Schüler kritisieren: Prüfungszwang nicht mit Grundgesetz vereinbar – und fordern Wahlfreiheit

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DÜSSELDORF. Die diesjährigen Abschlussprüfungen sorgen weiterhin für Diskussion. Nicht nur die Bundesländer sind sich uneins, wie sie aufgrund der Corona-Pandemie verfahren wollen, auch die Schülerinnen und Schüler vertreten unterschiedliche Ansichten. Nachdem zwei Hamburger Abiturienten bereits Mitte März eine Online-Petition gestartet haben, um ein Durchschnittsabitur durchzusetzen, und ein weiterer Schüler per Online-Petition zumindest für Hamburg eine weitere Verschiebung aller Prüfungen fordert, gibt es seit Anfang April eine dritte Kampagne. Ihr Ziel ist es, für alle Schülerinnen und Schüler eine Wahlfreiheit zu erreichen. 

Abschlussprüfungen schreiben oder nicht schreiben? Das sollen die Schülerinnen und Schüler in Deutschland selbst entscheiden dürfen, so die Forderung der Petition. Foto: Shutterstock

Hessen und Rheinland-Pfalz haben die schriftlichen Abiturprüfungen trotz des Coronavirus bereits abgenommen, viele andere Bundesländer wie Bayern und Berlin haben den Beginn nach hinten verschoben und wieder andere – wie Nordrhein-Westfalen – schwanken zwischen Durchführen und Absagen (News4teachers berichtete). Grundsätzlich hatten sich die Kultusministerien der Länder im Zuge einer Schaltkonferenz darauf verständigt, die Schulabschlussprüfungen stattfinden zu lassen „soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig ist“, wie die Kultusministerkonferenz (KMK) nach dem Gespräch mitteilte.

Harsche Kritik am Vorgehen der Länder

Auf die gewohnte Vorgehensweise zu beharren, sei „über alle Maße verantwortungslos“, urteilen nun Thekla Koranashvili und Colin Wilke, Schülerin und Schüler eines Herforder Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen. Mit ihrer Online-Petition fordern sie ein „Selbstbestimmungsrecht für Schüler*innen“. Demnach sollen die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland selbst entscheiden dürfen, ob sie an den Abschlussprüfungen teilnehmen oder ein Durchschnittsabitur anfordern wollen. Dafür hatte sich zuletzt auch die Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler in NRW eingesetzt (News4teachers berichtete).

Gegen einen Zwang zur Teilnahme spricht aus Sicht der beiden Jugendlichen das Grundgesetz Art.2, Satz II: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“ Für Thekla und Colin steht fest: „Die Abiturpflicht ist alles andere als ein legitimer Grund um dieses Grundrecht kurzerhand außer Kraft zu setzen.“ Einen ganzen Abiturjahrgang bewusst dem Risiko einer Infektion auszusetzen, grenze an einem Skandal.

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Große mentale Belastung

Sie verweisen unter anderem auf die gesundheitliche Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht. Zwar seien vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen besonders gefährdet, doch es existierten eben auch Fälle, in denen jüngere Personen an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben sind. Darüber hinaus gebe es Schülerinnen und Schüler, die Teil der Risikogruppe sind, oder mit Personen zusammenleben, auf die das zutrifft. „Das Ausmaß an psychischer Last, die daraus folgt, ist kaum auszumalen“, schreiben die beiden Jugendlichen. Zudem sei nicht auszuschließen, dass durch die Abschlussprüfungen „eine desaströse Infektionswelle“ ausgelöst werden könnte, „die für das Gesundheitssystem absolut untragbar wäre“.

Des Weiteren kritisieren die Schülerin und der Schüler aus NRW eine fehlende Chancengerechtigkeit, da die Vorbereitungsphase von vielen Einschränkungen geprägt sei: fehlender Unterricht, keine Möglichkeit, Nachhilfe zu bekommen oder in Gruppen zu lernen.

Das Ziel: Selbstbestimmung

In ihrer Argumentation gegen einen Prüfungszwang ähnelt die Petition der Kampagne aus Hamburg, die sich für eine Absage aller Abschlussprüfungen einsetzt und mittlerweile fast 140.000 Unterschriften gesammelt hat (News4teachers berichtete). Im Gegensatz zu dieser wollen sie jedoch eine Wahlmöglichkeit erreichen. Diese würde „die individuelle Ausgangslage aller Schülerinnen und Schüler in dieser so einzigartigen Krisensituation“ berücksichtigen. Und damit auch denjenigen entgegenkommen, die ihren Notendurchschnitt durch die Prüfungen verbessern wollen. „Wir fordern lediglich das uns zustehende Grundrecht der Selbstbestimmung ein und bitten die Kultusminister*Innen, die Entscheidungen eines jeden von uns zu respektieren und endlich anzufangen, uns wie selbstbestimmte Menschen zu behandeln“, so Thekla und Colin. Bislang unterstützen ihr Anliegen rund 1.250 Personen. Anna Hückelheim / Agentur für Bildungsjournalismus

Hier geht es zur Petition von Thekla Koranashvili und Colin Wilke.

