Bayern beschließt Islam-Unterricht – Kritiker reichen Verfassungsklage ein

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Nur einen Tag nach dem Landtagsbeschluss zur Einführung des neuen Wahlpflichtfachs «Islamischer Unterricht» in Bayern haben Kritiker Klage am Verfassungsgerichtshof eingereicht. Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte am Mittwoch den Eingang der Klage. Der Pädagoge Ernst-Günther Krause, der Bund für Geistesfreiheit Bayern und die Regionalgruppe München im Förderkreis der Giordano-Bruno-Stiftung monieren, dass die verfassungsrechtlich erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung des Schulfaches fehlen.

Das heilige Buch der Muslime: der Koran. Foto: crystalina/Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)
Das heilige Buch der Muslime: der Koran. Foto: crystalina/Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Am Dienstagabend hatte der Landtag die Überführung des bisherigen landesweiten Modellversuchs in ein reguläres Schulfach gebilligt. Dieses soll für Schülerinnen und Schüler insbesondere muslimischen Glaubens an rund 350 Schulen künftig statt Religionslehre und neben Ethik wählbar sein. Es handelt sich um ein staatliches Angebot, bei dem staatliche Lehrkräfte in deutscher Sprache Wissen über die islamische Religion sowie eine grundlegende Werteorientierung «im Geiste der Werteordnung des Grundgesetzes und der bayerischen Verfassung» vermitteln sollen.

Das Gesetz vermenge in intransparenter und unzulässiger Weise einen staatlich verantworteten Islamkundeunterricht mit einem religiös bekenntnisorientierten Islamunterricht, hatte Krause schon vor Wochen per Pressemitteilung kritisiert. Auch die AfD hatte bereits angekündigt, vor den Bayerischen Verfassungsgerichtshof zu ziehen.

Dagegen lobte Bayerns Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer die Einführung des Schulfachs als weiteren, wichtigen «Meilenstein für die Integration unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger». Sie rief die Eltern muslimischer Kinder auf, das neue Angebot wahrzunehmen.

Das neue Fach hat in Bayern eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Anfangs gab es etwa eine «Islamische Unterweisung» in türkischer Sprache, später dann auf Deutsch. Ein Modellversuch «Islamischer Unterricht» lief seit 2009 und wurde immer weiter ausgedehnt. Zuletzt gab es ihn laut Ministerium an 364 Schulen, vor allem an den Grund- und Mittelschulen und insbesondere in Ballungsgebieten. So viele Standorte sollen es auch zum Start als Wahlpflichtfach im Herbst sein, später soll das Angebot bedarfsgerecht ausgebaut werden. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. „Dagegen lobte Bayerns Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer die Einführung des Schulfachs als weiteren, wichtigen «Meilenstein für die Integration unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger». Sie rief die Eltern muslimischer Kinder auf, das neue Angebot wahrzunehmen.“
    Ich kann jetzt nur für Grundschulen sprechen, aber bei uns bedeutet „Integration“, dass Kinder mit verschiedenen Voraussetzungen möglichst GEMEINSAM unterrichtet werden!
    Wie ein Separieren der muslimischen Kinder der Integration förderlich sein soll, erschließt sich mir nicht!
    Ich bin – im Sinne der Integration aller (Grundschul-)Kinder – dafür, gar keinen Religionsunterricht – egal welcher Couleur – an der Schule zu erteilen. Dafür soll ein allgemeiner Ethik-, Werteunterricht erteilt werden, an dem alle Kinder teilnehmen.
    Das wäre auch im Sinne der konfessionslosen, jüdischen, buddhistischen und hinduistischen Kinder, denke ich.
    Aber was weiß ich Schmalspurakademikerin schon! Habe ja nicht mal einen Doppelnamen!

    • Volle Zustimmung, Alla, aber leider werden die vernünftigen Ansätze der Pädagogen nicht angenommen, wie meistens. Auch hier werd wieder blind und ohne Weitsicht entschieden und gehandelt. Im Prinzip geht es gar nicht um Integration, sondern um die Gefahr die besteht, wenn der Islamunterricht nur in den Moscheen stattfindet. Das will nur keiner zugeben. Erdogan wird so oder so seinen Einfluss geltend machen, das ist sicher. Da haben wir viel zu lange geschlafen.

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