Woran erkennt man seriöse Informationen? Was Lehrer ihren Schülern beibringen sollten

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GÜTERSLOH. Zum Angriff Russlands auf die Ukraine finden sich im Internet auf einmal zahlreiche manipulierte Informationen, die sich um die Geschichte des Konflikts und das Kriegsgeschehen drehen. Über Online-Nachrichtendienste sowie soziale Medien verbreiteten sie sich wahnsinnig schnell – und zeigen damit einmal mehr, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, die Qualität von Informationen einschätzen zu können. Auf schulischer Ebene kann dies Teil der politischen Bildung sein.

Was sind seriöse Informationen – und was ist Klatsch und Tratsch? Das unterscheiden zu lernen, ist Teil von politischer Bildung. Illustration: Shutterstock

Es waren großteils vollkommen abwegige Nachrichten, die im Zuge der Corona-Pandemie über Whatsapp, Facebook, Instagram und ähnliche Kanäle Aufmerksamkeit erregten: Das Coronavirus sei in einem Biolabor gezüchtet worden, ein US-amerikanischer Unternehmer habe das Virus erschaffen, um die Welt zu regieren oder der Mobilfunkstandard 5G verursache die Krankheit.

Nadine Eikenbusch, Referentin der EU-Initiative klicksafe bei der Landesanstalt für Medien NRW, erstaunt die Flut an Falschmeldungen nicht: „In Verbindung mit Katastrophen treten Verschwörungstheorien und Fake News besonders häufig auf. Sie liefern einfache Erklärungen und Lösungen für komplexe Sachverhalte.“ In Zeiten voller Verunsicherung seien Menschen sehr anfällig, solchen Geschichten Glauben zu schenken. „Vielleicht kennt man das auch von sich selbst, dass man dazu neigt, sich dann auf Informationen zu stürzen, die einen beruhigen, oder die die eigene Meinung untermauern“, sagt die Medienexpertin.

Auch andersherum wird Desinformation betrieben – indem die Authentizität von womöglich echten Bildern aus dem Krieg in der Ukraine auf den sozialen Medien in Zweifel gezogen werden, die Zeugen in den sozialen Medien veröffentlichen. „Was wir jetzt sehen, ist vor allen Dingen, dass diese Fotos in Frage gestellt werden, also dass versucht wird, diese Fotos und Videoaufnahmen als Fake zu bezeichnen“, sagt Factcheckerin Alice Echtermann vom Recherchezentrum Correktiv gegenüber dem Deutschlandfunk. Das beste Mittel, um der Wahrheit nahe zu kommen, ist ihr zufolge: solides Hintergrundwissen.

„Wachsende Gefahr für die Demokratie“

Vielfach teilten Menschen Falschmeldungen und Verschwörungstheorien vor diesem Hintergrund nicht in böser Absicht, sondern weil sie ihre Familie und Freunde über Gefahren oder Neuigkeiten informieren wollen. „Oder auch um sich zu profilieren, beispielsweise wenn jemand der offiziellen Einschätzung der Regierung zum Virus kritisch gegenübersteht und im Internet Beiträge findet, die seine Ansicht stützen“, erklärt Eikenbusch. Das sei im Übrigen um einiges einfacher geworden: „Mittlerweile gibt es ja im Internet für jede Theorie mindestens eine weitere Person, die die gleichen Überzeugungen teilt wie man selbst.“ Das Problem: Falschmeldungen und Verschwörungstheorien stellen eine wachsende Gefahr für die Demokratie dar, weil sie versuchen, Meinungen in eine gewünschte Richtung zu manipulieren.

Neue Leitmedien

Hinzukommt, dass sich die Art und Weise verändert hat, wie sich Menschen informieren. „Ganz viele Menschen beziehen auch die politischen und gesellschaftlichen Informationen vornehmlich aus sozialen Medien“, sagt Anja Besand, Professorin für die Didaktik der politischen Bildung an der TU Dresden. Sie hätten das Fernsehen als politisches Leitmedium abgelöst, schlussfolgert Besand im Interview, das im Zusammenhang mit der kostenlosen Online-Weiterbildung „Citizenship Education – Demokratiebildung in Schulen“ der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik entstanden ist. Ihr Fazit: Die politische Bildung müsse darauf reagieren.