Corona-Regeln: Welche Auflagen für Abiturprüfungen gelten

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34 KOMMENTARE

  1. Wir sind doch hier nicht bei Wünsch-Dir-Was! Denken diese Schüler auch mal nicht nur an sich, sondern auch die anderen Beteiligten? Entweder ALLE schreiben oder KEINER.

    Keiner ZWINGT die Schüler dazu, Abitur zu machen. Die Schulpflicht ist nach spätestens 11 Jahren durch. Die Schüler hatten also alle Wahlfreiheit der Welt, wie es mit ihrer Bildung weitergeht.

    • Liebe Gemeinde!
      Der Unschuldige werfe den ersten Stein.
      „Gymnasiallehrer a.D.“ hat selbst Abi vor 100 Jahren machen duerfen in unserer Gesellschaft.
      Nun, da er selbst seine akademischen Schaefchen im Trockenen hat, nicht einmal beruflich selbst vor den hustenden Schuelern waehrend deren Pruefungen auszuharren braucht, prustet er den mentalen Virus des Egoismus heraus.
      Gute Besserung a. D.
      Joern Struve

    • Ich bin ehrlich gesagt entsetzt von so einem Pädagogen…
      Was denken Sie sich eigentlich??? Mal als kleine Gegenfrage… Lässt sich ja leicht über Kollegen und Sus lästern, wenn man die dicke Pension abkassieren kann… Ich bin nicht verbeamtet und werde es in Berlin wohl auch nicht mehr…

      Ich habe unter all diesem auch keine Lust mir die Viren nach Hause zu holen und meine Familie als Hochrisikogruppe zu gefährden… Alles für so dämliche Prüfungen…

      Genauso geht es den Heranwachsenden auch… Die sind total verunsichert… Der Kopf seit Wochen gar nicht frei zum Lernen, keine Lern-Gruppen, keine Bibliotheken, kein Unterricht, der noch einmal kurz alles wiederholt und prägnante Fakten durchspricht, kein Nachhilfeunterricht…

      Dazu Erwachsene, die total überfordert sind und Hamsterkauf, Covid-Tests wollen und Gesundheitsamt anrufen, abwechselnd tätigen… In dieser unruhigen Zeit, die eigentlich Solidarität, Nächstenliebe und Toleranz von allen Beteiligten abverlangt, wollen wir die Jugendlichen zur Prüfung nötigen….???

      Was ist das für ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft und unsere älteren Menschen??? Welche Werte geben Sie eigentlich der folgenden Generation mit?? Kapitalistisches Denken, die Wirtschaft muss laufen und nur Leistung zählt?!
      Was erwarten wir eigentlich dann von den Jugendlichen… Was sollen die aus dieser prägenden Zeit mitnehmen?
      Wir brauchen uns über Werteverfall in diesem Moment nicht mehr wundern… Es gibt immer einen, der es vorlebt und als Vorbild fungierte.

      Zudem haben die Jugendlichen doch etliche Jahre die Schule besucht… Wir verschenken doch kein Abitur… Es gab etliche Vorschläge, die von denen kam… Mitunter multimediale Prüfungen, mündliche Prüfung via Videochat, powerpoint Präsentationen oder schriftliche Hausarbeiten…eine wissenschaftliche Arbeit mit aktueller Literatur und einer Fragestellung ist doch genau das, was in der Uni später auch als Prüfung stattfindet… Falls wieder Betrugsvorwürfe kommen… An der Uni ist es ja auch möglich… Jede Bachelorarbeit, Masterarbeit findet so statt…

      Ich habe Bolles Verständnis für die Sus und hoffe auf Hilfe der Gewerkschaften und ein Aufwachen in der KMK…

  2. Es geht doch hier garnicht darum, dass Schüler generell entscheiden sollen, ob sie ein Durchschnittsabitur erhalten möchten, oder sie die Prüfungen schreiben wollen. Es geht darum, in dieser SPEZIELLEN Situation für sich entscheiden zu können. Andere SuS kommen mit diesem psychischen Druck vielleicht besser klar als andere und haben vielleicht in ihrem unmittelbar Umfeld keinen, der zur Risikogruppe gehört. Wahrscheinlich haben diejenigen die für Prüfungen sind auch keine Probleme sich zu Hause vorzubereiten ( Zugang zu Internet; PC oder Laptop; Eltern als Unterstützung; ruhige Atmosphäre etc.) Diese haben dann einen großen Vorteil gegenüber den anderen. Ich verstehe nicht, wieso bei dieser Diskussion so getan wird, als ob momentan normale Bedingungen herrschen. Vor allem, da Länder wie Frankreich, England und Niederlanden dies auch begriffen haben und ihre Abschlussprüfungen abgesagt haben.
    Es geht hier nicht um einen Jahrgang der zu faul ist Prüfungen abzulegen, sondern um einen Jahrgang der, wie alle anderen Menschen auch, momentan eine sehr schwere Zeit durch macht.
    Ich hätte mein Abitur dieses Jahr auch lieber unter normalen Umständen geschrieben, aber es ist schon lange nichts mehr normal und das Bildungssystem sollte sich meine Meinung nach daran anpassen.

