Naturwissenschaftler zur Coronakrise: Mehr MINT-Unterricht!

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FRANKFURT/MAIN. Angesichts der Coronakrise fordern fünf Fachgesellschaften, künftig der Bedeutung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtes verstärkt Rechnung zu tragen.

Die Covid-19-Pandemie kann ohne mathematisch-naturwissenschaftlichen Sachverstand nach Ansicht fünf großer mathematisch-naturwissenschaftlicher Fachgesellschaften in Deutschland nicht überwunden werden. Die Fachgesellschaften (DPG, DMV, DVGeo, GDCh, VBIO) vertreten die Fächer Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Geowissenschaften.

Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften müsse in den Schulen künftig höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden, fordern fünf Fachgesellschaften in einem Positionspapier. Foto: Philippe Delavie / Pixabay (P. L.)

In einem Positionspapier machen sich die Wissenschaftler ausdrücklich für eine Stärkung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts stark. Die Berichterstattung zur aktuellen Coronakrise zeige überdeutlich, dass das Verständnis von mathematischen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen unabdingbar ist, um komplexe Informationen über Fallzahlen, Reproduktionsziffern oder die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen zu verstehen und nicht auf Panikmache oder „Fake News“ hereinzufallen. Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften müsse in den Schulen höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die Fachgesellschaften plädieren dafür, künftig die Naturwissenschaften als Kernfächer durchgängig zu unterrichten. „Wir brauchen mehr Naturwissenschaften in den Schulen, und zwar in allen Altersstufen. Mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Unterricht fördern wir das logische Denken und das Verständnis für komplexe Zusammenhänge,“ betont Lutz Schröter, Präsident der Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG). Und Peter R. Schreiner, Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), ergänzt: „Und wir sorgen dafür, dass Deutschland auch in Zukunft über hervorragende Problemlöserinnen und Problemlöser aus Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften verfügt, um künftige Herausforderungen zu meistern.“

Auch bei Anerkenntnis der wichtigen Rolle der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften beim Verständnis der Folgen der Pandemie sowie ethischer Kriterien, um mit den Folgen umzugehen, leisteten die Naturwissenschaften besondere in der aktuellen Krise. Ob es um technische Einrichtungen wie Intensivbetten oder Beatmungsgeräte gehe, um die Voraussage künftiger Fallzahlen, für die mathematische, medizinische und epidemiologische Kenntnisse gleichermaßen wichtig sein, um die Erforschung des Virus, die Entwicklung neuer Tests auf Covid-19 bzw. auf Antikörper gegen das Virus oder um die Herstellung der benötigten Schutz- und Desinfektionsmittel – überall sei naturwissenschaftlicher Sachverstand gefragt. Das gelte insbesondere für die medizinische Versorgung sowie für die Entwicklung eines Impfstoffes oder wirksamer Medikamente, an denen Wissenschaftler in aller Welt derzeit mit Hochdruck arbeiteten. „Auch wenn die Politik letztlich die Entscheidungen fällen muss, kann die Pandemie nicht ohne Forschung und Expertise von Mathematikern, Medizinern und Naturwissenschaftlern überwunden werden“, betont Friedrich Götze, Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV).

Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften empfehlen in diesem Zusammenhang auch, die Wissenschaftskommunikation und den Wissenschaftsjournalismus insgesamt zu stärken und ihre Rolle im Wissenschaftsbetrieb aufzuwerten.

Der Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo), die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV), die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sowie der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) vertreten insgesamt mehr als 130.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. (zab, pm)

• Das Positionspapier zum Download

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6 KOMMENTARE

  1. Als Lehrer aus dem genannten Bereich, der jetzt gestärkt werden soll, würde ich sowas natürlich normalerweise begrüßen, tue ich aber trotzdem nicht, weil ich scheinbar im Gegensatz zu diesen Menschen das Gesamte sehe.

