Lehrerausbildung: Schulpraktische Erfahrungen im Homeschooling

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KARLSRUHE. In allen Bundesländern gehört es mittlerweile selbstverständlich zur Lehrerausbildung, das Studierende schon frühzeitig Praxiserfahrungen sammeln. Doch was tun in Zeiten in denen es coronabedingt die Praxis nur in virtuellen Räumen gibt? Ein Bericht der pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Normalerweise stärken Lehramtsstudentinnen und -studenten ihren Bezug zur Schulpraxis, indem sie mehrere Wochen aktiv in Präsenz am Schulleben teilnehmen und auch unterrichten. In Zeiten von Covid 19 jedoch sind Alternativen gefragt. Professor Silke Traub, Leiterin des Zentrums für Schulpraktische Ausbildung, berichtet, wie das Integrierte Semesterpraktikum (ISP) derzeit an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe umgesetzt wird.

Ob die aktuellen Praktika Lehramtsstudierenden einen realistische Einblick ins Schulleben gewährt haben, bleibt zu fragen. Foto: Jagrit Parajuli / Pixabay (P. L.)

Zukünftige Lehrer sollten nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch gut unterrichten können. Deshalb sind in einigen Bundesländern schulpraktische Studien fester Bestandteil des Studienplans. Dazu zählt beispielsweise in Baden-Württemberg auch das sogenannte Integrierte Semesterpraktikum. Studierende nehmen dabei unter anderem am Unterricht erfahrener Lehrpersonen teil, unterrichten selbst unter Anleitung einer Ausbildungslehrkraft oder nehmen an Lehrerkonferenzen und Beratungsgesprächen mit Eltern teil. Doch wie sollen Lehramtsstudierende schulpraktische Erfahrungen sammeln, wenn an den Schulen wegen Corona erst gar kein und dann nur wenig Präsenzunterricht stattfindet?

Mit dieser Frage sah sich Mitte März auch das Zentrum für Schulpraktische Ausbildung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) konfrontiert. „Unsere Studierenden waren gerade mal eine Woche in der ISP-Blockphase an den Schulen, als wir am 17. März von den Schulschließungen überrascht wurden“, berichtet Zentrumsleiterin Traub. Betroffen waren rund 190 Studentinnen und Studenten an rund 40 Kooperationsschulen in der Region. Für sie alle hieß es zunächst abwarten. Als die Schulen dann Anfang April mit dem Homeschooling begannen, sei auch der ISP-Betrieb wieder angelaufen, so Traub. Schnell seien alternative Formate gefunden gewesen, mit denen Studierende trotz Corona schulpraktische Erfahrungen sammeln konnten.

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Statt in Präsenz an einer Schule zu hospitieren oder zu unterrichten, konzipierten die Studierenden nun Unterrichtseinheiten für den Online-Unterricht, erstellten Arbeitsmaterialien sowie Lehr- und Erklärvideos, machten Unterricht per Videokonferenz und standen Schülern für Fragen per Webmeeting oder am Telefon zur Verfügung. Auch Materialkisten wurden bestückt, die Schüler anschließend an den Schulen abholen konnten, um Experimente zu Hause durchzuführen. „Einige Studierende haben auch in der Notfallbetreuung mitgearbeitet“, erzählt Traub. In manchen Fächern konnten die Studierenden Unterrichtssequenzen nur planen und in Gruppen besprechen.

Um herauszufinden, was gut und was weniger gut lief, führte die Professorin für Schulpädagogik bereits im Mai eine anonyme Umfrage unter Studierenden und Lehrpersonen durch. In manchen Fällen, berichtet Traub von den Ergebnissen, habe die Kommunikation zwischen Schule, Hochschulbetreuern und Studierenden besser sein können, aber insgesamt habe es sehr positive Rückmeldungen gegeben. „Wir werden gut in das Homeschooling eingebunden“, lautet beispielsweise eines der Studierenden-Feedbacks. Allerdings sei die Notfallbetreuung manchmal anstrengend gewesen, denn die Kinder hätten immer mehr an Motivation verloren. „Viele Lehrkräfte haben sich gefreut, dass die Studierenden sie beim Homeschooling unterstützen“, berichtet Traub. Gerade das technische Know-how der Studierenden sei gerne angenommen worden. So meldete eine Lehrperson: „Ich konnte viel lernen von meinen Studierenden. Nur gemeinsam haben wir die Erklärvideos gut hinbekommen.“

„Es war eine Notlösung, aber wir haben es trotz aller Herausforderungen ganz gut hinbekommen. Die Rückmeldungen sind insgesamt sehr positiv und die Studierenden haben viel gelernt“, freut sich Traub. Allerdings fehle die direkte Interaktion mit den am Schulleben Beteiligten und diese könne nicht ersetzt werden durch digitale Formate.

Seit Ende der Pfingstferien sind die meisten Studierenden wieder an den Schulen und können in Präsenz unterrichten. „Wir hoffen, dass wir das ISP im Wintersemester im Regelbetrieb durchführen können“, sagt Traub. (zab, pm)

Das Integrierte Semesterpraktikum

Das Integrierte Semesterpraktikum soll den Bezug von Lehramtsstudierenden zur Schulpraxis stärken. Absolviert wird es in einem zusammenhängenden Zeitraum – für das Lehramt Grundschule im Bachelorstudiengang, für Studierende des Lehramts Sekundarstufe I im Masterstudiengang.
Das ISP umfasst Unterricht an einer Schule (Hospitation und eigenen Unterricht), die Teilnahme an möglichst vielen Arten von Konferenzen, Besprechungen und schulischen Veranstaltungen sowie die Teilnahme an begleitenden Ausbildungsveranstaltungen der Hochschule.

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3 KOMMENTARE

  1. „Homeschooling“ ist wenn die Eltern sich entscheiden, dass die Kinder nicht in die Schule gehen und die Eltern sich vollständig um die Bildung der Kinder kümmern. Das ist in Deutschland nicht erlaubt.
    Im Moment und in der Corona Zeit wurde eigentlich (hoffentlich) kein „Homeschooling“ betrieben. Dies würde nämlich heißen, dass Lehrer keinen Job mehr haben.

  2. Ich finde die genannten Aufgaben schon gut gewählt.

    Ansonsten wäre es auch möglich, mal grundständiger Unterricht zu planen, Analysen schreiben zu lernen, Entwürfe zu sichten und Knackpunkte zu finden.
    Das wird bis heute an nur wenigen Unis aufgegriffen, gehört aber meines Erachtens zum Handwerkszeug dazu. Steht man schon im Ref und muss eigenverantwortlich liefern, ist das Thema zwar wieder wichtig, sollte aber längst bekannt sein.

    • Maximal eine Unterrichtstunde wurde in einem Seminar in einer Kurzarbeit gemacht, ohne dass dieses vorher überhaupt wirklich besprochen wurde. Dann kam das Ref und man hatte keine Ahnung Learning bei Doing und trotzdem hat es nicht allen etwas gebracht. Schwammige Aussagen helfen den Refis da auch nicht weiter, schon gar nicht in Hinblick auf die Lehrversuche. Konkrete Ansagen, was wie verbessert werden könnte, kamen kaum bis gar nicht und waren eher schwammig. Für mich war das Ref einfach nur ein Stresstest, um zu sehen, was kann der Refi unter Druck noch leisten. Mehr nicht!

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