Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer? Seiteneinsteiger verdienen oft weniger

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ERFURT. Damit nicht noch mehr Unterrichtsstunden ausfallen, werden auch Seiteneinsteiger für den Lehrerberuf gesucht. Doch auch mit einer Nachqualifizierung werden viele von ihnen zunächst schlechter bezahlt als ihre Kollegen, wie das Beispiel Thüringen zeigt.

Der Lehrermangel macht’s möglich: Immer mehr Menschen ohne pädagogische Qualifikation kommen in den Schuldienst. Etabliert sich dort ein Zwei-Klassen-System? Foto: Shutterstock

Für Seiteneinsteiger ist in Thüringen der Weg zum klassischen Lehrer-Gehalt lang. Wer einen Uni-Abschluss hat, aber kein abgeschlossenes Lehramtsstudium wird in der Regel eine Gehaltsstufe schlechter eingruppiert als vollausgebildete Kollegen, teilte das Thüringer Bildungsministerium auf Anfrage mit. Das bleibe zunächst oft auch dann so, wenn sie ihre pädagogische Nachqualifizierung und einen Intensivkurs für Seiteneinsteiger absolviert haben. Doch es gibt auch Wege, die zur höheren Eingruppierung führen.

«Die Materie ist leider äußerst komplex», sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Felix Knothe. Das könne manche potenziellen Bewerber abschrecken. Die Landesregierung prüfe fortwährend, was getan werden könne, um den Seiteneinstieg in den Schuldienst attraktiver zu gestalten – etwa durch die Vereinfachung von Regeln. «Da es sich vor allem um personalrechtliche, also beamten- und tarifrechtliche Fragestellungen handelt, bohren wir dort ein dickes Brett», sagte Knothe.

Zum Berufseinstieg 400 Euro brutto weniger – mindestens

Wenn ein Seiteneinsteiger mit Uni-Abschluss an einer Regelschule arbeitet, bekomme er in der Regel 400 Euro brutto weniger als sein vollausgebildeter Kollege als Berufsanfänger. Hat der Seiteneinsteiger statt des Uni-Abschlusses einen Fachhochschulabschluss wird er in der Regel sogar zwei Stufen niedriger eingestuft, wie Knothe berichtete.

Die Möglichkeit zum Seiteneinstieg in den Lehrerberuf schuf das Bildungsministerium Ende 2017 mit einer Verordnung, im Jahr 2018 kamen die ersten Seiteneinsteiger. Wurden dem Seiteneinsteiger zwei Fächer anerkannt, dauert die pädagogische Nachqualifizierung in der Regel zwei Jahre.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Seiteneinsteiger laut Bildungsministerium genauso viel Geld bekommen wie ihre klassisch ausgebildeten Kollegen. Doch der Weg ist weit: Erfüllen sie die Voraussetzungen für den Vorbereitungsdienst, können sie diesen beginnen und damit das zweite Staatsexamen ablegen. Aus einem Seiteneinsteiger werde dann ein Quereinsteiger, sagte Knothe. «Eine Unterscheidung in der Besoldung zwischen originär ausgebildeten Lehrern oder Quereinsteigern gibt es dann nicht mehr.»

Verbeamtung erfordert Lehrbefähigung in zwei Fächern

Zudem gebe es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, einen Seiteneinsteiger auch ohne zweites Staatsexamen wie einen regulär ausgebildeten Lehrer zu bezahlen – dann, wenn er verbeamtet werde, sagte Knothe. Unter anderem braucht der Seiteneinsteiger dafür die Lehrbefähigung in zwei Unterrichtsfächern und muss ein Jahr lang erfolgreich unterrichtet haben.

Die Zahl der pro Jahr eingestellten Seiteneinsteiger in Thüringen – wie in anderen Bundesländern – war zuletzt deutlich gestiegen. Nach Ministeriumsangaben waren im Freistaat 2018 unter den 697 Neueinstellungen in den Schuldienst zum Stichtag 1. August 28 Seiteneinsteiger – das entspricht einer Quote von vier Prozent. Im vergangenen Jahr stieg die Quote der Seiteneinsteiger dann auf 6,3 Prozent. Der Anteil von Seiteneinsteigern bei den Neueinstellungen lag in diesem August sogar bei 15,8 Prozent.