Dazu gehöre auch, auf die veränderte Haltung vieler Schülerinnen und Schüler sowie vieler Erwachsener einzugehen, sich nicht mehr aktiv mit dem Nachrichtengeschehen beschäftigen zu müssen, denn sie gehen laut Besand davon aus: „Wichtige Informationen erreichen mich schon, also wenn etwas passiert, dann taucht das in meinen sozialen Netzwerken schon früher oder später auf.“ Lehrkräften sollte diese Einstellung bewusst sein, damit sie im Unterricht darauf reagieren und entsprechend notwendiges Wissen sowie geforderte Kompetenzen vermitteln könnten.

Wichtige Kernkompetenzen

Diese Auffassung vertritt auch klicksafe-Referentin Eikenbusch: „Unabhängig von Corona ist es zentral, sich mit dem Informationsverhalten von Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen.“ Oftmals fehle es ihnen an gesundem Misstrauen; Influencerinnen und Influencer hätten etwa viel Einflusspotenzial. Informationskompetenz und auch Quellenkritik seien daher sehr wichtige Kernkompetenzen.

Lehrkräfte, so zeigen sich Professorin Besand und Medienexpertin Eikenbusch einig, sollten sich zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern in einen Reflexionsprozess begeben und – so formuliert es Anja Besand – „gemeinsam lernen, aus welchen Kanälen Informationen in welcher Weise zu beurteilen sind“. Für die Analyse von Inhalten empfiehlt Nadine Eikenbusch, sich an den folgenden vier Punkten zu orientieren:

  1. Überschrift
  2. Bebilderung
  3. Quelle
  4. Aktualität

Anlass zur Vorsicht sei demnach geboten, wenn

  • die Überschrift auffallend reißerisch formuliert sei,
  • das Foto zur Berichterstattung mithilfe der Google-Ruckwärtsbildersuche schon einmal in einem anderen Kontext erschienen sei,
  • eine Internetsuche darauf hinweise, dass die mit dem Beitrag verbundenen Personen – Herausgeber laut Impressum, Autor oder im Beitrag genannte Experten – bestimmte Intentionen verfolgen oder
  • die im Text enthaltenen Information schon veraltet seien.

„In der Schule ließe sich so eine Fake News-Überprüfung etwa in Form einer Textanalyse schulen, um das kritische Bewusstsein zu fördern“, sagt Medienexpertin Eikenbusch. Unterstützung dabei biete die klicksafe-Unterrichtsreihe „Fakt oder Fake“.

Eine detaillierte Video-Anleitung für Kinder und Jugendliche, wie sie Fake News im Netz erkennen können, finden Sie auf der Medienkompetenzseite „So geht Medien“ von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Lassen sich Meldungen einmal nicht einwandfrei beurteilen, können auch Online-Angebote professioneller Faktenprüfer weiterhelfen wie der ARD-Faktenfinder oder der Faktencheck des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv.

Selbstwirksamkeit fördern

Entscheidend ist aus Sicht von Nadine Eikenbusch aber nicht nur Schülerinnen und Schülern das Wissen zu vermitteln, wie sie Falschmeldungen und Verschwörungstheorien erkennen können, sondern ihnen auch aufzuzeigen, dass sie aktiv gegen sie vorgehen können: entweder, indem sie den Verdacht der jeweiligen Plattform melden, oder Bekannte, die solche Inhalte geteilt haben, auf den Charakter der Nachricht hinweisen – „sehr respektvoll und im besten Fall in einer privaten Nachricht“. „Sie erleben, dass sie dazu beitragen können, Falschinformationen zu stoppen, damit diese nicht weiter als Brandbeschleuniger wirken.“

Verschiedene Medien machen sich zwar die Mühe, die falschen Inhalte als solche zu enttarnen, doch nicht immer sorgt dies auch dafür, dass sie aus der öffentlichen Diskussion verschwinden. Vor allem Verschwörungstheorien halten sich laut Nadine Eikenbusch „nachhaltiger oder hartnäckiger“. Und: Der Artikel, der eine Falschmeldung enttarnt, erreicht nicht alle Personen gleichermaßen. Wer sich im Internet nur mit gleichdenkenden Menschen umgibt, erfährt eventuell nie davon oder brandmarkt – durch die eigene Gruppe bestärkt – das Ergebnis eines Faktenchecks als Fake News. Darüber hinaus tauchen regelmäßig neue manipulierte Informationen im Internet auf. Anna Hückelheim / Agentur für Bildungsjournalismus

