Berlins Schulen öffnen ab 22. Februar – zuerst für die Kleinen

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BERLIN. Nach gut zwei Monaten im Corona-Lockdown startet Berlin wie diverse andere Bundesländer ein gewagtes Experiment. Ab 22. Februar sollen die Schulen wieder für den Präsenzunterricht öffnen – obwohl der Lockdown für viele Geschäfte, die Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen gerade bis 7. März verlängert wurde. Fragen und Antworten dazu.

Hält Schulöffnungen für verantwortbar: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

Starten die Schulen auf einen Schlag?

Nein. Den Anfang machen Schüler der Klassenstufen 1 bis 3. Für sie soll es laut Bildungsverwaltung Wechselunterricht in halber Klassengröße geben. Hinzukommen können Schüler von Abschlussklassen, die sich wegen der Prüfungsvorbereitungen in einer Sondersituation befinden. Sie können bisher schon wahlweise schulisch angeleitet zu Hause oder im Wechselmodell mit halber Klassengröße unterrichtet werden. Diese Regelung gilt weiter. Entschieden wird das von den Schulleitungen in Absprache mit den Elternvertretungen.

Warum kommen die jüngsten Schüler zuerst dran?

Weil es gerade für die Kleinen besonders schwierig ist, zu Hause am Computer zu lernen – sagt die Bildungsverwaltung. Viele Fähigkeiten seien bei ihnen noch nicht ausgeprägt, sie bräuchten in besonderer Weise direkten Kontakt im Klassenraum mit einem Lehrer oder einer Lehrerin als Bezugsperson.

Wie soll das ganze organisiert werden?

Die Schüler der Klassenstufen 1 bis 3 sollen in geteilten Lerngruppen abwechselnd in der Schule und mit Hilfe digitaler Lösungen zu Hause unterrichtet werden. Das soll entweder im Umfang von mindestens drei Unterrichtsstunden täglich geschehen – die eine Hälfte der Klasse würde beispielsweise am Vormittag in die Schule kommen, die andere am Nachmittag.

Die Schulleitungen können in Abstimmung mit der Schulkonferenz aber auch andere Lösungen umsetzen: So könnten die Lerngruppen im tage- oder wochenweisen Wechsel komplett in der Schule oder zu Hause lernen. Einige Schulen haben mit solchen Modellen schon Erfahrung, weil sie ihren Unterricht vor dem Lockdown in Stadtteilen mit besonders vielen Corona-Infektionen bereits so organisierten.

Steht schon fest, wie es mit der Öffnung der Schulen weitergeht?

Nein, noch ist nicht sicher, wann Schüler anderer Klassenstufen zurück in die Schule dürfen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Freitag im RBB-Inforadio, die nächsten Schritte seien noch offen. Aus Sicht des Senats ist dafür entscheidend, wie sich die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen entwickelt. Als naheliegend gilt aber, dass als nächstes die Grundschüler der Klassen vier bis sechs dran sind.

Sind die Schulen auf die schrittweise Öffnung vorbereitet?

Auch wenn die Schulen schrittweise öffnen, bleibt digitaler Unterricht wichtig. Zwar sind in Berlin mittlerweile gut 50.000 Tablets an Schülerinnen und Schüler verteilt worden. Aber viele Schulen haben kein Breitbandinternet und können zum Beispiel Unterricht nicht per Videokonferenz anbieten. Außerdem haben nicht alle Schüler zu Hause ausreichende Möglichkeiten zur Internetnutzung. Die Voraussetzungen für das Zusammenspiel von Unterricht in der Schule und zu Hause am Laptop oder Tablet gelten noch nicht als optimal.

Wie steht es um den Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält die Öffnung der Schulen für verfrüht. Aus ihrer Sicht lässt das Infektionsgeschehen einen solchen Schritt noch nicht zu. Regierungschef Müller und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (beide SPD) halten die Entscheidung hingegen für verantwortbar.

Sie verweisen etwa auf neuartige Corona-Schnelltests zum Eigengebrauch, die bald an den Schulen flächendeckend zum Einsatz kämen: Schüler, Lehrer und andere Beschäftigte sollen so zweimal wöchentlich auf das Corona-Virus getestet werden. Wann die Selbsttests massenhaft verfügbar sind, ist offen: Ihre Zertifizierung in Deutschland steht noch aus, soll aber im Februar kommen. Und: In den Schulen gilt Maskenpflicht. Das Land stellte oder stellt Lehrkräften Hunderttausende FFP2-Masken bereit.