GEW: Klassische Lehrer-Ausbildung weist hohe Qualität auf

Die Bildungsgewerkschaft GEW in Thüringen hat grundsätzlich keine Bedenken, wenn es Unterschiede bei der Bezahlung gibt. Die sei dadurch gerechtfertigt, dass die Seiteneinsteiger in der Regel eben kein zweites Staatsexamen vorweisen könnten, sagte GEW-Sprecher Michael Kummer. Die klassische Lehrer-Ausbildung weise eine hohe Qualität auf und sei auch zeitlich anspruchsvoll: Sie dauere mindestens fünf Jahre an einer Universität und werde anschließend mit einer mindestens anderthalbjährigen, meist jedoch zweijährigen Ausbildung an einem Studienseminar fortgesetzt.

Wenn Seiteneinsteiger das gleiche Gehalt bekämen, schmälere das die Attraktivität der Lehrerausbildung, argumentierte Kummer. Vorstellbar sei für die Gewerkschaft jedoch, dass Seiteneinsteiger nach einigen Jahren Berufspraxis das zweite Staatsexamen ablegen und bei erfolgreichem Abschluss die gleiche Einkommenseinstufung bekommen könnten. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Seiteneinstieg in den Lehrerberuf: Hochschulen und Lehrerausbilder warnen vor einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ in den Kollegien

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20 KOMMENTARE

  1. Ich weiß gar nicht, warum sich so viele Leute über diese sogenannte Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer aufregen. Denn wenn diese Leute Handwerker beschäftigen, zahlen sie dem Meister doch auch mehr als dem Stift, obwohl beide die gleiche Zeit auf der Baustelle arbeiten.

    • Volle Zustimmung! Die „normalen“ Lehrkräfte sind nunmal deutlich qualifizierter durch das Staatsexamen (bzw. teils den MEd) als Seiteneinsteiger, die irgendetwas Anderes studieren und dann im Hauruck-Verfahren die elementaren Grundlagen der Didaktik und Methodik beigebracht bekommen. In den Wirtschaftsbranchen sind Quereinsteiger seit Jahren üblich, verdienen aber auch weniger als die verbeamteten Kollegen. Zunächst einmal müssten sowieso die Unterschiede zwischen den verbeamteten und nicht-verbeamteten Lehrern aufgehoben werden und die Angleichung an A13 für alle allgemeinbildenden Schulen in den restlichen BL erfolgen. Zudem könnte man über das Anbieten sämtlicher fehlender Studienleistungen an einem Wochentag über mehrere Jahre hinweg nachdenken, um QEs dann das Stex und somit eine wirkliche Qualifikation anzubieten, mit der dann ebenfalls das A13-Gehalt einhergeht.
      Für all das müsste die Politik jetzt aber mal ordentlich Geld in die Hand nehmen. Was nützen und die tollsten Tablets und Smartboards, wenn der Unterricht von unterbezahlten Lehrern und unqualifizierten QEs erteilt wird?

  2. Die Zweiklassengesellschaft haben wir doch schon, wenn man vollausgebildete Beamte gegen Angestellte hält. Die Seiteneinsteiger fahren also dritter Klasse.

    • Sollen Angestellte denn Brutto oder Netto das gleiche Gehalt haben? Es geht nur über das Brutto und da sollten AX und EX gleich sein, ja. Letztlich wird beim Netto vor Abzug der PKV der Beamte aber immer besser wegkommen. Wie es nach dem Abzug aussieht steht auf einem anderen Blatt.

      Das Angestellte aber ca. 2000 Euro Brutto mehr bekommen um auf das Netto eines Beamten zu kommen, dass sehe ich nicht.

  3. Wir haben Seiteneinsteiger in den Fächern Kunst, Musik und Sport.
    Das heißt aber auch, keine Klassenlehrer-Funktion, keine Elternarbeit, kein Home-Shooling.
    Alle ausgebildeten Lehrer müssen jetzt ( Grundschule) die Hauptfächer (Deutsch, Mathe und Sachunterricht) unterrichten, die wesentlich vorbereitungs- und korrekturintensiver sind.
    Alle unterrichten diese Fächer in vielen Klassen, natürlich auch im Distanzunterricht, einen Ausgleich gibt es dafür natürlich nicht.
    Die Integration bedeutet in den Hauptfächern auch, es muss stark differenziert werden. Klar hat jedes lernbehinderte Kind das Recht auf 2 Wochenstunden zusätzlicher Förderung durch eine Sonderpädagogin, ansonsten, oder wenn diese krankheitsbedingt ausfällt, müssen wir das alleine „wuppen“.
    In den oben genannten Fächern muss nicht differenziert werden.
    Auch Fachleitungen müssen von den wenigen ausgebildeten Lehrern übernommen werden, sowie andere Posten wie Personalrat, verschiedene „Beauftragte“ und “ Zuständige“ , natürlich auch wieder ohne Ausgleich.
    An unserer Grundschule gibt es deswegen nur Unmut über das höhere Gehalt (A13) der Förderschullehrkraft, die auch keine Klassenleitung und keine „Posten“ übernehmen muss.
    Und auch nicht zuständig ist für Kinder mit sozial-emotionalen Defiziten, da sie den Förderschwerpunkt “ Lernen“ studiert hat.
    Haben wir auch nicht! Trotzdem müssen wir uns das aneignen! In Wochenendkursen!

