Weltlehrertag! GEW und VBE fordern: Lehrermangel bekämpfen! Arbeitsbedingungen verbessern! Sanierungsstau auflösen!

18

BERLIN. „Die Lehrkräfte leisten während der Corona-Pandemie einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, um die Krise zu meistern. Die Wertschätzung der Politik für dieses Engagement muss sich aber besser zeigen“, so meinen die GEW und der VBE in einer gemeinsamen Erklärung zum Welttag der Lehrerin und des Lehrers am 5. Oktober. Dazu gehöre vor allem, nicht nur zu fordern und in Sonntagsreden unrealistische Erwartungen zu wecken – sondern konkret zu sagen, wann welche Mittel bereitgestellt werden. „Hier gibt es Nachholbedarf!“

Lehrerinnen und Lehrer haben mit vielen Herausforderungen zu kämpfen – die Corona-Krise kommt hinzu. Foto: Shutterstock

Dem Engagement der Lehrkräfte müsse nun die Politik mit einem Kurswechsel in der Bildungspolitik folgen. Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW sagt: „Die Corona-Krise bietet auch Chancen. Diese müssen jetzt genutzt werden, um umzusteuern. Deutschland muss mehr Inklusion und gemeinsames Lernen ermöglichen sowie selbstgesteuertes und kooperatives Lernen stärker unterstützen. Lehrende und Lernende brauchen kleinere Klassen und Gruppen in Schule und Kita.“

Bröckelnder Putz, schimmlige Ecken, unbenutzbare Klos in den Schulen

Weiter betont sie: „Der Sanierungsstau in Höhe von rund 44 Milliarden Euro an Schulen muss aufgelöst werden – und zwar mit Priorität und höchstem Tempo. Die Investitionen müssen dabei nicht nur für die bessere digitale Ausstattung und Infrastruktur genutzt werden, sondern auch für die Instandhaltung der Gebäude. Bröckelnder Putz, schimmlige Ecken und unbenutzbare Schultoiletten müssen der Vergangenheit angehören. Zudem müssten gerade in Pandemie-Zeiten die Hygiene und der Infektionsschutz an den Bildungseinrichtungen nachhaltig verbessert werden.“

Der Bundesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann, ergänzt: „Das größte Problem bleibt der dramatische Lehr- und Fachkräftemangel. Um diesen effektiv zu bekämpfen, müssen die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dazu gehören die Ausstattung vor Ort, aber auch das Gehalt und die Sicherheit, im Beruf weiterarbeiten zu können. Sommerarbeitslosigkeit, die Anstellung in befristeten Arbeitsverhältnissen und die schlechtere Eingruppierung von Grundschullehrkräften und Gruppen von Lehrkräften der Sekundarschulen sind das Gegenteil davon! Zudem ist die Politik gefordert, Lehrkräfte von nicht notwendigen Arbeiten zu entbinden, zum Beispiel durch Verwaltungsfachkräfte. Zusätzlich müssen sie durch multiprofessionelle Teams unterstützt werden.“

Lehrkräfte können die Fehler der Politik nicht auf Dauer auffangen

Die Corona-Krise habe die Mängel des Bildungssystems in Deutschland „gnadenlos aufgedeckt“. „Wie unter einem Brennglas sind die Versäumnisse der Politik in den vergangenen Jahren deutlich geworden. Jetzt müssen Bund, Länder und Kommunen endlich mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung langfristig deutlich mehr Geld in die Bildung sowie bessere Lern- und Arbeitsbedingungen investieren“, unterstreichen Tepe und Beckmann in dem gemeinsamen Papier.

„Die Menschen haben in der Krise gesehen, was es bedeutet, wenn das Bildungssystem aufgrund struktureller Schwächen nicht wie gewünscht und notwendig läuft. Das können die Beschäftigten mit ihrem Engagement nicht auf Dauer auffangen. Die Bürgerinnen und Bürger wollen nicht nur, dass Milliarden-Programme die Wirtschaft stützen, sie wünschen sich auch, dass der Bildungsbereich nachhaltig gestärkt wird, um die Zukunft zu gestalten!“ News4teachers   