Demokratiebildung: Kostenloser Online-Kurs für Lehrer
„Schule ist ein zentraler Ort, an dem junge Menschen Demokratie und Engagement lernen, erfahren und gestalten können.“ Foto: Shutterstock

Die Demokratiebildung in der Schule hat im Zuge der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen an Bedeutung gewonnen. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sich als Part der Gesellschaft zu begreifen, der diese aktiv verändern kann. Doch wie können Lehrkräfte dies erreichen? Unterstützung bietet der kostenlose Online-Kurs „Citizenship Education – Demokratiebildung in Schulen“, den die Bertelsmann Stiftung zusammen mit dem Institut für Didaktik der Demokratie an der Leibniz Universität Hannover entwickelt hat.

Hier gibt es weitere Informationen.

Der Beitrag ist ursprünglich am 6. September 2020 erschienen; er wurde am 27. Februar 2022 aktualisiert.

 

Lehrer halten Nachrichten-Kompetenz ihrer Schüler für wichtig – viele wissen selbst aber gar nicht, welche Nachrichten sie glauben sollen

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Pälzer
1 Jahr zuvor

Mir macht die Diskrepanz zwischen den offiziellen Zahlen z.B. vom RKI und den interpretierenden Botschaften in den öffentlichen Medien am meisten Sorgen. Dass irgendwelche Meinungen im Internet Unsinn sein können, ist recht leicht zu verstehen. Aber von Tagessschau bis Zeit und Welt erwarte ich mehr Sachlichkeit, insbesondere auch kritische Sachlichkeit, bis hin zur regierungskritischen Sachlichkeit.

Bernd
1 Jahr zuvor
Antwortet  Pälzer

Was sind denn öffentliche Medien? Gibt’s auch geheime?

Ich weiß nicht so recht, worauf Sie hinauswollen – wenn Sie den Blätterwald durchforsten, finden Sie alles: von Hetz-Kampagnen gegen Virologen (Bild) über Erklärstücke zu jedem Detail, Kommentare, warum Schulöffnungen unbedingt nötig sind, bis hin zu kritischen Texten über die Schulöffnungen ohne Abstandsregel hier auf News4teachers. Das RKI veröffentlich täglich einen neuen Lagebericht. Virologen wie Prof. Drosten treten in Podcasts auf, in denen Hintergründe erklärt werden. Sie können sich so intensiv über Corona informieren – auch seriös -, wie sie nur wollen. Wo ist Ihr Problem?

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Bernd

Pfälzer meint bestimmt die öffentlich-rechtlichen Medien und die großen Tageszeitungen. Genau das wissen Sie auch.

Kommentare gehen oftmals in dieselbe Richtung. Regierungskritik ist selten, gerade weil die oft freien Journalisten an Folgeaufträge angewiesen sind und deshalb nicht als Hetzer oder schlimmeres gebrandmarkt werden wollen.

Bernd
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Warum schreibt Pfälzer nicht, was er meint?

Kann es sein, dass Pälzer und Sie vom Journalismus überhaupt keine Ahnung haben? Kommentare gehen überhaupt nicht „oftmals in diesselbe Richtung“, wie Sie behaupten – zwischen der „taz“ und der „Welt“ beispielsweise liegen Welten.

Guter Journalismus und Hetze schließen sich aus. Guter Journalismus ist kritisch – kann seine Kritik aber mit Fakten unterlegen. Warum sollte ein freier Journalist dafür abgestraft werden, wenn er seinen Job gut macht?

Es gibt Journalistenpreise wie den Theodor-Wolff-Preis, die die Maßstäbe für guten Journalismus anschaulich machen. Und selbstverständlich ist der Ansatz grundsätzlich kritisch. Wenn Sie sich die Bandbreite der Themen der Preisträger in diesem Jahr anschauen, geht es vom Klimawandel über Corona, vom Umgang mit Sexualstraftätern, von Massentierhaltung über die bei der Landtagswahl in Sachsen offenkundig werdenden Demokratiedefizite quer durch grundlegende Probleme dieses Landes.

