Lockdown-Bilanz für Drittklässler: Mathe und Lesen schlechter – Rechtschreibung besser

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Vor allem der zweite Corona-Lockdown hat einer aktuellen Studie zufolge deutliche Lernlücken bei Drittklässlern hinterlassen. Das zeige sich vor allem beim Lesen und in Mathe für Kinder aus bildungsfernen Familien, teilte die Hamburger Schulbehörde am Freitag mit. In Sachen Rechtschreibung gibt es allerdings einen kuriosen Befund.

Im Rahmen von „Kermit“ wurden die Leistungen von Drittklässlern begutachtet. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Zu dem Fazit, dass der zweite Lockdown zu deutlichen Lernlücken geführt hat, kommt die Schulbehörde nach Auswertung der hamburgweiten Lernstandsuntersuchung «Kermit 3», an der mehr als 15.000 Schüler teilgenommen haben – das sind mehr als 85 Prozent der Hamburger Drittklässler. Die Gruppe der lernschwachen Schüler im Bereich Lesen sei um rund 11 Prozent größer geworden. Bei Mathematik stieg der Anteil lernschwacher Schüler um 8,7 Prozent.

In der Rechtschreibung verbesserten sich die Leistungen im Vergleich zu früheren Jahrgängen jedoch. Allerdings kann dieser Effekt auch damit zusammenhängen, dass die Getesteten als erster Jahrgang von der «Rechtschreiboffensive» an Hamburger Grundschulen profitierten, hieß es. Die Schulschließungen im Rahmen des ersten Lockdowns von März bis Mai 2020 führten dagegen laut Untersuchung nur zu geringen Lernrückständen.

«Die Schulschließungen haben gerade bei Kindern aus sozial benachteiligten Stadtteilen zu deutlichen Lernrückständen geführt»

Der zweite Lockdown begann im Dezember 2020 und dauerte bis Frühjahr dieses Jahres. «Fernunterricht war und ist kein Ersatz für den Unterricht in der Schule», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). «Die Schulschließungen haben gerade bei Kindern aus sozial benachteiligten Stadtteilen zu deutlichen Lernrückständen geführt.» Die Hamburger Untersuchung sei zurzeit vermutlich die einzige Studie dieser Größenordnung in Deutschland.

Laut Schulbehörde ist es eine schwierige Aufgabe, diese Lernrückstände aufzuholen. «Damit das gelingt, setzt Hamburg jetzt das größte Lernförderungsprogramm der letzten Jahrzehnte um», berichtete Rabe. Die Bundesregierung und die Landesregierungen hätten ein gemeinsames Lernförderprogramm vereinbart. Hamburg bekommt nach Angaben der Behörde in diesem und dem nächsten Jahr rund 26 Millionen Euro für zusätzliche Lernförderkurse und weitere rund 26 Millionen Euro für Angebote zur sozialen und psychischen Stärkung der Kinder und Jugendlichen.

Die Lernförderung konzentriert sich laut Bildungsbehörde auf drei Bereiche:

  • „Alle Schülerinnen und Schüler können in den Ferien an ihren Schulen zusätzliche kostenlose Lernkurse mit kleinen Lerngruppen von rund acht Schülerinnen und Schülern pro Kurs besuchen. Rund 8.000 Schülerinnen und Schüler nutzen dieses Angebot, um gerade in den Kernkompetenzen Deutsch und Mathematik Lernrückstände zu überwinden.
  • Über 20 Prozent aller Kinder der vierten Klassen können nachmittags in jeder Schulwoche vier zusätzliche Förderstunden in kostenlosen Lernkursen mit besonders kleinen Lerngruppen von rund vier Schülerinnen und Schülern pro Kurs besuchen. Bis zu 4.000 Kinder können dieses neue Angebot nutzen.
  • Bis zu 20.000 Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen und Grundschulen profitieren von einer Aufstockung der in Hamburg seit 2012 etablierten Lernförderung am Nachmittag. Sie können in zusätzlichen kostenlosen Lernkursen mit rund acht Schülerinnen und Schülern pro Kurs nachmittags in der Schule Versäumtes in allen Fächern nachholen.“

Die Teilnahme an den zusätzlichen Förderangeboten sei für alle Schülerinnen und Schüler freiwillig, alle Angebote fänden in der vertrauten Umgebung der eigenen Schule statt, würden von der Schule organisiert, seien mit dem Regelunterricht verzahnt und würden meistens von pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schule erteilt, so heißt es.