Hintergrund

Der Welttag der Lehrerin und des Lehrers wird seit 1994 jährlich am 5. Oktober gefeiert. In diesem Jahr steht er unter dem Motto: „Lehrkräfte übernehmen in der Krise Verantwortung. Sie gestalten die Bildung für die Zukunft.“

Die UNESCO, die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Bildungsinternationale (BI) haben ihn ins Leben gerufen. Der 5. Oktober ist für die internationale Bildungsbewegung ein herausragendes Datum: 1964 haben UNESCO und ILO die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“ angenommen. Damit war es zum ersten Mal gelungen, in einem internationalen Konsens den Status des Lehrberufs in der Gesellschaft und die Verpflichtung der Politik zur Sicherung ausreichender Arbeits- und Lebensbedingungen für Pädagoginnen und Pädagogen festzuschreiben.

Die BI ist der internationale Dachverband von rund 400 Bildungsgewerkschaften aus 170 Ländern. Sie vertritt weltweit fast 30 Millionen im Bildungswesen Beschäftigte. GEW und VBE sind Mitglieder der BI. Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe ist Vize-Präsidentin der BI.

Abstand, Abtrennungen, Masken: Arbeitsministerium erlässt neue Richtlinien für den Arbeitsschutz – die in Schulen allesamt nicht gelten

 

Anzeige


18 KOMMENTARE

  1. Ich würde den Vorschlag machen, dass morgen Abend um 18.00 die Schüler ganz spontan für ihre Lehrerinnen und Lehrer aus ihren Fenstern heraus applaudieren sollen. Wenn das auch nur die Hälfte macht, dann denke ich, dass die Eltern und weitere Teile der Bevölkerung mitmachen. Wie im Frühjahr beim Musikmachen. Das wäre dann ein deutliches Signal an die Politik, Lehrerinnen und Lehrer mehr zu wertschätzen. Ich denke, das wäre dann fürs erste ein Schritt in die richtige Richtung.

    • Für mich soll niemand klatschen. Ein bisschen Wertschätzung und ein Minimum an sachlicher Distanz wären ausreichend – einfach nur unsere Arbeit machen lassen und Vertrauen haben, dass eure Kinder in guten Händen sind.

  2. Jüngst hat der Hamburger Senat, bzw das erneuerte Bündnis aus Rot-Grün in Hamburg in seinen Koalitionsvertrag geschrieben, dass zu prüfen ist, ob (!) bei einem Tarifabschluss mit Gehaltssteigering dieser auf die Beamte zu übertragen ist.

    Soetwas nenne ich pure Werrschätzung. Genau so bei den aktuellen Tarufberhandlungen. Jeder, der auch nur ein Hauch von VWL versteht wird sehen, dass der Staat im Grunde genug Geld hat. Trotzdem wird sich bei moderaten Anpassungen an die Inflation quergestellt. Auch hier: Die pure Wertschätzung.

    Gebäude gehören in Bundeshand und vom Bund auch finanziert und gewartet. Anders wird sich kein Sanierungsstau lösen lassen.

      • Das letzte Urteil des BVerfG zur Besoldung wird enorme Auswirkungen auf die Besoldung der Lehrer zeigen.

        Das BVerfG hat mit seinen Ausführungen klargemacht, dass man seine Beamten nicht wie Leibeigene behandeln kann.

    • Tebäude in Bundeshand? Ist das nicht Enteignung! Wie soll der Bund das managen? Das würde eine neue Behörde geben! Und wie ght die Sanierung klappt, sieht man ja an den Autobahnen und ihrern Brücken!

      Aber passt nicht um Artikel!

      Also, ein Hoch auf die Lehrer, die trotz allen Ärger mit ihrern übergordneten Stellen, das Beste aus der akutellen Situation machen.

    • „Jeder, der auch nur ein Hauch von VWL versteht wird sehen, dass der Staat im Grunde genug Geld hat.“

      Diese inflationäre Behauptung ist wie immer falsch und wird durch ständiges Nachplappern auch nicht wahrer – besonders nicht für Volkswirte, also Leute, die tatsächlich etwas von VWL verstehen.
      Der deutsche „Staat“ hat aktuell weit über 2 Billionen Euro Schulden, wobei einiges (z.B. die verdeckten Target-Schuldverschreibungen) noch gar nicht eingerechnet sind.

