Woran erkennt man seriöse Informationen? Was Lehrer ihren Schülern beibringen sollten

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GÜTERSLOH. Falschmeldungen und Verschwörungstheorien sind kein neues Phänomen. Doch besonders zu Beginn der Corona-Pandemie fanden sich im Internet auf einmal zahlreiche manipulierte Informationen, die sich um das Virus drehten. Über Online-Nachrichtendienste sowie soziale Medien verbreiteten sie sich wahnsinnig schnell – und zeigten damit einmal mehr, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, die Qualität von Informationen einschätzen zu können. Auf schulischer Ebene kann dies Teil der politischen Bildung sein.

Was sind seriöse Informationen – und was ist Klatsch und Tratsch? Das unterscheiden zu lernen, ist Teil von politischer Bildung. Illustration: Shutterstock

Es waren großteils vollkommen abwegige Nachrichten, die im Zuge der Pandemie über Whatsapp, Facebook, Instagram und ähnliche Kanäle Aufmerksamkeit erregten: Das Coronavirus sei in einem Biolabor gezüchtet worden, ein US-amerikanischer Unternehmer habe das Virus erschaffen, um die Welt zu regieren oder der Mobilfunkstandard 5G verursache die Krankheit. Nadine Eikenbusch, Referentin der EU-Initiative klicksafe bei der Landesanstalt für Medien NRW, erstaunt die Flut an Falschmeldungen nicht: „In Verbindung mit Katastrophen treten Verschwörungstheorien und Fake News besonders häufig auf. Sie liefern einfache Erklärungen und Lösungen für komplexe Sachverhalte.“ In Zeiten voller Verunsicherung seien Menschen sehr anfällig, solchen Geschichten Glauben zu schenken. „Vielleicht kennt man das auch von sich selbst, dass man dazu neigt, sich dann auf Informationen zu stürzen, die einen beruhigen, oder die die eigene Meinung untermauern“, sagt die Medienexpertin.

„Wachsende Gefahr für die Demokratie“

Vielfach teilten Menschen Falschmeldungen und Verschwörungstheorien vor diesem Hintergrund nicht in böser Absicht, sondern weil sie ihre Familie und Freunde über Gefahren oder Neuigkeiten informieren wollen. „Oder auch um sich zu profilieren, beispielsweise wenn jemand der offiziellen Einschätzung der Regierung zum Virus kritisch gegenübersteht und im Internet Beiträge findet, die seine Ansicht stützen“, erklärt Eikenbusch. Das sei im Übrigen um einiges einfacher geworden: „Mittlerweile gibt es ja im Internet für jede Theorie mindestens eine weitere Person, die die gleichen Überzeugungen teilt wie man selbst.“ Das Problem: Falschmeldungen und Verschwörungstheorien stellen eine wachsende Gefahr für die Demokratie dar, weil sie versuchen, Meinungen in eine gewünschte Richtung zu manipulieren.

Neue Leitmedien

Hinzukommt, dass sich die Art und Weise verändert hat, wie sich Menschen informieren. „Ganz viele Menschen beziehen auch die politischen und gesellschaftlichen Informationen vornehmlich aus sozialen Medien“, sagt Anja Besand, Professorin für die Didaktik der politischen Bildung an der TU Dresden. Sie hätten das Fernsehen als politisches Leitmedium abgelöst, schlussfolgert Besand im Interview, das im Zusammenhang mit der kostenlosen Online-Weiterbildung „Citizenship Education – Demokratiebildung in Schulen“ der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik entstanden ist. Ihr Fazit: Die politische Bildung müsse darauf reagieren.

Dazu gehöre auch, auf die veränderte Haltung vieler Schülerinnen und Schüler sowie vieler Erwachsener einzugehen, sich nicht mehr aktiv mit dem Nachrichtengeschehen beschäftigen zu müssen, denn sie gehen laut Besand davon aus: „Wichtige Informationen erreichen mich schon, also wenn etwas passiert, dann taucht das in meinen sozialen Netzwerken schon früher oder später auf.“ Lehrkräften sollte diese Einstellung bewusst sein, damit sie im Unterricht darauf reagieren und entsprechend notwendiges Wissen sowie geforderte Kompetenzen vermitteln könnten.

