Corona-Selbsttests von Lehrern: Ärzte warnen vor „trügerischer Sicherheit“  

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BERLIN. Niedergelassene Ärzte wenden sich gegen selbstdurchgeführte Corona-Schnelltests und warnen vor Gefahren. Durch Selbsttests erhöhen sich die Rate an falsch-negativen Tests und die Gefahr von Superspreadern, hieß es am Freitag in einer Mitteilung des Virchowbundes, der die Interessen der Haus- und Fachärzte vertritt. Hintergrund ist eine Debatte über Selbsttests an Schulen und Kitas.

Lehrer und Erzieher sollen sich selbst schnell auf das Coronavirus testen – meint der Bundesgesundheitsminister. Foto: Shutterstock

Abstriche auf das Coronavirus könnten nur durch geschultes Fachpersonal durchgeführt werden, so hieß es seitens des Ärzteverbands. «Es wäre fatal, wenn Menschen nach einem fehlerhaften Selbstabstrich ein falsch-negatives Ergebnis erhalten und sich dadurch in trügerischer Sicherheit wiegen. Das gefährdet Menschenleben, anstatt sie zu schützen.»

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums können diese ab jetzt Corona-Schnelltests beziehen und auch selbst nutzen. Grundlage dafür seien eine in Kraft tretende Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung und die kürzlich beschlossenen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes, wodurch der Arztvorbehalt bei Schnelltests entfallen sei. Allerdings müssten die Tests durch entsprechend geschultes Personal erfolgen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Freitag, es handele sich nicht um eine Verpflichtung, sondern um ein Angebot. Es habe den entsprechenden Wunsch gegeben. «Wir haben es möglich gemacht als zusätzliche Option (…)». Jetzt könnten die Verantwortlichen vor Ort entscheiden, ob und wie sie dies umsetzen wollten.

Die Ankündigung stieß beim niedersächsischen Kultusministerium auf Kritik. «Die Fragen des sachgerechten Einsatzes, der Finanzierung der Anschaffungen und der Abrechnung sind noch völlig offen», teilte Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) mit. Zudem dürfe nicht die Botschaft gesendet werden, das Coronavirus sei mit den Antigen-Schnelltests erledigt – sie seien kein Ersatz für die Hygienekonzepte. Antigen-Schnelltest könnten aber einen Beitrag leisten, das System zu stabilisieren und den Beschäftigten Sorgen zu nehmen.

Auch in Hamburg waren skeptische Töne zu hören. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde sagte gegenüber dem NDR: „Schnelltests in Schulen sind in Hamburg derzeit nicht geplant.“ Hintergrund sei vor allen Dingen, dass solche Tests von Fachpersonal durchgeführt werden müssten. „Dieser Test taugt nichts, wenn der Abstrich nicht auch gut ist. Der muss professionell gemacht werden, und dafür braucht es geschultes Personal“, so zitiert der Sender den Sprecher. News4teachers / mit Material der dpa

 

 

 

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29 KOMMENTARE

  1. Diese Schnelltests werden von den Arzthelferinnen durchgeführt. Ich denke bei richtiger Schulung kann das auch ein Lehrer bei sich durchführen.So schwer kann das ja nicht sein!
    Viele Ärzte haben wahrscheinlich Angst, dass ihnen hier ein lukratives Geschäft weggenommen wird! Schon alleine der hohe Hygieneaufschlag pro Privatpatient geht dann flöten!!
    Schüler werde ich nicht testen, das ist nicht Aufgabe der Lehrer, sondern gehört in die Hand von Fachleuten.

    • Also gehts wieder nur im Kosten sparen.
      Die ffp2 Masken, die es im August bei uns jeweils 10 Stück pro Person gab, hatten auch keine Prüfnummer. Kann man sich bei den Tests denn überhaupt sicher sein, dass man ein valides Ergebnis bekommt? Man könnte auch einfach eine Arzthelferin in die Schule kommen lassen, die dann alle LehrerInnen testet. Das wäre doch viel besser, oder?
      Ich werde das nicht selbst machen. Mal sehen wie lange unser Herr Lorz noch irritiert ist von dem Vorschlag, oder ob er bald den ungeheuren Vorteil für die Landeskasse erkennen wird. Hier in Hessen kam Anfang der Woche aus dem Kumi ein Schreiben, dass wir diese Antigen Tests jetzt alle zwei Wochen beim Arzt machen können.

  2. Eben in der aktuellen Stunde (wdr) hieß es sogar, dass die Lehrer die Abstriche bei den Schülern durchführen soll. In so einem Fall gäbe es von mir eine klare Dienstverweigerung.

