Mathe-Lernvideos: Eine Anregung für nachhaltiges Lernen und Lehren an der Grundschule

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DORTMUND. Sie sind Mathelehrer:in, Ganztagspädagog:in oder möchten ihr Kind zuhause dabei unterstützen, ein besseres Verständnis für Zahlen zu entwickeln? Dann haben Sie vielleicht schon festgestellt, dass das Angebot an Videomaterial auf YouTube und Co. riesig ist und die Auswahl schwerfallen kann. Dr. Luise Eichholz und ihre Kolleg:innen vom Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts (IEEM) der TU Dortmund haben deshalb eine übersichtliche Reihe von Übungs- und Lernvideos samt Zusatzmaterial erstellt, die vielseitig in den analogen Grundschul-Unterricht integriert werden kann. Im Gastbeitrag stellt die abgeordnete Lehrerin das kostenfreie Angebot der Hochschule vor. 

Eine hervorragende Unterstützung für alle, die Kindern Mathe nahebringen möchten: Die Lernvideos der Reihe Mathe-Hilfe-Kompakt (Mahiko) der TU Dortmund. Foto: Shutterstock

Das letzte Schuljahr war eine große Herausforderung für alle, die sich in unseren Schulen engagieren. Es wurden Defizite in der Digitalisierung deutlich, aber auch die große Bedeutung des Unterrichts vor Ort mit dem direkten Austausch untereinander ist allen Beteiligten erneut bewusst geworden. Vor allem auf Grund des Distanzunterrichts in der Corona-Zeit haben sich auch viele Lehrkräfte intensiver mit den Möglichkeiten, die der Einsatz von Videos bieten kann, auseinandergesetzt. Sie haben im Internet Erklärvideos gesucht und gefunden, Links von YouTube-Videos geteilt, viele haben eigene Videos erstellt, weil sie mit der Qualität des Vorgefundenen nicht zufrieden waren.

An der TU Dortmund hat sich ein Team von Mathematikdidaktiker:innen und -lehrer:innen schon seit längerem mit den digitalen Möglichkeiten, guten Mathematikunterricht zu unterstützen, beschäftigt. Am bekanntesten ist dabei wohl das Projekt PIKAS (pikas.dzlm.de).

Mathe-Hilfe: Für Pädagogen, Kinder und Eltern 

2019 startete das neue Projekt Mahiko: Mahiko steht für ‚Mathe Hilfe Kompakt‘ (mahiko.dzlm.de) und wendet sich zunächst einmal an Erwachsene: „Zahlreiche Videos zeigen, wie Eltern – aber auch pädagogisches Personal zum Beispiel aus der Ganztagsbetreuung – Kindern beim Lernen von Mathematik helfen können. Sie erhalten zunächst grundlegende Informationen darüber, wie Kinder lernen und rechnen. Außerdem erfahren sie, welches Material sie einsetzen und wie sie mit Kindern richtig üben können“, heißt es in einer Pressemitteilung der TU Dortmund. Das Teilprojekt Mahiko-Kids knüpft daran an, indem es passend zu den dargebotenen Inhalten jeweils Lernvideos für Grundschulkinder anbietet.

Lernvideos und das ViewBoard

Foto: ViewSonic

Von der Kita bis zur Uni – Das ViewBoard macht den Einsatz digitaler Medien kinderleicht

„Digitale Inhalte, Tools und Hardware sind kein Ersatz für guten Präsenzunterricht“, erklärt Daniel Jung. „Aber sie sind eine weitere Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler aus sich selbst heraus zu motivieren.“ Deshalb nutzt Deutschlands beliebtester Mathe-Youtuber jetzt für seine Tutorials die vielen smarten Funktionen des ViewBoards, der interaktiven Tafel von ViewSonic. Möglichkeiten wie sehr einfach und ohne Zeitverlust auf gespeicherte Dokumente zuzugreifen, Tafelbilder zu speichern, Videos abzuspielen und vieles mehr haben auch zahlreiche Schulen bereits davon überzeugt, das Whiteboard im Unterricht einzusetzen.

