Thüringen stärkt freie Schulen finanziell – weil sie so wichtig sind

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ERFURT. Die Freien Schulen in Thüringen bekommen nächstes Jahr 217 Millionen Euro vom Freistaat – und damit deutlich mehr Geld als bisher. Das beschloss der Landtag am Freitag in Erfurt. Der Einigung waren in den vergangenen Monaten langwierige Diskussionen zwischen den Fraktionen von Linker, SPD, Grünen und CDU und auch der Landesregierung vorangegangen.

Freie Schulen bekommen mehr Geld. Foto: Shutterstock

Ein Regierungsentwurf für den Haushalt 2021 sah zunächst vor, dass die Freien Schulen nächstes Jahr nur 183 Millionen Euro bekommen sollten – und damit etwa zehn Millionen Euro weniger als im Etat 2020. Schon damals waren Signale aus dem Parlament gekommen, dass mehreren Fraktionen dieser Betrag nicht genug sein würde.

Nun beschlossen die Fraktionen von Linker, SPD, Grünen und CDU, den Freien Schulen nächstes Jahr jene 217 Millionen Euro zukommen zu lassen, auf die sich diese bereits im Vorfeld mit dem Bildungsministerium geeinigt hatten. Mit dem neuen Gesetz wird die Finanzierung auch entfristet. Außerdem gibt es jährliche Steigerungsraten und die Finanzierung ist künftig an die Lohn- und Preisentwicklung gekoppelt.

«Es ist gelungen, dass wir die Schlechterstellung der Freien Schulen beenden»

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner betonte die Bedeutung der Freien Schulen. «Der Wettbewerb spornt an. Nur wer sich messen muss, kann sich letztendlich auch weiterentwickeln», sagte Tischner. Mit Hilfe des neuen Gesetzes können freie Schulen künftig vom Schulbudget profitieren. Es beträgt 30 Euro pro Schüler und kann für außerschulische Angebote oder für die Unterstützung des Unterrichts ausgegeben werden. «Es ist gelungen, dass wir die Schlechterstellung der Freien Schulen beenden», bemerkte Tischner.

Außerdem sollen Lehrer künftig staatliche Weiterbildungsmaßnahmen wahrnehmen können. Auch Seiteneinsteiger an freien Schulen sollen eine staatliche Nachqualifizierung machen können. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich appellierte, die beiden Systeme staatliche Schulen und freie Schulen zusammen und nicht getrennt zu denken. dpa

 

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15 KOMMENTARE

  1. Das ist ja interessant: Die politische Linke schimpft normalerweise auf die Privatschulen als Hort einer sozialen Segregation, und dann beschließen die Fraktionen von rot-rot-grün zusammen mit der CDU das, was oben steht, weil die Privatschulen de facto unentbehrlich sind.

  2. Das finde ich richtig. Warum sollten private Schulen schlechter gestellt werden, obwohl sie nachweislich eine bessere Qualität liefern. Meine grosse Tochter ging gleich auf ein privates Gymnasium. Meine Kleine ging 2 Jahre später wegen ihren Freundinnen auf das staatliche Gymnasium, ich wollte ihr da nicht reinreden. Weitere 2 Jahre wollte sie auch auf das private Gymnasium. Sie hat gemerkt, dass dort ALLES besser ist, ausser der Unterricht am Samstagmorgen. Es gab eine individuellere Betreuung, sogar bei den Hausaufgaben werden unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufgegeben. Der Stundenausfall ist minimal. Bei Schwierigkeiten ist Nachhilfe obligatorisch. Die Ausstattung der Schule ist auch vorbildlich. Bei Krankheit ist der Lehrer zu festen Zeiten online erreichbar. Kriminalität und Drogen sind dort Fremdworte. Vorbereitung auf das Berufsleben wird auch grossgeschrieben und sollte ein Schüler doch „nur“ eine Ausbildung machen wollen wird er unterstützt und nicht von den Lehrern schikaniert. Wir haben eine sehr gute Wahl damit getroffen und sind im Gegensatz zu der staatlichen Schule mit den äußerst engagierten und motivierten Lehrern sehr zufrieden. Diese private Schule sollte viel mehr finanzielle Zuwendungen erhalten als die staatliche, insbesondere die tollen Lehrer.

