„Verlorene Generation Corona“? – Warum es auf keinen Fall wieder Homeschooling geben darf

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MÜNCHEN. Im ersten Teil seines Gastartikels über die psychischen Auswirkungen der Corona-Pandemie hat Peter Maier aus seiner persönlichen Sicht als Lehrer und Jugend-Mentor die Situation beschrieben, in der sich Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte derzeit befinden. Im zweiten Teil erklärt er vor dem Hintergrund der teils drastischen psychischen Folgen, weshalb wir dennoch nicht von einer „verlorenen Generation“ sprechen sollten und welches seiner Meinung nach jetzt die fünf „Königsaufgaben“ für Pädagogen und Pädagoginnen sind.

Lehrkräften kommt im neuen Schuljahr die Herkulesaufgabe zu, Schülerinnen und Schüler sowohl schulisch-lerntechnisch als auch psychisch-sozial in ihrem Persönlichkeitsprozess zu unterstützen und zu begleiten. Foto: Shutterstock

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Bekommen wir eine „verlorene Generation Corona“?

Eine solche Prognose ist nach eineinhalb Jahren Corona-Einschränkungen an den Schulen noch zu früh. Aber die Situation von jungen Menschen verdient endlich gesellschaftliche Beachtung und Anerkennung. Bevor man sie vorschnell als eine ‚verlorene Generation‘ abstempelt, sollte man abwarten und beobachten, welche Resilienzfähigkeit in unseren Jugendlichen steckt.

Unbeachtet dessen sollten in diesem Zusammenhang aber Studien wie die des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf Beachtung finden, in der im Zeitraum Dezember 2020 bis Januar 2021 über Tausend Kinder und Jugendliche befragt wurden. Das erschütternde Ergebnis: Bei fast jedem dritten Jugendlichen sind Corona-bedingte psychologische Auffälligkeiten zu beobachten: depressive Symptome, psychosomatische Folgen wie Magen- oder Kopfschmerzen. In einer österreichischen Studie im Frühjahr 2021 mit 3000 befragten Jugendlichen wurden bei mehr als der Hälfte von ihnen ebenfalls eine depressive Symptomatik, bei 16 Prozent sogar regelmäßige suizidale Gedanken festgestellt.[v]

Vor dem Hintergrund der psychologisch Entwicklung von Kindern und Jugendlichen muss die Lage unserer Schüler/innen leider auch so beschrieben werden: Der natürliche Initiations-Prozess, d. h. die Entwicklung von der Kindheit ins Jugendalter und von der Adoleszenz ins Erwachsensein etwa während der gymnasialen Schulzeit, hat bei vielen Schüler/innen doch eine merkliche Schlagseite oder zumindest eine deutliche Verzögerung erfahren. Denn der regelmäßige Kontakt mit Gleichgesinnten außerhalb des Elternhauses ist entscheidend für diese beiden Entwicklungsprozesse, die eine schrittweise Ablösung von den Eltern und zugleich den organischen Aufbau eines eigenen Bekannten- und Freundeskreises bedeuten. Und diese natürlichen Kontakte haben nun seit eineinhalb Jahren fast ganz gefehlt.

Auf keinen Fall darf es im neuen Schuljahr nochmals Wechselunterricht oder gar Homeschooling geben. Entlüftungsgeräte in jedem Klassenzimmer, weiterhin die Einhaltung der Hygienevorschriften und die Testpflicht in den Schulen sollten jetzt oberste Priorität haben.

Auf keinen Fall darf es daher im neuen Schuljahr nochmals Wechselunterricht oder gar Homeschooling geben. Entlüftungsgeräte in jedem Klassenzimmer, weiterhin die Einhaltung der Hygienevorschriften und die Testpflicht in den Schulen sollten jetzt oberste Priorität haben. Außerdem ist eine baldige medizinische Klärung von Impfmöglichkeiten auch für Kinder und Jugendliche jetzt dringend gefordert – basierend auf verlässlichen, wissenschaftlich fundierten Untersuchungen.