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Diese Lernvideos wollen die Potenziale der Digitalisierung, die wir alle im vergangenen Jahr kennengelernt haben, für den Präsenzunterricht verfügbar machen. Durch ihren Einsatz rückt ein wesentlicher Aspekt nachhaltigen Mathematiklernens in den Vordergrund: Sie regen explizit den Austausch über Strukturen und Muster in der Mathematik an und gehen damit über reine Erklärvideos hinaus. Sie beziehen sich auf die wesentlichen arithmetischen Inhalte des Grundschulunterrichts, sind nach den Zahlenräumen strukturiert (ZR bis 20, bis 100, bis 1000, bis 1 Mio) und haben dabei den Anspruch, mathematikdidaktische Prinzipien angemessen zu berücksichtigen.

Übungsanregungen statt reine Erklärvideos

Im Unterschied zu reinen Erklärvideos sind in die Mahiko-Kids-Lernvideos Übungsanregungen integriert, die die Kinder zur selbstständigen Auseinandersetzung mit den Inhalten anregen. Die Kinder werden dazu aufgefordert, das Video zu stoppen und die dargestellten Erklärungen oder Übungsanregungen an ihrem eigenen Material durchzuführen. Es werden immer wieder kleinere Aufgaben gestellt, die anschließend „besprochen“ werden. Am Ende der Videos gibt es oft einen offenen Arbeitsauftrag, an dem die Kinder in Partnerarbeit weiterarbeiten können.

Ob einzeln, in Partner- oder Kleingruppenarbeit: Die Mahiko-Übungs- und Lernvideos sind vielfältig einsetzbar. Foto: Dr. Luise Eichholz

Es wird viel Wert darauf gelegt, mathematische Inhalte zu verstehen und geschickte Vorgehensweisen anzuregen. Ziel ist es, einen Zahlenblick zu entwickeln. Erst in einem zweiten Schritt werden dann Übungen zur Automatisierung bestimmter Inhalte angeregt.

In den Videos werden die Grundschulkinder Aiko, Hendrik, Timo, Henri, Ida und Ayleen als wiederkehrende Identifikationsfiguren genutzt, die die Kinder direkt ansprechen. Sie erklären Dinge, sie stellen unterschiedliche Rechenwege vor, sie dienen als Sprachvorbild und regen zur Partnerarbeit an.

Die Videos arbeiten mit Veranschaulichungen, die sich an die in der Grundschule üblichen Anschauungsmaterialien (hier z.B. Zwanzigerfeld, Fünferstreifen und Plättchen) anlehnen. Da die Kinder dazu angehalten werden, diese auch zu verwenden, stehen notwendige Materialien zum Download und Ausdrucken zur Verfügung. In der Regel können aber auch die in der Klasse vorhandenen genutzt werden. Damit die Lehrkraft weiß, was benötigt wird, gibt es zu jedem Video eine entsprechende Übersicht auf der Website.

Hier gelangen Sie direkt zu einem Beispiel-Lernvideo für Grundschulkinder: https://mahiko.dzlm.de/node/328

Um die Videos besser unterrichtsorganisatorisch integrieren zu können, finden Sie am Ende jeder Lernvideoseite ein PDF zum Download, in dem zu jedem Video der jeweiligen Seite eine Karteikarte zu finden ist, die neben dem QR-Code die wichtigsten Informationen zu diesem Video kurz zusammenfasst. Diese können im Klassenraum z.B. in einem Karteikasten aufbewahrt werden, um sie einzelnen Kindern bei Bedarf zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe des QR-Codes auf der Karteikarte können die Kinder mit dem Tablet schnell und unkompliziert zum jeweiligen Video gelangen. Für die Arbeit mit einem Laptop wird die Kurz-URL, die ebenfalls auf der Karteikarte steht, benötigt.

