NRW stellt Schulcloud „Logineo“ vor – Lehrerverband rät von Nutzung ab

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DÜSSELDORF. „Logineo NRW“ war jahrelang eine unvollendete Idee von gesichertem, schnellem Datenaustausch an den Schulen. Jetzt ist das System endlich reif, um ausgerollt zu werden, meint das Schulministerium, das die Plattform entwickeln ließ. Der Verband „lehrer nrw“ meint dagegen, dass das gravierendste Datenschutz-Problem damit keineswegs ausgeräumt sei: die Privatrechner der Lehrer.

Mal sehen, ob’s mit dieser Cloud nun endlich klappt. Foto: pxhere

Alle nordrhein-westfälischen Schulen sollen eine moderne digitale Arbeitsplattform für die Lehrerkollegien erhalten. Nach langen Verzögerungen soll „Logineo“ jetzt endlich an den Start gehen. Schulstaatssekretär Matthias Richter stellte die webbasierte Plattform am Dienstag in Düsseldorf vor. „Das lange Warten hat ein Ende. Logineo ist da und funktioniert. Die Testphase war erfolgreich, die Vorbereitungen für den landesweiten Betrieb sind abgeschlossen. Logineo ist ein echtes Update für das digitale Arbeiten in unseren Schulen und ein Beispiel dafür, wie wir unsere Lehrkräfte mithilfe der Digitalisierung sinnvoll unterstützen können“, sagte Richter.

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Dienstliche E-Mail-Adressen für alle Lehrer im Land

Mit „Logineo“ sollen die rund 200.000 Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen künftig rechtssicher über dienstliche E-Mail-Adressen kommunizieren, Materialien, Schüler- oder Notenlisten in einem geschützten Cloud-Bereich austauschen und Termine in gemeinsamen elektronischen Kalendern organisieren können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, in einem eigens zu diesem Zweck eingerichteten Datensafe sensible personenbezogene Daten zu speichern und zu bearbeiten. Das System bietet künftig auch Zugang zu digitalen Schulbüchern, ist aber keine Lernplattform.

Das millionenschwere Projekt war schon 2015 von der rot-grünen Vorgängerregierung initiiert, wegen zahlreicher technischer Mängel aber vor zwei Jahren zunächst gestoppt worden. Nach einer mehrmonatigen Pilotphase mit Test-Schulen sieht das Schulministerium jetzt die Voraussetzungen, um „Logineo“ landesweit auszurollen. „Ab sofort können Schulen in Abstimmung mit dem Schulträger ihren kostenfreien Zugang zu Logineo NRW beantragen“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Schulministeriums.

Bis 2022 sollen “alle interessierte Schulen” angeschlossen werden

Geplant ist, zunächst 140 Schulen pro Monat – von insgesamt rund 7.000 – aufzunehmen. Bis 2022 sollen laut Ministerium „alle interessierten Schulen die Möglichkeit bekommen, Logineo NRW zu nutzen“. Zum landesweiten Rollout und für den Regelbetrieb sei das Team der Medienberatung NRW um drei Fachkräfte für den technischen Support auf insgesamt zehn Mitarbeiter erweitert worden. Mehr als 100 Medienberater in allen Regierungsbezirken bildeten zudem regelmäßig die Lehrkräfte fort, die Logineo an ihren Schulen administrieren sollen. Diese Lehrerinnen und Lehrer erhielten für diese Aufgabe künftig wöchentlich eine Entlastungsstunde.

Die Plattform werde künftig fortlaufend weiterentwickelt und in kommenden Versionen durch weitere Funktionen ergänzt. Geplant sei bereits die Erweiterung des Nutzerkreises um die rund 2,5 Millionen nordrhein-westfälischen Schülerinnen und Schüler sowie die Anbindung der beiden digitalen Schulbücher „BioBook NRW“ und „mBook Gemeinsames Lernen“. Die Kosten für die Entwicklung der Anwendung belaufen sich auf rund 5,8 Millionen Euro.

“lehrer nrw”: Lehrer mit digitalen Dienstgeräten ausstatten!

Für den Verband „lehrer nrw“ ist es damit aber beileibe nicht getan. „Das Problem ist und bleibt, dass in den Schulen zu wenig dienstliche Endgeräte zur Verfügung stehen, so dass Lehrkräfte, die Logineo nutzen wollen, auf private Endgeräte zurückgreifen müssen“, so erklärt Verbandsvorsitzende Brigitte Balbach. „Wir lehnen das strikt ab. Denn hier besteht die Gefahr, dass sensible personenbezogene Daten nicht ausreichend geschützt sind und die Lehrkräfte dafür in Haftung genommen werden. Wir können Lehrkräften daher nur abraten, Logineo NRW unter diesen Rahmenbedingungen mit privaten Endgeräten zu nutzen.“

Balbach betont: „lehrer nrw bleibt bei seiner Forderung, dass die Schulen und Lehrkräfte mit entsprechenden digitalen Endgeräten für den dienstlichen Gebrauch ausgestattet werden. Das ist die einzig saubere und die einzig sichere Lösung.“ News4teachers / mit Material der dpa

Wie funktioniert Logineo?