  3. Wenn es darauf hinausläuft, dass es keine Prüfungen gibt, dann ist das okay. Keiner hat hier gesagt, die Schüler seien faul.

    Es hängen aber nicht nur Schüler im Abitur, sondern auch andere Beteiligte. Die haben vielleicht psychischen Druck und müssen mit der Situation umgehen. Ein optionales Abitur schafft nur rechtliche Probleme, vor allem ist es dann auch innerhalb der Landesgrenzen nicht mehr vergleichbar.

    Das Bildungssystem hat sich der Situation im übrigen angepasst.

    Und nochmal: Die Wahlfreiheit hatte bereits jeder innAnspruch genommen, der sich für die 12 Klasse am Gymnasium (oder 13 Klasse) zurückgemeldet hat.

  4. @Gümnasiallehrer, schon klar das wir nicht mehr schulpflichtig sind, aber wir haben nicht Jahre darauf hingearbeitet und konstant Leistungen gebracht, um dann in solch eine Lage gebracht zu werden, wo es doch vermeidbar ist. Es ist kein Wunschkonzert, es geht darum unsere Rechte und unsere Gesundheit mit der Erlangung unseres Abschlusses in Einklang zu bringen.

    • Meine Mutter ist durch den Virus gestern verstorben, und mein Sohn ist gerade überhaupt nicht mehr in der Lage effektiv zu lernen. Dieser Stress auf unseren Kindern ist nicht in Ordnung!

  5. Es ist für mich unverständlich wieso immer nur über das Abi geredet wird, die Real und Hauptschüler müssen ja auch schreiben und das ist für mich auch Druck es ist ziemlich komisch wie sich teils Erwachsene anstellen eine Prüfung zu schreiben und wir als junge Erwachsene bzw Kinder müssen auch ohne Diskussion schreiben!

  6. Also jetzt muss ich mal Dampf ablassen: Was tun wir hier unseren Kindern an? Dieses ewige Hin und Her, dieser Druck, diese Unsicherheit – fast täglich eine andere Ansage. Keiner weiß mehr was nun eigentlich Sache ist. Meine Tochter sitzt täglich an den Prüfungsvorbereitungen. Betreuung durch die Lehrer geht gegen Null. Rückfragen sind möglich, aber wohl nicht erwünscht, denn geantwortet wird von den Lehrern nicht. Lerngruppen? Ja klar, online – entweder bricht das Internet zusammen, der PC hängt sich auf oder aber die Mitschüler erscheinen gar nicht erst zur Videokonfetenz. Dazu die tägliche Sorge um Verwandte, die der Hochrisikogruppe angehören und die eine Ansteckung wohl kaum überleben würden. Angst um die Zukunft: Was wird passieren? Bekomme ich überhaupt einen Studienplstz? Kann ich mein freiwilliges soziales Jahr antreten? Wielange dauert dieser Ausnahmezustand noch? usw.
    Dazu die Sorgen um das „Überleben“ der Familie – finanziell und sozial.
    DAS nenne ich ein echtes Problem.
    Wer von uns Erwachsenen hätte unter diesen Bedingungen denn sein Abitur machen können/wollen? Ich jedenfalls nicht. Für mich (und sicherlich für viele andere auch) waren damals die Prüfungen unter normalen Umständen schon stressig genug.
    Ich bewundere die Stärke meiner Tochter sich trotzdem täglich an die Arbeit zu machen und dabei ihr Bestes zu geben. Ich sehe ihren Frust und ihre Unsicherheiten, ich weiß um ihre Hoffnung auf einen anerkannten Abschluss. Ich kann ihre Ängste und Sorgen gut nachvollziehen und würde ihr diese zusätzliche Belastung gerne abnehmen. Daher wünsche ich ihr und allen anderen angehenden AbiturientInnen eine schnelle und verbindliche Entscheidung der Politiker, bei der auf die Abschlussprüfungen endgültig verzichtet wird. Soll die Abschlussnote doch aus der bisher erbrachten Leistung berechnet werden. Die Unis können Aufnahmeprüfungen vor Studienbeginn einführen – soweit noch nicht geschehen – dann ist auch dort eine faire Auswahl möglich. Das wäre grundsätzlich gesehen sowieso besser.
    Nehmt den Druck raus, die SchülerInnen sind doch mental total überlastet, sie befinden sich in einer Ausnahmesituation. Diese hat sicherlich auch auf psychischer Ebene noch langfristig wirkende Folgen für die jungen Menschen, die wir jetzt noch garnicht absehen können. Ich erinnere mich wie viele AbiturientInnen im letzten Jahr nach ihren Prüfungen schon unter Burnout gelitten haben. Es kann doch nicht unser Ziel sein überforderte junge Menschen, die schon vor ihrem Einstieg ins Berufsleben mit den Nerven runter sind ins Leben zu entlassen. Lasst ihnen die Möglichkeit den Schritt ins Erwachsenenleben unbeschadet zu gehen, nur so können sie am Ende auch zum Wohle der Gesellschaft beitragen.
    Unsere Schülerinnen denken sicherlich nicht nur an sich oder sind nur faul. Ich halte diese Generation junger Menschen durchaus für engagiert, interessiert und auch für sehr motiviert aus ihrem Leben etwas Gutes zu machen. Ja, sie sind manchmal – auch zu Recht – kritisch und fordern ihre Rechte und Anerkennung ein. Das sollen und dürfen sie auch gerne tun, denn sie sind nun mal unsere Zukunft und die kann und muss besser werden…