    1. An Schulen wird keine Zeit extra vergeudet. Viele Schüler in Deutschland haben heute schon zum Großteil Ganztagsunterricht und damit einige Stunden mehr, als noch die meisten Schüler früher.
    2. Mathematik und die Naturwissenschaften haben schon jetzt in vielen Familien und Schulen einen deutlich höheren Stellenwert als z.b. künstlerisch-musische Fächer.
    3. Allgemeinbildende Schulen sollen, wie der Name schon sagt, allgemein bilden und den Kindern später VIELE Möglichkeiten offen halten und nicht nur im Bereich Naturwissenschaften und Mathematik.
    4. Mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten nehmen vll. ab, dies tuen sie aber auch in allen anderen Bereichen! Es bringt nichts, wenn die Kinder noch mehr Mathematik und Naturwissenschaften lernen, dann aber nicht in der Lage sind einen solchen Text zu verstehen oder unmissverständlich zu formulieren, da sie dazu einfach aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht in der Lage sind. Das Gleiche könnte man auch für fast alle anderen Fächer aufstellen. Es bringt z.B. auch nichts, wenn alle kleinen Einsteins hinterher an Fettleibigkeit und diversen Folgeerkrankungen erkranken, weil beim Sport gekürzt wurde.

    So sehr ich mich als Lehrer im entsprechenden Bereich über jede zusätzliche Stunde freue, es bringt nichts, wenn an anderen Stellen gekürzt werden muss, einen Spielraum gibt es einfach nicht mehr! Es ist auch nicht angenehm für mich, wenn ich hinterher noch mehr dafür sorgen muss, dass die Kinder überhaupt verstehen, was ich Ihnen zum lesen gebe.

    • Vor Allem werden ja im Bereich Sozialkunde und Ethik sehr viel mehr Stunden gegeben als früher, auf Kosten von Biologie und Chemie. 2 Stunden Ethik, Politik pro Woche, das ist einfach zu viel! In manchen Jahrgangsstufen wird überhaupt kein Biologie oder Chemie mehr unterrichtet.1 Stunde Physik, lächerlich! Ich verfolge den Ethik- Unterricht meiner Enkeltochter, nur Bla Bla.

  2. Das ist eine Forderung vom Typ „Verband X fordert Stärkung des Fachbereichs X, weil aktuell Y“. Den Naturwissenschaften muss man allerdings zugute halten, dass diese den aktuellen Lebenstandard in Deutschland ermöglicht haben und Deutschland in den vergangenen 20-30 Jahren innovativ stark nachgelassen hat, besonders im Bereich der Computertechnologie und Informatik. Man hat leider Prioritäten in Bereiche gesetzt, die aktuell komplett abgemeldet sind, und mehr Ideologie als Wissenschaft betrieben haben.

    • Nur um in den naturwissenschaftlichen Fächern oder in Mathematik reüssieren zu können, ist es notwendig, Aufgabenstellungen im Wortsinn verstehen zu können. Selbst SuS, die keine Probleme haben Aufgabenstellungen mathematisch zu lösen, haben häufig Schwierigkeiten mit dem Textverständnis, so dass sie nicht in der Lage sind alltägliche Probleme zu erfassen, um sie modellieren zu können. Wobei Letzteres ja lediglich bedeutet, zu erkennen, ob das Problem mit Hilfe eines Dreisatzes zu erschlagen ist. Mehr als Zuordnungsprobleme müssen die suS bis Jhrgang 10 doch gar nicht lösen.

      • Das ließe sich umgehen, wenn man aus der Mathematik die alltäglichen Probleme rauswirft, diese dann aber in die anderen Fächer überführt …

        Ja, das wird nicht passieren, weil dadurch erstens die Mathematik wieder ein wirklich abstraktes Niveau annehmen würde und zweitens die Fachlehrer für die anderen Fächer überfordert wären …

  3. Mehr MINT, weniger Stuhlkreis:D Und, was ich sehr wichtig finde, Musik. Ich sage nur – Albert Einstein:)

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