Wie können die Videos im Unterricht eingesetzt werden?

Der Einsatz von Mahiko-Kids-Lernvideos ist in unterschiedlichen Lehr-Lern-Situationen denkbar. So könnten sie im Präsenzunterricht u.a. wie folgt genutzt werden:

  • als Wiederholung oder Einstieg in ein neues Thema
  • zur Differenzierung mit Kleingruppen und in Partnerarbeit
  • für einzelne Kinder, selbständig oder mit einem Helfenden
  • für Hausaufgaben bzw. Aufgaben für die Lernzeit im offenen Ganztag
  • als Anregung zum Austausch über unterschiedliche Rechenwege und Vorgehensweisen, indem zwei Kinder verschiedene Videos ansehen und sich darüber austauschen (z.B. zu den Minusaufgaben, http://mahiko.dzlm.de/node/260 und 261): Ein Kind schaut sich das Video zunächst alleine an und legt die Aufgaben am Zwanzigerfeld nach. Anschließend erklärt es einem anderen Kind, wie die Aufgabe in dem Video gerechnet wurde. Dieses hat in seinem Video eine andere Vorgehensweise gesehen und erläutert diese.
  • als gemeinsamer Einstieg oder zur Wiederholung mit der Klasse oder mit Teilgruppen: Arbeit am Video zur Division im Klassenverband. Das Video wird gemeinsam auf dem Smartboard geschaut und zwischendurch gestoppt. Die Kinder legen in Partnerarbeit nach und notieren die Aufgaben.

Was muss ich mit den Kindern vorab besprechen?

Beim ersten Einsatz von Mahiko-Kids-Lernvideos muss für die Einführung der Handhabung Zeit eingeplant werden. Folgende Fragen sollten mit den Kindern geklärt und erprobt werden:

  • Wie scanne ich den QR-Code?
  • Wie stoppe/starte ich das Video? Kann ich mir etwas noch einmal angucken?
  • Was muss ich tun, wenn Material fehlt?
  • Wie kann ich mir das Video groß anschauen?
  • Welche Absprachen muss ich mit meinen Mitschauer*innen treffen?
  • Was mache ich, wenn ich etwas nicht verstanden habe?

Das sind nur ausgewählte Beispiele für den Einsatz der Mahiko-Kids-Lernvideos, es gibt sicherlich noch viele andere. Das Projektteam freut sich über Rückmeldungen und Ideen zu den Videos (E-Mail: mahiko@dzlm.de).

Dr. Luise Eichholz, TU Dortmund, IEEM

Hier finden Sie alle Videos und Materialien für den direkten kostenlosen Einsatz: mahiko.dzlm.de

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2 KOMMENTARE

  1. Die abgebildeten Mengenbilder mit einer Anordnung der Punkte in einer Reihe erschweren das visuelle Erfassen der Menge.
    Besser für die Mengenerfassung eignet sich die Anordnung, bei der diese paarweise im Zehnerfeld angeordnet sind und die Mengenbilder noch farbig different voneinander gestaltet werden. Damit lassen sich Verknüpfungen von Mengen, wie etwa im Legosteinsystem praktiziert, besser durchführen, um Additionsaufgaben darzustellen oder Zahlenmengen zu zerlegen.
    1 O, 2 OO, 3 OO , 4 OO, 5 OOO, 6 OOO, 7 OOOO, 8 OOOO 9 OOOOO,10 OOOOO
    O OO OO OOO OOO OOOO OOOO OOOOO
    Die Aufbringen der Mengenbilder auf die Zehnertabelle lassen sich so die noch zu ergänzenden Mengen zur 10 direkt erfassen.
    Die Montessori-Methodik erweist sich hierbei wieder im Vorteil zur althergebrachten Mengendarstellung, bei der die Mengenbilder schwer voneinander in der visuellen Erfassung zu trennen sind.

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