    • Was Sie hier beschreiben ist aber nicht alles auf die Corona-Krise zurückzuführen. Die gibt es erst seit einigen Wochen, was hat das Burnout des letzten Jahrgangs damit zu tun?
      Der Druck kommt meiner Erfahrung nach sehr stark auch von den Eltern, viele Schüler*innen sitzen nur in der Schule, weil die Eltern unbedingt wollen, dass sie Abitur machen. Daher weiß ich nicht, wer hier „den Druck rausnehmen“ soll; die Lehrer müssen ihren Lehrplan erfüllen und kommen in Teufels Küche, wenn sie zum Abitur nicht alle Themen behandelt haben. Da müssten Sie sich eher an die Politik wenden, nicht an „News4teachers“.

    • Vielen Dank für Ihre offenen und klaren Worte.Auch ich bin Mutter von angehendem Abiturienten,und kann jedes Wort von Ihnen bestätigen.

    • Bei allem Respekt, aber wenn Menschen mit Burnout aus dem Abitur gehen, sollte man sich die Frage stellen, ob die Realschule vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre. Und wenn ein paar Unsicherheiten über die Abiturprüfung bereits überfordern, wo gerade jetzt genug Zeit zum Lernen ist, dann habe ich dafür kein Verständnis.

      Wie sollen die Schüler denn Belastbarkeit entwickeln? Wenn der Chef im Beruf Zeiten setzt, die gehalten werden müssen? Dann können Mami und Papi und auch das Grundgesetz da nicht helfen. Da hilft Leistung, keine Jammerei. Da spielen Werte wie Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen eine Rolle. Das sind harte Faktoren, manch einer mag sagen, militärische Faktoren. Ich kann mir die Welt nunmal nicht zurechtklagen. Schonmal muss einfach auf die Zähne gebissen werden und durchgekämpft werden.

      Wenn alles für die Schüler soviel Stress bedeutet, frage ich mich, wie vorherige Generationen, ohne Internet und Taschenrechner ihr Abitur gemacht haben? Ich selbst bin gerade 22 und mein Abitur ist noch nicht solange her. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie das Abitur einen jungen, dynamischen und leistungsfähigen Menschen so überfordern können. Menschen wollen und müssen gefordert werden. Schonung ist keine Hilfe sondern verzögert die Probleme nur auf eine spätere Situation.

  7. Die Belastung ist sehr hoch für die Schüler. Bekomme das bei meinem Sohn hautnah mit. Erstens er hat Angst es anzuschleppen, Angst da ich selber zur Risiko Gruppe gehöre, dann zweitens kein Unterricht. Die haben nur per E-Mail Aufgaben bekommen die sie zu machen haben. Unsicherheit wächst bei den Abgängern.

  8. Wieso ist der „Prüfungszwang“ (ich sehe es nicht als Zwang, Abitur zu machen) nicht mit dem Grundgesetz vereinbar? Das klingt mir sehr an den Haaren herbeigezogen. Dann könnten viele Arbeitnehmer ja auch sagen, es ist nicht mit dem GG vereinbar, dass sie unter den Umständen überhaupt arbeiten gehen müssen, hier wäre der Art. 2 auch anwendbar (insbesondere demnächst der Lehrer, die sich demnächst ja auch wieder zwangsläufig in volle Klassenzimmer begeben müssen, wo sie keine Möglichkeit haben, sich selbst zu schützen). Eine sehr unreife, egoistische Sichtweise.

  9. Wen interessiert aktuell das Grundgesetz? Es wird ein ganzes Land runtergefahren, das Grundgesetz außer Kraft gesetzt, weil es vertretbar ist, eine relativ kleine Gruppe vor sich selbst zu schützen.
    Wen man bedenkt, wie viele Menschen für Freiheit und Demokratie gestorben sind, dann kann man sich nur wundern, wie schnell diese Werte geopfert werden. Und zwar ohne eine echte Diskussion. Und offensichtlich will man den Panikball weiter spielen, die CDU und CSU sagen ganz offen, dass Gesundheit immer vor geht.
    Ok, dann müssten wir im Prinzip auch die Industrie zumindest aber den Autoverkehr abschaffen, wird diesen sterben direkt und indirekt zig hunderte Menschen, jedes Jahr.
    Das Recht auf Bildung ist natürlich nebenbei auch so ein Grundrecht und körperliche Unversehrtheit ebenso, aber bei Kindern drückt man gerne ein Auge zu, die sind nicht so wichtig. Solange die über 70 Jährigen bloß weiter schön jeden Tag im Supermarkt einkaufen können.
    Mal sehen wie man die Folgen der Corona Krise rechtfertigen will, zig tausende Kinder werden nicht ausreichend beschult, ein echter Skandal. Und die schwächeren Schüler, werden ihrer eh geringeren Chancen jetzt auch noch beraubt.
    Zahlen wir weiter die Infizierten, die nächsten 2 Jahre und so lange verzichten wir ggf. auf Grundrechte, wer braucht die schon?