Daher kann ich mich den Forderungen von Sven Christoffer, dem Vorsitzenden des NRW-Lehrerverbands „lehrer nrw“ nur anschließen, der die konsequente Umsetzung und sinnvolle Einsetzung der in Aussicht gestellten Bundesmittel aus dem „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona“ fordert, das folgende Schwerpunkte enthält: neben dem Abbau von Lernrückständen sollen etwa durch Freiwilligen-Dienstleistende und zusätzliche Sozialarbeit auch außerschulische Jugendarbeit und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe gefördert werden.

Dabei sollte aber die Schule der erste und eigentliche Ort sein, um die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung der Schüler*innen bestmöglich zu fördern – im Unterricht selbst und in außer-unterrichtlichen Angeboten der Schulen. Die Verankerung der Ausgaben im System der Schule kann Schnellschüsse und eine nur vordergründige, letztlich aber ineffektive Verpuffung dieser Mittel verhindern, sowie einen notwendigen Beitrag zu einer möglichst nachhaltigen Aufarbeitung der Pandemie-Folgen leisten.[vi]

Die Königsaufgaben der Lehrkraft sind jetzt gefragt

Wenn im August oder September in den einzelnen Bundesländern das neue Schuljahr beginnt, so ist – hoffentlich – der normale Präsenzunterricht in voller Klassenstärke wieder die Regel. Wie nach einem heftigen und lang andauernden Sturm können dann die Schäden besichtigt und anschließend beseitigt werden, die die Corona-Pandemie bei den Schüler/innen angerichtet hat – bezüglich ihres Wissensstandes und psychisch. Das Ausmaß der Defizite ist jedoch zunächst nur schwer abschätzbar.

Es wird sicher eine Herkulesaufgabe sein, in den einzelnen Schulen spezielle Kurse zum Aufholen der Lernrückstände einzurichten und den davon am meisten betroffenen Schüler/innen zu empfehlen, daran auch teilzunehmen. Denn diese Kurse müssen dann von ihnen ja zusätzlich zum normalen Unterricht belegt werden. Dies verlangt viel Geduld und Einfühlungsvermögen bei uns Lehrer/innen, die Schüler/innen auf diesem „Weg des Lernens“ zu begleiten.

Mindestens ebenso wichtig finde ich es jedoch, unsere Schüler/innen aus Versagensängsten, Depressionen, Vereinsamung und Isolation heraus zu holen, in denen sich nicht wenige von ihnen während der Lockdowns befanden und zum Teil auch jetzt noch befinden. Ihre Situation im Unterricht jetzt bewusst zu thematisieren, ist ein Weg dazu. Die Fächer Deutsch, Sozialkunde, Ethik und Religion erscheinen mir für diese psycho-soziale Aufgabe geradezu prädestiniert.

Darüber hinaus sind wir Lehrkräfte aber alle herausgefordert, unseren Schüler/innen am Ende der Corona-Krise beizustehen. Dazu müssen wir uns jedoch unserer eigentlichen „Königsaufgaben“ als Lehrer/innen bewusst werden, uns an unser Ethos als  Pädagog/innen erinnern und die „Wolke“ des ganzen Corona-Hypes endlich beiseite schieben, in der wir uns seit eineinhalb Jahren befunden haben – angetrieben von immer neuen und kurzfristigen Vorgaben von Bildungspolitik, Kultusministerien und Schulleitungen; und dauer-gestresst von der digitalen Transformation des Unterrichts, die viele von uns schlichtweg überfordert hat. Diese eigentlichen pädagogischen Aufgaben möchte ich abschließend in folgenden Thesen zusammenfassen:

  1. These:

Im Klassenzimmer bin ich mein eigener König bzw. meine eigene Königin. Trotz all der administrativen und organisatorischen Vorgaben darf ich nie vergessen, dass ich große Entscheidungsspielräume habe – trotz allem. Diese sollten gerade jetzt vermehrt genutzt werden.

  1. These:

Die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen hungern nach Führung, nach positiver Bestärkung, nach seelisch-geistiger Unterstützung, ja überhaupt danach, als menschliche Wesen in ihrer Entwicklung auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit wahrgenommen und bestätigt zu werden. Hier wird unser eigentliches Lehrer-Berufsethos nun elementar berührt und angefragt.