Es ist natürlich möglich, dass Ihnen nicht immer gefällt, was Sie lesen. Das kann aber auch einfach daran liegen, dass Sie mit Ihrer Realitätswahrnehmung falsch liegen. Dafür gibt es dann die sozialen Medien, in denen Meinung alles und Fakten nichts sind.

Bernd
1 Jahr zuvor
Antwortet  Bernd

PS. Pälzer erwartet „regierungskritische Sachlichkeit“ von der Tagesschau. Mal davon abgesehen, dass die 15-Minuten-Nachrichten kein Format sind, um investigativen Journalismus zu betreiben (dafür gibt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dann zum Beispiel die Politik-Magazine) – was soll das bitteschön sein?

Sachlichkeit bedeutet, sich an Fakten zu halten (oder?). Das schließt Regierungskritik um der Regierungskritik willen aus – ich kann sachlich nur dann kritisch berichten, wenn Fakten die Kritik auch hergeben. Gefühle und Meinungen, auch die von Pälzer, reichen dafür nicht aus.

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Bernd

Wirklich kritischer und faktenbasierter Journalismus und der Pressekodex schließen sich teilweise aus, was Sie auch ganz genau wissen und worauf Sie sich andauernd berufen.

Ihren letzten Satz über Gefühle und Meinungen sollten Sie auch Sie selbst anwenden.

Im Übrigen haben Sie jetzt zwei lange Kommentare mit sechs Absätzen aus einer semantischen Ungenauigkeit gemacht. Ziemlich unnötig, wie ich finde …

Bernd
1 Jahr zuvor
Antwortet  Bernd

Was ist das denn für eine wilde Behauptung – der Pressekodex und „wirklich kritischer und faktenbasierter Journalismus“ schließen sich „teilweise aus“?

Da bin ich aber mal auf den Beleg gespannt…

Schon dieser Post von Ihnen zeigt, wie nötig es ist, diesem substanzlosen „Lügenpresse“-Gemumpfe von Rechtsaußen zu widersprechen.

Fr. M.
2 Monate zuvor
Antwortet  Bernd

„Warum schreibt Pfälzer nicht, was er meint?“
Weil er weiß, dass jeder ihn versteht, der verstehen will!

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  Georg

@Georg & Pälzer
Welche Informationsquellen empfehlen Sie denn so?

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Es kommt halt auf die möglichst breite Streuung an. Bei Politik z.B. einfach alles von taz über Tagesschau bis Tichy zum gleichen Thema. Einordnen muss man das dann selbst. Es ist halt nicht nur wichtig, was warum wie berichtet wird, sondern auch was warum nicht oder nur indirekt.

Unerträglich
2 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Dass du Tichys liest, war ja klar Georg. Das disqualifiziert dich wieder mal von jeglicher Diskussion.

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich denke, man soll kritisch umgehen mit den diversen Quellen. Wer also hat die Kompetenz zu entscheiden, ob das Lesen welcher Quellen einen nun „qualifizieren“ bzw. „disqualifizieren“ ? Das ist doch genau das Problem dieser Einseitigkeit. Die einen sagen so, die anderen anders. Woher wissen wir, was denn nun stimmt? Lügen und Halbwahrheiten scheint es bei allen Lagern zu geben, rechts wie links. Was die Linken nicht gerne lesen wollen, steht dann vielleicht bei Tichy, was die Rechten nicht wahrhaben wollen, steht vielleicht in der taz.

Gerriet Biehle
1 Jahr zuvor

Ich möchte dem Hin- und Her hier nichts hinzufügen.

Aber mich ärgert es, dass die meisten Medien unisono auf Russland schimpfen um die USA gut/besser aussehen zu lassen.
Beide Staaten haben aber mehr oder weniger viel Leid in der Welt verursacht, dabei ist die USA inzwischen sogar Vorreiter, wenn man an die Zahl der Ermordeten geht. – Also, ich wünsche mir eine ausgeglichenere Berichterstattung! – Wer profitiert eigentlich von dem Fall Navorny? (Ist es Zufall, dass das gerade jetzt passiert? Vielleicht soll damit Nord-Stream beendet werden, damit die USA ihr teures Flüssiggas verkaufen können???)

