GEW hält Kampf gegen Lehrermangel (trotz A13 und Verbeamtung) für unzureichend

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DRESDEN. Trotz zahlreicher Korrekturen fehlt es (auch) in Sachsen weiter an Lehrern. Nur partiell ist die Lage kurz vor Schuljahresbeginn gut. Die GEW sieht im Freistaat viele Defizite – und ein grundsätzliches Problem.

Steckt im Wahlkampf: Sachsens Kultusminister Christian Piwarz. Foto: Sächsisches Kultusministerium / Ronald Bonss

Die sächsische Staatsregierung unter Ministerprädident Michael Kretschmer (CDU) hat 1,7 Milliarden Euro in die Hand genommen, um dem Personalmangel an den Schulen zu begegnen und den Lehrerberuf attraktiver zu machen (News4teachers berichtete). Wesentlicher Posten der bis 2023 berechneten Mehrausgaben ist dabei die ab kommendem Jahr geplante Verbeamtungsmöglichkeit für neue und bereits beschäftigte Lehrkräfte unter 42 Jahren. Außerdem fallen Kosten für eine Höhergruppierung von Grundschullehrern sowie Zulagen und Ausgleiche für angestellte Lehrer an.

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GEW: Landesregierung hat nur städtische Schulen im Blick

Doch diese Maßnahmen haben den Lehrermangel in Sachsen aus Sicht der GEW nur marginal gelindert. Die Vorsitzende Uschi Kruse sieht das Land vor einem weiteren schwierigen Schuljahr und forderte die Regierung am Mittwoch in Dresden auf, endlich ein realistisches Bild über die Situation in allen Schularten und Regionen zu erstellen. Sie handele bisher nur aus großstädtischer Perspektive, was Ungerechtigkeiten fördere.

«Wir brauchen dringend Lösungen, weil sonst die Innovationskraft des sächsischen Schulsystems dauerhaft leidet», sagte Kruse. Dabei müssten die Arbeitsbedingungen der Lehrer in den Blick genommen und ein Personalentwicklungskonzept über die nächste Legislaturperiode hinaus erstellt werden. «Denn ab 2025/2026 werden die Schülerzahlen wieder sinken.»

Mit Blick auf das am kommenden Montag beginnende Schuljahr 2018/2020 sagte sie: «Sachsen geht mit Lehrermangel ins neue Schuljahr, er ist an vielen Stellen unverändert, an manchen eher größer». Angesichts des Zuwachses von rund 6000 Schülern rechnet Kruse unverändert mit Unterrichtsausfall – bis auf kleine Ausnahmen an Gymnasien. Die GEW geht davon aus, dass sich der Lehrerbedarf an Grundschulen dank deutlich besserer Vergütung durch Verbeamtung zu über 90 Prozent decken lässt, in Bautzen könne indes nur etwa jede dritte Stelle besetzt werden.

Vor allem an Oberschulen und Förderschulen ist die Lage laut GEW schlecht

Laut Kruse gelingt es nicht, junge Kollegen in die Regionen zu bekommen. Vor allem an Ober- und Förderschulen sei die Lage besorgniserregend. Oberschulen hätten einen Besetzungsgrad von 60 Prozent, für sie sei die Stundentafel gekürzt worden. «Es gibt landesweit keinen Standort, wo die Zahl der Einstellungen realisiert werden konnte.» Gleiches gelte für Förderschulen (58 Prozent). Beide Institutionen seien aber auch Basis für den Handwerkernachwuchs.

«Die gravierenden Fehlentscheidungen der Vergangenheit werden Schüler und Lehrer länger ausbaden als eine Legislaturperiode dauert», sagte Kruse. Es werde nicht überall gelingen, frei werdende Lehrerstellen wieder zu besetzen. Den Anteil der Seiteneinsteiger schätzte sie landesweit auf zehn Prozent, es gebe aber auch Schulen mit 50 Prozent. Ohne sie stünden bestimmte Regionen und Schulen «vor dem Kollaps». Kruse forderte daher die Regierung zum Handeln auf. «Wir dürfen keine Geduld mehr haben, bei allem Verständnis für die Situation.» dpa

Wow! Sachsen legt 1,7 Milliarden-Programm gegen den Lehrermangel auf – darunter: mehr Geld für Grundschullehrer

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1 KOMMENTAR

  1. Sachsen verbeamtet wieder, weil das angeblich Lehrer anlockt (und hält). Lockt es nun doch nicht an, weil ja in den Bundesländern drumherum auch verbeamtet wird? Bekanntlich soll die Regelung nach 5 Jahren überprüft werden. Ich sage voraus, sie hat gar nichts gebracht, denn die Lehrer, die bereits im Schuldienst sind, sind ja bereits da. Sie lindern den Lehrermangel nicht.

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