Böhm: Notbremse für Schulen erst bei Inzidenz 200 wäre fahrlässig

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BERLIN. „Man erwartet, dass die Kanzlerin zumindest ihre eigenen Forderungen und Regelungen in der Bundesregierung umsetzen möchte. Stattdessen sollen die Grenzwerte an Schulen wieder von der Gesellschaft abgekoppelt und verdoppelt werden!“, kommentiert Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), die Beschlussvorschläge der Bundesregierung zu bundesweit einheitlichen Maßnahmen gegen die Pandemie.

Zeigt sich entsetzt: Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des VDR. Foto: Marco Urban / VDR

Bundesweit solle die Notbremse ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen greifen. „Das ist auch gut so“, betont Böhm. „Allerdings werden die Schulen schon wieder von diesen gesamtgesellschaftlichen Regelungen ausgenommen und erneut abgekoppelt! An Schulen soll Präsenzunterricht bis zu einem Inzidenzwert von 200 möglich sein! Diese Entwicklung ist völlig absurd, fahrlässig und nicht hinnehmbar!“ Die bisherigen Stufenpläne sahen vor, dass es oberhalb einer 7-Tage-Inzidenz von 100 nur Distanzunterricht, und darunter ab einer Inzidenz von 50 Wechselunterricht nur in geteilten Klassen mit einem Mindestabstand von 1,5 m geben sollte.

„Man hält es schier für unglaublich, dass sich die Bundesregierung von ihren eigenen ursprünglichen Forderungen abwendet und vor wem auch immer einknickt. Wann begreift man endlich, dass die Verantwortung für die Schulen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist! Schulen sind kein eigener Kosmos, in dem die Realität der Welt da draußen keine Rolle spielt!“, stellt Böhm klar. News4teachers

Debatte um neue Notbremse für Schulen: Reicht ein Grenzwert von 200?

 

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19 KOMMENTARE

  1. Respekt, Herr Böhm! Danke! Jetzt bitte nicht nur in einem Interview das passende gesagt haben. Sondern auch etwas dagegen unternehmen. Einflussreiche Leute finden, die diesen Standpunkt ebenfalls vertreten. Menschen, die Druck aufbauen können und das ganze medienwirksam einsetzen. Bitte!

  2. Die Schulen zu Öffnen wäre unter dem sehr gefährlichen Virus grobfahrlässig. Herr Lauterbach auf Twitter.“Wir riskieren von Kindern und Jugendlichen ein Menschenleben von Eltern“!
    Sich nur auf lüften und testen zu verlassen ist zu wenig Scherheit an den Schulen und den Familien. Was ist ein Menschenleben noch Wert? Frau Merkel plädiert für eine Brücken-Lockdown, Testung und Impfung. Leider sind die Eltern der Schulkinder noch nicht an der Reihe
    und brauchen dringen Schutz um gesund durch die Krise zu kommen. Frau Merkel hat leider die Schulen nicht im Blick und deren Familien. Von harten Lockdown keine Rede mehr und so wird wieder der Kurs gewechselt. Beständikeit und eine klare Linie gibt es keine.

  3. Wann gehen wir alle auf den Straßen, um zu protestieren? (Mit Abstand, Masken – an der frischen Luft..) Eltern, Lehrer… wenn genug von uns das machen würden, würde es vielleicht etwas bringen- man kann nicht Tausende von beamteten L u L entlassen- es gibt nicht genug Nachwuchs!! !!! Online Petitionen und Wörter aus den Lehreverbänden bringen auch nichts. Ich habe es so satt- von der Politik und von meckern, ohne etwas zu tun.

    • Jane, ich würde mitgehen. Mit Abstand, Maske und sinnvollen Plakaten. Welches Bundesland? Ich bin in RLP, mit Präsenzpflicht.

    • Ich bin dabei (in BW) – betreue seit Monaten mein KITA-Kind zuhause während meines Homeoffice, aber kann nicht verhindern, dass meine Große in J1 sich aus Angst verpflichtet fühlt, in den Präsenzunterricht zu gehen, damit sie ihr Abitur nächstes Jahr irgendwie schaffen kann. Gegen diesen Druck komme ich nicht an. Wer nicht in Präsenz kommt, erarbeitet sich den Stoff halt komplett allein – nix mit Moodle, nein, nein…!

      Allerdings vermisse ich auch sehr andere Eltern, die was sagen – hier schicken ALLE ihre Kleinen brav in den Kindergarten, freuen sich über „vielleicht 1 – 2 Schnelltests in der Woche an der Schule“ und machen sich scheinbar keinen Kopf…

      Ich werde milde belächelt für meine Vorsicht – und das macht mich fertig!

