GEW und VBE: Für Holocaust-Gedenken und Demokratiebildung haben Schulen zu wenig Zeit

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BERLIN. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben zum Internationalen Holocaust-Gedenktag angeregt, Erinnerungskultur und aktiven Einsatz für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen miteinander zu verbinden. Der VBE Bundesvorsitzende Udo Beckmann und Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender, nehmen gemeinsam mit weiteren Vertreterinnen und Vertreter der beiden deutschen sowie aus israelischen und polnischen Mitgliedsgewerkschaften der Bildungsinternationale (BI) an einer internationalen Konferenz der BI und einer Gedenkfeier im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz teil.

Am 27. Januar 2020 jährt sich die Befreiung von Auschwitz zum 75. Mal. Foto: Shutterstock

GEW-Vorsitzende Marlis Tepe betonte die besondere Verantwortung der Pädagoginnen und Pädagogen, die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis an Jüdinnen und Juden, politisch Andersdenkenden, Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern sowie Schwulen und Lesben in der jungen Generation wach zu halten und diese auf ihrem Weg zu aktiven Demokratinnen und Demokraten zu begleiten. „Bei dieser gesellschaftlich wichtigen Aufgabe unterstützt die GEW die Kolleginnen und Kollegen an Kitas, Schulen, Hochschulen und in der Weiterbildung. Dafür muss beispielsweise die Politische Bildung aus ihrem Schattendasein an den Bildungseinrichtungen herausgeführt werden“, unterstrich Tepe.

Partnerschaft von Lehrerverbänden aus Deutschland und Israel

„Zur Stärkung einer handlungsfähigen Demokratie gehört auch der engagierte Kampf gegen nationalistische, rassistische Ideologen und Populisten – weltweit. Das ist der aktuelle Auftrag, der aus den Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur und der Konsequenz ‚Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg‘ erwächst.“ Die GEW-Vorsitzende wies darauf hin, dass VBE und GEW seit vielen Jahren durch regelmäßige Treffen mit der israelischen Schwestergewerkschaft Histadrut und gemeinsamen Seminaren einen Beitrag zum Austausch und der Verständigung der Menschen beider Länder leisten.

Der VBE Bundesvorsitzende Beckmann macht deutlich: „Das Beschwören des ‚Nie wieder‘ und das Verankern des Themas Holocaust in den Lehrplänen allein genügen anscheinend nicht, um die Ausbreitung des Krebsgeschwürs Antisemitismus zu verhindern. Hoffnung gibt, dass in der vom VBE beauftragten Umfrage zur Werte- und Demokratieerziehung Eltern wie auch Lehrkräfte in überwältigender Deutlichkeit formulierten, wie wichtig ihnen das Thema Werteerziehung und eine Orientierung an den gesetzlich verankerten Bildungs- und Erziehungszielen in Schule sind.“ (News4teachers berichtete.)

„Unzureichende Berücksichtigung im Lehrplan und zu wenig Zeit“

Weiter betont Beckmann: „Gleichzeitig sehen sowohl Eltern als auch Lehrkräfte klare Defizite bei der Umsetzung. Gründe für ein Nicht-Erreichen einzelner Bildungs- und Erziehungsziele sehen Eltern wie auch Lehrkräfte vor allem in einer unzureichenden Berücksichtigung im Lehrplan und zu wenig Zeit. Das darf so nicht stehen bleiben! Politik ist in der Verantwortung, die jungen Menschen bei der Entwicklung einer reflektierten Wertehaltung zu fördern – zum Beispiel durch mehr Zeit für demokratische Prozesse in der Schule und umfassende Möglichkeiten, Erinnerungsstätten wie Auschwitz zu besuchen.“ News4teachers

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