Sich im Fernunterricht motivieren? Was ein Pädagogik-Professor Schülern und Studenten rät

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MANNHEIM. Das Homeschooling dauert für viele Jahrgänge noch an, die Hochschulen setzen auf digitale Lehre. Da muss das Lernen in Eigenregie stattfinden. Aber was, wenn man sich so gar nicht motivieren kann?

Mancher braucht einen Anreiz zum Lernen – kleine, kurzfristig erreichbare Ziele können helfen. Foto: Shutterstock

Die Corona-Pandemie verändert die gewohnten Strukturen in Schule, Hochschule und am Arbeitsplatz. Bei vielen sinkt dann die Motivation. Woher soll man auch den Ansporn nehmen, für eine Prüfung zu lernen, die vielleicht doch wieder verschoben oder ganz abgesagt wird? Wie hält man 90 Minuten Online-Vorlesung durch, ohne nebenher im Internet abzuschweifen?

Eines vorweg: «Die Lernenden sollten sich erlauben, jetzt unmotiviert zu sein und mal einen Hänger zu haben», sagt Oliver Dickhäuser, Professor für Pädagogische Psychologie an der Uni Mannheim. Die aktuelle Situation sei für alle an Schulen und Hochschulen eine nie gekannte Herausforderung. Wenn sich Prüfungstermine verschieben und vieles ungewiss ist, «kann die Freude am Lernen durchaus verloren gehen». Daher dürfe sich jeder zunächst mal sagen: «Es ist okay, dass du dir gerade selbst nicht gut in den Hintern treten kannst.»

Lernende sollten sich zudem vor Augen führen, dass alle derzeit mehr oder weniger die gleichen Schwierigkeiten haben und sich in einer völlig ungewohnten Situation befinden. «Alle haben gleichermaßen zu kämpfen», so Dickhäuser.

Nichtsdestotrotz sei das keine Aufforderung, zu resignieren. «Aber es hilft, eine andere innere Haltung einzunehmen, und dann hat man schon eher den Kopf frei», so der Professor. Eines möchte Dickhäuser aber klarstellen: Die Lösung der aktuellen Situation sei nicht, dass sich jetzt alle möglichst gut selbst motivieren. «Man muss auch sehen, dass das aktuell ein strukturelles Problem ist.»

„Lernumfeld mit Aufforderungscharakter“ fehlt

Was können Lernende trotz aller Schwierigkeiten selbst anstoßen? Für manche fehlt aktuell ein Lernumfeld mit Aufforderungscharakter: Also etwa die Lehrkraft, die Aufgaben kontrolliert, oder die Sitznachbarn in der Unibibliothek, die konzentriert vor sich hinarbeiten.

«Wenn ich feststelle, dass es zu Hause einfach nicht geht, weil meine drei Geschwister um mich herumturnen, dann sollte ich mir ein freies Plätzchen suchen, sei es im Wald oder im Keller», rät Dickhäuser. Wer merkt, dass er zum Lernen einen Taktgeber braucht, der könne sich über Skype mit Mitschülern und Mitschülerinnen oder Kommilitonen zusammenschalten. Und Lernende, die normalerweise dadurch angespornt werden, dass sie irgendwann Feedback vom Lehrenden bekommen, sollten aktiv danach fragen – und bei Unklarheiten um Antworten bitten.

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Minutengenauen Beginn fürs Lernen einplanen

Wer sich schon nicht aufraffen kann, weil er damit zu kämpfen hat, dem Tag eine Struktur verleihen, kann auf ein paar Motivationstricks zurückgreifen. Lerncoach Hanna Hardeland rät zu kleinen Teilzielen. Einfach mal anfangen – das kann gelingen, wenn man sich einen minutengenauen Beginn für die Lerneinheit vornimmt. «Anstatt sich selbst zu sagen „Das mache ich am Nachmittag“, legt man fest „Um 13.37 Uhr fange ich an.» Je krummer die Anfangszeit sei, desto besser, findet Hardeland.

Je nach Persönlichkeit, kann es außerdem helfen, sogenannte Vermeidungsziele zu streichen. «Ab 13.37 Uhr sitze ich am Schreibtisch» sei besser als «Heute darf ich nicht wieder so spät anfangen wie gestern». Das verringert die Chance, dass sich gleich Lethargie einstellt. Manchen helfe ein sogenannter «Türöffner-Gedanke», also etwa: Was bringt mir das später? Was ist der Nutzen?