Im Rahmen der Lernstandsuntersuchung «Kermit 3» wurden mehr als 85 Prozent Hamburger Drittklässlerinnen und Drittklässler (15.201 von insgesamt 17.689) von ihren Lehrkräften mit einem landesweit gleichen Test in den Bereichen Leseverstehen, Hörverstehen, Rechtschreibung und Mathematik geprüft. News4teachers / mit Material der dpa

Im Wortlaut

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) erklärt:

Sieht sich bestätigt: Bildungssenator Ties Rabe. Foto: Senatskanzlei Hamburg / Michael Zapf

„Auch wenn ich mich über die ersten Erfolge unserer Rechtschreiboffensive freue, so bestätigen die Ergebnisse insgesamt meine Sorgen in Bezug auf die monatelangen Schulschließungen. Fernunterricht war und ist kein Ersatz für den Unterricht in der Schule, und die Schulschließungen haben gerade bei Kindern aus sozial benachteiligten Stadtteilen zu deutlichen Lernrückständen geführt.

Auch wenn die Hamburger Untersuchung zurzeit vermutlich die einzige Studie dieser Größenordnung in Deutschland ist, so bestätigen andere Untersuchungen und Erkenntnisse den in Hamburg nachgewiesenen Trend: Während der erste Lockdown mit Schulschließungen von März bis Mai 2020 noch verhältnismäßig glimpflich ausgegangen ist, hat der zweite Lockdown mit Schulschließungen vom Dezember 2020 bis März bzw. Mai 2021 deutliche Spuren in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hinterlassen, vor allem bei dem Drittel aller Hamburger Kinder und Jugendlichen, die aus sozial benachteiligten Stadtteilen kommen. Es wird eine schwierige Aufgabe sein, diese Lernrückstände aufzuholen. Damit das gelingt, setzt Hamburg jetzt das größte Lernförderungsprogramm der letzten Jahrzehnte um.“

Bildungsforscher: Jeder dritte Schüler mit Lernlücken durch die Pandemie

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3 KOMMENTARE

  1. Rechtschreiben kann man im Distanzunterricht besser üben als Leseverständnis oder Hörverstehen. Ich selbst habe während des Lockdowns verstärkt Rechtschreib- und Grammatikaufgaben gegeben. Leseverständnis und Hörverstehen trainiert man besser im Präsenzunterricht. Außer beim 1×1 braucht und einfachen Rechenaufgaben braucht es in Mathematik die gemeinsame Reflexion im Mathematikunterricht. Mich wundert das Ergebnis nicht.

  2. Ein großes Lob an die Eltern, die sich in den 5 Wochen Distanzunterricht um das Fortkommen ihrer Kinder gekümmert haben!

    Das Einüben der Einmaleins-Reihen, eine Überprüfung der Rechtschreibung bei Abschreibaufgaben waren auch schon vor Corona nicht selbstverständlich, aber während des Lockdowns haben es viele Eltern doch geschafft, ihre Kinder zu unterstützen.

  3. Mich wundert das Ergebnis auch nicht. Die Streuung wurde auch bei mir an einer weiterführenden Schule größer, wobei die schwachen Schüler noch weiter abgehängt wurden. Von denen wurden einige auch nur wegen Corona im Schuljahr 19/20 überhaupt versetzt, weshalb sie ohnehin schon einen sehr großen Berg vor sich hatten.

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