    • Dass Sonderschullehrer weniger Elternarbeit haben, kann ich nicht immer bestätigen. Es gibt solche und solche. Engagierte Kollegen und Kolleginnen können den Klassenlehrer auch gehörig entlasten… oder sich ebend für (fast) nichts zuständig fühlen. Als Klassenlehrer kommt man da schwierig raus.
      Das Probleme sind das kaputtgesparte System und das ignorieren jeglicher Probleme.

  4. Ich bin Seiten- oder war es Quereinsteiger, kein Plan, in Brandenburg. Bezahlt werde ich mit E9, habe nur Zeitverträge, d.h. die Ferien sind immer unbezahlt. Trotzdem bin ich Klassenlehrer einer 5. Klasse, mit allem was dazu gehört… Elternversammlung, Elterngespräche, Klassenkonferenzen, etc. Meine zu unterrichtenden Fächer sind Mathe, Nawi, Kunst, Förderunterricht und alles was denn mal so vertreten werden muss. Ich angagiere mich gern und viel für die SuS. Da fühlt man sich dann doch schon mal wie zweiter Klasse… andere Kollegen sind da weniger motiviert und haben ein besseres Einkommen.

    • Das ist ja unverschämt! Wenn Sie alle diese Arbeiten aufgebrummt bekommen, kann das mit dem Gehalt und Zeitverträgen nicht „abgegolten “ werden. Das müsste auch die Schule einsehen.

    • Die Wiesen der Nachbarn sehen aber auch immer grüner aus. 😉

      Immer dieses „Argument“, man sei so motiviert und andere nicht. Ich kann es nicht mehr hören. Wenn immer jemand sagt, er oder sie bekäme nur E9 oder E10 für all die Aufgaben, die er macht, dann stellt sich zum einen die Frage nach der Qualifikation und zum anderen auch, warum man sich diese Arbeiten aufdrücken lässt. Mit ner E9 würde ich maximal Fachunterricht zu festen Zeiten geben. Keine Vertretungen, keine Elternabende, wahrscheinlich noch nicht mal Konferenzen. Wahrscheinlich hätte ich dann auch noch nichtmal einen Bachelor, sondern würde mich im Studium befinden. Dann wäre E9 angemessen. Und nur mal so: Für genau diese Konstellation (Fachunterricht, keine Zusatzarbeit, kein Studienabschluss sondern im Studium) gibt es in anderen Bundesländern E8 oder E9.

      Ich würden deiner Stelle entweder die „Nebenaufgaben“ deutlich reduzieren oder eine Höhergruppierung prüfen lassen.

  5. @Alla:Nicht die Schule zahlt das Gehalt, sondern das jeweilige Land. Die Schulen können daran nichts ändern. Das sind klare politische Entscheidungen, sie in der Schulpolitik schon seit Khrzehnten vom Spargedankenngeprägt sind.

    • Aber die Schule setzt die Lehrkraft ein.
      Bei uns achtet der PR darauf, dass sie z.B. keine Klassenleitung übernehmen und überwiegend in dem Fach, in dem sie ausgebildet worden sind, unterrichten.

  6. Gott sei dank bin ich in NRW gelandet. Ich unterrichte in NRW an einer Gesamtschule Physik und Chemie und verdiene TV-L 13 und nach 2 Jahren werde ich verbeamtet, wenn ich denn den OBAS bestehe. Ich finde diese Diskussion um die angebliche Qualifizierung wenn normalen Lehrern immer sehr interessant. Das Argument welches ja hier auch teilweise bemüht wird, dass sich das Studium ja lohnen müsste und deshalb die Quereinsteiger weniger verdienen sollten ist meiner Meinung nach absoluter Irrsinn. Am Ende des Tages ist eine Qualifikation nur soviel Wert wie der Auftraggeber bereit ist zu zahlen (zumindest in der Privatwirtschaft). Niemaden auf der Welt interessiert es wie hart das Studium doch war. Es müssten hier einfach sinnvolle Kriterien angelegt werden wie z.B. wie gut ist der Lehrer, welche Fächer unterrichtet er und welche weiteren Qualifikationen gibt es. Aber dafür bräuchte man zentrale Test und müsste den Lernfortschritt der einzelnen Schüler in Diesen erfassen.
    Mir tun all die armen Quereinsteiger und Seiteneinsteiger leid, welche es nicht geschafft haben in Niedersachsen oder NRW unterzukommen.