  1. These:

Der altbekannte Slogan „Erziehung durch Beziehung“ erlebt gerade jetzt am Ende der Pandemie eine unerwartete Renaissance und eine dringende Notwendigkeit. Denn die meisten unserer Schüler/innen sehnen sich nach einer (guten) Beziehung zur Lehrkraft. Diese Beziehungsebene ist niemals digitalisierbar und operationalisierbar, sie wird immer analog bleiben. Viele unserer Schüler/innen brauchen jedoch diese Beziehung zu ihrem Lehrer/ihrer Lehrerin wie eine tägliche psychische Nahrung, um sich entwickeln zu können.

  1. These:

Gerade am „Ausgang“ aus der Corona-Krise sind wir Lehrkräfte ganz unabhängig von unseren jeweiligen Fächern als mitfühlende Menschen, als Psychologen und als Seelsorger gefragt wie nie zuvor. Auch diese Eigenschaften gehören für mich zur Königsaufgabe von uns Lehrer/innen. Denn ein guter König/eine aufmerksame Königin kümmert sich um seine „Untertanen“, sorgt für sie auf allen zur Verfügung stehenden Ebenen, hilft, wo er/sie nur kann. Und unsere Schüler/innen sind uns eben anvertraut und jetzt besonders bedürftig nach dieser Zuwendung.

  1. These:

Konkret brauchen unsere Schüler/innen in uns Lehrer/innen nun Orientierung, mentale und psychische Leitplanken, Ermutigung, Hoffnung, Visionen, einen Impulsgeber fürs Leben, aber auch einen Helfer/eine Helferin in der ganz praktischen Aufholung von Lernrückständen und in der Befreiung von schulischen Versagensängsten und geistigen Blockaden.

Fazit

Gerade für das kommende Schuljahr sehe ich eine große Verantwortung und eine nicht zu unterschätzende Aufgabe für uns Lehrerkräfte, die uns anvertrauten Schüler/innen sowohl schulisch-lerntechnisch als auch psychisch-sozial in ihrem Persönlichkeitsprozess zu unterstützen und zu begleiten, so dass die vielfältigen Wunden heilen und Blockaden weichen können, die uns allen die Corona-Pandemie beschert hat.

Peter Maier

(Gymnasiallehrer a. D., Jugend-Initiations-Mentor, Autor)

Über den Autor

Peter Maier ist Gymnasiallehrer, Jugend-Initiations-Mentor und Autor. Er hat Bücher zu Pädagogik und Lehrergesundheit verfasst.

 

Initiation – Erwachsenwerden in einer unreifen Gesellschaft. Band I: Übergangsrituale“ ISBN: 978-3-86991-404-6 (18,99 €, Epubli Berlin); eBook: ISBN 978-3-753176-25-3 (Epubli Berlin 2021, Preis: 11,99 €)

 

 

Initiation – Erwachsenwerden in einer unreifen Gesellschaft. Band II: Heldenreisen.“ ISBN: 978-3-86991-409-1 (19,99 €, Epubli Berlin); eBook: ISBN: 978-3-752970-59-3 (Epubli Berlin 2020, Preis: 12,99 €)

 

 

„Schule – Quo Vadis? Plädoyer für eine Pädagogik des Herzens“  ISBN: 978-3-95645-659-6 (Epubli Berlin, 2. Auflage 2016, 20,99 €); eBook: ISBN: 978-3-752956-93-1  (Epubli Berlin 2020, Preis: 12,99 €)

 

Literatur zur Lehrergesundheit:

Peter Maier: „Heilung – Plädoyer für eine integrative Medizin“ (Softcover); ISBN: 978-3-752953-99-2. (Preis: 18,99 €, Epubli Berlin, 1. Auflage 2020); eBook: ISBN: 978-3-752952-75-9. (Preis: 12,99 €, Epubli Berlin, 2020)

Weitere Infos und Buch-Bezug: www.initiation-erwachsenwerden.de

 

Quellen

[i]           Süddeutsche Zeitung vom 29./30. Mai 2021, BUCH ZWEI, S. 11

[ii]         ebd.

