Studie: Mehr als jeder fünfte Jugendliche unzufrieden mit Demokratie

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STUTTGART. Mehr als jeder fünfte Jugendliche ist laut der Jugendstudie Baden-Württemberg mit der Demokratie in Deutschland unzufrieden. 22,7 Prozent der mehr als 2300 befragten 12- bis 18-Jährigen haben Probleme mit dem herrschenden politischen System. Dabei sind die Jungen mit 27,7 Prozent weit kritischer als die Mädchen (17,6 Prozent).

Jugendliche stehen mit großer Mehrheit zur Demokratie – aber… Symbolfoto: Shutterstock

Wolfgang Antes, Geschäftsführer der Jugendstiftung, bewertete die Zahlen positiv: «Das ist ein guter Wert, weil fast 80 Prozent hinter der Demokratie stehen.» Nach den Gründen für den Unmut wurde nicht gefragt. Vergleichszahlen gibt es nicht, weil diese Frage in früheren Studien nicht gestellt wurde. Die Jugendstudie 2020 haben Stiftung, Kultusministerium und Landesschülerbeirat am Donnerstag veröffentlicht.

Hingegen nennt die SPD im Landtag das Umfrageergebnis ein Alarmsignal. Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei sagte: «Unsere Demokratie braucht viele Bannerträger, die demokratische Errungenschaften verteidigen und rechten Hetzern entgegentreten. Deshalb müssen wir alles dafür tun, damit Kinder und Jugendliche Demokratie von klein auf erleben und ausprobieren können.»

Demokratiebildung: Kostenloser Online-Kurs für Lehrer
„Schule ist ein zentraler Ort, an dem junge Menschen Demokratie und Engagement lernen, erfahren und gestalten können.“ Foto: Shutterstock

Die Demokratiebildung in der Schule hat im Zuge der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen an Bedeutung gewonnen. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sich als Part der Gesellschaft zu begreifen, der diese aktiv verändern kann. Doch wie können Lehrkräfte dies erreichen? Unterstützung bietet der kostenlose Online-Kurs „Citizenship Education – Demokratiebildung in Schulen“, den die Bertelsmann Stiftung zusammen mit dem Institut für Didaktik der Demokratie an der Leibniz Universität Hannover entwickelt hat.

Hier gibt es weitere Informationen.

Ihnen sollten mehr handfeste Instrumente der Beteiligung an die Hand gegeben werden – Wahlrecht ab 16 Jahren und selbstgestaltete Demokratie-Tage an den Schulen. Fulst-Blei sprach sich für eine Förderung von Jugendaustausch und Projekttagen sowie eine verbindliche Entlastungsstunde für alle Vertrauenslehrer aus, die die Schülermitverwaltung unterstützen.

Die jungen Demokratie-Kritiker müssen nach den Worten von Stiftungsvertreter Antes vor allem durch Begegnungen mit gleichaltrigen Befürwortern für die Demokratie gewonnen werden – auch wenn das anstrengend sei und guter Konzepte bedürfe. Als gutes Beispiel nannte er ein Programm mit Mentoren für Schüler aller Schularten, die an den Schulen Öko- oder Bildungsprojekte anbieten. Solche integrierenden Angebote würden auch den 20 Prozent der Jugendlichen nützen, die sich laut Befragung in ihrer Schule oder in ihrer Klasse nicht wohlfühlen. Damit ist die Zufriedenheit im Vergleich zu den Ergebnissen von 2017 leicht gesunken. Ein Drittel der Jugendlichen gab an, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Auf der Skala der für die jungen Menschen bedeutendsten Werte liegt die Familie weit vorn. 91,6 Prozent der Befragten wählten sie unter die Top 5 der für sie wichtigsten Themen. 86,1 Prozent zählen Gesundheit zu ihren fünf wichtigsten Themen, 78,1 Prozent ihre Freunde und Freundinnen. dpa

Jugend 2019: optimistisch, tolerant, umweltbewusst – und in großen Teilen populistisch. VBE: Demokratiebildung stärken!

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1 KOMMENTAR

  1. Man muss dringend eine Folgestudie durchführen und die Gründe erfahren. Vielleicht sind die rund 23% der Jugendlichen ja nur mit der aktuellen Interpretation von Demokratie nicht einverstanden. Ob diese Jugendlichen, wie die SPD behauptet, überwiegend „rechten Hetzern“ nachlaufen, weiß ich nicht. Es würde aber zum Zeitgeist passen, jede gegenläufige Meinung als „rechts“ zu brandmarken und somit nur grob eine Richtung zuzulassen. Mit Pluralismus und Diskussion, zwei Merkmalen von Demokratie, hat das leider reichlich wenig zu tun.

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