    • Es wird aber aktuell auch vieles künstlich von Politikern und Medien aufgebauscht, um für neue Schlagzeilen zu sorgen. Ich glaube nicht, dass wir Schüler selbst testen sollen.

    • Dann aber bitte nur die FFP2 Masken mit dem CE-Zertifikat verwenden !
      Wer einen Schwangerschaftsschnelltest oder einen BZ-Test durchführen kann, der wird auch die Gebrauchsanweisung für einen Schnelltest verstehen und richtig anwenden.

    • Zu teuer und öraktisch.. Lt. Schreiben vom KM nur 70 Minuten tragbar, dann 30 Minuten Pause erforderlich, zuvor die Maske entsorgen.

      • Unsinn, die Maske trage ich den ganzen Tag, man gewöhnt sich schnell daran. Dann desinfizieren bei 80 Grad im Backofen für eine halbe Stunde.

        • Sie tragen eine ffp2 Maske den ganzen Tag und desinfizieren sie danach, um sie wiederum den ganzen Tag zu tragen?
          Max 75 min am Stück mit anschließender Tragepause von 30 min sind empfohlen. Vorheriges Wechseln bei durchfeuchteter Maske, da hier die Filterleistung nicht gewährleistet werden kann, zudem kann sich eine feuchte Maske zur Keimschleuder entwickeln. Reinigung/ Desinfektion ohne Verlust der Filterleistung nicht möglich.
          Maximal haben gewöhnliche ffp2 eine Lebensdauer von 8-12 h, danach ist Filterleistung nicht mehr gegeben.
          Offiziell sind diese Masken nicht zur Wiederverwendung zugelassen (im Frühjahr gab es da eine Ausnahmeregelung)

          Die Desinfektion reicht in manchen Fällen nicht aus bei 80 grad… es gibt ggf. ja nicht nur SARS Viren auf ihrer Maske, sondern auch so manch anderes…

          • Den ganzen Tag im Unterricht ist gemeint…

            Der Backofen ist eine Empfehlung der Apotheke. CE-Masken werden nicht bei 80 C zerstört. In zahlreichen Berichten im Netz findet man ähnliche Hinweise zur thermischen Desinfektion von FFP2 Masken.

            Ich denke wir sind uns einig, dass der Lappen von Alltagsmaske ebenfalls durchfeuchtet und überhaupt kein fremdes Virusmaterial abhält.

  3. Vor allem kann jeder, der den Schnelltest durchführt, das Ergebnis nach Belieben negativ ausfallen lassen. Keine Lust auf Quarantäne usw… einfach falsch abstreichen und fertig. Wenn man bedenkt, wie viele Corona-Leugner und Corona-Verharmloser unterwegs sind, ist es eine gefährliche Idee, Selbsttests zuzulassen.

  4. Vor allem will das kein KM bezahlen…..
    Schnelltests in hoher Zahl wird es nicht geben- egal, wer sie abnimmt. Es sei denn, LuL kaufen sie vorher auf eigene Kosten in der Apotheke.
    Alles Nebelkerzen….

    • Das Bezahlen der Tests wird kein großes Problem darstellen. Das ist schließlich nach dem kostenlosen Lüften der Klassenzimmer die günstigste Variante LuL noch mehr in angeblicher Sicherheit zu wiegen. Frisch aus China, in großen Mengen bestellt, kostet ein Test, gerade einmal 30Ct.

      Es wird massig falsch negative Tests geben.
      Das ist ein weiterer perfider Schritt, um alle Lehrerinnen und Lehrer auszubeuten.

      Letzte Woche gab es vom Bund weitere 3 Mrd. für die Autoindustrie. Die bekommen gefühlt jede Woche ein paar Mrd. Bei uns gibt es 30Ct, pro Lehrer.
      Keine Gefahrenzulage, kein Weihnachtsgeld, keine Boni. Ahhh, und das Beste: Bundestagsabgeordnete und deren Mitarbeiter haben ebenfalls 600 Euro Coronabonus, pünktlich zum 01. Dezember erhalten.

      https://www.google.de/amp/s/amp.welt.de/politik/article221658908/Bundestag-zahlt-Tausenden-Abgeordnetenmitarbeitern-Corona-Bonus.html

      Fröhliche Weihnachten

      • Die Infektionen mit den nachfolgenden Erkrankungsbildern von Covid-19 einschließlich long-Covid-Symptomen sind sehr viel kostenintensiver als die Folgen eines geteilten Unterrichts ab der 8 Klasse, die Tests, funktionsfähige FFP-2-Masken etc., ganz davon abgesehen was die Betroffenen und deren Angehörige sowie die Pflegenden und Ärzte da durchmachen müssen.