[iii]        www.web.de/magazine/ratgeber/kind-familien-lernrückstände vom 06.06.2021

[iv]         SZ, a.a.O.

[v]          vgl. ebd.

[vi]         vgl. Magazin „lehrernrw“, Ausgabe 4/2021, S. 3 f.

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19 KOMMENTARE

  1. Ende der Pandemie? Habe ich was verpasst?

    Soweit ich mitbekommen habe, stehen nun die Schüler am Anfang ihrer persönlichen Pandemie.

    Und die Königsaufgaben der Lehrkräfte werden seit Jahren mit Verwaltungsbullshit unterminiert.

    Vollständiger Präsenzunterricht und dabei noch beruhigend auf die Schüler einzuwirken bei erneut steigenden Fallzahlen? Hat da noch wer ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend?

    Wieso gibt es nicht den Königsweg der alternativen Konzepte. Der Weg, um die Verbreitung zu minimieren, sind nun mal Luftfilter und Wechselunterricht, so dass nur wenige Personen in geschlossenen Räumen sind. So bewahrt man die soziale Interaktion und Verbindlichkeit zu den Schülern.

    Aber es gibt anscheinend nur Topp oder Flopp ohne irgendwelche Zwischentöne: Vollpräsenz oder Distanzunterricht. Das ist der Fokus. Dass Vollpräsenz vielerseits zu Distanzunterricht führt, scheint dabei völlig lulu zu sein.

    Auch wenn viele KuK keinen Wechselunterricht mögen, ich fand ihn gut, da er eine gewissen Kontinuität versprach, die über drei Wochen hinausging. Die Zahlen knubbelnder SuS in Bussen und Bahnen minimieren sich, der Schulhof ist leerer, und man kann sich besonders gut intensiv mit den kleineren Lerngruppen auseinandersetzen, während die anderen de Stoff vor- oder nachbereiten.

    Aber wenn man natürlich die Pandemie für beendet erklärt, die Lehrer von ihren bürokratischen Mahlsteinen befreit, dann ist so ein Königsweg toll.
    Wie in einem schönen bunten Bilderbuch voller eifriger Schüler, die alle Hilfe bekommen, und diese auch noch annehmen, und alle gerne den versäumten Schulstoff nachholen. In einem Alltag, wo genug Platz für noch mehr Lernen ist. Wer braucht schon Hobbys.

    Ich mag die positive Art des Autors, aber irgendwie ist das auch Bullerbü.

  2. Einfach mal diese fünf Thesen kommentiert: Mehr als inhaltloses, weil beispielsloses Blabla -zum Teil komplett an der aktuellen Schülerwelt vorbei – bringt ein Jugendmentor also nicht zustande. Leere und schöne, große Worte und die Pandemie ist in seiner Welt wohl auch schon für beendet erklärt worden.

    Und damit wird man Gastautor?

    • Ja, das sehe ich ähnlich. Jede These geht in die gleiche Richtung. An der Sekundarschule jedenfalls wollen viele Jugendliche auch gern in Ruhe gelassen werden, benötigen wenig „Führung“ und schon gar keinen König/Königin.

  3. die „Wolke“ des ganzen Corona-Hypes endlich beiseite schieben, in der wir uns seit eineinhalb Jahren befunden haben – angetrieben von immer neuen und kurzfristigen Vorgaben von Bildungspolitik, Kultusministerien und Schulleitungen; und dauer-gestresst von der digitalen Transformation des Unterrichts

    Das ist ein Widerspruch in sich. Gern würde ich diese Wolke „wegschieben“, aber sie ist nun mal da und Corona nicht verschwunden. Auf die Regelungen und Vorgaben für die Schulen haben die LehrerInnen keinen Einfluss, sie müssen tun, was angeordnet wird. Es wird wieder kurzfristige Vorgaben, ständige Änderungen usw. geben. Man kann diese Wolke nicht einfach wegschieben!

