Corona-Krise verschärft Mangel an Grundschullehrern – mehr Abordnungen

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WIESBADEN. Schon vor der Corona-Krise war es für Grundschulen schwierig, ausreichend Personal zu bekommen. Die Pandemie verschärft die Lage zusätzlich. Das Land Hessen will nun die weiterführenden Schulen in die Pflicht nehmen.

Ältere Lehrkräfte gehören zur Corona-Risikogruppe. Foto: Shutterstock

Jede fünfte Lehrkraft an hessischen Grundschulen kann in der Corona-Pandemie voraussichtlich nicht im Präsenzunterricht an den Schulen eingesetzt werden. Diese Lehrerinnen und Lehrer gehörten entweder selbst zu einer Risikogruppe oder lebten mit Menschen aus einer Risikogruppe zusammen, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Freitag in Wiesbaden. Das Land schätze deren Anteil auf 20 Prozent. Die betroffenen Kollegen sollen vorrangig die Betreuung der Jahrgänge übernehmen, die weiter von zuhause aus lernen.

Vom kommenden Montag an werden die Schulen schrittweise wieder öffnen. Zunächst sollten die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen und die 4. Klassen der Grundschulen zurückkehren. Das hätte rund 160.000 der insgesamt 760.000 hessischen Schülerinnen und Schüler betroffen. Ein Gericht stoppte allerdings am Freitag den Schulstart für die Viertklässler (hier berichtet News4teachers ausführlich darüber).

Gymnasien sollen Lehrer an Grundschulen abgeben

Angesichts drohender Personalengpässe können künftig Gymnasien verpflichtet werden, Lehrkräfte an Grundschulen abzuordnen, kündigte Lorz an. Die weiterführenden Schulen erhielten dafür Ersatz. Mit Blick auf die Corona-Pandemie seien in diesem Frühjahr ältere Kollegen an Grundschulen, die kurz vor dem Ruhestand stehen, nicht angeschrieben und um eine Verlängerung der Dienstzeit gebeten worden, erklärte der Minister. Unter anderen aus diesem Grund gehe das Land davon aus, dass zum kommenden Schuljahr ein zusätzlicher Personalbedarf entsteht, «der sich mit den bisher in Kraft gesetzten und geplanten Maßnahmen allein nicht kompensieren lässt».

Da es um die Lehrerversorgung an den weiterführenden Schulen deutlich besser gestellt sei, setze Hessen auf deren Solidarität, wenn bei benachbarten Grundschulen die Unterrichtsversorgung andernfalls nicht gewährleistet sei.

Quereinstieg ist künftig auch mit nur einem Fach möglich

Hessen hat zusätzliche weitere neue Programme entwickelt, um Personal für Grundschulen zu gewinnen. Unter anderem sollen Lehrer, die bereits an weiterführenden Schulen unterrichten dürfen, schneller an eine Zusatzqualifikation für die Grundschule gelangen können. Zudem wird der Quereinstieg für Hochschulabsolventen erleichtert und ist künftig auch mit einem Fach möglich – etwa Deutsch, Mathe oder Sport, wie Lorz erläuterte.

Außerdem soll es Gymnasiallehrern, die gerade frisch in den Beruf starten, schmackhaft gemacht werden, für mehrere Jahre teilweise an Grundschulen zu unterrichten, teilte das Ministerium mit. Diese Lehrer rückten auf der Rangliste für eine Festanstellung nach oben. dpa

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4 KOMMENTARE

  1. Das alte Problem des Mangels an Grundschullehrern ist nur durch eine gerechte Bezahlung und Aufhebung der Ungleichbehandlung zu lösen. Die GEW kämpft seit einer gefühlten Ewigkeit dafür. Getan hat sich in den meisten Bundesländern dennoch nichts.

  2. Nicht nur die GEW, auch der VBE ist hier seit Jahren aktiv. Einen Gymnasiallehrer kann man vllt einigermaßen sinnvoll an eine Realschule abordnen, aber doch nicht an eine Grund- oder Hauptschule. Von der Arbeit nach dem Klassenlehrerprinzip und der anderen Didaktik haben diese doch gar keine hinreichende Ahnung. Außerdem besteht doch auch an BKs ein Mangel, sollen die Gymnasiallehrer doch dahin gehen. Aber Gymnasiallehrer an Grund- und Hauptschulen einzusetzen, weil diese aufgrund der schlechten Besoldung zu wenig Lehrkräfte haben, ist echt das Letzte. Und Quereinstieg mit nur einem Fach ist ja wohl blödsinnig hoch 10, sogar Gymnasiallehrer beherrschen in der Regel trotz des etwas anders aufgebauten Studiums 2 Fächer, Grundschullehrer haben 3-4 studiert und sind es gewohnt, sich im fachfremden Bereich weiterzubilden. Den Quereinstieg von fachl. Hochschulabsolventen sehe ich gerade an den besonders pädagogisch geprägten Schulformen äußerst kritisch.

  3. Ja, die „Überflieger“ Frubdschullehrer mit ihrem Hammerharten Wissen aus 3 – 4 Fachstudiengängen. Das ist einfach eine Verzerrung der Realität. Gymnasiallehrer studieren ihre beiden Fächer auf Universitätsniveau, häufig mit den grundständigen Studiengängen zusammen. Grundschullehrer machen das nicht in dem Außmaß, die würden sonst nämlich bei „3-4“ Fächern kein Land mehr sehen, gerade beim Anteil an Pädagogik-Inhalten, die zweifelsfrei höher sind.

    Gleichwohl spricht nichts gegen eine höhere Besoldung und Abordnungen sind abzulehnen, weil Gymnasiallehrer gar nicht pädagogisch dafür ausgebildet sind, mit Grundschulkindern zu arbeiten. Das Lorz nun auch für Quereinsteiger den Flur weiter öffnet zeigt nur einmal mehr seine Unfähigkeit, mit der Situation umzugehen.

    • In der Krise fallen uns die alten Probleme wieder auf die Füße. Es wird deutlich, was alles nicht angegangen und aufgeschoben wurde. Der ganze Bereich „Schule“ wurde jahrzehntelang von den Bundesländern vernachlässigt.

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