Wichtige Kernkompetenzen

Diese Auffassung vertritt auch klicksafe-Referentin Eikenbusch: „Unabhängig von Corona ist es zentral, sich mit dem Informationsverhalten von Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen.“ Oftmals fehle es ihnen an gesundem Misstrauen; Influencerinnen und Influencer hätten etwa viel Einflusspotenzial. Informationskompetenz und auch Quellenkritik seien daher sehr wichtige Kernkompetenzen.

Lehrkräfte, so zeigen sich Professorin Besand und Medienexpertin Eikenbusch einig, sollten sich zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern in einen Reflexionsprozess begeben und – so formuliert es Anja Besand – „gemeinsam lernen, aus welchen Kanälen Informationen in welcher Weise zu beurteilen sind“. Für die Analyse von Inhalten empfiehlt Nadine Eikenbusch, sich an den folgenden vier Punkten zu orientieren:

  1. Überschrift
  2. Bebilderung
  3. Quelle
  4. Aktualität

Anlass zur Vorsicht sei demnach geboten, wenn

  • die Überschrift auffallend reißerisch formuliert sei,
  • das Foto zur Berichterstattung mithilfe der Google-Ruckwärtsbildersuche schon einmal in einem anderen Kontext erschienen sei,
  • eine Internetsuche darauf hinweise, dass die mit dem Beitrag verbundenen Personen – Herausgeber laut Impressum, Autor oder im Beitrag genannte Experten – bestimmte Intentionen verfolgen oder
  • die im Text enthaltenen Information schon veraltet seien.

„In der Schule ließe sich so eine Fake News-Überprüfung etwa in Form einer Textanalyse schulen, um das kritische Bewusstsein zu fördern“, sagt Medienexpertin Eikenbusch. Unterstützung dabei biete die klicksafe-Unterrichtsreihe „Fakt oder Fake“.

Eine detaillierte Video-Anleitung für Kinder und Jugendliche, wie sie Fake News im Netz erkennen können, finden Sie auf der Medienkompetenzseite „So geht Medien“ von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Lassen sich Meldungen einmal nicht einwandfrei beurteilen, können auch Online-Angebote professioneller Faktenprüfer weiterhelfen wie der ARD-Faktenfinder oder der Faktencheck des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv.

Selbstwirksamkeit fördern

Entscheidend ist aus Sicht von Nadine Eikenbusch aber nicht nur Schülerinnen und Schülern das Wissen zu vermitteln, wie sie Falschmeldungen und Verschwörungstheorien erkennen können, sondern ihnen auch aufzuzeigen, dass sie aktiv gegen sie vorgehen können: entweder, indem sie den Verdacht der jeweiligen Plattform melden, oder Bekannte, die solche Inhalte geteilt haben, auf den Charakter der Nachricht hinweisen – „sehr respektvoll und im besten Fall in einer privaten Nachricht“. „Sie erleben, dass sie dazu beitragen können, Falschinformationen zu stoppen, damit diese nicht weiter als Brandbeschleuniger wirken.“

Verschiedene Medien machen sich zwar die Mühe, die falschen Inhalte als solche zu enttarnen, doch nicht immer sorgt dies auch dafür, dass sie aus der öffentlichen Diskussion verschwinden. Vor allem Verschwörungstheorien halten sich laut Nadine Eikenbusch „nachhaltiger oder hartnäckiger“. Und: Der Artikel, der eine Falschmeldung enttarnt, erreicht nicht alle Personen gleichermaßen. Wer sich im Internet nur mit gleichdenkenden Menschen umgibt, erfährt eventuell nie davon oder brandmarkt – durch die eigene Gruppe bestärkt – das Ergebnis eines Faktenchecks als Fake News. Darüber hinaus tauchen regelmäßig neue manipulierte Informationen im Internet auf. Anna Hückelheim / Agentur für Bildungsjournalismus