  5. Tonne: „Antigen-Schnelltest könnten aber einen Beitrag leisten, […] den Beschäftigten Sorgen zu nehmen.“

    Der Test bedeutet mir allenfalls, dass ich mich vor x Tagen nicht angesteckt habe. Er sagt nichts über den gestrigen Unterrichtstag oder den heute. Er hat nichts mit der kommenden Woche zu tun.
    Warum sollte der Test bei Benutzung mir als „Beschäftigten“ Corona-Sorgen nehmen?

    Es handelt sich ja nicht um einen Schwangerschaftstest, dessen positives Ergebnis man meistens herbeisehnt und auf dieser Kenntnis freudig langfristige Vorbereitungen trifft (und falls nicht ersehnt, zu deren Verhinderung man selbst das Entscheidene tun kann).

    • @Tento: Herr Tonne möchte diese Schnelltests auf keinen Fall bezahlen, daher auch seine Aussage «Die Fragen des sachgerechten Einsatzes, der Finanzierung der Anschaffungen und der Abrechnung sind noch völlig offen». Das war die klare Ansage Richtung Berlin und Herr Spahn hat bestimmt auch nicht weitergelesen; der Rest ist reine Öffentlichkeitsarbeit und für Hoi polloi bestimmt, nicht mehr für die Entscheider in Berlin.

      Also muss Herr Minister Tonne den Nutzen der Antigentests kleinreden, was ihm auch recht ordentlich gelingt: Die Schnelltests «seien kein Ersatz für die Hygienekonzepte». Wir alle lieben diese Hygienekonzepte und finden sie sehr effektiv, besonders wenn es darum geht, sämtliche am Schulleben beteiligten Personen in bibbernde Eiszapfen zu verwandeln. Immerhin zittert man jedes Mal beim Lesen vor Wut, das hält zeitweilig warm – insofern ist man dankbar für die unendlichen Fortsetzungen und Fortschreibungen, deren Zahl mittlerweile jedes beliebige Hollywood-Blockbuster-Franchise deutlich übertrifft.
      Die Möglichkeit, dass Schnelltests Herrn Tonnes heißgeliebte – weil im Wesentlichen kostenlose – Hygienekonzepte ja vielleicht sinnvoll ergänzen statt unsinnigerweise ersetzten könnten, fällt dabei natürlich unter den Tisch – eine solche Ergänzung würde schließlich Geld kosten.

      Coup de grace ist die von Ihnen zitiete Aussage „Antigen-Schnelltest könnten aber einen Beitrag leisten, […] den Beschäftigten Sorgen zu nehmen“ – was am Ende steht, wird als am Wichtigsten wahrgenommen und bleibt erfahrungsgemäß am ehesten im Gedächtnis hängen. Bei einem oberflächlichen Leser/ Hörer sieht das Ergebnis dann so aus: „Die Hygienekonzepte funktionieren, die Schnelltests sind überflüssig. Schnelltests kosten unnötig Geld und dienen lediglich zur Beruhigung der Lehrkräfte.“

      Politisch instrumentalisiertes Lehrerbashing: subtil genug, dass es zwar erahnbar und erläuterbar ist – aber zu beweisen ist es eben nicht. Clever.

      • Echt clever.

        Die sind alle mal zur Schule gegangen und haben das im Bereich „Stellungnahme, Argumentieren und Leserbrief“ gelernt. Schade, dass sie so gute Lehrer hatten, die ihnen das beigebracht haben. Das müssen die Deutschlehrer gewesen sein. Leider kam im Fach Bio wohl kein Wissen rum. Der ewige Lehrermangel…..

  6. Hätte auch noch – ausgehend von dieser Idee mit den Schnelltest eine weiter Idee für ne zielführende Lehrerfortbildung: „Beatmungsgeräte auf der ITS selber bedienen – Hilfe zur Selbsthilfe“ – angeboten vom KM NRW – in Zusammenarbeit mit den örtlichen Gesundheitsämtern und den angeschlossenen Kliniken…das wäre doch mal eine sinnvolle Fortbildung – zumal die LuL dann in den Ferien, die sie ja nicht verdient haben auf den CovidStationen aushelfen könnten…und sich dabei schon mal ein wenig vertraut machen können.

    • Gute Idee. Dazu passend könnte man im Werkunterricht aus Materialien aus dem Baumarkt (aber nur unter 30 Euro bitte!) Beatmungsgeräte zusammenbasteln.

