In immer mehr Schulen gilt: Maskenpflicht im Unterricht – GEW protestiert

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OFFENBACH. Bislang war Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, in dem eine Maskenpflicht im Unterricht (der weiterführenden Schulen) galt – jetzt ist angesichts steigender Infektionszahlen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht auch in Teilen des hessischen Landkreises Groß-Gerau und in den Städten Frankfurt und Offenbach angeordnet worden. Die GEW Hessen hält eine Maskenpflicht über den gesamten Schultag mit bis zu acht Zeitstunden für „unzumutbar und unverantwortlich“. Sie fordert deshalb: „Überall dort, wo die Behörden eine Maskenpflicht für die Schulen anordnen oder die Schulkonferenz einen solchen Beschluss gefasst hat, ist der Unterricht sofort auf zwei Doppelstunden am Tag mit einer halbstündigen Pause zu begrenzen.“

In immer mehr Schulen gilt eine Maskenpflicht – auch im Unterricht. Foto: Shutterstock

Viele Schulen in Hessen hätten sich über die Schulkonferenz für das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung entschieden. Lehrer begrüßen der Gewerkschaft zufolge die Maskenpflicht, da alle anderen Schutzmaßnahmen, insbesondere die in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens geltenden Abstandsregeln, von der Landesregierung – wie in allen anderen Bundesländern auch – aufgehoben wurden. „Diese ist für sie die einzige Möglichkeit, sich zu schützen. Doch machen alle Rückmeldungen aus den Schulen im Laufe der letzten Wochen deutlich, dass die Maskenpflicht im Schulalltag mit großen Problemen verbunden ist“, so heißt es seitens der GEW.

„Masken belasten die pädagogische Arbeit in den Schulen“

Der Gewerkschaft lägen Berichte aus den Schulen vor, die die Belastungen durch Kopfschmerzen, fehlende Konzentration, Übelkeit und ein stark reduziertes Wohlbefinden dokumentieren. „Die Masken behindern die pädagogische Arbeit und sind Kindern, Jugendlichen, Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften über viele Stunden am Tag – einschließlich der Ganztagsangebote – nicht zuzumuten. Die Belastung wird durch wenig praktikable Vorgaben des Landes und der örtlichen Gesundheitsämter erhöht. Wenn man die Anweisung ernst nimmt, dass ‚vor und nach dem Abnehmen der benutzten Mund-Nasen-Bedeckung die Hände gründlich mit Seife zu waschen oder zu desinfizieren sind‘, bleibt kaum noch Zeit für den Unterricht.“ Ignoriert würden auch die Vorschriften der Berufsgenossenschaften, dass je nach Maskenart nach 75 bis 120 Minuten eine 30-minütige „Maskenpause“ eingelegt werden müsse.

Deshalb erhebt die GEW Hessen die „dringende Sofortforderung“ an das Land Hessen und an die kommunalen Behörden: „Überall dort, wo die Behörden eine Maskenpflicht für die Schulen anordnen oder die Schulkonferenz einen solchen Beschluss gefasst hat, ist der Unterricht sofort auf zwei Doppelstunden am Tag mit einer halbstündigen Pause zu begrenzen.“

Unterricht im Regelbetrieb? „Seifenblase geplatzt“

Die GEW meint: „Schon am Ende der ersten Schulwoche ist die Seifenblase, man könne den Unterricht wieder ganz normal im Regelbetrieb beginnen, geplatzt. Mit der Maskenpflicht im Unterricht ist bereits die ‚letzte Eskalationsstufe‘ erreicht.“ Die GEW Hessen fordert deshalb, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um notfalls auch kurzfristig wieder zum Unterricht in kleineren Lerngruppen, in denen das Abstandsgebot eingehalten werden kann, zurückkehren zu können. Dazu müssen Stundenpläne vorgehalten werden, die sowohl Stunden im Präsenzunterricht vorsehen als auch verlässliche und verbindliche Regelungen für das Lernen zu Hause.

Die Schulträger und die zuständigen Gesundheitsämter haben offensichtlich keine Möglichkeit, bei hohem Infektionsgeschehen wie aktuell  im Kreis Groß-Gerau, in Offenbach, Frankfurt, Hanau und Wiesbaden das  Unterrichten mit Abstand anzuordnen. Der Grund dafür ist die fehlende Planung von Seiten des Kultusministeriums, wie Schulen auf ein erhöhtes Infektionsaufkommen reagieren könnten.

