Schleswig-Holstein öffnet Kitas und Schulen ohne Abstandsregel – GEW: Verantwortungslos

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KIEL. Für Schleswig-Holsteins Grundschüler sollen ab 22. Februar wieder Regelunterricht erhalten. Bildungsministerin Prien kündigt regelmäßige Corona-Tests für Lehrer an. Auch die Kitas sollen in den Regelbetrieb zurückkehren. Der Gewerkschaft geht das zu schnell.

„Viel Kraft gekostet“: Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verteidigt die geplanten weiten Kita- und Schulöffnungen. Foto: Frank Peter / Landesregierung

Die zum 22. Februar geplante Öffnung der Grundschulen und Kitas in Schleswig-Holstein stößt auf Kritik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete die von der Jamaika-Koalition verabredete Rückkehr zum Präsenzunterricht an den Schulen und den geplanten Regelbetrieb an den Kitas als verantwortungslos. «Warum werfen wir in Kitas und Grundschulen alle Vorsicht über Bord, wenn Virologen schon heute die dritte Welle ziemlich genau prognostizieren können», sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Katja Coordes am Donnerstag.

Nach Ansicht der Gewerkschaft reichen die bisher ergriffenen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz nicht aus. Coordes forderte eine nur schrittweise Öffnung. «Vor allem in Kitas und Grundschulen haben Erzieherinnen und Lehrkräfte kaum die Chance, Abstände einzuhalten und sich bei der Arbeit mit Kindern zu schützen.» Kleine Gruppen mit nicht mehr als zehn Kindern seien die einzige Lösung. Für die Grundschulen plädierte sie für einen Wechselunterricht im zweitägigen Wechsel. Zudem müsse die Stundentafel reduziert werden.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat bereits regelmäßige Corona-Tests für Lehrer in Schleswig-Holstein angekündigt. Sie begründete die von der Jamaika-Koalition nach den Beratungen von Bund und Ländern beschlossene Schulöffnung in einem Schreiben an die Schulen: «Die vergangenen Wochen und Monate haben von Kindern und Jugendlichen und von Eltern und Erziehungsberechtigten ein hohes Maß an Geduld und Disziplin gefordert und sie haben viel Kraft gekostet.»

Auch für Beschäftigte an den Schulen plant die Regierung die Möglichkeit regelmäßiger Tests. Darüber sollen die Schulen nach Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium kurzfristig informiert werden.

Voraussetzung für die Rückkehr der Grundschulen zum Regelunterricht und der Kitas zum Regelbetrieb ist eine Inzidenz von deutlich unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Am Montag will die Regierung entscheiden, ob die Öffnung auch für die Kreise Herzogtum Lauenburg und Pinneberg sowie für die kreisfreien Städte Flensburg und Lübeck gilt. Dort gab es zuletzt höhere Infektionszahlen als in anderen Regionen.

Laut Bildungsministerium soll sich der Präsenzunterricht zunächst auf Lesen, Schreiben, Rechnen sowie auf das soziale Lernen und Miteinander konzentrieren. Es kann auch Ganztagsunterricht angeboten werden. Für die Klassenstufen fünf und sechs ist eine Notbetreuung geplant. Auch in den Abschlussklassen gibt es weiter Präsenzunterricht, in den übrigen Stufen nur Distanzlernen.

Dagegen sprach sich die GEW dafür aus, eine Ausweitung der Betreuungsangebote für die Klassen fünf und sechs zu prüfen. Dadurch könnten mehr Kinder in die Schulen geholt werden, die es dringend nötig hätten. «Einige Schülerinnen und Schüler brauchen eine enge Bindung, damit sie nicht verlorengehen», sagte Coordes. dpa

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8 KOMMENTARE

  1. Verantwortungslos trifft es ganz gut – mir würden da glatt auch noch ein paar andere treffende Wörter einfallen. Wir Kolleg*innen sind durchweg schockiert und perplex. Bei den Eltern ist die Reaktion gemischt. Viele freuen sich tatsächlich und manche auch nur im ersten Moment, um dann wenig später nachzufragen: „Aber mit der ganzen Klasse?“ Den meisten Eltern ist klar, dass das zum Scheitern verurteilt ist. Warum nicht den Politikern?

    • Mittlerweile habe ich die Hoffnung quasi aufgeheben, dass in der KMK noch Reste von Verstand und Verantwortungsbewusstsein existent sind. So helfe uns denn dann Gott!!

  2. Warum lässt man zu, dass alles mühselig erreichte in diesem Lockdown, von solch unfähigen KuMis wieder zerstört wird? Und warum machen die dazugehörigen Ministerpräsidenten da mit ? Man könnte bei all diesem unüberlegten Handeln der Kultusminister:innen und deren Ministerpräsident:innen denken dass da keine neue Virusmutation besteht. Seltsam. Das RKI warnt ständig davor.

  3. Das belegt mal wieder das die Kultusminister die eigentlichen Treiber der Pandemie sind.

    Bitte lasst uns diesen Satz so verbreiten und etablieren, dass er seinen Weg bis in die Bild-Zeitung findet. Dann wird vielleicht eingelenkt!

  4. Ich würde es nicht auf die Kultusminister beschränken … Der Satz sollte also heißen : ˋ Die Landespolitiker sind die Treiber der Pandemie ´ , denn Frau Gebauer handelt sicher nicht ohne Rückendeckung ihres Chefs Armin Laschet . Nur eine ist es sicher nicht : Angela Merkel . Sie ist im Recht und muss tatenlos zusehen , wie durch Schulöffnungen drei Lovkdowns effektlos gemacht werden .

  5. Immerhin will der MP von SH prüfen, ob Lehrer mit Symptomen auch ohne nachweislichen K1 Kontakt getestet werden können.
    K1 kann bisher an Schulen nicht stattfinden, da alle Masken tragen!
    Unser GA hat schon Bedenken angemeldet. „Durch das ständige Lüften würden viele Menschen an der Schule Erkältungssymptome entwickeln. Da könne man nicht dauernd testen!“
    Nun wird auf die Zulassung von Schnelltests gehofft.

  6. Vielleicht kann wenigsten das neue Virus lesen und bleibt draußen.

    Bei uns an der Schule ist es Usus, dass jede:r im Unterricht eine Maske – Stofflappen – trägt. Immerhin!

    Abstand nur im Wechselunterricht möglich – viel zu viele SuS in kleinen Klassenräumen.

    Vermutlich haben wir in SH einen LuL- und SuS-Überschuss, von dem niemand etwas ahnt. Anders kann ich mir dieses menschenverachtende Verhalten nicht erklären. Aber auch dann wäre es menschenverachtend. Wo doch die Kinder so wichtig sind.

    Ich bin an zwei Schulen. Soll ich dann doppelt gestestet werden? Lieber Daniel – irgendwelche Vorschläge?

    Und irgendwie verstehe ich auch nicht, was das aussagen soll:
    „Voraussetzung für die Rückkehr der Grundschulen zum Regelunterricht und der Kitas zum Regelbetrieb ist eine Inzidenz von deutlich unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.“

    Deutlich unter kann auch „37 und steigt“ bedeuten. Das machen wir dann wieder bis nicht mehr so ganz deutlich unter 100 – oder wie?

    Ihr kriegt uns schon kaputt, liebe KuMis. Ihr seid auf einem seeeeeehr guten Weg und nutzt jede Abkürzung, die ihr finden könnt.

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