  10. Dann sind die Schüler, die diese Petition gestartet haben also gleichzeitig der Meinung, dass das Grundgesetz nur für sie, aber nicht für Lehrer gelte?
    „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“
    Dann hätten die Lehrer wohl das gleiche Recht.

    Was hier nicht beachtet oder geschrieben wird:
    1. Wenn man Schülern die Wahl lässt, werden sie langfristig damit Probleme bekommen, die sie selbst nicht absehen können, da vermutlich in jedem Bewerbungsgespräch später die Frage kommen wird: „Warum haben Sie eigentlich die Prüfung nicht abgelegt, wenn es doch möglich was?“

    2. Die Länder machen sich bereits Gedanken dazu, unter welchem Maßnahmen des Infektionsschutzes die Prüfungen unter einem minimiertem Risiko stattfinden können.

    3. Die Infektionsrate in der Bevölkerung ist noch so gering, dass man nicht davon ausgehen kann, dass sofort alle mit Corona angesteckt werden.

    4. Die Schüler sind selbst unschlüssig bzgl. „stattfinden“ oder „nicht stattfinden“ von Prüfungen, da sich hier gleichzeitig auch immer wieder Schüler melden, sie sich ganz offensichtlich in den letzten Jahren einen faulen Lenz gemacht gemacht haben und der Meinung sind, dass sie durch eine Abiturprüfung ihren Schnitt deutlich anheben.

    Ich selber bin für folgende Regelungen:
    Alle Abschlussprüfungen fallen aus, und die Noten werden aus aus dem gesamten Schuljahr gebildet. Dann bekämen endlich auch mal die Schüler die meist vernachlässigte Anerkennung, die bereits im ersten Halbjahr vorbildlich gearbeitet haben. Alternativ könnte ich mir Abschlussprüfungen und Einbeziehung des gesamten Kollegiums vorstellen. Pro Raum 3 Schüler plus Lehrer, mit einem gewissen Spielraum bei der Bepunktung, da gerade an Schulformen des mittleren Schulabschlusses nicht alle nötigen Themen bis zu den Prüfungen bearbeitet werden konnten.

  11. Es gibt doch gar keinen Prüfungszwang. Kein Schüler wird gezwungen an den Abi-Prüfungen teilzunehmen. Schüler, die gesundheitliche Bedenken haben können doch dann auch im nächsten Jahr an den Abi-Prüfungen teilnehmen.

    • Hinzu kommt, dass diejenigen, die die Zulassung zum Abi erreicht haben, ja bereits die Fachhochschulreife (Fachabi) erreicht haben und somit – mit Ausnahme bestimmter Studiengänge – eine Hochschulzugangsberechtigung haben.

  12. Ich muss an dieser Stelle einmal etwas loswerden:
    Den Schülern wird auch in Zukunft nicht jede schwierige Situation abgenommen werden. Wir leben oder vielleicht sollte man lieber sagen, lebten wir einst in einer Leistungsgesellschaft. Was viele Schüler mittlerweile von sich geben ist kaum nachzuvollziehen.

    Man liest im Zusammenhang mit diesem Thema nur allzu oft die Worte „psychischer Druck, Unsicherheit,etc.“ und diese Dinge werden grundsätzlich als etwas Negatives abgetan. Mit einer solchen Einstellung werden diese Schüler in Zukunft nicht weit kommen. Auf lange Sicht gesehen, werden sich nur diejenigen auszeichnen, die in der Lage sind auch unter schweren Bedingungen, unter psychischem Druck und auch unter Stress Leistung zu erbringen. Diese Fähigkeit sehe ich immer mehr schwinden. Wie soll Belastbarkeit und Stressresistenz aufgebaut werden, wenn ständig versucht wird, schwierigen Situationen aus dem Weg zu gehen?
    Leider ist dies sinnbildlich für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Es wird nur allzu oft gejammert, statt sich zusammenzunehmen und Leistung zu bringen. Natürlich ist es bequemer, Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, statt die direkte Konfrontation zu suchen. Nur leider wird man auch nie lernen mit Problemen umzugehen. Dieser Umstand zeigt sich während der aktuellen Situation ganz deutlich, so sieht man in weiten Teilen der Bevölkerung ausschließlich Panik, statt Wege zu entwickeln um gestärkt aus der Krise herauszugehen. Jammern hat noch nie geholfen.

    Aus meiner Sicht wird das Grundgesetz hier durch die Schüler missbraucht um wieder einmal einer schwierigen Situation zu entgehen. Das ist leider bezeichnend – die Rechte sind meistens bekannt, die Pflichten jedoch nur selten! So kann keine Entwicklung stattfinden.

    • Ich könnte jede Ihrer Aussage dazu unterschreiben. Wer nichtmal dem „Druck“ in der Schule standhalten kann – da frage ich mich, wie es in der Ausbildung, im Studium und – vor allem – im Job später aussehen soll, wenn man schon nicht einmal Abiturprüfungen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen in Bezug auf die aktuelle Krise, also mit Abstand usw. durchführen kann – unfassbar, wie manche versuchen, sich einen Vorteil daraus zu erschleichen. Aber irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft fallen sie mit der Einstellung auf die Nase…

      • Ich danke Ihnen für ihre Zustimmung.