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Gerriet Biehle

Ausnahme ist natürlich Trump. Die Zustände in den USA führe ich allerdings in erster Linie auf generelle Durchgeknalltheit und tendenziell eher den Demokraten zugewandten Klientel zurück.

Bernd
1 Jahr zuvor
Antwortet  Gerriet Biehle

… vielleicht ist auch der Mond aus Käse, wer weiß das alles schon.

Mit Ihrem Wunsch einer „ausgeglicheneren“ Berichterstattung – soll offenbar heißen: Ihr Wunsch nach Spekulationen, die Russland entlasten sollen – zeigen Sie genau auf, warum guter Journalismus nötig ist: Wo ist Ihre Quelle, dass die USA „Vorreiter sind, wenn man an die Zahl der Ermordeten geht“? Was hat diese Behauptung mit dem beschriebenen Fall zu tun? Welche Rolle spielt es, was Sie persönlich ärgert?

Es geht eben darum, solchem Meinungsquark Fakten entgegenzusetzen. Fakt ist: In Russland werden immer wieder Oppositionelle ermordet. Fakt ist auch: Die russische Regierung hat viel unternommen, um den Giftanschlag an Alexei Nawalny (so heißt der Mann) zu verschleiern. Die Mechanismen der russischen Desinformation werden von deutschen Medien beschrieben – hier von der „Zeit“ beispielsweise: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-09/wladimir-putin-kreml-alexej-nawalny-vergiftung-motive

Kein seriöses deutsches Medium hat Russland des Mordanschlags bezichtigt – viele deutsche Medien nehmen den Fall allerdings zum Anlass, über das Regime von Putin und seine menschenverachtende und aggressive Politik zu berichten. Gut so. In den russischen Staatsmedien lesen Sie davon natürlich nichts.

anonymus
2 Monate zuvor
Antwortet  Bernd

Danke für den „Mond aus Käse“, Bernd. Endlich eine Abwechslung, denn sonst war immer die Erde als Scheibe dran. Ein anderes Bild ist bereits wohltuend, wenn Eintönigkeit nervt.

Georg
2 Monate zuvor

Ich empfehle die folgende Strategie:

Zu einem Thema informiert man sich bei den so genannten „seriösen“ Medien, den so genannten „bösen“ Medien und falls möglich auch den sozialen Medien. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Marc
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Quellen alleine sind aber kein Garant für guten Journalismus. Man kann einen guten Artikel mit tollen Quellen schreiben wie undemokratisch Russland ist. Man kann aber auch genauso einen guten Artikel mit Quellen schreiben welche tollen demokratischen Ansätze Russland zeigt. Quellen findet man heutzutage zu jeder Behauptung. Wichtig ist nur, dass man Qualität und Herkunft der Quellen einschätzen kann. Beispiel Flüchtlingskrise:
Ich kann Quellen zitieren, die zeigen dass viele Flüchtlinge mittlerweile in Arbeit sind. Ich kann aber genauso Quellen zeigen, die beweisen, dass relativ gesehen immer noch zu viele Flüchtlinge auf Kosten des Staates leben. Beides ist korrekt. Es geht insgesamt nämlich mehr als nur um Quellen. Es geht eher darum was der Artikel aussagen will. Welche Ziele verfolgt der Autor? Besonders wichtig wird das bei politischen Fragen.
Die Berichterstattung in Deutschland zu Trump war nicht falsch und mit Quellen unterlegt, aber definitiv war es eine andere Berichterstattung als in Amerika. Man sollte den Schülern eher beibringen Autoren, Artikel, Ziele kritisch zu hinterfragen und nicht jeden Faktencheck einfach so hinzunehmen.
Wenn die Taz 10 Artikel über die Untriebe der Polizei veröffentlich, dann sind die Fälle selten erfunden, aber vermitteln sie ein bestimmtes Bild. Ebenso ist es meist korrekt wenn die Junge Freiheit 10 Artikel über Flüchtlingskriminalität veröffentlicht. Nicht die Artikel sind falsch. Norbert Bolz hatte es mal treffend formuliert:
Wir haben keine Lügenpresse, eher eine Lückenpresse. Es fehlen oft Gegendarstellungen, Recherchen zur Gegenseite. Oft wird das eigene Weltbild abgetippt und quellentechnisch hinterlegt.

