Rostocker Studie soll geringeres Corona-Risiko bei Kindern belegen – Bildungsministerin sieht sich bestätigt

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ROSTOCK. Bei Studien, die sich mit Kindern in der Corona-Pandemie beschäftigen, geht es hin und her: Wissenschaftler der Universitätsmedizin Rostock wollen jetzt nachgewiesen haben, dass Kinder weniger empfänglich für das Coronavirus sind. Sie untersuchten nicht die Kinder, sondern deren Mütter. Keine war infiziert. Der Virologe Prof. Christian Drosten hatte in dieser Woche hingegen auf eine schwedische Untersuchung verwiesen, die aufzeigt, dass Kinder und Jugendliche sogar öfter infiziert sind als Erwachsene. 

Die Wissenschaft kann derzeit keine klare Auskunft darüber geben, wie gefährlich Schulöffnungen sind. Foto: Shutterstock

Kinder haben laut einer Studie der Universitätsmedizin Rostock ein geringeres Risiko an Covid-19 zu erkranken als Erwachsene. Die bereits seit längerem bestehende Vermutung sei nun in der Untersuchung bestätigt worden, teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Die Forscher untersuchten demnach, ob Kinder bereits mit Sars-CoV2 infiziert waren, ohne dass es bemerkt wurde, und ob sie eine Infektionsgefahr für Eltern und Großeltern darstellten. «Bei Kindern verläuft die Erkrankung in der Regel ohne oder nur mit schwachen Symptomen», sagte der Abteilungsleiter für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten, Emil Reisinger.

„Nur zu einem Drittel so empfänglich wie Erwachsene“

Da Infektionen von Kindern meist mit Infektionen der Eltern einhergehen, untersuchten die Forscher 401 Rostocker Mütter von insgesamt 666 Kindern zwischen null und 17 Jahren. In keinem der Rachenabstriche konnte das Team Covid-19-Viren nachweisen. Auch beim Antikörpertest waren alle Mütter negativ. «Diese Ergebnisse zeigen, dass bisher keine der Teilnehmerinnen mit Covid-19 infiziert war», sagte Petra Emmerich, Leiterin des Hochsicherheitslabors am Hamburger Tropeninstitut. Sie hatte von einem Rostocker Patienten das Virus isoliert und Tests im Rostocker Labor gemacht.

Zu ähnlichen Schlüssen sind Reisinger zufolge bereits Studien aus China, England und den USA gekommen: «Kollegen in Shanghai und Wuhan fanden heraus, dass Kinder unter 15 Jahren nur etwa ein Drittel so empfänglich für den Erreger sind wie Erwachsene.» Trotzdem hätten die Schul- und Kitaschließungen die Ausbreitung der Infektion deutlich verlangsamt.

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In Mecklenburg-Vorpommern wurden der Unimedizin zufolge im März und April 699 Corona-Infektionen gemeldet. Fünf der Erkrankten waren jünger als vier Jahre. Acht der Infizierten waren zwischen fünf und neun Jahren alt, zwölf Kinder zwischen zehn und 14 Jahren. «Das bedeutet, dass nur etwa 0,7 Prozent aller Covid-19-Infektionen im Land bei Kindern unter vier Jahren und nur rund 3,6 Prozent bei Kindern unter 14 Jahren nachgewiesen wurden», erläuterte Reisinger.

Martin: Bestätigung für die vollständigen Schulöffnungen

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) nannte die Ergebnisse der Untersuchung «sehr erfreulich». Die Studie sei die wissenschaftliche Bestätigung für den Kurs der Landesregierung, die Schulen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb zurückzuführen. Um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, waren im März deutschlandweit die Schulen geschlossen worden.

Der Virologe Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité verwies in seinem in dieser Woche erschienenen NDR-Podcast auf eine aktuelle Untersuchung aus Schweden, die die These von den angeblich unproblematischen Schulöffnungen allerdings deutlich in Zweifel zieht (News4teachers berichtete ausführlich darüber – hier geht es zum Bericht). Weil Schweden weitgehend auf Schulschließung verzichtete, sei das Ergebnis dieser Untersuchung „viel besser als alles, was wir bisher aus anderen Ländern haben“, erklärt Drosten. Das Coronavirus konnte sich in Schweden weitgehend ungehindert in der Bevölkerung ausbreiten.

Das Ergebnis der Studie „spricht Bände“, sagt Drosten. Die aufgezeigte Seroprävalenz – gemeint ist der Nachweis auf Antikörper im Blut, die auf eine durchgemachte oder bestehende Corona-Infektion hindeuten – liege mit 7,5 Prozent bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen null und 19 Jahren sogar ein Prozentpunkt höher als bei den getesteten Erwachsenen. Heißt also: Junge Menschen sind vermutlich sogar stärker von Corona-Infektionen betroffen als ältere. News4teachers / mit Material der dpa

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6 KOMMENTARE

  1. Kann mir irgendjemand den Gedankengang, der hinter dieser Studie und dem angeblichen Ergebnis steckt erklären? Ich befürchte, dass ich dazu zu nüchtern bin.

  2. In der Mitte der Lockdown (April), als kaum jemand mit jemand anderem interagierte, testeten die Uni Wissentschafler 401 Frauen und 666 Kinder auf Korona. Überraschung! Niemand wurde positiv getestet! Politiker denken jetzt ernsthaft, dass diese lächerliche „Studie“ wissenschaftlich gültig ist?

    • Nein, sie testeten sogar nur 401 Mütter von 666 Kindern. Soweit ich es verstehe wurden gar keine Kinder getestet. Das macht die Studie ja gerade so absurd und unsere Politiker noch unglaubwürdiger.

  3. Die zuständigen Politiker in unserem Land akzeptieren halt nur die „wissenschaftlichen Studien“, die in ihr Konzept passen. Wenn sie denn eines haben?!
    Statt jetzt endlich die Digitalisierung an den deutschen Schulen auf den Stand zu bringen, der in anderen, wirtschaftlich schwächeren Ländern längst Standard ist, sollen die Schulen auf Biegen und Brechen wieder in den „Normalzustand“ zurück kehren.

  4. Hatte sich Rostock nicht erst kürzlich für „coronafrei“ erklärt? Welchen wissenschaftlichen Mehrwert bringt es, wenn man in einer coronafreien Zone die Menschen auf das Coronavirus untersucht? 😉

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