        Es ist wirklich kaum zu verstehen. Insbesondere in Deutschland haben die Schüler alle Möglichkeiten und die wenigsten müssen sich abseits der Schule dringende Sorgen machen. Alles in allem, wächst der Großteil der Schüler hier wohlbehütet auf. Ich kenne das aus anderen Ländern mitunter anders. Insbesondere in ärmeren Ländern kommen neben der Schule wirkliche Sorgen zum Tragen von denen sich die meisten Schüler hier nichts vorstellen können.

    • Mit unserer Generation kam das Ende der Leistungsgesellschaft, die Sie erwähnen. Wohlgemerkt, wir „lebten“ in einer Leistungsgesellschaft. Wieder mal wandel der Werte, eigentlich nichts neues.

      Die Corona Krise gibt der Menschheit die Möglichkeit den Geschmack der Unsicherheit zu spüren. Auch nichts neues.

  13. Es besteht doch kein Zwang an den Prüfungen teilzunehmen; daher sind die Schüler nicht in ihren Rechten beschnitten. Sie habe doch die Möglichkeit diese im nächsten Jahr nachzuholen. Und mal ganz ehrlich, die Schüler bzw. Eltern, die ein Abitur ohne Prüfungen fordern, sind doch diejenigen, die genau wissen, dass sie bzw. ihre Kinder die Prüfungen nicht bestehen.

  14. Also ganz ehrlich?! Wie soll das denn gehen frage ich mich? Viele Schüler müssen mit der Bahn fahren, dazu gehöre ich auch. Man muss dann in Kauf nehmen sich schon unterwegs mit dem Virus anzustecken. Aber Hauptsache Prüfungen werden geschrieben!! Ich habe das Gefühl, dass gar nicht darauf Rücksicht genommen wird, ob unter den Schülern Risikopatienten sind oder in deren Familien! Anscheinend wird die Ansteckung dann, falls die Prüfungen geschrieben werden, einfach mal in Kauf genommen! Aber es wird sehr wohl seit neusten darüber diskutiert, dass man ältere Lehrer von Prüfungen ausschließen sollte, da diese zur Risikogruppe gehören. Das kann doch echt nicht sein!

    • Ich würde Sie an dieser Stelle gerne fragen, wie man das all die Jahre mit der Virusgrippe gelöst hat? Die ist für Risikopatienten ebenfalls sehr gefährlich.

  15. Hi,
    Ich mache gerade auch Abitur und muss ehrlich zugeben das ich keinerlei Druck oder psychische Belastungen verspüren. Da ich nicht gerade zu den Eliteschülern gehöre und keine besonderen prachtvollen Leistungen erbringe, was wohl nicht mit Kompetenz sondern eher mit Fleiß verbunden sein mag, kann ich sehr gut verstehen warum man die Prüfungen nicht schreiben möchte. Aber man muss hierbei auch bedenken dass das Abitur lange nicht so komplex ist wie jeder das behauptet und das bedeutet nicht das man sein Abi mit Fingerschnipsen erhält. Natürlich ist es für Schüler, die Nachhilfe bekommen oder in Lerngruppen arbeiten eine Umstellung, wobei man hier aber berücksichtigen muss das man sein Abitur ohne Lerngruppe oder Nachhilfelehrer schreiben muss und man somit auch lernen kann auf eigenen Beinen zu stehen. Ja für diejenigen, die keine gute Internetverbindung haben ist das ganze natürlich absolut unkomfortabel, aber Mensch bedenke es gibt noch die alten wohlbekannten Schulbücher und mit diesen haben schon tausende Schüler vor uns ihr Abitur abgelegt. Also würde ich mal sagen abwarten was kommt und schön weiter lernen und wenn die Prüfung abgesagt werden, dann tut es mir für die Leid, die unbedingt die Prüfungen schreiben wollten. Und wenn sie doch stattfinden heißt es Augen zu und durch. Ich denke das man legitime Methoden finden wird die Abiturienten ohne weitere Ansteckung durch das Abitur zu bringen. Außerdem denke ich das der Umgang mit den Abiturprüfungen auf jeden Fall mit dem Grundgesetz vereinbar sind, denn ich meine wir sind noch unglaublich gut bestellt, wenn man bedenkt was unser Gesundheitssystem momentan erträgt und wir sind den Politikern auf jeden Fall zu Dank verpflichtet, da diese für uns versuchen diese komplizierte Situation zu meistern. Ich wünsche jedem Abiturient entweder viel Glück oder viel Erfolg!!!