Marc
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich glaube, dass nicht ganz klar wurde was ich meine. Über reines Tatsachenwissen reden wir ja garnicht. Wobei auch schon die Darstellung mehrerer Tatsachen zu einem gewissen Thema politisch sein kann. Wenn ich als Autor mehrere Artikel über die Sinnhaftigkeit von Impfungen verfasse, verfolge ich eine klare Intention. Ebenso wenn ich umgekehrt ständig Artikel über Nebenwirkungen verfasse. Beides kann man mit sinnvollen Quellen füllen.

Und Ihre Wertung gegenüber Fox News teile ich so nicht. Abrr gerade an CNN und Fox News sieht man wie weit eben eine Schieflage gehen kann. CNN hatte sich ja auch einige Skandale in Bezug zu Trump geleistet. Die Geschichte mit Moskau und Trumps Wahlkampfteam 2017 war ja beispielsweise komplett falsch. Oder das Inszenieren von Protestlern mit vorbereiteten Schildern für ein wirksames Foto war ebenfallls ein Skandal von CNN.

Aber abgesehen davon geht es nicht mehr speziell um Fakenews. Man bekommt immer eine vom Autor oder Sender zusammengestellte Auswahl an Informationen serviert. Und gerade in politischen Themen lohnt sich das Hinterfragen ob diese Zusammenstellung die Realität wirklich abbildet, oder doch eher ein gewisses Bild vermittelt werden soll. Mein Beispiel zu Taz und Junge Freiheit trifft es da eigentlich sehr gut.

Und nochmal Beispiel Trump. Die Medien hier waren damals eifrig dabei die Strafzölle Trumps schnell zu verurteilen. Die Berichte waren quellentechnisch korrekt. Es war ein Fakt, dass Trump Strafzöllle erhob. Doch wo es dann seltsam wird, ist wenn diese Medien nicht erwähnen dass Strafzölle eigentlich Erfindungen der EU sind, die EU noch viel protektionistischer als die USA reagiert und die Zölle auf US Importe sogar höher liegen als die der USA umgekehrt. Das wären aber wichtige Infos gewesen, die oft fehlten. Warum sie fehlten kann spekuliert werden. Eventuell weil man ein Bild vom rein bösen Mann vermitteln will?

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Und genau deshalb braucht es erreichbare Quellen, die ohne Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten oder Werbepartner alle Fakten auf den Tisch legen. Ob das heutzutage in der westlichen Welt uneingeschränkt der Fall ist, weiß ich angesichts all dessen, was ich unter wokeness zusammenfasse, nicht mehr.

Aus diesem Grund habe ich oben auch Quellen abseits des Mainstreams und Social Media vorgeschlagen. Die kompetente Einordnung muss der Leser dann natürlich selbst übernehmen, insbesondere Social Media nicht überbewerten, da bin ich wieder voll bei Ihnen.

