrern wieder – im aktuellen Schuljahr machen insgesamt 944 Lehrer aller Altersklassen eine Pause vom Alltag. Das Kultusministerium konnte jedoch keine Auskunft darüber geben, ob der Rückgang der Sabbaticals etwas mit dem Lehrermangel an den Schulen im Südwesten zu tun hat.

Der Antrag für ein Sabbatjahr werde nur genehmigt, wenn ausreichend Personal an den Schulen zur Verfügung steht, hieß es. «Die fehlende Stelle kann etwa mit einer Lehrkraft von einer anderen Schule besetzt werden», sagte die Sprecherin. (dpa)

Studie zum Sabbatjahr für Lehrer: Wem die Auszeit hilft – und wem sie womöglich sogar schaden kann

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