  7. Als Lehrer bin ich zu allem fähig (aber zu nichts imstande, wenn es um Mitsprache geht).
    Wie geht es nach den Schnelltests weiter?
    Da die Zahl der Intensivbetten fast schon ausgereizt ist, werden in die Klassenzimmer Intensivbetten mit Beatmungsgeräten gestellt und die Lehrer geschult, schnell mal zu intubieren und zu beatmen. So ist gleichzeitig die Inklusion gewahrt.
    Leute, das ist jetzt bitterböse Ironie!
    Statt zentral Dienste und Inhalte anzubieten (bei soviel fähigen Leuten im Ministerium dürfte das doch kein Problem sein), die einen geteilten Unterricht ermöglichen, statt Luftfilter und Endgeräte anzuschaffen, wird weiter gelüftet (effektiver als Luftfilter, so die Ministerien, bei denen anscheinend noch niemand ein Normklassenzimmer länger als 5 Minuten besucht hat), wird weiter der Ansteckungsort Schule und Schulbus kleingeredet.
    Wacht auf!
    rfalio

  8. Diese Woche in einer Klasse unterrichtet, die anschließend in Quarantäne geschickt wurde. Kontakt gehabt im Lehrerzimmer mit Kollegen, die in Quarantäne geschickt wurden. In der Klasse gesessen mit Schülern, die Erkältungssymptome hatten, diese dann nach Hause geschickt. Durch Quarantänemaßnahmen viel Vertretungsunterricht machen müssen, in Lerngruppen, die ich sonst nicht unterrichte. Tägliche Kontakte damit verdoppelt!!! Ganz ehrlich: Auch wenn ein Schnelltest nur eine Momentaufnahme ist, ich wäre diese Woche froh um diese Möglichkeit gewesen. Ich habe meine Eltern aus Vorsichtsmaßnahme dieses Wochenende wieder nicht besucht. Die Laune ist auf dem Nullpunkt.

    • Alles Achtung – wir besuchen darum die Großeltern seit 3 Monaten nicht. Bei uns sieht es nämlich sehr ähnlich aus.
      Laune Nullpunkt – Temperatur demnächst auch…

  9. Wieder nur Quatsch

    Ich mach das gerne, die Schüler und Kollegen testen! Das Video ist für Lehrerdummies gemacht, da bin ich genau die richtige Zielgruppe.

    Nach den Hygiene- und Abstandsregeln werde ich kohortenkonform im Skianzug als großer Marshmallow mit meinen zittrigen eingeeisten Händen dicht an die maskenlosen, ebenfalls vor Kälte und Angst zitternden SUS und KuKs heran robben und ihnen den Stab bis ins Kleinhirn rammen. Muss ja oben ankommen.
    So oder so, Verletzte bleiben zu Hause, Schule leer, Deutschland gerettet, Ferien.

    Ach, zum Üben bitte alle KuMis zu mir und – vielen Dank für euren unermüdlichen Einsatz für das Wohl von Leib und Leben.
    Quatsch aus

    Mir wird angst und bange was nach den Ferien für tolle Ideen auf uns warten. Vielleicht im Unterricht Beatmungsgeräte basteln, den Kleinen die Nase putzen kurz vorm Erfrieren, …. wir sollten alle unsere Haftpflichtversicherungen prüfen lassen, bevor wir über selbst durchgeführte Testungen auch nur nachdenken. Dann Gewissen prüfen und Nein sagen.

    Ich bin bisher zweimal getestet worden. Der erste Dok war so gut und so schnell, dass ich kaum wusste, wie mir geschah und ich erst im Nachhinein merkte, dass gefühlt wirklich bis in Magen und Kleinhirn vorgedrungen wurde. Der zweite war langsamer, vielleicht nicht so ganz geübt und es war deutlich unangenehmer und tat weh.
    Nun macht das mal bei Schülern! Für mich grenzt das an Körperverletzung und das Vertrauen ist vermutlich auch hin.
    Bitte an alle Eltern – tut was. Ich kann leider nicht schreiben was, obwohl mir viele geeignete Idein kommen, doch dann heißt es nur wieder, ich stachel euch auf.

    • Ein Antikörper-Schnelltest macht im Klinikbereich unabhängig vom Testergebnis auf Grund möglicher falsch negativer Testergebnisse einen nachfolgenden RT-PCR-Test immer erforderlich.
      Man kann sich nicht sicher sein, dass man nicht doch positiv ist. Man wiegt sich bei hohen Kosten (mindestens 14 Euro ) in einer falschen Sicherheit.
      Inzwischen werden auf Grund der eingeschränkten Testkapazitäten die RT.PCR-Teste im POOL-Verfahren durchgeführt. Ausgeschlossen werden im Poolverfahren immer bereits vorher positiv getestete Personen und vorher an Covid-19 erkrankte Personen, damit nicht der gesamte Pool durch eine bekannt positiv getestete Person gesprengt wird.

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