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

„Ohne freie Medien … kann es keine Demokratie geben.“
Das ist in dieser Allgemeinheit natürlich wahr, trägt aber auch nichts zum Problem bei. Das Problem ist doch wohl, dass gerade die öffentlich-rechtlichen Medien — von uns allen bezahlt — nicht so „frei“ sind wie man sich das vorstellen könnte, sondern dass es da Intendanten, Programmdirektoren und Chefredakteure gibt, die nach parteipolitischer Einstellung ausgewählt wurden. Und Parteipolitiker und Lobbyisten sitzen reichlich in den Rundfunkräten, auch die Kirchenfunktionäre.
Als Beispiel gibt es die seltsame Berichterstattung des WDR über die berüchtigte Kölner Silvesternacht. Damals standen Landtagswahlen vor der Tür, und die Berichterstattung machte irgendwie den Eindruck, als solle die Berichterstattung im Sinne der Regierung geschönt werden. Offiziell ist das aber gerade nicht der Anspruch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Die „freie Konkurrenz“ verschiedener Meinungen und verschiedener Darstellungen der Realität ist eben eher Theorie und Wunschvorstellung.
Aber natürlich ist das in autoritären Ländern viel ausgeprägter, wenn führende Politiker Eigentümer eines Medienkonzerns sind.
Trennt eigentlich news4teachers konsequent zwischen Nachrichten und Meinung (auch bei den sog. „Pressemeldungen“) ? Der häufige Gebrauch von Schlagworten wie „rassistisch“ schon in Überschriften deutet irgendwie auf eine Wertung, also eine Meinung hin. Beispiel ist die Überschrift „rassistische Vorschläge“, wo es eigentlich „nur“ um Studiengebühren ging. Hintergrund war wohl die Beobachtung, dass reiche Scheichs und chinesische Unternehmer gern ihre Sprößlinge nach Deutschland zum kostenlosen Studium schicken, während sie in anderen Ländern Gebühren zahlen müssten. Kinder armer Leute könnten ja immer noch von den Gebühren befreit werden. Aber selbst sowas wird mit dem Schlagwort „rassistisch“ bedacht. Auch wenn es in diesem Fall von einem „Aktionsbündnis“ stammt, so ist die Übernahme durch die Redaktion immer auch eine Form von Meinung. Nicht jedes Geschrei irgendwelcher Lobbyisten müsste gleich in reißerische Überschriften gelangen. Wenn aber doch, ist die Trennung zwischen Nachrichten und Meinung eben durchbrochen. Bei der Bildzeitung ist das ganz extrem, deshalb hat sie ja auch ihren schlechten Ruf.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja, Sie trennen Meinung von Information.
Ja, es gibt keine Lügenpresse.
Aber auch: Ja, es gibt eine Lückenpresse, wobei die Lücken je nach Intention oder Kenntnissen bewusst oder unbewusst auftreten. Bei der Silvesternacht zum Beispiel vermutlich bewusst, um keine Vorurteile als Tatsachen zu bestätigen.

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja, was ein Bundeskanzler sagt, mag immer eine Überschrift wert sein, aber ich hatte von einer Überschrift mit „Rassismus“ im Zusammenhang mit Studiengebühren und irgendwelchen Lobbyisten gesprochen. In welchem Land dürfen denn bitte alle aus aller Welt umsonst eine Universität besuchen? Welche Länder sind in diesem Sinne also „rassistisch“? Alle?
Das allzu häufige Wort „rassistisch“ in Überschriften deutet nicht auf eine Trennung von Nachricht und Meinung hin. Und genau da beginnen die Probleme: wer nur die Überschriften liest, soll unterschwellig beeinflusst werden. Ich nehme an, die Psychologen können das näher erklären. Es dürfte ein ähnlicher Effekt wie bei Reklame sein.
Die „Pressemeldungen“ sind auch meist nur Reklame, sehen aber äußerlich wie Nachrichten aus. Da fehlt auch eine Trennung bzw. eine Kennzeichnung.

Thorsten Schröder
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Liebe Redaktion,
es mag eine „Vielfalt der Medien in Deutschland“ geben, die aber nicht gleichzusetzen ist mit „Meinungsvielfalt“.
Außerdem ist das Urteil „seriöse Medien“ keineswegs nur faktenbasiert, sondern zum Großteil Ansichtssache. Auch über News4teachers kann man verschiedener Ansicht sein und dafür gute Gründe nennen. Entscheidend ist die eigene politische oder sonstige Einstellung zu einer Sache.
Medien, die behaupten, sie berichteten oder kommentierten nur auf Faktenbasis, vergehen sich schon mit dieser Behauptung an den Fakten, denn in den Redaktionen sitzen vorgeprägte Menschen mit häufig vorgefasster Meinung, die manches als „Fakt“ sehen (wollen), anderes aber nicht.
Nur seelenlose Maschinen könnten nüchtern und faktenbasiert berichten, aber schon nicht mehr die Themen auswählen. Allein hier schon ist der Faktor Mensch von entscheidender Bedeutung. Noch wichtiger wird er bei kommentierender Berichterstattung, also beim Urteilen über Fakten.
Meine feste Meinung ist: Kein Medium ist absolut vertrauenswürdig und wer solches behauptet, urteilt ohne Einbeziehung der Fakten. Er teilt nur die Medienlandschaft in gut und böse ein, genauso wie die Meinungslandschaft.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ein Problem gibt es nur, sobald sich nüchtern und faktenbasiert, der Pressekodex sowie die Haltung in die Quere kommen, was auch schon bei den Autoren der von Ihnen, werte Redaktion, angebotenen Quellen wie z. B. die DPA passiert. Dann hängt es von vielen Faktoren ab, ob Fakten genannt oder verschwiegen werden, abgeändert selten, ggf. aber hingebogen. Das führt dann zum Beispiel dazu, dass Begriffe wie Rassismus so überdehnt werden, dass tatsächlicher Rassismus in seiner übelsten Form untergeht. Falls sich Rassismusvorwürfe mal nicht bewahrheiten, wie im Fall des Fußballspiels Duisburg gegen Osnabrück, wird die Richtigstellung auf lokaler Ebene erwähnt, nicht aber in der Tagesschau, in der der Vorfall die erste Nachricht war.

