Schülervertreter: Weniger Lernstoff und mehr Digitales im neuen Jahr

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DÜSSELDORF. Fast immer nur Overhead-Projektoren und Beamer: Mit der technischen Ausstattung an Schulen kann Distanzunterricht oft nicht funktionieren. Schülervertreter fordern Modernisierungen – auch von Lehrplänen.

Nach Monaten voller Ungewissheit durch die Corona-Pandemie fordert die nordrhein-westfälische Landesschülervertretung ausgedünnte Lehrpläne für das neue Jahr. Der verpasste Stoff sei bei einem engmaschigen Lehrplan nicht mehr nachzuholen. «Deswegen muss man sagen: Wir kürzen die Pläne. Thema XY wird ersatzlos gestrichen, um die anderen Themen vernünftig zu behandeln», sagte Sophie Halley, Vorstand der Landesschülervertretung.

Schülervertreter sehen die Schulen längst noch nicht für die Digitalisierung gerüstet. Foto: silviarita / Pixabay (P. L.)

Nur mit entschlackten Plänen könnten Kinder nach der Pandemie zurück zur Normalität finden. Kinder und Jugendliche stünden unter Druck, weil sich durch den ausgefallenen Unterricht ein Themen-Rückstau bilde.

Mit Distanzunterricht hat die Schülervertretung zudem «ein riesiges Problem». Die notwendigen Medien seien nicht vorhanden. «Die digitale Ausstattung an Schulen ist fast immer auf Overhead-Projektoren und Beamer beschränkt», so Halley. Es sei ein immenser Bürokratieaufwand, Mittel aus dem Digitalpakt zu beantragen.

«Dafür bräuchte man einen weiteren Menschen, der sich nur mit der Bestellung dieser Endgeräte aus dem Digitalpakt beschäftigt», sagte Halley. Bei dem Lehrkräftemangel könne sich das aber keine Schule leisten. Bislang sei der rund eine Milliarde Euro schwere Digitalpakt nur zu einem Viertel ausgeschöpft worden, hieß es aus dem zuständigen Schulministerium. Lehrkräften müssten auch Fortbildungen zum Umgang mit digitalen Medien angeboten werden.

Die Schülervertreter fordern zudem, dass nur Abschlussjahrgänge und Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe benotet werden sollen. Abiturientinnen und Abiturienten sollen entscheiden dürfen, ob sie die Abiturklausuren schreiben oder stattdessen eine Durchschnittsnote bisher erbrachter Leistungen als Abschlussnote bekommen. Durch Distanzunterricht würden Kinder aus sozial schwächeren Haushalten benachteiligt werden. (dpa)

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6 KOMMENTARE

  1. „Die Schülervertreter fordern zudem, dass nur Abschlussjahrgänge und Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe benotet werden sollen.“

    Nachdem es im Frühjahr ab einem bestimmten Punkt der Pandemie hieß, es werden keine Noten mehr gemacht, haben meine Schüler sofort massiv nachgelassen beim Lernen und der Vorbereitung auf den Unterricht. Es war ein einziges ewiges Kaugummikauen, diese letzten Wochen noch halbwegs vernünftigen Unterricht zu machen. Ich halte das für eine ganz schlechte Idee. Das kann keine Lösung sein.

  2. Das sehe ich auch so.

    Wir mussten Noten bis zum 13.3. geben und den Schülern mitteilen.
    Meine ABSCHLUSSschüler ruhten sich auf diesen Zahlen aus und stellten jedes Weitere (abschlussrelevante Lernen) aktiv und selbstbestimmt ein. Und wir waren digital schon gut ausgestattet. Zu den angekündigten Videobesprechungen kamen fast alle unvorbereitet. Sollte zum Tag darauf erledigt werden, mit dem Ergebnis, dass keiner erschien.

    Zum Glück war die Abschlussarbeit sehr entschlackt, die Korrekturvorgaben, nun, ein Witz, und so haben alle eine 4 erhalten.

    Ohne Prüfung wird das nichts. Und ja, es ist und bleibt immer für den einen oder anderen unfair, alleine lernen zu müssen. Doch mal ganz ehrlich – Schlüsselkinder waren auf sich alleine gestellt, wenn es um Hausaufgaben ging, viele meiner eigenen Klassenkameraden auch…. Und wir hatten bis zu 40 Schüler in der Klasse! Das Problem liegt doch mehr im Ansehen von Bildung oder was man (als KuMi) dafür hält. Und – wir waren erzogen, lernten und hatten trotzdem Freiheit. Und zwar draußen, in der Natur, mit jeder Menge Kinder.

    Schule ist heute vielfach genau das, als was unsere Bildungsminister es sehen – ein Ort der Begegnung, Betreuung und Erziehung, nicht des Lernens – außer dem sozialen Lernen, für das erst einmal die Grundlagen gelegt werden müssen, da Schule diese Elternaufgabe ja zu fast 100% bei einigen übernehmen musste.

    Während Corona brauchen wir einen entschlacken Lehrplan, damit weniguhier etwas Entspannung herrscht. Es gehört nun mal zu unseren Aufgaben, den Lernzuwachs zu bewerten und das geht nur, wenn ich diesen auch überprüfen kann.

    Analog, OHPs – ich liebe sie!, Arbeitsbögen, Praxis, Versuche, Lernen am anderen Ort (mit tausend Hindernissen, weil zig Erlaubnisse eingeholt uns nachgefragt und angefordert werden müssen), digital, … oder wie auch immer – in unserem derzeitigen Bildungssystem Schule gibt es sehr viele Bildungsemigranten.

  3. Ich stimme den Vorschreibern zu. Die meisten Schüler tun nur das nötigste und ohne Noten- oder Elterndruck noch viel weniger. Mit zunehmender Bildungsferne nimmt die Arbeitsmoral noch weiter ab. Geschenkte Abschlüsse tun ihr Übriges …

    Da die Politik aber niemanden zurücklassen möchte, werden Schubkarren bereitgestellt, damit die Schüler notfalls auch ohne eigene Bewegung über das Ziel geschoben werden können.

  4. Merkt ihr wenigstens, dass das gesamte System mit den Noten total krank ist? Wer nur durch Notendruck lernt, lernt eh nicht nachhaltig. Das gesamte Schulsystem in Deutschland ist kaputt. Wir brauchen dringend eine neue Lernkultur und für die Zukunft relevante Inhalte.

    • Ich bin zwar kein Sozialwissenschaftler mit der Spezialisierung „Bildungswesen“ aber als direkt Beteiligter denke ich, dass ich die Situation besser beurteilen kann als die meisten Entscheidungsträger. Es wird zwar nicht gerne gehört dass das System an sich kaputt ist, da das viel Aufwand und eine komplette Umstrukturierung bräuchte, aber genau so ist es. Wie über mir schon gesagt wurde ist es absolut unakzeptabel dass der einzige Ansporn für Schüler zu lernen die Noten sind. Und genau so sieht es momentan aus wie die Kommentarsektion hier bestätigt. Altrnativen wären z.B. das Lernen in den unteren Stufen nicht auf Leistungsdruck zu basieren, sondern auf Interessen. So filtern sich von ganz alleine die für ein Studium geeigneten, selbstständigen Schüler raus und es gibt nicht mehr das generelle Ziel „hauptsache Abi“ welches dieses wiederum entwertet. Denn machen weiterhin so viele Jugendliche Abitur, wird es darauf hinauslaufen dass die Universitäten und Hochschulen alle Aufnahmeprüfungen einführen womit das Abitur komplett entwertet würde.

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