Demokratiebildung: Kostenloser Online-Kurs für Lehrer
„Schule ist ein zentraler Ort, an dem junge Menschen Demokratie und Engagement lernen, erfahren und gestalten können.“ Foto: Shutterstock

Die Demokratiebildung in der Schule hat im Zuge der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen an Bedeutung gewonnen. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sich als Part der Gesellschaft zu begreifen, der diese aktiv verändern kann. Doch wie können Lehrkräfte dies erreichen? Unterstützung bietet der kostenlose Online-Kurs „Citizenship Education – Demokratiebildung in Schulen“, den die Bertelsmann Stiftung zusammen mit dem Institut für Didaktik der Demokratie an der Leibniz Universität Hannover entwickelt hat.

Hier gibt es weitere Informationen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers kommentiert.

Lehrer halten Nachrichten-Kompetenz ihrer Schüler für wichtig – viele wissen selbst aber gar nicht, welche Nachrichten sie glauben sollen

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10 KOMMENTARE

  1. Mir macht die Diskrepanz zwischen den offiziellen Zahlen z.B. vom RKI und den interpretierenden Botschaften in den öffentlichen Medien am meisten Sorgen. Dass irgendwelche Meinungen im Internet Unsinn sein können, ist recht leicht zu verstehen. Aber von Tagessschau bis Zeit und Welt erwarte ich mehr Sachlichkeit, insbesondere auch kritische Sachlichkeit, bis hin zur regierungskritischen Sachlichkeit.

    • Was sind denn öffentliche Medien? Gibt’s auch geheime?

      Ich weiß nicht so recht, worauf Sie hinauswollen – wenn Sie den Blätterwald durchforsten, finden Sie alles: von Hetz-Kampagnen gegen Virologen (Bild) über Erklärstücke zu jedem Detail, Kommentare, warum Schulöffnungen unbedingt nötig sind, bis hin zu kritischen Texten über die Schulöffnungen ohne Abstandsregel hier auf News4teachers. Das RKI veröffentlich täglich einen neuen Lagebericht. Virologen wie Prof. Drosten treten in Podcasts auf, in denen Hintergründe erklärt werden. Sie können sich so intensiv über Corona informieren – auch seriös -, wie sie nur wollen. Wo ist Ihr Problem?

      • Pfälzer meint bestimmt die öffentlich-rechtlichen Medien und die großen Tageszeitungen. Genau das wissen Sie auch.

        Kommentare gehen oftmals in dieselbe Richtung. Regierungskritik ist selten, gerade weil die oft freien Journalisten an Folgeaufträge angewiesen sind und deshalb nicht als Hetzer oder schlimmeres gebrandmarkt werden wollen.

        • Warum schreibt Pfälzer nicht, was er meint?

          Kann es sein, dass Pälzer und Sie vom Journalismus überhaupt keine Ahnung haben? Kommentare gehen überhaupt nicht „oftmals in diesselbe Richtung“, wie Sie behaupten – zwischen der „taz“ und der „Welt“ beispielsweise liegen Welten.

          Guter Journalismus und Hetze schließen sich aus. Guter Journalismus ist kritisch – kann seine Kritik aber mit Fakten unterlegen. Warum sollte ein freier Journalist dafür abgestraft werden, wenn er seinen Job gut macht?

          Es gibt Journalistenpreise wie den Theodor-Wolff-Preis, die die Maßstäbe für guten Journalismus anschaulich machen. Und selbstverständlich ist der Ansatz grundsätzlich kritisch. Wenn Sie sich die Bandbreite der Themen der Preisträger in diesem Jahr anschauen, geht es vom Klimawandel über Corona, vom Umgang mit Sexualstraftätern, von Massentierhaltung über die bei der Landtagswahl in Sachsen offenkundig werdenden Demokratiedefizite quer durch grundlegende Probleme dieses Landes.

          Es ist natürlich möglich, dass Ihnen nicht immer gefällt, was Sie lesen. Das kann aber auch einfach daran liegen, dass Sie mit Ihrer Realitätswahrnehmung falsch liegen. Dafür gibt es dann die sozialen Medien, in denen Meinung alles und Fakten nichts sind.

