„War Bösewicht“: Kretschmann räumt Fehler bei Planung von Lehrerstellen ein

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STUTTGART. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat rückblickend Fehler in der Bildungspolitik seiner grün-roten Vorgängerregierung eingeräumt. CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann (CDU) warf Kretschmann bei einem Rededuell der «Südwest Presse» zur Landtagswahl am Dienstagabend vor, dass die Koalition mit der SPD (2011 – 2016) zu wenig zur Vorbeugung des derzeitigen Lehrermangels getan habe.

Hatte auf einen Rückgang der Schülerzahlen gesetzt: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Kretschmann antwortete, er habe sich damals auf Zahlen des Statistischen Landesamts verlassen, die einen enormen Rückgang der Schülerzahlen prognostiziert hatten. Dabei habe man aber die Einwanderung aus europäischen Ländern zu gering eingeschätzt. Dadurch sei es tatsächlich zu Fehlplanungen gekommen. «Ich muss zugeben, ich war da der Bösewicht», sagte er. Man habe die Politik aber sofort korrigiert, als deutlich geworden sei, dass die Zahlen nicht zutreffen. Eisenmann entgegnete, für den Lehrermangel sei mehr die Pensionierungswelle entscheidend als die Schülerzahlen. dpa

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6 KOMMENTARE

  1. Frau Eisenmann ist seit knapp 5 Jahren für die Bildungspolitik im Land zuständig. Anstatt alte Fehler der grün-roten Landesregierung aufzuwärmen, hätte sie inzwischen genug Zeit gehabt, für eine ausreichende Lehrerbesetzung zu sorgen. Viele Schulen suchen dringend Lehrkräfte und im Sommer gehen weitere in den Ruhestand. Allein an den Heidenheimer Gymnasien sind 3 Kunstlehrstellen vakant, nur für ein „Nebenfach“.
    Herr Kretschmann ist wenigstens ein Mensch, der seine Fehleinschätzungen einräumt, was man von Frau Eisenmann mit ihrem „Öffnungsmantra“ nicht behaupten kann.

  2. Das kann nicht war sein, der erste Politiker, der dieses riesige Versagen (das in jedem Bundesland zu finden ist) endlich mal zugibt. Ich kann es mir aber schon wieder lebhaft vorstellen, dass die Suche nach Lehrkräften bald auf demselben unterirdischen Niveau weitergeht: „Huch, wir haben zu wenig Lehrkräfte, dann müssen wir versuchen, welche aus anderen (!, die auch keine haben) abzuwerben.“ Geht es noch? Es muss weiter und mehr ausgebildet werden. Hier sehe ich immer noch keine ernsthaften Bemühungen. Es gab den Sputnikschock, dann den Pisaschock, wie wird es wohl weitergehen???

  3. Fehlplanung korrigiert? Und diese Fehleinschätzung soll sich nur auf 2011-2016 beziehen? Da kann ich mich aber noch viel weiter zurück erinnern, Lehrerschwemme in den 80er Jahren, in denen kaum einer übernommen wurde und gute Lehrer einfach auf die Straße gesetzt wurden, ohne Alternativangebot, 6-8 Jahre später wieder Lehrermangel, und jeder wurde genommen. Abschlussnoten wurden nach Lehrer-Bedarf gegeben. Und da hat sich bisher wenig geändert. Mal zu viel, dann wieder zu wenig, ein ewiges Auf und Ab ohne planungssichere Strategie, jeder nachfolgende Kultusminister begeht dieselben Fehler. Und die Attraktivität des Lehrberufs schwindet immer mehr, da man nur noch der Prellbock der Nation ist und kritiklos die Vorgaben von ganz oben umzusetzen hat, sonst droht Ungemach. Die Lehrer haben eine pädagogische Ausbildung, aber ihre Meinung wird höchst selten beachtet. Die Lehrervertretungen sind überwiegend Konformgänger und müssen sich in einem engen Rahmen bewegen. Es müsste sich viel ändern, aber es wird nichts passieren. Ich habe schon lange prophezeit, dass wir u.a. durch die Überfrachtung der Lehrer mit immer mehr Aufgaben sehr bald einem akuten Lehrermangel entgegensehen. Und immer wieder Einsparungen auf Kosten der Bildung, das Pendel schlägt jetzt zurück. Da sind nicht nur die Fehleinschätzungen zur Entwicklung der Schülerzahlen schuld. Viele Ideen für pädagogisch sinnvolle Veränderungen wären da, aber ein unbewegliches und budget-fixiertes KuMi zerstört da jegliche Hoffnungen.

  4. Wie konnte man auch vorhersehen, dass Lehrer und Erzieher irgendwann in Rente gehen? So plötzlich und unerwartet!- Ironie off- Das gilt übrigens für andere Bundesländer auch.

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