    • @ Franzi und Alex. B.
      BRAVO!
      Zwei junge Menschen, die verstanden haben, dass das Leben nun mal kein Ponyhof ist und wir nicht bei „Wünsch- dir- was“ sondern bei „so isses“ sind. Zwei, die weiter denken können, als von der Wand bis zur Tapete.
      Franzis Schlusssatz möchte ich mich gerne anschließen: Allen viel Glück und/oder Erfolg!
      Und,als Ergänzung: Vor allem- trotz allem: Bleiben Sie /bleibt GESUND 🙂

  16. Der psychische Druck entsteht ja wohl auch eher, weil viele einfach extreme Angst haben, sie könnten „umsonst“ lernen. Bei uns gab es früher den klassischen Spruch: „Man lernt für das Leben und nicht für die Schule.“ Alles was ihr lernt liebe Schüler lernt ihr nicht umsonst sondern für euch. Ich finde die Situation auch sehr ungünstig aber mal ehrlich, gibt es eine bessere Vorbereitung auf ein Studium als die Situation gerade? Nein. Im Studium läuft es nicht anders ab als gerade bei den Schülern zu Hause.
    Ich würde jetzt auch einfach mal die Kirche im Dorf lassen, ich selbst bin dafür, dass man die Prüfungen einfach cancelt, aber deshalb muss auch nicht so ein Aufstand gemacht werden, es wird doch überall schon beraten, wie die Prüfungen unter Einhaltung des Infektionsschutzes möglich seien, es geht also nicht darum, 30 Schüler in einen kleinen Miniraum zu packen.

  17. Ich muss ehrlich sein, die meisten Kommentare hier erschüttern mich. Viele reden davon, dass wir Schüler faulenzen und versuchen würden der Situation mithilfe des Grundgesetzes zu entfliehen. Ich bin selbst Schülerin im Abschlussjahr und dazu noch ein Risiko Patient, da ich eine Vorerkrankung besitze. Versteht, dass wir nicht zu faul sind um Prüfungen zu schreiben, sondern selbst die Sorge haben zu erkranken und daran vielleicht zu verenden. Die meisten die hier schreiben, dass dies unnötig sei, befinden sich sicherlich nicht in der gleichen Lage, oder haben sich je in dieser Lage befunden während ihrer Schulzeit.
    Uns Schülern fehlt der Lernstoff und nur ein paar Aufgaben von den Lehrern geschickt zu bekommen reicht nicht aus. Wer meint, dass uns das Internet weiter hilft, der hat wohl selbst noch nicht verstanden, dass dies auch nicht hilft. Wir würden uns anderwaltig sonst auch nicht über den fehlenden Stoff beschweren, wenn man etwas gescheites darüber im Internett finden würde.
    Uns fehlen zudem Themen in Mathe, Deutsch und auch Englisch und die meisten scheinen nicht zu wissen, dass viele Schüler nur von ein paar Fächern Aufgaben bekommen und nicht in allen.
    Denkt nicht so Oberflächlich nur weil wir jung sind. Wir haben auch Angst vor diesem Virus und wollen uns nicht in Gefahr begeben. Ich sage hiermit nicht : lasst Schüler ohne Prüfung bestehen. Ich bitte lediglich nur darum, diese Prüfungen zu verschieben bis zu dem Zeitpunkt, wo es sicherer für uns alle ist.

    Traurig das Leute über uns Vorerkrankten hinweg sehen wollen und nur daran denken, wie faul wir sind. Danke.

    • Der Anteil der Vorerkrankten bzw. Risikopatienten unter den Schülerinnen und Schülern ist minimal – für die wenigen ließe sich mit Sicherheit eine Ausnahmeregelung finden – aber es kann doch nicht ein ganzer Jahrgang behandelt werden, als bestünde der nur aus Risikogruppe! Natürlich ist auch Corona in Einzelfällen gefährlich für jüngere Menschen, aber das sind viele andere derzeit auch häufigere Erkrankungen ebenso. Die Frage ist, welche Gewichtung messen wir welchem Umstand bei? Und dann kommen wir schnell zu der Frage: Wie wichtig sind Prüfungen? Wenn sie so unwichtig sind, wie viele derzeit meinen, warum basiert dann unser gesamtes Ausbildungssytem auf ihnen?
      Ihr Abiturienten seid auch keine Kinder mehr! Ihr habt eine kleine Gnadenfrist vom Berufsleben, seid rechtlich aber mit Azubis gleichgestellt. Soll die 18 Jährige Schwesternschülerin jetzt auch zu Hause bleiben? Oder der 20 Jährige frischgebackene Einzelhandelskaufmann? Warum soll dann der 30 jährige Familienvater noch das Haus verlassen, wenn er dann seine Familie anstecken könnte?
      Warum sollte der Arzt noch Kranke behandeln und sich wohlmöglich da anstecken!?

      Klar, vermeidbare Risiken sollten minimiert werden. Aber das Abitur ist schon ein Ding… Ich würde es nicht mit Klamottenshopppen und Kneipenbesuch gleichstellen.

      Wenn Leute begründet Angst haben, sich irgendwo anzustecken, dann lasst euch ein entsprechendes Gutachten ausstellen und nehmt nächstes Jahr am Abitur Teil.