Nach Angaben des Schulministeriums NRW hat die Plattform folgende Eigenschaften:

  • Über Logineo erhalten Lehrkräfte und perspektivisch auch Schülerinnen und Schüler dienstliche bzw. schulische E-Mail-Adressen, um private und dienstliche Kommunikation besser voneinander trennen zu können.
  • Die E-Mail-Postfächer verfügen über ein Speichervolumen von 800 Megabyte.
  • Über Logineo lassen sich Termine und Ressourcen in Kalendern benutzerfreundlich koordinieren.
  • Mit Logineo verfügen die Schulen über eine rechtssichere Alternative zu privaten Cloud-Anbietern, um Dateien auszutauschen, gemeinsam zu verwalten und zu bearbeiten.
  • Allen Nutzern stehen darüber hinaus 5 Gigabyte Speicherplatz in der Dateiablage zur Verfügung.
  • Über Logineo haben Lehrkräfte direkten Zugriff auf EDMOND NRW, eine Datenbank mit tausenden lizensierten audiovisuellen Bildungsmedien, die sie rechtssicher im Unterricht einsetzen und lerngruppenspezifisch anpassen dürfen.
  • Zur besonderen Unterstützung der Nutzerinnen und Nutzer beinhaltet Logineo einen umfangreichen Support- und Hilfebereich mit erläuternden Texten und Videos.
  • Die in Logineo verarbeiteten Daten werden in einem durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierten Rechenzentrum gehostet.

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8 KOMMENTARE

  1. Nähmen wir an, die Mittel aus dem Digitalpakt reichten aus, um das Schulnetzwerk zu modernisieren und WLAN zu installieren. Nähmen wir weiter an die Schüler*innen wären, wie empfohlen, im Verhältnis 3:1 mit mobilen Endgeräten ausgestattet und es wäre das Jahr 2030 und wir hätten ein synchrone Glasfaserleitung und nicht 100MBit/s wie jetzt. Nähmen wir weiter an das Kollegium wäre vollständig geschult und fortgebildet, nähme ich mir lieber einen Strick als jeden Morgen darum zu beten, dass die Server doch heute bitte halten mögen….

  2. Akademiker sollten doch wohl in der Lage sein, ihre Rechner ihres steuerlich absetzbaren Arbeitszimmers selbst zu sichern. So hoch sind die Auflagen nun auch wieder nicht. Zudem wird von Schülern ja auch verlangt, dass sie sich Neuem nicht verschließen.

    • Nee, dafür bin ich zu blöd. Nicht, dass ich das nicht technisch umsetzen könnte, aber das, was das Land von mir als Arbeitgeber erwartet, führt dazu, dass ich den Rechner für die private Nutzung vergessen kann.

      Also – wnn das Land als Arbeitgeber will, dass ich einen rechner für den Datenaustausch und die Erstellung von Unterrichtsmaterialien vorhalten soll, dann soll es diesen auch finanzieren bzw. stellen. Dasselbe gilt für alle mobilen Endgeräte wie z.B. “Diensthandys”.

      • Richte dir einen weiteren Benutzer ein. Mit dem Profil kannst Du dann arbeiten. Es gibt dazu genug Youtubevideos. Dauert 2 Minuten. Ein Diensthandy kannst du auch absetzen oder nimm dein altes. Ich kann dieses Gejammer einfach nicht mehr hören. Statt dieses banale Problem zu lösen, macht man einen auf Beleidigt.

        • Wieso beleidigt? Kennst Du die Regularien für die dienstliche Nutzung von privaten Endgeräten für das Land NRW?

          Diese scheitert schon an der Anweisungen für Schulleiter diese zu kontrollieren. Dazu müsste er dienstlich in die privaten Räume der zu kontrollierenden Person.

          Ob dienstlich genutzte Arbeitsgeräte steuerlich absetzbar sind, interessiert mich nicht. Die Frechheit besteht in der Tatsache, dass mein Arbeitgeber mich zwingen will, diese privat zu kaufen und dienstlich zu nutzen.
          Dasselbe gilt für die steuerliche Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitsplatzes. Ich will einen voll ausgestatteten Arbeitsplatz in der Schule und Präsenzzeiten, Dienstzeit von 7:30 Uhr bis 16:00 Uhr, Freizeitausgleichfür geleistete Überstunden und Anpasung der Wochenarbeitszeit von tarifbeschäftigten (angestellten) Lehrkräften an die anderer Angestellter im öffentlichen Dienst sowie ausreichendes nicht-lehrendes Personal an Schulen.

  3. @Pälzer: klingt plausibel;). Und wegen solchen Lehrern verlieren unsere Kinder international den Anschluss.. Natürlich ist Logineo nicht die Lösung aller Probleme und bestimmt noch ausbaufähig. Richtig angewendet, kann das Arbeiten mit einer seriösen Cloud aber für alle Vorteile bieten. Ich finde, dass man dieses Problem aus der Perspektive der Steuerzahler (und deren Nachfolger) sehen muss. Logineo ist jetzt mit ca. 5,8Mio. eine bedeutende Investition. Dienstgeräte für ca. 200Tsd. Lehrer kosten bei der Anschaffung, Wartung und beim Austausch eine unverhältnismäßig große Menge Geld, das zusätzlich eingenommen oder eingespart werden muss. Daher kann man durchaus verlangen, dass Lehrer etwas Zeit in die Absicherung ihrer IT investieren und auch ihr Wissen in diesem Bereich erweitern.

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