    • Bei all ihrer Lobhudelei frage ich dann lieber nicht nach, woher denn die Finanzierung dieser tollen Privatschule kommt und warum die Lehrer dort angeblich so viel toller sind. Ich habe jedenfalls diametral andere Erfahrungen gemacht. An der Waldorfschule bei uns im Ort gab es beispielsweise massive Probleme mit Magersucht, die von den Lehrern erst nicht erkannt und dann kaum bearbeitet wurden. Die stehen dafür in schöner Regelmäßigkeit mit ihren Schülern gemeinsam auf dem Schulhof und rauchen. Und raten Sie mal, welche Schule bei jeder Masernwelle als erstes zumachen muss…

      Wenn die Parteien in Thüringen so flächendeckend die freien Schulen stärker finanzieren wollen, wird es dafür wohl einen Grund geben. Ich fürchte allerdings, dass der eher darin liegt, dass der Staat sich hier aus seiner Verantwortung freikauft und lieber Privatschulen in einem Flächenland mit nur 1,6 Millionen Einwohnern teilfinanziert, als eine flächendeckende Versorgung mit einem dreigliedrigen Schulsystem selbst aufrecht zu erhalten. Dass dabei die Bildung nicht nur zum Spielball von Glaubensgemeinschaften und Querdenkern wird, sondern im schlimmsten Fall zu Erscheinungen wie der Odenwaldschule führt, nimmt man dabei dann billigend in Kauf.

      • Zum Glück gibt es verschiedene Meinungen, ich kann Ihre nicht teilen. Am Gymnasium meiner Töchter gilt Rauchverbot, auch für die Lehrer. Warum die Lehrer toller sind? Ganz einfach: Weil sie Leistungsdruck haben. Die Schule orientiert sich dabei am Bewertungssystem der naheliegenden Schweiz (29km zur Grenze) . Zum Thema Magersucht, was kann ein Lehrer da ausrichten? Die Odenwaldschule, kann nicht als Vergleich dienen, so etwas kommt nur vor, wenn die Lehrkräfte kein richtiges Auswahlverfahren durchlaufen. Da wird heutzutage jeder Azubi härter rangenommen. Das Problem liegt auch daran, dass genau der Lehrerberuf Leute mit verqueren Neigungen in hohem Masse anzieht, weil sie da besseren Zugang zu ihren Opfern haben.

        • Aha. An privaten Schulen herrscht Leistungsdruck, an öffentlichen nicht. Deswegen wird an den privaten ja auch schlechter bezahlt und meist interessieren sich fertig ausgebildete Lehrer nur dann für private Schulen, wenn sie an öffentlichen keine Stelle kriegen.
          Bei Magersucht kann ein Lehrer nichts ausrichten? SO niedrig sind Ihre Standards?
          Und die Odenwaldschule kann nicht als Vergleich dienen, weil sich unter Lehrern einfach mehr Pädophile herumtreiben? Aber Ihre begrenzten Erfahrungen mit einer einzigen Schule sind maßgebend? Ich glaube nicht, dass die Meinung von Menschen mit einem derartig verschrobenen Weltbild wichtig genug ist, um weiter darüber zu diskutieren.

          • Noch einmal, was kann ein Lehrer bei Magersucht ausrichten? Bei so einer Erkrankung beissen sich darauf spezialisierte Mediziner schon die Zähne aus. Oder wollen Sie jetzt noch behaupten Ihre Bildung geht noch über die eines Arztes raus. Wollen Sie sich im Ernst anmassen, Sie könnten Magersucht behandeln? Hut ab!
            Zum Thema Pädophilie, fragen Sie doch mal eine 16, 17, 18jährige Schülerin, die grade die Schule verlassen hat dazu. Wenn Die Mädchen noch Schülerinnen sind können sie sich ja nicht wehren oder dazu äussern, weil sie sonst Probleme an der Schule bekommen. Meine Töchter können darüber genug erzählen, wie manche Kollegen drauf sind.

  3. Freie Schulen als Ersatzschulen oder private Schulen?

    Das Problem der Schulministerien ist doch ganz einfach, wenn den Ersatzschulen die staatliche Anerkennung entzogen wird und diese geschlossen werden, müssen die SuS der Ersatzschulen von staatlichen Schulen aufgenommen werdeS. Dazu fehlen die personellen, räumlichen sowie finanziellen Ressourcen. Somit ist es für den Staat einfacher und kostengünstiger sich mit Finanzmitteln an diesen freien – nicht staatlichen – Schulen anteilig zu beteiligen.

    • Ich finde Ihre Bezeichnung der privaten Schulen als Ersatzschulen schon etwas gewagt. Vergleichen Sie doch Mal die privaten Gymnasien mit den staatlichen. Sei es nur das schulische Zusammenleben, die Prüfungsleistungen, die Ausstattung der Schulen. Oder auch die staatlichen Berufsschulen mit den privaten. Seien es die Berufsschulen von Aldi, BASF oder RWE im Vergleich zu den meisten staatlichen. Auch im Bezug zur Motivation und Leistungsbereitschaft der Lehrer obwohl die keine Beamten sind. Ich würde die staatlichen Schulen da eher als Notschulen bezeichnen.

      • @Stefan . Ersatzschulen sind Schulen in privater Trägerschaft, die aber staatlich anerkannt sind. Da sie anstelle einer Schule in städtischer Trägerschaft errichtet und von der Schulaufsicht genehmigt worden sind sowie die Vorgaben der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für ihre Schulform umsetzen und sich der staatlichen Schulaufsicht unterwerfen, dürfen sie staatlich anerkannte Abschlüsse vergeben. Die meisten Schulen in Trägerschaft der großen Religionsverbände (Bistum oder Landeskirche) sind Ersatzschulen.