  18. Ich kann die Schüler wirklich gut verstehen. Mir wäre auch mulmig in der Situation – allerdings kann ich das Argument mit dem Grundgesetz nicht verstehen und in diesem Zusammenhang ist es auch völlig an den Haaren herbeigezogen.
    Die Schülerinnen und Schüler werden doch nicht in Ketten gelegt und zu den Prüfungen gezwungen. Abitur ist kein Grundrecht, das man gegen das Grundrecht auf Unversehrtheit abwägen muss. Es ist eine Entscheidung! Man gibt ohnehin Freiheiten auf, wenn man in die Schule geht – wie bei allem, was man in der Gesellschaft tut… Wenn man die Schule erfolgreich abschließen will, muss man zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten genau das tun, was andere von einem verlangen, ob man es für richtig hält oder nicht…. Und um in diese Schule zu kommen, muss man sich andauernd allerhand Gefahren aussetzen – sei es der Verkehr, oder die Ansteckung mit Krankheiten durch andere Menschen, oder Opfer von Kriminellen zu werden, einen Sonnenbrand zu bekommen, kosmische Strahlung etc… Das ist auch so, wenn man arbeitet und dafür Geld möchte und in diversen anderen Bereichen unseres Lebens! Eine Alternative ist, sich dagegen zu entscheiden!
    Die aktuelle Situation ist sicherlich nicht einfach, sie hat aber auch Vorteile! Es gibt viel Verständnis von allen Seiten und Zeit zum Lernen.
    Lerntreffen und auch Nachhilfe sind online möglich, Ablenkung durch treffen, Partys und Freunde sind minimiert. Das Angebot an Lernhilfen im Internet ist immens – zu allem gibt es mindestens ein sehr gutes Video bei YouTube, was es zu meiner Zeit nicht gab – und ich beschwere mich ja auch nicht, dass ich es viel schwerer hatte und nicht so viele Angebote, und mit den Brocken leben und lernen musste, die mir meine zum Teil schlechten Lehrer hingeorfen haben.
    Ich habe eher den Eindruck, dass das entweder ein Aufschrei der immmerzu Empörten ist – was ja jetzt in Mode ist und durch die Reichweiten im Internet erst möglich gemacht wurde – oder der laute Versuch, einiger dreister Opportunisten, diese Situation zu seinem Vorteil zu nutzen, um möglichst billig an die allgemeine Hochschulreife zu kommen. Bei uns in Hessen ist das Abitur übrigens ohne Probleme über die Bühne gegangen. Es war sehr komfortabel, in der leeren Schule die Schüler so zu verteilen, dass eine Ansteckung nahezu ausgeschlossen war – ja, ich weiß… Toiletten, Handläufe, Türklinken etc…. Den Forschern der Corona-Studien in Heinsberg und am RKI ist bisher nicht gelungen, von Türklinken etc. entnommene Viren anzuzüchten- somit sind diese eher nicht ansteckend.
    Zu guter Letzt möchte ich noch sagen: ich gehe davon aus, wenn das Abi nicht geschrieben wird, dann haftet dem Jahrgang 2020 bis zum Ende seiner Tage der Ruf des „unqualifizierten Abiturs“ an. Und ich könnte mir sogar vorstellen, dass aufgrund der nicht-Vergleichbarkeit mit vorherigen Jahrgängen, eure Chancen um begehrte Studienplätze sinken, wenn denen nämlich einfällt, dass sie ja jetzt benachteiligt werden und klagen.
    Seht also, dass die Welt nicht nur voller Rechte ist und ihr nicht nur fordern könnt! Wir müssen da alle durch, auch ihr…

  19. So jetzt mal eine vielleicht andere Perspektive von jemandem der in den letzten Jahren Abitur gemacht hat. Ich fände es eine bodenlose Frechheit, wenn die Schüler ihr Abitur jetzt geschenkt bekommen in dem sie ein Durchschnittsabitur bekommen, da die aller aller meisten sich durch die Abitur Prüfung nicht verbessern. Das ist Fakt. Es geht hier nicht um die Sorgen der Schüler oder um ihre gesundheitliche Unversehrtheit, oder gar darum das Gesundheitssystem zu schützen, es geht schlicht und allein darum aus der Krise Profit zu schlagen. Das ist menschlich einfach nur verachtenswert. Sonst wären nämlich Optionen, wie die Verschiebung des Abiturs kein Problem. Ich sehe absolut kein Gegenargument dafür, dass die Schüler dann mal eben ein bisschen länger für ihr Abitur brauchen, in diesen Zeiten müssen sich alle ein bisschen zurück nehmen und das können auch gerade wir tun, die ihr ganzes Leben im Prinzip noch vor uns haben. Zum anderen ist es dermaßen unfair den Schülern gegenüber, die dieses Jahr oder letztes geschrieben haben und dann mit denen bei der Unibewerbung konkurrieren müssen, die Aufgrund eines Durchschnittsabitur einen Notendurchschnitt erreicht haben, den sie sonst nicht erreicht hätten. Es gibt nämlich auch noch sowas wie NCs. Das heißt entweder schafft man dieses generell dumme System der NCs ab (habe noch nie verstanden, wie ein 1,0 Abi einen für den Beruf des Arztes qualifiziert, es bescheinigt ein nur ein Übermaß an Lernbereitschaft) oder die Schüler müssen eben mal warten.

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