GEW fordert: Abstandsregel wieder einführen

Wir bleiben dabei: Die GEW Hessen hält die Abstandsregeln, das Tragen von Masken im sinnvollen Rahmen und die Regelungen für Veranstaltungen für zwingend erforderlich, um die Verbreitung des SARS-CoV-2-Erregers zu begrenzen. Es ist deshalb unverantwortlich, ausschließlich in der Schule auf die Abstandsregeln zu verzichten – und das über viele Stunden mit viel zu vielen Menschen in zu kleinen Räumen, die man oft nur schlecht lüften kann. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Maskenpflicht im Unterricht? Eltern sind gespalten – Lehrer mehrheitlich dafür

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17 KOMMENTARE

  1. Ich verstehe nicht, welches Problem die GEW mit dem Maskentragen im Unterricht hat. Insbesondere bei älteren Lernenden in den Oberstufen, in denen sie über den Tag verteilt in immer unterschiedlichen Konstellationen unterrichtet werden, ist das der einzige Schutz. Wenn dadurch auch nur einem Lernenden oder Lehrenden eine schwere Erkrankung, u.U. mit Langzeitfolgen, erspart bleibt hat sich das schon gelohnt. Als Lehrer belastet mit das stundenlange Maskentragen auch, aber es ist auch eine Frage der Gewöhnung und Disziplin. Und kommunikative und interaktive Unterrichtsformen bleiben so auch weiterhin möglich.

  2. Auf wessen Seite steht denn die GEW, wenn die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer (Umfrage dieser Seite) FÜR eine Maskenpflicht im Unterricht ist? Natürlich sind halbe Klassen und mehr Lehrerinnen und Lehrer wünschenswert, aber das Mittel des geringsten Aufwands sind Masken im Unterricht. Natürlich sind sie auf Dauer nicht angenehm, aber wenn man den Kindern (vor allem von Seiten der besorgten (Helikopter-)Eltern) einredet, sie seien eine Unzumutung, dann empfinden die Schülerinnen und Schüler das natürlich auch so!

    • Seltsam manchmal wird den Eltern hier vorgeworfen, dass sie ihre Kinder abschieben wollen, wenn die Eltern dann ihre Fürsorgepflicht beim Thema Maskentragen wahrnehmen und der Meinung sind, dass dies nicht zu verantworten ist. Dann sind das Helikoptereltern. Schon interessant, Eltern die ihr Kind im Regelbetrieb zur Schule schicken sind unverantwortlich. Wenn die Eltern gegen die Maskenpflicht sind, dann werden sie zu Helikoptereltern. Wenn ich mir anschaue was ich mit meinem Sohn in den Zeiten der Schließung bearbeitet habe (Grundschule), dann hatte er knapp 4 Wochen Regelschule, da wurde am meisten das Fach „Stundenausfall“ bearbeitet. Dann bekam er für die Sommerferien einen dicken Ordner nach Hause mit, der bearbeitet werden soll. Bildung und Schule?

  3. https://www.sueddeutsche.de/bildung/schulen-hannover-aerztekammer-vorstand-fordert-maskenpflicht-fuer-unterricht-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200825-99-296053

    Bisher war ja von Kinder-und Jugendärzten meist zu hören, Schulen könnten ohne Bedenken öffnen.
    Und die GEW muss sich mal entscheiden. Bisher wurde immer moniert, dass ohne Abstand und ohne Maskenpflicht gestartet werden soll, jetzt soll Maske kommen, und es ist auch nicht richtig. Kann ich nicht nachvollziehen. Ist ja immer noch sicherer als ohne. Natürlich hätten wir alle lieber Abstand und halbe Klassen, in denen man mehr schafft als in vollen…

  4. Klar sind die Lehrer für das Maskentragen. Alle anderen Maßnahmen bedeuten schließlich für die Lehrer, dass sie sich drum kümmern müssen. Aufpassen, dass s
    die Kinder auf dem Schulhof den Abstand einhalten und in den Gängen heißt mehr Aufsicht und somit mehr Arbeit für die Lehrerschaft. Bei uns bekommen Sie es nicht einmal hin zu verhindern, dass Kinder von anderen ins Gesicht gespuckt werden. Naja da würde Maskenpflicht das Problem vielleicht ja auch bequem lösen.