        Der Begriff Ersatzschule hat eine Legaldefinition.

  4. Was wohl an staatlichen Schulen möglich wäre, wenn man pro Kopf zusätzliches Geld bekäme, zudem ja Schulgeld pro Schüler und Fördervereine mit gut situierten Mitgliedern, die gerne spenden, da sie die dann absetzen können.

    Wie wäre es, wenn Privatschulen den anderen gleichgestellt würden:
    – Staatliche Schulen müssen Spenden angeben und sich genehmigen lassen. Vielleicht sollte man das bei privaten Schulen ähnlich handhaben. So würden öffentliche Mittel frei, die dann den staatlichen Schulen oder anderen staatlichen Aufgaben zu Gute kämen.
    – Es gibt einen Durchschnitt an Schülern mit besonderen Herausforderungen, der an allen Schulen abgebildet werden sollte. Alternativ darf es an den Schulen, die diese Aufgaben übernehmen, einen doppelten Personalschlüssel geben.

    • Privatschulen haben normalerweise nicht mehr, sondern weniger Geld als staatliche. Bei einigen wenigen dürfte das anders sein, aber warum hat denn die katholische Kirche ihre Schulen in HH aufgegeben? Da ging es nur um Geld, und es stand auch hier bei news4teachers. Dass Lehrer an Privatschulen mehr verdienen als beamtete Lehrer an staatlichen, dürfte auch ein Gerücht sein. Das wird*s vereinzelt geben, aber nicht flächendeckend.
      Nicht vergessen: Gerade das Land Berlin gibt pro Schüler besonders viel Geld aus, aber das Ergebnis ist dennoch niederschmetternd. Die Bürokratiekosten werden dabei ja auch mitgezählt. Ihr Vorschlag „Geld mit der Gießkanne verteilen“ geht also in die falsche Richtung.

      • „Privatschulen haben normalerweise nicht mehr, sondern weniger Geld als staatliche.“
        Woher nehmen Sie das?
        Die privaten Schulen erhalten einen Anteil vom Staat, zusätzlich nehmen sie Schulgeld UND sammeln eine Menge Spenden.

        Zur Finanzierung gab es ja schon Studien, die Ihnen bekannt sein dürften
        https://www.news4teachers.de/2019/12/studie-deutsche-privatschulen-sind-ueberwiegend-gut-bis-sehr-gut-finanziert/
        Immerhin haben Sie auch dort pro Privatschule argumentiert.

        • Es heißt immer, ca. 85 % der Kosten übernimmt der Staat. Das Schulgeld darf nicht zu hoch sein wegen Art. 7 GG, und Kinder armer Leute müssen ohne Schulgeld unterrichtet werden. Wenn etwa die Lehrer dort mehr verdienen oder weniger unterrichten würden, dann würden sie scharenweise dorthin wechseln. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.
          Mit den Spenden mögen Sie Recht haben, da gibt es Sponsoren wie bei Fußball-vereinen (auch bei den zahlreichen kirchlichen Schulen?). Aber glauben Sie im Ernst, diese Spenden würden weiter fließen, wenn die Leute wüssten, dass das (direkt oder indirekt) im großen Topf staatlicher Haushalte landet? Und wie war das bei den kath. Schulen in HH? Die wollte das Bistum aus finanziellen Gründen (!) loswerden.
          Tatsache scheint zu sein: Es gibt in unserem Lande eine schizophrene Haltung zu Privatschulen. Auf soziale Gerechtigkeit bedachte Leute schimpfen gern auf sie, aber selbst prominente SPD-Politiker schick(t)en ihre eigenen Kinder dorthin (Schwesig, Ypsilanti, Stoch, ,,,), gewiss mit einer hohen Dunkelziffer …

          • Genau diese Haltung nehme ich auch war. Es gibt an der privaten Schule meiner Töchter Lehrerkinder aus dem Nachbarort, an dem auch das staatliche Gymnasium, an dem die Eltern unterrichten, steht. Wer versteht denn sowas? Was müssen die Eltern von ihrer eigenen Schule halten, wenn sie die Kinder trotz dem längeren Schulweg an die Private schicken?
            Es soll auch auf soziale Gerechtigkeit bedachte Lehrer geben, die privat Versichert sind und sich aus der Rentenversicherung verabschiedet haben. Ich selbst bin froh darüber, dass meine Familie und ich privat krankenversichert sind, in meinen Augen hat das nur Vorteile. Ich würde nie andere kritisieren, weil sie privat versichert sind und die Kinder auf Privatschulen schicken. Warum auch, ich tue es und bin es ja selbst. Bei Lehrern ist das standard, es gab sogar mal eine Gesundheitsministerin, die die gesetzlichen Versicherungen hochlobte und die Privaten verteufelte. Sie selbst war natürlich privat versichert. Von Beruf war sie, was wohl?

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