  4. Ich wäre dabei!Sinnvolle Plakate zb „keine Zwangsdurchseuchung über die Schulen!“,“wennBildung so wichtig ist,dann endlich Luftfilter für alle Schulen“,“wir lassen uns nicht länger verheizen“,etc.

  5. Traurig – gerade erhielt ich eine EILT-Meldung von ZDFheute. Die Notbremse wird unverändert mit nächtlichen Ausgangssperren ab Inzidenz über 100 und Schulschließungen ab Inzidenzen über 200 beschlossen.

    Interessiert wohl echt niemanden in der Politik, wie abwegig, unsinnig, bescheuert eine solche Regelung für ein relativ wahrscheinliches Superspreader-Event Schule oder Großraumbüro ist. Meines Wissens sind diese weder nachts unterwegs noch draußen.

    Selbst die letzten Aufschreie der Wissenschaftler in ihrem offenen Brief sind im luftleeren Raum verhallt.
    Ich kann nicht mehr – das will nicht in meinen Kopf!

  6. Die ˋ Notbremse ´ ist lächerlich . Schulen auf bis Inzidenz 200 . Mit Tests , deren Zuverlässigkeit sehr zweifelhaft ist . So wird auch die ˋ Verschärfung ´des Infektionsschutzgesetzes wirkungslos bleiben . Und gestern noch hatten Wissenschaftler die Regierung darauf hingewiesen , dass die größte Gefahr in Innenräumen besteht . Ergebnis : Joggen am Abend ist verboten , Präsenzunterricht darf sein .

    • ..und mit Tests, die (in BW-Kleinstadt) noch nicht geliefert worden sind. Es wird, Auskunft der Stadt, vermutlich noch „einige Tage“ dauern. Inzidenz im Landkreis heute 212.

  7. So sieht das in Sachsen-Anhalt aus!
    Email vom Schulleiter bei einer Inzidenz von 340.

    „Das Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt konkretisiert deshalb die Erlasse vom 06.04.2021 und 08.04.2021 zu SARS-CoV-2-Antigen-Selbsttests ab sofort wie folgt:

    1. Prüflinge sind an Prüfungstagen vom Betretungsverbot ausgenommen.
    2. Schülerinnen und Schüler, die ein ärztliches Attest vorlegen, aus dem hervorgeht, dass Abstrichtests bei den Personen nicht durchführbar sind, dürfen am Präsenzunterricht teilnehmen. Das Zutrittsverbot gilt für diese SuS nicht. SuS, die über ein solches Attest verfügen unterliegen aber besonders den AHA-Regeln.

    Die Anweisung zu 1. bitte ich auch auf das Schreiben von Klausuren, welche für die Notenbildung erheblich sind, anzuwenden. Auch für diese Sachverhalte gilt besondere Beachtung der AHA-Regeln. Den SuS sind gegebenenfalls gesonderte Aufenthaltsbereiche vor Betreten des Klausurraumes zuzuweisen. Nach Möglichkeit sollen die nichtgetesteten Prüflinge entweder in einem gesonderten Raum während der Klausur beaufsichtigt werden oder im größtmöglichen Abstand von getesteten SuS platziert sein. Während des gesamten Aufenthaltes in der Schule besteht für die nichtgetesteten SuS Maskenpflicht. Der Zeitraum des Aufenthaltes ist auf die für die Durchführung der Prüfung und Klausur notwendige Zeit zu beschränken. Die SuS haben unmittelbar nach der Klausur die Schule wieder zu verlassen. (Direktor LSchA G. Degner)

    Insofern gilt für unser Gymnasium Folgendes:
    • Prüflingen haben Zutritt zu den Prüfungen. Nichtgetestete sind mit 3 m Abstandsreglung an die Fenster zu setzen. Zugangsrecht zu den Räumen haben Sie erst NACH den anderen SuS.
    • Für Klausuren SJG 11 laden Sie bitte selbst alle Ihre betroffenen Schüler_innen ein. Denken Sie an die Absprache mit XXXXXXX zur Zuteilung entsprechender Räume. Beginnen Sie Ihre Klausuren bitte mit einem gemeinsamen Test aller Nichtgetesteten (A/B-Gruppe). Material hält das Sekretariat vor. Verweigernde sind VORAB zur Schulleitung zu bestellen. Sie werden in Einzelfällen im SL-Büro schreiben und bei mehreren SuS in der Turnhalle separiert. Die Klausuraufgaben und Hilfsmittel sind im Sekretariat zu hinterlegen. Achtung: dadurch werden unter Umständen zusätzliche Aufsichten nötig.“

    Viel Freude in der Schule

  8. Alles was für Erwachsene gilt zählt nicht für Kinder:
    Recht auf Homeoffice – nicht für Kinder
    Notbremse ab 100 – Aber Distanz Unterricht ab 200
    In Betrieben können sich die Beschäftigten freiwillig testen lassen – Schüler müssen sich testen lassen

    Zweiklassengesellschaft?!