      Die deutsche Bevölkerung hat in ihrer Gesamtheit allerdings „genug Geld“ bzw. Vermögen. Wenn wir alle enteignet würden (um Firmen, Immobilien, Sparguthaben usw.), hätte der Staat also genügend Geld, um Ihre Vorstellungen zu erfüllen. Das liefe dann auf eine Vergesellschaftung allen Volksvermögens hinaus, also auf einen Staat mit sozialistischem System.
      Ob der allerdings wirtschaftlich erfolgreich wäre, wage ich zu bezweifeln. Die Geschichte vom real existierenden Sozialismus hat uns anderes gelehrt. Sogar China hat in seiner Entwicklung entscheidende Elemente der freien Marktwirtschaft kopert, um nicht länger zum Armenhaus der Welt zu gehören.

      • Ach Walter, Staaten können ohne Ende Schulden haben, siehe Japan. Es läuft trotzdem.

        Insofern halte ich nichts von deinen Märchen, dass Enteignet werden müsste – Echte Volkswirte wissen das. 😉

        In einem Punkt gebe ich dir aber indirekt recht: Drr Staat sollte privates Vermögen, insbesondere dur h die Erbschaftssteuer, gerechter besteuern. Dass würde dem sozialen Frieden in diesem Land sehr gut tun.

  3. Warum fusionieren eigentlich VBE und GEW nicht? Seit Monaten veröffentlichen beide Verbände im Wochentakt gleichlautende, gemeinsame Presseerklärungen. Soviel Harmonie muss durch eine Liebesheirat gekrönt werden.

    • Weil die Arbeitsbedingungen für tarifbeschäftigte wie auch verbeamtete Lehrkräfte die gleichen sind. Aufgrund der unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse von Lehrkräften – Beamte auf der einen Seite und Angestellte auf der anderen Seite – und den damit verbundenen rechtlichen Regelungen – Besoldungsgesetze und Tarifverträge – können beide Seiten (VBE als Mitgliedsorganisation des DBB und GEW als Spartengewerkschaft innerhalb des DGB) zwar gemeinsam als Tarifunion über Tarifverträge verhandeln aber eben nicht fusionieren, solange de Beamtenstatus für den überwiegenden Teil der Lehrerschaft nicht abgeschafft wird..

      • Entschuldigung, aber das ist Unsinn. VBE und GEW verhandeln nicht als Tarifunion mit den Arbeitgebern, sondern es verhandeln dbb Tarifunion (u.a. mit VBE, Philologenverband und anderen) und Verdi. Bei Verdi ist die GEW untergeschlüpft. Sowohl VBE als auch GEW vertreten angestellte und verbeamtete Lehrkräfte gleichermaßen. Einer Fusion steht rechtlich gar nichts im Wege.
        Allerdings müsste in der Folge der VBE aus dem Beamtenbund austreten und sich dem DGB anschließen oder die GEW aus dem DGB austreten udn sich dem dbb anschließen.

        • Habe ich auch nicht geschrieben. Der TdL sitzt die Tarifunion aus dbb und VER.DI gegenüber. Die GEW ist nicht bei VER.DI untergeschlüpft, wie Sie behaupten, sondern GEW-Vertreter sitzen als AN-Vertreter auf der seite der DGB-Spartengewerkschaften. Auf der DGB-Seite ist VER.DI Verhandlungsführer, da VER.DI mehr Tarifbeschäftigte im ÖD vertritt als die GEW. Zu den von Verdi vertretenen Beschäftigten zählen auch andere Bereiche als Schule, Hochschule und Kindergärten.

  4. Also, die Schüler haben heute Abend in unserem Ort applaudiert, leider hat es so stark geregnet, dass man es fast nicht gehört hat. Schade, dass die Aktion an dieser Stelle nicht weiter verfolgt wurde. Vielleicht können wir ja wieder so eine Aktion zentral starten, gerne auch mit gemeinsamen Musizieren. Zu den nächsten Tarifverhandlungen wäre ja ein toller Zeitpunkt. Ich denke, wenn die Schüler flächendeckend klatschen, singen und Musik machen, dann wäre das schon ein Zeichen, da machen dann sicher auch viele der Bevölkerung mit. Es muss nur richtig kommuniziert werden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here