    • Die Situation in NRW ist nicht mit der in anderen Bundesländern vergleichbar. Den springenden Punkt hast Du genannt. Das ist die OBA (Ordnung für die berufsbegleitende Ausbildung von Seiteneinsteigern), die inhaltlich dem Vorbereitungsdienst für „grundständige“ Lehrkräfte entspricht. Ich selbst habe ebenfalls meine Lehrbefähigung infolge des Anfang des Jahrtausends bestehenden Mangelfacherlasses nach bestehen des 2. StEx erlangt, nachdem ich den „normalen“ Vorbereitungsdienst einschließlich einer Zusatzprüfung in Erziehungswissenschaften und Grundschulpädagogik im Fach Mathematik absolviert habe. Die OBAS wurde erst später eingeführt. Wer die OBAS mit der Laufbahnprüfung, die dem 2. StEx entspricht, erfolgreich abschließt, ist examinierte lehrkraft und den grundständigen Lehrkräften rechtlich gleichgestellt.
      Anders sieht es mit Vertretungskräften, die aus dem „Geld statt Stellen“-Programm der Landesregierung finanziert werden. Diese Kräfte müssen nicht zwingend ein 2. StEx nachweisen und werden zeitlich befristet eingestellt und entsprechend der vorliegenden Qualifikation vergütet. Die Vergütung entsprechend E8 bzw. E9 setzt zumindest einen Abschluss als Meister (HWK/IHK) oder staatlich geprüftem XYZ oder Bachelor of ABC voraus.
      Aufgrund der Eingruppierung ist die ausschließliche Verwendung als „Fachlehrer“ eigentlich vorgegeben.

  7. Ich finde es richtig, dass Seiteneinsteiger nicht die gleiche Gehaltsstufe haben. Wir müssen in unserem beruflichen Bildungszweig ein Curriculum entwickeln. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Im Kern unterscheidet sich stets der pädagogische Expertise. Man kann Lehrersein nicht durch eine Crashkursbeschulung hinbekommen, sondern es bedarf einer langfristigen Auseinandersetzung mit Themen wie Lehrerrolle, Didaktik usw. Eine reflektierte Haltung hierzu einzunehmen dauert wirklich lange. Einige Seiteneinsteiger bringen ein gutes Gefühl für Methodik mit, aber der indentierte Einsatz bzw. was man hierdurch fördert, fehlt meist dennoch. Für MV kann ich sagen, es sind wirklich Lehrer zweiter Klasse. Sie besetzen unbefristete Stellen. Die nebenunterrichtlichen pädagogischen Tätigkeiten werden überwiegend von uns klassisch qualifizierten Lehrern erbracht. Die Schülerinnen und Schüler bemerken zudem auch den Unterschied im Unterricht, Klassenführung usw.

    • Ehrlich, dann macht doch euren Dreck alleine …

      Btw in den 90ern sind ungeheuer viele Jobs in der Wirtschaft mit examinierten lehrkräften bestzt worden. deren Drang zurück vor Kreide, hält sich wie man in den letzten Jahren gesehen hat allerdings stark in Grenzen. Die höheren gehälter sind denn doch attraktiver als der pädagogische Eros …

      Aber Ihr Ansatz ist durchaus interessant für tarifbeschäftigte Lehrkräfe, die ja die gleiche Qualifikation wie die verbeamteten Lehrkräfte haben, Netto aber deutlich im Regen stehen gelassen werden. Also weg mit der Beihilfe und den Pensionsansprüchen und Eingliederung in die sozialen Sicherungssysteme wie jeder andere AN auch. Für den verzicht auf das Streikrecht kann ja dann eine Zulage eingefordert werden.

  8. Ich finde die Bezahlung nicht so wichtig, wie dass Quereinsteiger so schlecht vorbereitet werden (in Berlin 4 Tage) und dann beim Einstieg völlig überfordert sind, weil sie an allen Fronten gleichzeitig kämpfen. Ruckzuck kann man im Burnout landen, auch wenn man vorher schon einiges gewöhnt war. Das Referendariat ist sehr stressig. Spaß macht das so überhaupt nicht. Klar, so 1-2 Jahre nach der Prüfung wird es vermutlich einfacher, aber dennoch: das Risiko für Unfälle steigt auch deutlich an, eigentlich funktioniert das nur, wenn man schon als Aushilfskraft etliche Zeit tätig war, und nicht mehr an ALLEN Fronten kämpft.

