Bremen stattet Lehrer und Referendare mit iPads aus, „vergisst“ aber Lehrerausbilder

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BREMEN. Ein Schildbürgerstreich: Das Bundesland Bremen stattet alle Schüler, Lehrer und Referendare mit iPads samt Zugang zur Lernmanagement-Plattform itslearning aus – „vergisst“ aber ausgerechnet die Lehrerausbilder. Damit die versorgt werden können, muss eigens eine neue Finanzierung her. Für den Verband bak Lehrerbildung ein Unding.

Wird von der Leiterin eines Bremer Gymnasiums verklagt: die Bildungsenatorin der Handestadt, Claudia Bogedan (SPD). Foto: Senatorin für Kinder und Bildung
iPads für Lehrer und Schüler: die Bildungsenatorin der Hansestadt, Claudia Bogedan (SPD). Foto: Senatorin für Kinder und Bildung

„Heute ist es soweit: wir liefern die iPads für Lehrkräfte aus pünktlich zu den Vorbereitungstagen an den Schulen der Stadt Bremen: Um 15 Uhr bin ich live dabei in der Schule an der Oderstrasse“, so twitterte Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) am 24. August. Tatsächlich ist das kleinste Bundesland seitdem einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung des Schulbetriebs gegangen: Insgesamt 100.000 Tablets des Herstellers Apple hat die Bildungsverwaltung bestellt – die Schülerinnen und Schüler sollen bis Weihnachten damit ausgestattet werden. Bevorzugt werden erst einmal 30.000 Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen mit den Geräten versorgt.

Dienst-iPad mit Lernmanagement-Plattform

Die 8.500 Lehrer des Landes wurden nach einem Bericht des „Weser Kuriers“ bereits beliefert – auch schon alle rund 600 Referendarinnen und Referendare. Peinlich allerdings: Ihre Ausbilder bleiben zunächst außen vor. Und dabei geht es nicht allein um das Gerät; mit dem Dienst-iPad können Pädagogen auf die landesweite Lernmanagement-Plattform itslearning zurückgreifen und damit arbeiten. Nur eben die Fachleiter am Landesinstitut für Schule Bremen nicht, obwohl die doch den Lehrernachwuchs auf digitalen Unterricht vorbereiten sollen.

„Fachleiterinnen und Fachleiter, die nicht auch noch Schülerinnen und Schüler unterrichten, wurden bislang nicht berücksichtigt“, so bestätigt die Pressesprecherin der Bildungssenatorin, Annette Kemp, die Situation gegenüber News4teachers. Aber auch für die Lehrerausbilder werde es Geräte geben – später. Der Senat habe die Mittel zur Anschaffung der Geräte zweckgebunden für den Distanzunterricht freigegeben. „Wir können das Geld nicht einfach so ausgeben“, sagt Kemp. Derzeit werde daran gearbeitet, die Finanzierung weiterer iPads auch für Fachleitungen, Sozialarbeit und Pädagogische Mitarbeiter sicherzustellen. Die Anschaffung werde dann wohl Anfang nächsten Jahres erfolgen, „vielleicht auch schon früher“. Und wie werden die Referendare dann im Umgang mit den digitalen Lernmedien ausgebildet? „Per Fernunterricht – wie alle anderen Lehrer auch“, so antwortet Kemp.

„Nicht im Sinne einer zeitgemäßen Lehrer*innenbildung“

Für Björn Staritz, Bremer Landessprecher des Bundesarbeitskreises (bak) Lehrerbildung, der bundesweit Ausbilderinnen und Ausbilder vertritt, ist das ein Unding. Zudem kann er die Aussage der Pressesprecherin nicht bestätigen. Bisher seien auch an Fachleiterinnen und Fachleiter, die Schülerinnen und Schüler unterrichten (was der Regelfall ist), keine iPads ausgegeben worden.

Staritz weiter: „Die Personengruppe, die in Bremen für die Ausbildung der Referendar*innen verantwortlich ist, soll gerade nicht mit den entsprechenden technischen Mitteln, welche die Referendar*innen und Lehrer*innen in Bremen nutzen, ausgestattet werden“, sagt er. Mal davon abgesehen, dass auch die Seminare in der Lehrerausbildung derzeit oft auf Distanz liefen (was ohne Technik nun mal nicht funktioniere), so könne doch wohl kaum eine zukunftsgerichtete Lehrerausbildung erfolgen, wenn die Ausbilder keinen Zugang zu den Materialien hätten, die in der Praxis im Einsatz wären.

Staritz: „Dieser Zustand kann nicht im Sinne einer zeitgemäßen der Lehrer*innenbildung in Bremen sein! Gerade in den sehr herausfordernden vergangenen Wochen und Monaten haben die Fachleitungen am LIS mit qualitativ hochwertigen digitalen Angeboten die Ausbildung der Referendar*innen aufrechterhalten und sind hier so Ihrer Vorbildrolle im System gerecht geworden. Es zeigt sich als mangelnde Wertschätzung und in der Sache kontraproduktiv, wenn dieser Personenkreis bei der technischen Ausstattung nun unberücksichtigt bleiben soll.“ News4teachers

54. bak-Seminartag: Lehrerbildung zukunftsfähig ausrichten

 

 

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4 KOMMENTARE

  1. Die Referendare können doch ohnehin besser mit IT umgehen, auf die „hilfreichen“ „Tipps“ der Seminarleitungen ist da ganz sicher niemand angewiesen. Die wollen einfach auch ein Ipad umsonst. Sonst nix.

  2. „Fachleiterinnen und Fachleiter, die nicht auch noch Schülerinnen und Schüler unterrichten, wurden bislang nicht berücksichtigt“

    Und wozu soll den Blinden jetzt eine sehhilfe verpasst werden?
    Die oben genannte Fachleitergruppe, die keine einzige Unterrichtsstunde vor SuS an Schulen abhalten, sind Eunuchen – sie wissen, wie es theoretisch gehen könnte, aber sie können nicht.

  3. Mich würde es sehr interessieren, ob es möglich war, bei den großen Bestellmengen gute oder eher sehr gute Rabatte zu erzielen. Weiß da jemand etwas Genaueres? Danke im Voraus!

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