Wenn die Dorfschule schließt: Trauer und Wut bei Eltern, Schülern und Lehrern

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NIENBURG. Auf dem Land verändern sich gewachsene Strukturen: Erst schließt die Post, dann der Bäcker – und jedes Jahr gehen auch irgendwo wieder in ein paar Grundschulen für immer die Lichter aus. In den niedersächsischen Dörfern Drakenburg und Düderode hat aller Protest nichts geholfen.

Noch begrüßt die Grundschule Drakenburg freundlich Besucher auf ihrer Homepage – damit ist wohl auch bald Schluss. Screenshot

Ein freundlicher roter Backsteinbau, an den Fenstern ein paar Kinder-Basteleien: Der letzte Schultag vor den großen Ferien ist für die Grundschüler im kleinen Ort Drakenburg im Kreis Nienburg auch der letzte in ihrer alten Schule. Für die Schüler dort heißt es Abschied nehmen von den vertrauten Räumen, denn zum neuen Schuljahr schließt die Dorfschule – vermutlich wohl für immer.

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Drakenburg ist nach Angaben der Landesschulbehörde eine von vier Grundschulen in Niedersachsen, die jetzt geschlossen werden. Landesweit gibt es derzeit 1620 reine Grundschulen, alle von der Schließung betroffenen befinden sich in dörflichen Regionen.

Protest von Eltern gegen die Schließung der Grundschule

Gegen das Aus für den Standort gab es im Ort viel Protest – wie fast immer, wenn Dorfschulen schließen. Denn die Kinder kommen nun nicht mehr zu Fuß zum Unterricht. «Es sind zwar nur vier Kilometer bis nach Heemsen», berichtet Linda Rehm vom Schulelternrat der Grundschule Drakenburg. «Aber für viele Kinder aus Drakenburg heißt das, dass sie nun mit dem Bus zur Schule fahren müssen.»

Väter und Mütter wehrten sich, hängten Banner im Ort auf: «Unsere Schule muss bleiben» heißt es darauf. «Die Eltern waren natürlich geknickt, als sie verloren haben», sagt Schulelternratsvorsitzende Rehm. Sie geht davon aus, dass die Grundschule vor allem aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wird.

Dass es zu wenig Kinder im Ort gibt ist aus ihrer Sicht keine vernünftige Begründung. «Dass es zu wenig Schüler gibt, können wir nicht nachvollziehen. Es gab auch Lehrer, die fest bei der Grundschule arbeiten wollten», sagt Rehm. Etwa 60 Schüler zählt die Schule noch. Unterrichtet wurden sie zuletzt von mehr als einem Dutzend Lehrern, jedoch nur stundenweise in Abordnungen.

Im Nachbarort Heemsen wurde vor einiger Zeit eine Oberschule geschlossen und zu einer Grundschule umgewandelt. Dort gibt es einen Leerstand, den die Kinder aus Drakenburg nun füllen sollen. «Doch dadurch gibt es jetzt einen Leerstand in Drakenburg», gibt Rehm zu Bedenken.

Das Kollegium ist traurig, dass die Schule schließen muss

Auch im niedersächsischen Kreis Northeim trifft es eine Schule – die Grundschule in Düderode. Dort hielt Schulleiterin Anne Litzkendorf gerade erst ihre Abschiedsrede. Ihre Schule wird ebenfalls geschlossen. «Das war eine rein politische Entscheidung, um Geld zu sparen», sagt die Schulleiterin. Die Klassen seien einzügig stabil gewesen. 53 Schüler wurden von sechs Lehrerinnen unterrichtet. Es sei schon lange klar gewesen, dass die Schule schließen müsse. Trotzdem sei das Kollegium traurig, sagt Litzkendorf.

Unter den Eltern ist die Stimmung nach ihren Worten nicht gut. Sie hätten viel dafür gekämpft, die Schließung zu vermeiden. Den Kindern soll nun zumindest ein guter Übergang zur neuen Grundschule ermöglicht werden: Busse bringen sie ab dem kommenden Schuljahr in eine Grundschule im Nachbarort. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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2 KOMMENTARE

  1. Das ist die Realität. Die ländlichen Regionen lässt man verwahrlosen (keine Schule, keine Läden, kein Nahverkehr, kein Arzt, keine Kneipen …) und dann ersinnt man Buschzulagen, um Leute dorthin zu locken, wo keiner mehr leben will.

    Vielleicht wären hier mal Investitionen und Subventionen angesagt statt immer nur nach höheren Gehältern zu rufen, wenn es an anderen Dingen hapert und mangelt.

  2. Sicher ist es auch eine Maßnahme zum Geldsparen, aber auch eine Maßnmahme, um die knappe Ressource “Grundschullehrer” effektiv einsetzen zu können. Wenn es 53 Kinder in 4 Klassen gibt, bedeutet es für das Dorf nahezu paradiesische Zustände, während andere Schulen nicht wissen, wie sie den Reglunterricht auch nur ansatzweise erteilen sollen.

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