BERLIN. Der Schulgipfel am vergangenen Montag mit Kanzlerin Angela Merkel und den Kultusministern der Länder blieb auch deshalb ergebnislos, weil die KMK für Mittwoch eine Expertenrunde zu Ansteckungsgefahren durch Aerosole in Klassenzimmern angesetzt hatte. Die Kultusminister wollten sich zunächst informieren. Das taten sie dann auch – mit dem Ergebnis, dass sie keine weiteren Corona-Schutzmaßnahmen wie die diskutierten Luftfilter oder Lüftungsanlagen für notwendig erachten. Lüften reicht der KMK zufolge aus. Auch im Winter. Eltern- und Lehrervertreter, die bei dem Treffen dabei waren, zeigen sich entsetzt.

„Das richtige Lüften ist eine wichtige und wirkungsvolle Maßnahme im Gesamtpaket der Hygienemaßnahmen, um die potentielle Viruslast in der Lernumgebung zu senken und eine Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen“, so erklärte die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nach dem sogenannten „Expertengespräch ‚Lüften in Schulräumen‘“. „Eltern sorgen sich vielleicht, dass es zu kalt in den Räumen werden könnte. Beim richtigen Lüften, so die Experten, kühlt sich die Raumtemperatur allerdings nur um zwei bis drei Grad Celsius ab.“
Konsequenzen der Beratung, an der neben Kultusministern Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, der Bundeselternratsvorsitzende Stephan Wassmuth sowie GEW-Chefin Marlis Tepe und der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann teilgenommen hatten: praktisch keine. Lediglich eine Handreichung soll herausgegeben werden, die Lehrern das richtige Lüften erklärt.
Nach 20 Minuten Unterricht soll drei bis fünf Minuten gelüftet werden
„Die Experten waren sich einig, dass das Lüften in Schulräumen ein unerlässlicher Bestandteil der bereits in den Schulen angewendeten Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen sei. Sie rieten zum Stoßlüften (Fenster weit öffnen) im zeitlichen Abstand von 20 Minuten und für etwa 3 bis 5 Minuten Dauer sowie zum Querlüften (Durchzug) der Räume in den Pausen“, so heißt es in einer Presseerklärung, die die KMK im Anschluss herausgab.
Weiter steht darin: „Der Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten in Schulräumen, der derzeit in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert wird, wurde ebenfalls erörtert. Im Ergebnis kamen die Wissenschaftler überein, dass der Einsatz solcher Geräte grundsätzlich nicht nötig sei, wo Räume über Fenster gelüftet werden können. In Räumen, die beispielsweise nicht über komplett zu öffnende Fenster verfügen, könne der Einsatz dieser Geräte flankierend und in Einzelfällen sinnvoll sein. Zum Einsatz kommen sollten allerdings ausschließlich qualitätsgeprüfte Geräte, die mit Hochleistungsschwebstofffiltern (HEPA-Filter H13 oder H 14) ausgerüstet sind, die leise arbeiteten und die einen ausreichenden Volumenstrom, gemessen an der Raumgröße, garantierten.“
“Leute, was ihr an den Schulen macht, ist untragbar”
Die teilnehmenden Eltern- und Lehrervertreter zeigen sich konsterniert. Elternsprecher Wassmuth schien gar auf einer anderen Veranstaltung gewesen zu sein. „Gestern gab es eine Sitzung der Kultusministerkonferenz, an der neben Vertretern von Lehrergewerkschaften und mir auch fünf Virologen teilgenommen haben, die den Kultusministern klipp und klar gesagt haben: Leute, was ihr an den Schulen macht, ist untragbar!“, so berichtete er am Donnerstag in einem Interview mit ZDFheute.