          • PS. Pälzer erwartet „regierungskritische Sachlichkeit“ von der Tagesschau. Mal davon abgesehen, dass die 15-Minuten-Nachrichten kein Format sind, um investigativen Journalismus zu betreiben (dafür gibt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dann zum Beispiel die Politik-Magazine) – was soll das bitteschön sein?

            Sachlichkeit bedeutet, sich an Fakten zu halten (oder?). Das schließt Regierungskritik um der Regierungskritik willen aus – ich kann sachlich nur dann kritisch berichten, wenn Fakten die Kritik auch hergeben. Gefühle und Meinungen, auch die von Pälzer, reichen dafür nicht aus.

          • Wirklich kritischer und faktenbasierter Journalismus und der Pressekodex schließen sich teilweise aus, was Sie auch ganz genau wissen und worauf Sie sich andauernd berufen.

            Ihren letzten Satz über Gefühle und Meinungen sollten Sie auch Sie selbst anwenden.

            Im Übrigen haben Sie jetzt zwei lange Kommentare mit sechs Absätzen aus einer semantischen Ungenauigkeit gemacht. Ziemlich unnötig, wie ich finde …

          • Was ist das denn für eine wilde Behauptung – der Pressekodex und „wirklich kritischer und faktenbasierter Journalismus“ schließen sich „teilweise aus“?

            Da bin ich aber mal auf den Beleg gespannt…

            Schon dieser Post von Ihnen zeigt, wie nötig es ist, diesem substanzlosen „Lügenpresse“-Gemumpfe von Rechtsaußen zu widersprechen.

  2. Ich möchte dem Hin- und Her hier nichts hinzufügen.

    Aber mich ärgert es, dass die meisten Medien unisono auf Russland schimpfen um die USA gut/besser aussehen zu lassen.
    Beide Staaten haben aber mehr oder weniger viel Leid in der Welt verursacht, dabei ist die USA inzwischen sogar Vorreiter, wenn man an die Zahl der Ermordeten geht. – Also, ich wünsche mir eine ausgeglichenere Berichterstattung! – Wer profitiert eigentlich von dem Fall Navorny? (Ist es Zufall, dass das gerade jetzt passiert? Vielleicht soll damit Nord-Stream beendet werden, damit die USA ihr teures Flüssiggas verkaufen können???)

    • Ausnahme ist natürlich Trump. Die Zustände in den USA führe ich allerdings in erster Linie auf generelle Durchgeknalltheit und tendenziell eher den Demokraten zugewandten Klientel zurück.

    • … vielleicht ist auch der Mond aus Käse, wer weiß das alles schon.

      Mit Ihrem Wunsch einer „ausgeglicheneren“ Berichterstattung – soll offenbar heißen: Ihr Wunsch nach Spekulationen, die Russland entlasten sollen – zeigen Sie genau auf, warum guter Journalismus nötig ist: Wo ist Ihre Quelle, dass die USA „Vorreiter sind, wenn man an die Zahl der Ermordeten geht“? Was hat diese Behauptung mit dem beschriebenen Fall zu tun? Welche Rolle spielt es, was Sie persönlich ärgert?

      Es geht eben darum, solchem Meinungsquark Fakten entgegenzusetzen. Fakt ist: In Russland werden immer wieder Oppositionelle ermordet. Fakt ist auch: Die russische Regierung hat viel unternommen, um den Giftanschlag an Alexei Nawalny (so heißt der Mann) zu verschleiern. Die Mechanismen der russischen Desinformation werden von deutschen Medien beschrieben – hier von der „Zeit“ beispielsweise: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-09/wladimir-putin-kreml-alexej-nawalny-vergiftung-motive

      Kein seriöses deutsches Medium hat Russland des Mordanschlags bezichtigt – viele deutsche Medien nehmen den Fall allerdings zum Anlass, über das Regime von Putin und seine menschenverachtende und aggressive Politik zu berichten. Gut so. In den russischen Staatsmedien lesen Sie davon natürlich nichts.

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