Brauchen die Schulen Luftfiltergeräte?

Solche Geräte sind dort ein großes Thema. Gerade im Winter ist regelmäßiges Stoßlüften der Klassenräume – im Kampf gegen Corona eine sehr wichtige Maßnahme – schwierig. Mancherorts lassen sich Fenster in Schulen auch nicht ohne weiteres öffnen. Die Bezirke haben zwar schon ab dem Herbst rund 1200 mobile Luftreinigungsgeräte bestellt, die aber bisher noch nicht alle an den Schulen angekommen sind.

Bis Ostern sollen laut Scheeres weitere 2800 Geräte angeschafft werden, bis Sommer zusätzliche 3500. Insgesamt sind dafür gut 15 Millionen Euro eingeplant. Der CDU ist das zu wenig: Um alle Klassenräume in den rund 800 Schulen damit auszustatten, müsse mehr getan werden.

Wie sehen Berliner Eltern die schrittweise Öffnung?

«Wir haben weiterhin eine polarisierte Elternschaft», sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, am Freitag. «Es gibt Eltern, die ihre Kinder schnellstmöglich wieder in die Schule schicken wollen und auch nicht nur die erste, zweite, dritte Klasse. Aber wir aber auch Eltern, die das ablehnen.» Von Stefan Kruse und Andreas Heimann, dpa

Lehrer und Erzieher sollen sich künftig selbst zweimal wöchentlich testen

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3 KOMMENTARE

  1. „Bis Ostern sollen laut Scheeres weitere 2800 Geräte angeschafft werden, bis Sommer zusätzliche 3500.“

    Schlauer wäre es, erst die Geräte anzuschaffen und dann die Schulen zu öffnen.

    Das Argument, dass das zu lange dauert, zählt nicht: Es war mehr als genug Zeit seit etwa Mai, als das Aerosolproblem bekannt wurde.

  2. Wie die Realität an den Schulen aussieht, wird leider überhaupt nicht öffentlich dargestellt. Ich bin Erzieherin an einer Grundschule in Friedrichshain. Ich kann kaum bis nicht ausgeführte bzw. voran gebrachte Hygienemaßnahmen an unserem Hause erkennen. Es gab am Anfang der Pandemie im ersten Lockdown Reinigungspersonal, welches einmal täglich zum Tische und Stühle desinfizieren vorbei kam und zusätzlich die Toilettenbereiche reinigte. Nun ist es wieder nicht besser als desolat. Die Toiletten und Waschbecken etc. sind überwiegend mehr schlecht als recht gereinigt, es gibt oft kaum aufgefüllt Seife und Toilettenpapier, die Wc’s und Waschbecken lassen oft zu wünschen übrig. Ich finde es absolut unzumutbar, in dieser prekären Zeit nicht endlich mal Wort zu halten und gescheite Hygienemaßnahmen ernsthaft und real umzusetzen. Ich wünsche für die Schulen DESINFEKTIONSSPENDER in Toilettenbereichen und an den Eingängen, sowohl für Jeden in die Schulen eintretenden täglich Masken auszuhändigen. Wieso werden keine 2 Ventilatoren direkt in Fensterscheiben, pro Klassenraum, einer für Luft raus und einer für Luft rein , eingebaut? Das würde sicher Millionen sparen. Es soll endlich aufgehört werden zu heucheln, sondern Taten sollen walten!

  3. Eine besonders alarmierende Situation stellt es für mich dar, dass für den Unterricht zwar scheinheilig nur die Hälfte einer Klasse unterrichtet werden soll, im Bereich der Notbetreuung / Hort aber ‚Kohorten‘ (also andere Durchmischung aus verschiedenen Klassenteilgruppen oder sogar Klassen) gebildet werden, die die für den Unterricht geltende Teilung ad absurdum führt. Dazu sollen ErzieherInnen neben der Notbetreuungsgruppe (Kohorte) auch unbedingt noch zusätzlich zur Lehrkraft im Unterricht unterstützen. Das Verbreitungspotential und der Umgang mit den ErzieherInnen ist beängstigend!

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