  4. auch ein sehr gelungener Beitrag und geht leider den Verantwortlichen am Arsch vorbei. Der Ausdruck sagt alles! In Bw bigt es an den Schulen immer noch G8 und inde langen Krise hatten wir G7. Die G8 Generation hat keinen Spielraum mehr auf verkürzte Bildung. Die Bildung ist bei G8 Schulen sehr geschrumpft und die Lücken sind vielen verschiedenen Fächern nicht durch Zusatzstunden zu bewältigen bei einem langen G8 Stundenplan. Gehirn und Weitblick hat frau schopper und Herr Kretschmann nicht eingesetzt und die Bestandsnot der Rückstände nicht ehrlich in den Blick genommen. G8 Schüler sind am Limit angekommen und haben an der Schule keine Freude mehr nach den vielen angehäuften Defizieten. Auch das Schulelen ist zu einer großen Belastung geworden. Gehör auf mehr Zeit um dieser außergewöhnlichen Bildungszeit gerecht zu werden, trifft bei Herrn Kretschmann und Frau Schopper in BW nur auf taube Ohren.

  5. Der Artikel suggeriert, dass Schulen die Möglichkeit haben, zusätzliche Kurse einzurichten.
    Das ist aber nur möglich, wenn die Schulen zusätzliches Personal erhalten, das diese Aufgabe übernehmen kann und keine anderen Aufgaben (Vertretung, Notbetreuung) übernehmen muss.

    Dieses Personal sollte zudem nicht nur nach einer Pandemie plötzlich auftauchen, sonderen generell in Schulen dazu gehören, denn es gibt immer Kinder und Jugendliche, die besonderer Aufmerksamkeit und Unterstützung bedürfen.
    Bei derzeitiger Versorgung können viele Schulen nicht einmal die Pflichtstundentafel besetzen, an Förderkurse, selbst wenn sie im Erlass genannt sind, ist nicht zu denken.

    Ohne dieses Personal bleibt die Unterstützung im Rahmen der Möglichkeiten. Lehrkräfte kümmern sich auch nicht erst nach der Pandemie um die Lernenden in ihren Klassen. Auch waren weder Schüler:innen noch Lehrer:innen aus der Welt, Beziehungsarbeit und Unterricht wurde auch in den vergangenen 18 Monaten geleistet und wird auch weiterhin erfolgen, ob nun in Präsenz, Wechselunterricht oder Distanz.
    Vielleicht brauchen Schüler:innen auch einfach „Normalität“: verlässlichen Unterricht und verlässliche Lehrkräfte, wie sonst auch.

    Darüber hinaus kann es für Lehrkräfte sinnvoll sein, die Arbeitszeit deutlich abzugrenzen und dies auch zu kommunizieren, um nach den anstrengenden Monaten und pandemiebedingten Herausforderungen einmal mehr selbst darauf zu achten, nicht 24/7 für alle und alles zuständig zu sein. Bei fehlendem Arbeitsschutz und keinerlei Zeiterfassung der geleisteten Arbeitszeit sind Forderungen, die zusätzlich zu den sonst schon zeitlich unerfüllbaren Aufträgen weitere hinzuzufügen, nicht dienlich, da sie Hoffnungen oder Anspruchshaltungen schüren, die nicht erfüllt werden können.

    Davon abgesehen: Ich kann sicher starke Präsenz im Klassenraum bieten, wenn es notwendig ist, aber ich bin als Lehrkraft kein Monarch und meine Schüler:innen sind nicht meine Untertanen.

  6. Seit 11/2 Wochen wieder Präsenz und die Klassen werden schon wieder leerer, da alle positiv getesteten Kinder und deren Geschwister zu Hause bleiben müssen.
    Ende der Pandemie???
    Da haben die Kinder wohl was nicht verstanden, denn noch nie in den letzten eineinhalb Jahren haben sich so viele infiziert !

    • Ich habe es mal ausgerechnet: zur Zeit sind wir an der Schule bei einer Inzidenz von 1074.
      Wobei die Geschwister der positiv getesteten SuS keinen PCR-Test bekommen haben, nur in Quarantäne sind!
      Zusätzlich haben wir Stand heute weitere 9 von 275 Kinder, die wegen eines grippalen Infekts krank gemeldet wurden, aber natürlich nicht getestet wurden.
      Im Worst Case hätten wir dann 16 infizierte Kinder in den letzten 7 Tagen, also eine Inzidenz von 5818.