Gefragt, worauf sich die Kritik der Experten genau bezogen habe, antwortete Wassmuth: „Da ging es zum einen um den baulichen Zustand der Schulen. Viele sind so heruntergewirtschaftet, dass sie den Herausforderungen, die Corona mit sich bringt, nicht gewachsen sind. Ein anderes großes Thema war das Belüften der Klassenzimmer. Es soll jetzt eine Empfehlung geben, die Unterrichtsstunden so aufzuteilen: 20 Minuten Unterricht, fünf Minuten Lüften, 20 Minuten Unterricht. Die Virologen sagen aber ganz klar: Das ist nicht die Lösung des Problems mit den Aerosolen.“
In einer gemeinsamen Erklärung von Bundeselternrat, GEW und VBE heißt es: „Die Schulen brauchen dringend Orientierung und Unterstützung, die kalte Jahreszeit beginnt jetzt. Die Lüftungsregelung 20-5-20 wird bei Regen und niedrigen Temperaturen eine riesige pädagogische Herausforderung. Das wurde zu wenig in die Überlegung einbezogen.“
Die Eltern- und Lehrerorganisationen fordern: „Die Schulen müssen ein Anrecht haben, eine Gefährdungsbeurteilung einzufordern, wenngleich wir den zusätzlichen Aufwand sehen, der damit für die Ämter einhergeht. Schlussendlich muss auch über die Konsequenz nachgedacht werden, die zu ziehen ist, wenn eine Schule nicht beurteilt werden kann. Die KMK muss das Tempo beschleunigen und so schnell wie möglich einen klaren Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahmen vorlegen. Dabei dürfen Kosten für notwendige Umbauten oder Geräte kein K.o.-Kriterium sein. Entscheidend ist der bestmögliche Infektionsschutz für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern.“
Philologen sagen voraus: Viele Schüler und Lehrer werden erkranken
Auch aus Reihen des Philologenverbands kommt Kritik. „Wenn die Empfehlungen der KMK und des Bildungsministeriums 1:1 an den Schulen umgesetzt werden, so haben wir spätestens zu Beginn des Winters Notstand. Die Zahl der Erkrankungsfälle durch grippale Infekte und Erkältungskrankheiten wird drastisch steigen in einem Maß, das über die Fallzahlen der letzten Jahre hinaus geht“, sagt die Thüringer Landesvorsitzende Heike Schimke. Sie mahnt Lehrer und Schüler: „Zieht euch warm an!“ News4teachers
Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.










@Fabian: Mein Kommentar zu Ihrem letzten Satz:
Und das ist LEIDER wahrscheinlich die einzig wirksame Möglichkeit, einen besseren Schutz für die SuS und LuL und weitere Schulmitarbeiter*innen zu erwirken…..
Ich bin ja selbst Schüler einer 9. Klasse und kenne daher die Probleme nur zu gut und mir ist klar was das bedeutet wenn sich die Lehrer andauernd Krankmelden und der Unterricht deshalb oftmals ausfällt aber in den unterkühlten Klassenräumen mit alten teilweise nicht mehr funktionierenden Heizungen kann man genauso wenig lernen wie ohne Lehrer. Klar benötigen wir die Inhalte aus dem Unterricht weil die Themen aufeinander aufbauen aber was bringt uns das wenn wir andauernd krank sind weil die Politiker keine Ahnung von den Zuständen in den Schulen haben. Wer Rechtschreibfehler findet darf sie bitte behalten.
Vor Kurzem gab es seitens der Bundesregierung eine Empfehlung zum infektionsschutzgerechten Lüften:
https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Thema-Arbeitsschutz/infektionsschutzgerechtes-lueften.pdf?__blob=publicationFile&v=3
dort wird auch auf die hier bereits erwähnte ASR. 3.6 verwiesen
Die hier ebenso eingeforderten, bußgeldbewerten Ahndungen bei Verstößen gegen rechtliche Bestimmungen hinsichtlich Instandhaltungsmaßnahmen von RLT-Anlagen sind für Schulen natürlich obsolet – es gibt ja keine! Zudem würden sich die Länder sicher auch ungerne selbst Bußgelder auferlegen.
Stickwort Bundesländer von @ Phil: Genau hier liegt auch der Hase im Pfeffer, weil jedes Kultusministerium letztendlich entscheidet, wie es zu laufen hat. Das geht von den Lerninhalten über … bis zur … Lüftungssituation. Auch für uns hier , bei den Kommentaren auf News4Teachers ist das problematisch, weil jeder, Eltern wie Lehrer, nur aus seinem Bundesland berichten und die Zustände beklagen kann. Auch gerichtliche Klagen, wenn sie auf den Weg gebracht werden (Meine Hochachtung dafür!) gelten bei Erfolg dann doch nicht bundesweit. Was für ein raffiniertes Konstrukt!