  9. Ich habe vor ein paar Jahren mit dem Gedanken gespielt als Lehrer in eine Berufsschule zu wechseln. Ich bin Elektroingenieur und seit etlichen Jahren für die Aus- und Weiterbildung in einer Firma mit 90 Azubis und Studenten zuständig. Ich danke dem Herrn, dass ich es nicht gemacht habe, wenn ich hier lese wie herablassend hier über Seiteneinsteiger geschrieben wird. Da machen Lehrer kein gutes Bild. Natürlich würde ich jetzt auch so über Lehrer, die in die Wirtschaft wechseln, denken. Nur ich kenne keine. Warum gibt es das nicht? In der Wirtschaft ist doch alles besser, mehr Geld, geregelte Arbeitszeit, Dienstwagen, mehr Urlaub, schönes Büro. An der fehlenden Ausbildung und Können kann es ja nicht liegen…

    • @Andreas, die gibt es zuhauf, sie haben mittlerweile um die 25 Jahre als Angestellte im der „freien Wirtschaft“ verbracht und gehen so allmählich in die Rente.
      Anfang der 90er JAhre sind infolge des Schweinezyklus viele examinierte Lehrkräfte den Weg in die Wirtschaft oder andere Behörden gegangen, da es damals keine freien Planstellen gab.

      Das ist ja auch ein Grund, warum in den Folgejahren so wenige ein Lehramtsstudium aufgenommen haben. Hinzu kam en die Prognosen zur demographischen Entwicklung, die dazu geführt haben, dass Anfang der 200er Jahre die Lehramtsanwärter*innen für die Primarstufe mindestens eine 1,5 als Durchschnittsnote aus erstem und zweitem stEx haben mussten, um überhaupt eine Stelle zu bekommen. Viele examinierte Grundschullehrkräfte sind in den Jahren ebenso wie „Anerkenner“ entsprechend des Mangelfacherlasses dann an Schulen der SekI übernommen worden, da da die meisten Vakanzen waren. Selbst zu der Zeit hat es nur ganz wenige ausgebildete Lehrkräfte gegeben, die ihr Büro mit einem Platz im LZ tauschen wollten.

      Und ja, bei den gesellschaftswissenschaftlichen und sprachlichen Lehrkräften gibt es Vorbehalte gegenüber den Seiteneinsteigern, deren Fachbereiche sind im Regelfall außer bei den Fremdsprachen nicht betroffen. Aber bei den MINT-Fächern ist an den Schulen ohne „Seiteneinsteiger“ mit ingenieur- oder naturwissenschaftlicher Hochschulbildung wenig Staat zu machen. In diesen Fächern (M, If, Ch, BI, Ph und Tc) gibt es hier in NRW einen hohen Anteil an Seiteneinsteigern, die alle in den letzten Jahren den Weg über die OBAS bzw. einen berufsbegleitenden oder „grundständigen“ Vorbereitungsdienst gegangen sind.

      Nur weil man etwas nicht kennt, heißt das nicht, dass es das nicht gibt:)

      • Genau so ist es. Ich habe 1989 mein Ref. mit 1,5 abgeschlossen und hatte keinerlei Chance auf eine Einstellung. Fast allen anderen Referendaren in BW ging es ebenso, nicht mal die 1,0er wurden eingestellt. Wir haben uns alle umorientiert, die meisten sind da geblieben. Ich selbst ging nach 11 Jahren in der „freien“ Wirtschaft zurück an die Schule, das hing aber vor allem damit zusammen, dass ich aus privaten Gründen in die Provinz gezogen bin.
        Außerdem gibt es durchaus auch Kollegen, die von der Schule wieder in die Beschäftigung bei einem Unternehmen wechseln.

  10. Ich würde gerne in die freie Wirtschaft wechseln, da ich an einer Grundschule das Meiste selbst managen muss, habe ich super Voraussetzungen für das Management, wurde aber noch nie zu einem Vorstellungsgespräch geladen. Ich glaube der Führungskräftemangel und die zugehörigen Stellenanzeigen sind nur Fake. Dann träume ich eben weiter von schönem Büro, Dienstwagen und 35 Stunden Woche. Werde aber dran bleiben…

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