  7. „Auf keinen Fall darf es daher im neuen Schuljahr nochmals Wechselunterricht oder gar Homeschooling geben. Entlüftungsgeräte in jedem Klassenzimmer, weiterhin die Einhaltung der Hygienevorschriften und die Testpflicht in den Schulen sollten jetzt oberste Priorität haben.“

    OK, Herr Peter Maier kümmert sich dann also mal um die TATSÄCHLICHE Umsetzung und besorgt mal so ganz auf rasch die Entlüftungsgeräte für jedes Klassenzimmer!
    Vielen Dank im Voraus.
    Unterstützung finden Sie sicherlich bei Sven Christoffer, dem Vorsitzenden des NRW-Lehrerverbands „lehrer nrw“ – dem haben Sie sich ja schon angeschlossen.
    Zu zweit kriegen Sie das garantiert hin … Rock the house of KMK! Auf geht’s, Buam!

    Was die „5 Thesen“ angeht: Ich dachte doch tatsächlich, da kommt jetzt was Tolles, oder wenigstens was Neues.
    Nö.
    Sehr geehrter Herr Maier, erinnern Sie sich doch bitte mal an Ihre Zeit als Lehrer. Das, was Sie uns da in Ihren 5 Thesen als „großen Wurf“ anbieten wollen, das ist doch einfach „Alltagsgeschäft“.
    Also wieder mal eine Prise Symbolik-Bla-Bla hier, eine Prise Herumgefloskel dort … noch mal kräftig durchgerührt und fertig ist ein neuer nichtssagender Aufguss von … Ja, was sollte das eigentlich werden?
    Den letzten Gastbeitrag haben ich in einem in jeder Hinsicht ähnlich blasser Erinnerung.

  8. Die Frage, nach dem Ende der Pandemie ist zugleich die Frage, wie wird das Ende der Pandemie definiert?
    Zu Beginn hieß es, mit 60%-70% Herdenimmunität (Impfung und Durchseuchung) haben wir die Pandemie im Griff. Jetzt sind wir bei 80% Impfquote und Durchseuchung ist ein böses Wort geworden, die Gesellschaft wird gespalten in Geimpfte und Ungeimpfte, die Politik verstärkt das Ganze im Zuge des Wahlkampfs, in dem mancher grundsätzlich als Hardliner bzw. sagen wir mal moderater präsentiert.
    Sobald jemand eine andere Meinung hat, die nicht mit der eigenen übereinstimmt, wird er (oder sie ) verbal niedergemacht.
    Bin ja gespannt, wann sich jemand traut, die Pandemie irgendwann als beendet erklärt. Die Viren werden bleiben, mal mehr oder weniger mutiert, die Impfungen werden keinen 100% Schutz geben. Ich bin zwar nicht begeistert, aber ohne die „Durchseuchung“ wird es keine Ende der Pandemie (Definiton?) geben. Und danach wird es sehr viele Baustellen geben, nicht nur im medizinschen Bereich. Die nächsten Jahre werden nicht schön bzw. normal werden. Wie immer Normalität definiert wird!

    • Ich versuchs mal, Trotzki:
      Jede neue Mutation begründet aufgrund der veränderten Übertragungs- und/oder Symptomeigenschaften vom Prinzip her eine neue Pandemie. Nehmen wir jetzt nur die relevanten Mutationen, haben wir derzeit vier bis fünf Pandemien parallel laufen, von denen zwei (Wildtyp und Alpha) inzwischen fast beendet sein dürften. Glücklicherweise wirkt die Impfung bislang gegen die meisten Mutationen, das kann sich aber schnell ändern. Durchseuchung bringt nicht viel, es sei denn, Sie durchseuchen gleich mit allen Varianten. Die Unethik dieses Vorschlags nicht beachtend hätte die „Massendurchseuchung“ fast zwingend zur Folge, dass neue Virusvarianten, sprich: neue Pandemien entstehen.
      Es hilft nix: wir brauchen endlich auch in Politiker- und Wirtschaftsköpfen die Einsicht, dass man diesem Virus mit all seinen Varianten nur mit Wissenschaft begegnen kann. Austrocknen durch so wenig Infektionen wie möglich, und parallel impfen. Alles andere ist Wunsch- und Wahlkampfverhalten, und zögert die Rückkehr zum normalen Leben hinaus.