Hallo Tina,
also wir haben bei der für uns zuständigen Polizeidienststelle angerufen und hatten das Glück, an einen sehr verständnisvollen Polizeibeamten weitergeleitet zu werden.
Dem haben wir den Sachverhalt und unser Ansinnen, gegen die KM Gebauer Strafanzeige wg. vorsätzlicher Körperverletzung aufgrund der Aussetzung sämtlicher Schutzmaßnahmen in den Schulen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus zu erstatten, geschildert.
Wir wurden gebeten, dies in einer Email zu formulieren und an den Polizeibeamten zu schicken.
Dies haben wir am 03. September getan und heute durch Nachfrage erfahren, dass unsere Anzeige inzwischen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft vorliegt.
Dies würde wahrscheinlich umso mehr (Ein-) Druck machen, je mehr Eltern sich entschließen, den gleichen Weg zu beschreiten. Schließlich geht es um die Gesundheit unserer Kinder und all derer, die durch die KM gezwungen werden, an dem Experiment “Schule ohne ausreichenden Infektionsschutz” teilzunehmen!!!
Bei uns in der Schule ist heute die Heizung ausgefallen – 12,5°C Raumtemperatur und das schon im September. Das dann auch noch regelmäßig gelüftet werden soll geht komplett an der Realität vorbei!
Wenn jetzt schon alle in Winterjacke zitternd dasitzen, muss man sich nicht wundern wenn das Immunsystem im Eimer ist, die Infektionsgefahr steigt und haufenweise Schüler wegen Grippalen Infekten zu Hause bleiben müssen. (Das einzig Positive ist, das man dann wenigstens die Mindestabstände etwas besser einhalten kann, wobei das ja noch ein ganz anderes Unding ist…)
Es war heute kalt, wirklich eiskalt!
Und trotzdem sitzt einem die Unsicherheit im Nacken, nicht genug gelüftet zu haben.
Ich pack das nicht den Winter über 🙁
Unsere Gemeinde hatte heute endlich die Heizung angestellt (passiert ja sonst erst am 1.Oktober), so dass es zumindest am Anfang muckelige 22 Grad waren. Die gingen aber trotzdem relativ schnell auf 18 Grad runter. Da laut Arbeitsstättenverordnung, die Leseratte weiter oben so schön verlinkt hat, damit die Mindesttemperatur unterschritten war, habe ich die Fenster geschlossen und erst nach etwa 30 Minuten wieder geöffnet – und so ging das dann den Rest des Tages auch weiter: Fenster auf – Temperatur runter – Fenster zu, bis Temperatur wieder ausreichend – Fenster wieder auf… (man könnte glatt meinen, ich hätte im Unterricht nichts anderes zu tun). Meiner SL hatte ich dieses Vorgehen morgens angekündigt, jetzt muss die Gemeinde als Schulträger entscheiden, ob Lüften oder Temperatur den Vorrang hat.
Mal schauen wann bei uns die Heizung angemacht wird und wie die Lehrer bei uns das Problem lösen
In manchen Schulen wird Dauergelüftet. D.h. Alle Fenster sind Dauerhaft weit geöffnet, dazu steht die Klassenzimmertür auch auf. Das hat zur Folge,das in den Klassenräume die Temperatur auf die Außentemperatur absinkt, und das bei voll aufgedrehten Heizkörpern. Soviel zum Thema Energiesparen usw.
Damit steigt auch die Anzahl von Grippe und Erkältungskranheiten. Laut früherer Regelungen muß ein Klassenraum mindestens 19-20 ° C aufweisen, alles darunter ist eine Zumutung für die Kinder und Lehrer. Aber solange unsere Damen und Herren Politiker im schön warmen Büro sitzen ,ist denen Scheißegal wie es den Kindern geht. Ein Unterricht bei Kälte ist genauso wenig zumutbar wie bei Hitze.