Schüler sollten selber methodisch kreativ werden

Einmal angefangen, geht das Lernen ja meist schon besser von der Hand. Damit es nicht zu schnell langweilig wird, sollten Schülerinnen und Schüler sowie Studierende sich auch Pläne zu ihren Lernstrategien machen: «Ich kann mir überlegen: Wie kann ich methodisch kreativ werden?», erklärt Hardeland. Welche Aufgaben fallen leichter, wenn man dabei auf und ab geht? Wo lohnt es sich, auch mal mit anderen zu diskutieren? Und für welches Fach eignet sich erstmal eine selbst erstellte Übersicht? Wer so für Abwechslung sorgt, bleibt motivierter bei der Sache.

Wenn jemand mit den digitalen Lernformen nicht gut klarkommt und sich in Online-Vorlesungen ständig ablenken lässt, rät Dickhäuser: «Hier sollte man prüfen: Gibt es eine andere Vermittlungsform für mich?» Vielleicht klappt es besser, das Lehrbuch zu lesen, als sich durch die Vorlesungsaufzeichnung zu quälen. Oder man fragt bei den Lernenden zusätzliches Material an, etwa die Folien der Vorlesungspräsentation als PDF-Datei.

Realistisches Lernpensum finden

Doch wie lange gilt es dann auszuharren? Ein realistisches Lernpensum für zu Hause sollte sich in den höheren Klassenstufen zunehmend an dem orientieren, was der reguläre Stundenplan verlangt, empfiehlt Dickhäuser. Schülerinnen und Schüler, die sich aktuell zum Beispiel auf Abschlussprüfungen vorbereiten, können sich den Zeitraum von sechs Unterrichtsstunden vornehmen. «Das kann man auch in drei Mal eineinhalb Stunden mit geplanten Pausen einteilen».

Für Lerncoach Hanna Hardeland gibt es auf die Frage «Wie viel ist genug?» keine individuell gültige Antwort. «Das ist sehr unterschiedlich. Aber man kann Ausdauer auch trainieren, zum Beispiel durch Rituale», sagt sie. Die Trainerin empfiehlt aktuell, die Zeit des selbstständigen Lernens als Entdeckungsreise zu nutzen: «Wie viel ist für mich machbar?» Dabei gelte zu berücksichtigen, dass man aufgrund der aktuellen Umstände womöglich nicht sein volles Leistungspensum abrufen kann.

Ein großer Vorteil sei, dass Schülerinnen und Schüler aktuell den Start ihrer Lerneinheiten selbst festlegen können, sagt Oliver Dickhäuser. «Normalerweise ist vor dem Hintergrund des Tag-Nacht-Rhythmus von Jugendlichen sehr ungünstig, dass die Schule um acht Uhr beginnt», so Dickhäuser. Den Lernbeginn könne man nun selbstständig nach hinten verlegen. Von Amelie Breitenhuber, dpa

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8 KOMMENTARE

    • Sehr motiviert. Aufgaben für drei Wochen gestellt, innerhalb der ersten gab es welche, die haben bereits alle Aufgaben erledigt! Sie wollten alle Aufgaben am Stück erledigen.

  1. Mein online-Präsenzunterricht läuft sehr gut, momentan bestehen – durch eigenen e-mai account (nur für die Schule) und durch Telefon – mehr Kontakt zu Schülern als vorher. Die in Bayern eingesetzte Plattform Mebis ist komplett für den Eimer. Umständlich gebaut, unübersichtlich, langsam, nicht selbsterklärend, die wichtigen Funktionen fehlen oder sie funktionieren schlecht – so machen Politiker und Beamte Programme – eine professionelle Lösung schaut anders aus. In der Programmierung dauernd die Aufgabenstellung zu ändern und sich eine digitale Eier legende Wollmilchsau zu wünschen erzeugt schlechte Qualität. Ich war vorher im IT-Beteich tätig und hatte noch nie mit einer so schlechten Programmarchitektur zu tun.Wir benötigen vernünftige Email- und Konferenzprogramme sowie eine passwordgeschützte Datencloud -Lösung mit normalen Ordnersystemen umd copy-paste Option. Als die Ministerien die Info rausgaben, das sämtliche in Coronazeit entstehenden Arbeiten nicht benotet werden, waren sofort 30% weniger Schüler im – vorher sehr gut besuchten – online Unterricht. Danke! In mehrfacher Hinsicht schlechte Noten für das Ministerium. Wann versteht die ministerielle Ebene endlich auch die Chance, die wir mit dieser Krise haben und unterstützt uns mit funktionierender software und mit Entscheidungen, die den online Unterricht stärken anstelle ihn zu erschweren? Es wird auch nach den Sommerferien online weitergehen, aber die funktionierenden online-Werkzeuge muss ich bis jetzt selber etablieren, finanzieren und einsetzen. Sehr frustrierend…

  2. Da die Politik ja angekündigt hat dass die Prüfungen wohlwollend gestellt und korrigiert werden sind alle guter Laune….

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