      • Danke für den Hinweis:
        Aber letztendlich läuft die Erläuterung ja gerade auf die „Neverending-Story“ hinaus. Wir sind global viel zu vernetzt und die Reiselust ist ungebrochen, also werden neue Mutationen immer wieder ins Land gebracht und die Rückkehr zum normalen Leben wie im Jahre 2018 wird es nicht geben.
        Es ist eine „Superleistung“, dass Impfstoffe so schnell entwickelt worden sind, aber für Kinder gibt noch keine. Ob die aktuellen Impftoffe einfach so eingesetzt werden können, mag ich nicht zu beurteilen. Weiterentwicklungen gegene die Mutationen werden im mer erst einmal für Erwachsene (Risikogruppen) entwickelt.
        Man wird nicht alle Menschen auf der Welt impfen können (Entstehung der indischen Varinate), oder manchen Staaten ist es egal (britische + brasilianische Variante) oder manche haben zwar die Impfstoffe, aber die Leute wollen nicht (neue Variante in Amerika).
        Unterm Strich bleibt nur zu hoffen, dass der Verlauf für die meißten Jugendlichen in der Regel nicht so schlimm verläuft.
        Deswegen halt ich den Gedanken des Austrocknen für eine Utopie. Wir werden sehen, wie vielle Wellen es noch geben wird, und ob es eine Pandemie oder fünf verschiedene Pandemien nacheinander ist dann meines Erachtens egal.
        Nur zum Thema Durchseuchung: Ich vielen Ländern der Erde wird dies vermutlich der Weg sein, den sie gehen müssen, ob sie wollen oder nicht.

  9. König sein? Cool, bin dabei!
    Aber wer überzeugt jetzt KuMi, Gesellschaft und Eltern, dass wir allen viel besungenen „Lücken“ zum Trotz ganz was Anderes machen und auch richtig oft und lang und so richtig tüchtig den Lehrplan kicken für geistige Nahrung, Psychologie und Seelsorge, Erlebnispädagogik, Vision Quest usw.?

  10. Genaugenommen ist „Homeschooling“ (Heimunterricht statt Schulunterricht) in Deutschland verboten! Deshalb hat man ja auch all die anderen Begrifflichkeiten erfunden/verwendet: Distanzunterricht, Lernen zu Hause, Onlineunterricht, Fernunterricht …

    Das ist alles „Schulunterricht am anderen Ort“, aber durch ausgebildete Lehrer.

  11. Der Beitrag lässt mich eher verärgert zurück. Verärgert deshalb, weil ich wieder einmal meine Zeit mit dem Lesen eines Textes verplempert habe (weil ich mir aufgrund der Überschrift was Gehaltvolles erhofft habe), der so oberflächlich und verschwommen ist, dass ich gar nicht weiß, was “der Dichter mir damit sagen möchte”. Oder habe ich mich bei der Konzentrationsschwäche meiner SuS angesteckt? Das wäre fatal!
    “Ihre Situation im Unterricht jetzt bewusst zu thematisieren, ist ein Weg dazu.” Da bin ich mir nicht so sicher. Ich scheue kein Thema und kein Gespräch mit meinen SuS, habe aber den Eindruck, dass sie einfach mal unbeschwert (und ja: trotz Maske!) in die Schule gehen wollen. Nicht immer alles thematisieren und zerreden. Wenn sie reden wollen, wenn einer krank geworden ist und sie das erzählen möchten, dann machen wir das. Und dann ist es meist auch wieder gut. Da braucht es nicht schon wieder ein Programm, das ist normaler menschlicher Umgang miteinander.

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