Bayerische Unis streichen vor allem Fächer bei Geistes- und Sozialwissenschaften

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MÜNCHEN. Die „ungewöhnlichen“ Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften an Bayerns Hochschulen sind auf dem Rückzug. Unter den Studiengängen, die die Universitäten in den vergangenen 20 Jahren gestrichen haben, sind diese Fachrichtungen jedenfalls im Vergleich zu Naturwissenschaften klar in der Überzahl.

Alte Bayerische Landesgeschichte, Lateinische Philologie des Mittelalters oder Theoretische Linguistik haben mindestens zweierlei gemeinsam: Sie gelten als Geistes- oder Sozialwissenschaft – und sie ziehen kaum noch Studenten an. Alle drei Studiengängen hat die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) mittlerweile vom Semesterplan gestrichen.

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Fächerstreichungen treffen vor allem die Geiseswissen. Bild: Anonymes Gemälde (17. Jhdt) / Wikimedia Commons (p. d.)

Auch die anderen Bayerische Unis trennen sich immer wieder von Studiengängen – nicht immer spielt dabei aber mangelndes Interesse die Hauptrolle, wie eine Umfrage unter mehreren bayerischen Hochschulen ergab.

Grundsätzlich ist es schwierig, eine vollständige Übersicht über die abgeschafften Studiengänge der vergangenen 20 Jahre in Bayern zu bekommen. Schuld daran ist der sogenannte Bologna-Prozess, nach dem einige scheinbar abgeschaffte Studiengänge in neuem Gewand wieder auftauchten. Im Laufe dieses Prozesses mussten alle europäischen Unis bis 2010 ihre Studiengänge und vor allem Abschlüsse vereinheitlichen. Für Deutschland bedeutete das: Die Umstellung von Magister- und Diplomstudiengänge auf Bachelor- und Masterstudiengänge.

«Im Rahmen dieses Prozesses wurden an der Uni Würzburg zwischen 2007 und 2010 viele Teildisziplinen eines Faches, die bisher eigenständig studierbar waren, in neue Fachstudiengänge integriert», erklärt eine Sprecherin. «Beispielsweise wurden die Magisterfächer Ältere Deutsche Philologie, Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Deutsche Sprachwissenschaft und Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur in den Bachelor- und Masterstudiengang Geschichte eingebettet.»

Ein weiteres Mal gestrichen und umstrukturiert wurden einige Studiengänge dann unter dem Slogan «Wissenschaftsland Bayern 2020». Dazu gab eine Expertenkommission im März 2005 ein Optimierungskonzept zur Fächerstruktur an den Hochschulen heraus – Profilschärfung und Abbau von Redundanzen wurde darin unter anderem gefordert.

In Würzburg wurde daraufhin unter anderem Mineralogie, Japanologie und Slavische Philologie aus dem Programm genommen. In Bamberg hingegen wurden laut einer Sprecherin keine Studiengänge abgeschafft, sondern einzelne an benachbarte Unis verlagert.

Trotz fehlender Gesamtübersicht fällt auf: Bei den allermeisten gestrichenen Fachrichtungen handelt es sich um geistes- oder sozialwissenschaftliche Studiengänge. So hat beispielsweise die Uni Regensburg laut einer Sprecherin mittlerweile unter anderem Romanische Philologie auf Lehramt, Amerikanistik oder Evangelische Theologie und Religiöse Bildungsarbeit gestrichen.

In Passau gibt es mittlerweile keinen Master in Russian and East Central European Studies mehr. In Würzburg wurde vor rund zehn Jahren das Nebenfach Schulpädagogik eingestampft. Der Grund: fehlende Nachfrage.

Neben dem ausbleibenden akademischen Nachwuchs, setzen die Unis auch aus anderen Gründen den Rotstift an. So fielen beispielsweise an der Uni Würzburg einige naturwissenschaftliche Studiengänge wie Fokus Physik, oder Space Science and Technology weg, weil Fördergelder ausliefen. Archäometrie, bei dem naturwissenschaftlichen Methoden zur Klärung archäologischer und teils auch historischer Fragen gelehrt werden, entfiel wegen fehlender Ausstattung im Semesterplan.

Apropos Archäologie: Nicht immer werfen die Unis einen Studiengang aus dem Angebot, wenn sich kaum jemand dafür einträgt. Auf der Liste der im Volksmund als Orchideenfächer bezeichneten Studiengänge mit wenig Zulauf, finden sich einige Altertumswissenschaften wie eben Archäologie. So kann an der LMU nach wie vor Ägyptologie studiert werden, obwohl dort derzeit nur zwei Studenten eingeschrieben sind, bei Altorientalistik sind es drei.

Die Würzburger Uni hält etwa neben vergleichenden Indogermanischen Sprachwissenschaften noch an Indologie fest. «Trotz momentan geringer studentischer Nachfrage erscheint ein enger Bezug in Forschung und Lehre zum indischen Subkontinent mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern und einer aufstrebenden Wirtschaftsleistung unabdingbar», erklärt eine Uni-Sprecherin das Angebot trotz geringer Nachfrage.

Die Uni Bamberg geht sogar noch einen Schritt weiter und setzt ganz bewusst auf kleine Fächer. «Für die Universität Bamberg sind die kleinen Fächer eine tragende Säule ihres Lehr- und Forschungsprofils, deshalb haben wir sie in den vergangenen Jahrzehnten bewusst gestärkt», sagt eine Sprecherin. «Warum? Weil Zahlen täuschen können: Wie viele Studierende ein Fach hat oder wie viele Professorinnen und Professoren es vertreten, sagt selten etwas über die Bedeutung und Leistungsfähigkeit eines Faches aus.» (dpa)

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