  9. #wirbleiben zuhause #Zerocovid
    Mein Mann ist seit einem Jahr im Homeoffice, ich ebenfalls, mein Sohn wird definitiv nicht mehr in den Präsenzunterricht gehen bei diesem Infektionsgeschehen. Schon gar nicht bis 200. Ich glaube, die verantwortlichen Politiker haben den Kn… nicht gehört. Geht’s noch??? Die Intensivstationen laufen gerade über und wir – Kinder, Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen sollen tagtäglich Cororonaparties abhalten. Aber am Abend dürfen wir dann keinen Spaziergang mehr machen, weil es nach 21 Uhr ist??? Wo ist denn der Verstand der PolitikerInnen? Hört doch endlich mal den WissenschaftlerInnen zu!!! Wir haben schon vor der Pandemie zu wenige Neuropädiaterinnnen und Klinikplätze für Kinder mit seltenen neurologischen Erkrankungen gehabt. Das System wird zusammenbrechen, wenn jetzt viele Kinder an Post Covid oder Long Covid erkranken.
    Fassungslos!!!!!
    Das ist alles was einem dazu einfällt.

    • Mir geht es genauso. Seit einem Jahr daheim. Alle im Home-Office. In Bayern greift bis jetzt ab 100 Distanzunterricht. Wenn das bei uns umgesetzt wird, müsste meine Tochter wieder zur Schule. Das heißt in Bayern hätte das „verschärfte“ Gesetz zur Folge, dass gelockert wird und das obwohl 100 schon zu hoch ist. Bis vor den Osterferien war 2 Wochen Wechselunterricht (Katastrophe) meine Tochter ist daheim geblieben, es gab aber keine Videoübertragung. Der wert bei uns in Freising war 99,996, darum wurden alle in den Wechselunterricht geschickt. Jetzt hat Freising eine Inszidenz von 202 !!!!!! Jetzt ist endlich Distanzunterricht. Ich hatte gehofft, das Gesetz soll verschärfen. Aber es wird sich trotz anderer Erkenntnisse für eine Inszidenz von 200 entschieden. Weiß denn jemand Genaueres ? Wird die Präsenzpflicht ausgesetzt? Ist der Unterricht freiwillig? Meine Tochter geht jedenfalls nicht zur Schule!!!!!! Ich wundere mich nur, dass kaum etwas in den Nachrichten ist, weder von den Lehrerverbänden noch von Elternverbänden. Es geht immer nur um die Ausgangsbeschränkungen…Was soll das bloß??????

  10. Die Situation auf den Intensivstationen wird sich auch deshalb verschlimmern, weil die COVID-Patienten*innen aktuell immer jünger werden – das korreliert mit einer Erhöhung der Verweildauer.

    Dabei wird das ungesunde Leben in den USA gerade belohnt: Dicke Amerikaner*in (BMI > 25) sind schon priorisiert und können sich nach Feierabend im Supermarkt impfen lassen … hätte ich auch nie gedacht … was für eine Welt . …

  11. Das kann doch nicht wahr sein…. ich darf abends das Haus nicht mehr verlassen, aber jeden Tag mindestens 100 SchülerInnen unterrichten???
    Welcher Dienstherr schützt mich… schützt die SchülerInnen und ihre Familien?
    Bitte, Herr Weil, bleiben Sie bei Ihrer Aussage, dass Sie die strengeren Regeln in Niedersachsen beibehalten werden!!

  12. Greiz, Thüringen, mit aktueller Inzidenz von 564.0!!! 16 von 21 Kinder besuchen die sogenannte „Notbetreuung“. Testen ist nach wie vor freiwillig. 9 von 16 Kinder haben sich testen lassen. Von 9 Test haben 5 funktioniert Ich befürchte, die „Kanone “ geht nach hinten los. Ich bin dabei (Protest!!!)

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