    • Maske hat doch nichts mit Bequemlichkeit der Lehrer zu tun!!!
      Ich rede von 18-jährigen potenziell infektiösen Erwachsenen, die Party machen und dann ohne Abstand mehrere Stunden in einem kleinen schlecht zu lüftenden Raum direkt vor mir sitzen …
      Es geht um Infektionsschutz, wobei die Maske da wirklich nur ein kleines Hilfsmittel ist, wie ja jeder weiß. Eigentlich ist Abstand das A und O. Aber den gibt es ja leider nicht.

    • Es ist unmöglich Grundschulkinder in der Pause so zu beaufsichtigen, dass alle den Mindestabstand einhalten und in den Fluren ist es ganz einfach zu eng.

  5. Ich verstehe überhaupt nicht, warum viele Lehrer für die Maskenpflicht sind. Ich bin jedenfalls dagegen und empfinde es als total unpädagogisches Unterrichtsklima. Ich selbst bin dann auf keinen Fall voll arbeitsfähig. Ich kann nicht meine eigene Gesundheit ruinieren, nur um irgendwelche möglichen Fälle zu verhindern.

  6. @ Leseratte, Sie verwenden hier Quellen mit Phrasen wie „da es diese Krankheit noch nicht mal 9 Monate gibt, ist es unmöglich, dass gesicherte Erkenntnisse über Spätfolgen bei Covid“ vorliegen. Das habe ich Ihrer Quelle des Tagesspiegels entnommen. Alle hier angegebenen Quellen über Spätfolgen haben eine reißerische Überschrift, liest man weiter kommt man irgendwann zu: Es könnte sein, möglich wäre, wahrscheinlich…..diese Quellen werden hier im Forum als wissenschaftliche Basis genommen um Regelunterricht zu verhindern. Es ist definitiv erwiesen, dass eine Erkältung bei nicht genügend Schonung, Herzmuskelentzündung hervorrufen kann. Grippe hat Langzeitfolgen, ebenso Borreoliose, Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall es gibt massenhaft Krankheiten mit Spätfolgen, das wird bei Covid nicht anders sein. Auch ich wünsche mir schon lange kleinere Klassen. Dies aber nun als Gelegenheit zu nehmen, dass dies auf dem Rücken von Familien geschieht ist nicht hinnehmbar. Wieviel Jahrzehnte verspricht das KM kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung der Schulen. Da die Kinder im Frühjahr zu Hause blieben, es ein rollierendes System gab, sehen einzelne Gruppen nun die Gelegenheit viele Dinge, einfach auf Kosten der Eltern durchzudrücken. Im Prinzip sehe ich einen wöchentlichen Wechsel ab 14 Jahren problemlos, wenn bei Lehrer und Schüler die digitale Ausstattung und Kenntnisse bestehen, flächendeckend selbstverständlich. Streamingunterricht, Anwesenheitspflicht vor dem PC sollte verpflichtend sein.

  7. Die Pandemie interessiert sich leider nicht für pädagogische Bedenken. Ich stelle dieselben für einen wirksamen Gesundheitsschutz ebenfalls zurück im Interesse aller, die nach der akuten Gefährdung gern wieder pädagogisch sinnvoll weiterarbeiten möchten. Das geht am besten, wenn möglichst wenige an und in den Schulen Beteiligte krank werden, sterben oder Langzeitschäden behalten. Meine Güte, wir reden doch nicht über Jahre, sondern über Monate. Es ist eine Schande, welches Herumeiern die KMs der Bundesländer hier veranstalten. Politik nutzt nicht den gesunden Menschenverstand und selektiert Expertenwissen nach Gutdünken. Es ist doch klar, dass man bei dieser neuen Erkrankung dauernd neue und scheinbar widersprüchliche Studienergebnisse bekommt. Da ist Vorsicht, die aber auch umsetzbar sein muss, doch der beste Ratgeber.

  8. @Depe, woher wissen Sie, von welchem Zeitraum wir hier reden? Sie schreiben wir reden von einigen Monaten….Warum? Also die WHO und das RKi äußerst sich hier doch verhaltener…..es gibt immer wieder ein paar Politiker, die nassforsch behaupten,man könnte ab Mitte 2021 anfangen zu impfen. Die werden aber immer wieder eingefangen.

  9. Auch hier gibt es widersprüchliche Aussagen. Im Schnitt scheint das erste Quartal 2021 realistisch zu sein, wenn man die erfolgreiche dritte Klinikphase im dritten Quartal 2020 voraussetzt. Und ein wenig Optimismus behalte ich mir einfach vor.

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