Lehrer mit Seele
2 Monate zuvor

Während wir noch im Unterricht gelernt haben zwei Zeitungsartikel zum gleichen Thema zu untersuchen, ist es heute schwieriger. Ich habe mit damals die FAZ vs Bild genommen und auf Größe von Überschrift, Bild, Sprachstil und Plazierung innerhalb der Zeitung geachtet. Fertig.

Die heutigen Fakenews sind z. T. derartig gut gestrickt, dass sie kaum noch erkennbar sind. Ich selbst habe mal das Video eines angeblichen Mathematikers, der vorgeblich durch eigene mathematische Analyse vom Coronagläubigen zum Coronagegner wurde, gesendet bekommen.
Ja es war mehr als verdammt gut gemacht und ja ich habe die fehlenden. Details gefunden, weshalb er zu diesen Ergebnissen kam. Aber jetzt mal ehrlich. Habe ich deswegen min 100h Arbeit investiert, um die Berechnungen gerade zu bieten? Natürlich nicht. Die habe ich gar nicht über. Und so bleibt es dabei, dass wenige das sehen und die meisten verständlicherweise perfide echt wirkenden Fälschungen aufsitzen

Anne
2 Monate zuvor
Antwortet  Lehrer mit Seele

Bitte, lieber „Lehrer mit Seele“, ändern Sie Ihren Nickname! Er stößt mir regelmäßig auf und dann habe ich einen Widerwillen, Ihre Kommentare zu lesen. Genauso würde es mir gehen, wenn jemand sich vorstellte als „Lehrer mit Herz“, „Lehrer mit Einfühlungsvermögen“ oder „Lehrer mit Intelligenz“ …usw.
Ich hoffe, Sie wissen, was ich meine und fühlen sich nicht angegriffen. Der Name ist einfach nicht so prickelnd..

Lehrer mit Seele
2 Monate zuvor
Antwortet  Anne

Es tut mir leid, wenn mein Nickname bei Ihnen Befindlichkeiten auslöst. Aber ich schließe mich da Hillary Clinton an „Wenn es Ihnen nicht zusagt, dann lesen Sie es eben nicht. „

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Sissi

Okay, „hinterfrag die Nachricht“ ist immer richtig.
Aber welche Nachricht kam nach PISA 2000 in die Schlagzeilen? „Schweden hat das einzig richtige Schulsystem, denn Schweden ist bei PISA so gut.“ Noch heute wird deshalb gelegentlich von „den skandinavischen PISA-Siegern“ geredet.
Vergessen wurde, dass Bayern damals ziemlich genauso gut wie Schweden abgeschnitten hatte. aber auf das bayerische Schulsystem wurde und wird nur geschimpft.
Fazit:
1. Damals haben etliche Parteien, andere Organisationen, Pädagogik-Professoren und auch die GEW die Nachricht eben nicht hinterfragt, sondern einfach für ihre Lobbyarbeit ausgenutzt und bis zum geht nicht mehr wiederholt. (Was hätte n4t in der Situation getan?)
2. Jetzt von den einfachen Bürgern genau dieses Hinterfragen zu verlangen, ist schon eine Frechheit, wenn gerade von führenden Leuten (unser aller Vorbilder?) genau das eben nicht gemacht wurde und wird. Dennoch soll man die Hoffnung nicht aufgeben. Aber: auch in der veröffentlichten Meinung von Zeitungen, Fernsehen usw. sind wir umgeben von nicht hinterfragten Meldungen.