Verbände: Sinkende Zahlungen der EU könnten Freiwilligendienst gefährden

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ERFURT. Sie arbeiten in Kindertagesstätten oder Sportvereinen und engagieren sich für den Naturschutz: Junge Freiwillige, die ein Thüringenjahr absolvieren. Doch die weitere Finanzierung dieses Dienstes ist nach Einschätzung der Träger ungewiss.

Die Träger von sozialen Diensten in Thüringen bangen um die Finanzierung von hunderten Stellen für Freiwilligendienste ab 2021. «Wir befürchten, dass aufgrund der anstehenden Kürzungen der Europamittel, dies Auswirkungen auf die kommenden Jahre hat und freiwilliges gesellschaftliches Engagement – wie im Thüringenjahr – so nicht fortgeführt werden kann», sagte ein Sprecher der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Thüringen.

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Seit 2014 sind in Thüringen rund 900 Freiwilligenplätze pro Jahr mit EU- und Landesmitteln bezuschusst worden. Foto: Daniel Thornton / flickr (CC BY 2.0)

Über den Europäischen Sozialfonds (ESF) fließen seit 2014 bis Ende 2020 rund 500 Millionen Euro in den Freistaat. Wie ein Sprecher des Thüringer Sozialministeriums sagte, gehe man davon aus, dass ab 2021 weniger Geld aus der Europäischen Union kommen werde. Entschieden ist dazu aber noch nichts.

Nach Angaben der Liga der freien Wohlfahrtspflege sind in der aktuellen Förderperiode des ESF in Thüringen jährlich etwa 900 Freiwilligenplätze durch die EU-Mittel sowie Landesgeld bezuschusst worden. Die Förderperiode läuft Ende 2020 aus.

Sollten die EU-Mittel nicht durch andere Zahlungen an die Träger ausgeglichen werden, kämen auf die Einsatzstellen der Freiwilligen Mehrbelastungen zu, betonte der Sprecher. «Das wäre dann ein sehr großes Problem.»

Beim Thüringenjahr verpflichten sich Menschen im Alter bis 27 Jahren dazu, freiwillig in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu arbeiten. Besonders beliebt sind nach Angaben des Bildungsministeriums Einsätze in Kindertagesstätten sowie im Bereich des Sports und des Naturschutzes. Nach Angaben der Liga erhalten die Freiwilligen für ihren Dienst Taschengeld und Verpflegungsgeld in Höhe von 300 Euro monatlich. Die Fahrtkosten zu ihrer Einsatzstelle müssen sie etwa selbst aufbringen.

Vor dem Hintergrund der drohenden Finanzierungslücke für die Freiwilligendienste kommen aus der Landespolitik Bekenntnisse dazu, diese Form des bürgerschaftlichen Engagements weiterhin aus dem Haushalt des Freistaates fördern zu wollen. Die Freiwilligen leisteten so wertvolle Arbeit, dass es dafür auch in Zukunft Landesgeld geben müsse, sagte beispielsweise die SPD-Sozialpolitikerin Diana Lehmann. Sie machte aber auch klar, dass die Stellen weiter auch aus einer anderen Finanzierungsquelle mitgespeist werden müssten. «Wir werden das alleine als Land nicht stemmen können.»

Deshalb forderte Lehmann für die Zukunft Bundesmittel zur Finanzierung des Thüringenjahrs. Die Gelder könnten zum Beispiel über das von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) angestrebte Demokratiefördergesetz bereitgestellt werden, sagte sie.

Lehmann und der Liga-Sprecher betonten, das Thüringenjahr könne helfen, dem Mangel an Pflegekräften in Thüringen und Deutschland zu begegnen. Zwar könnten und sollten die Freiwilligen keine Fachkräfte-Lücke schließen, erklärten beide. Sie können die Fachkräfte in ihrer Arbeit jedoch unterstützen. Vor allem aber seien diese Dienste eine Möglichkeit bei jungen Menschen das Interesse für soziale Berufe zu wecken. (dpa)

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