UNICEF: Kinder verpassen weltweit 1,8 Billionen Stunden Präsenzunterricht

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KÖLN/NEW YORK. Mit einer Installation protestiert das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen vor der UN-Vollversammlung und fordert Regierungen auf, Schulen schnellstmöglich wieder zu öffnen. Lehrerinnen und Lehrer sollten außerdem bei Impfungen bevorzugt behandelt werden.

Schulkinder auf der ganzen Welt haben seit Beginn der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Lockdowns nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks UNICEF rund 1,8 Billionen Stunden an Präsenzunterricht verpasst und noch immer steige weltweit die Zahl der ausgefallenen Schulstunden rasant. UNICEF fordert daher die Regierungen auf, die Schulen so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Durch geschlossene Schulen bliebe Mädchen und Jungen der Zugang zu Bildung und anderen wichtigen Unterstützungsangeboten verwehrt.

Die Installation ist noch bis zum 27. September in New York zu sehen. Foto: UNICEF/UN0521587/Gary He/UNIC

Um auf die so benannte Bildungskrise aufmerksam zu machen, hat UNICEF jüngst am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York die Installation „No Time to Lose“ („Keine Zeit zu verlieren“) enthüllt – ein Modell-Klassenzimmer, dessen Kernstück eine Uhr bildet, die wie die Tafel eines leeren Klassenzimmers aussieht und die in Echtzeit die wachsende Zahl an verpassten Präsenzunterrichtsstunden anzeigt. Das leere Klassenzimmer besteht aus 18 Tischen – ein Tisch für jeden Monat, in dem der Unterricht wegen der Covid-19-Pandemie unterbrochen wurde.

UNICEF hat die Installation im Vorfeld der Eröffnung der Generaldebatte der 76. Tagung der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) eingerichtet. „Nächste Woche werden die Vereinten Nationen ihre Türen für Delegationen aus aller Welt öffnen. Gleichzeitig bleiben die Schultüren für Kinder und Jugendliche in vielen Ländern geschlossen“, monierte UN-Generalsekretär António Guterres. „Wir vernachlässigen eine ganze Generation, deren Psyche und Zukunft auf dem Spiel steht. Wir müssen der Wiedereröffnung von Schulen Vorrang einräumen und diejenigen unterstützen, die während der Pandemie zu kurz gekommen sind. Wir dürfen nicht weiter Zeit verlieren“, so Guterres weiter.

„Jede Stunde, die ein Kind im Klassenzimmer verbringt, ist kostbar – eine Gelegenheit, seinen Horizont zu erweitern und seine Potenziale auszuschöpfen. Mit jeder verpassten Unterrichtsstunde, gehen unzählige Möglichkeiten verloren“, unterstrich UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „1,8 Billionen Stunden sind eine unvorstellbar lange Zeit – und es werden immer mehr. Ähnlich unbegreiflich ist es, Prioritäten bei der Bewältigung der Pandemie zu setzen, die die Zukunft der Kinder nicht in den Vordergrund stellen. Wir können und müssen die Schulen so bald wie möglich wieder öffnen. Die Uhr tickt.“

Bildungskrise durch Covid-19
Laut aktuellen Daten der UNESCO sind derzeit mehr als 870 Millionen Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen von Bildungsunterbrechungen betroffen. In elf Ländern weltweit hätten insgesamt rund 131 Millionen Schulkinder von März 2020 bis September 2021 drei Viertel des Unterrichts nicht wahrnehmen können. Rund 77 Millionen Mädchen und Jungen von ihnen – 59 Prozent – hätten fast den gesamten Schulunterricht verpasst. In rund 27 Prozent der Länder weltweit seien die Schulen weiterhin ganz oder teilweise geschlossen.

Bei der Enthüllung der Installation forderten UNICEF-Vertreterinnen und Vertreter Regierungen, lokale Behörden und Schulverwaltungen auf, die Schulen so schnell wie möglich wieder zu öffnen und alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Übertragung des Virus in Schulen zu verhindern. Dazu gehörten:

  • die Einführung von Regelungen zum Tragen von Schutzmasken, die den nationalen und lokalen Richtlinien entsprechen;
  • die Bereitstellung von Möglichkeiten zum sicheren Händewaschen und/oder Händedesinfektionsmitteln;
  • die regelmäßige Reinigung von Oberflächen und gemeinsam genutzten Gegenständen;
  • die Sicherstellung einer ausreichenden Belüftung;
  • die Bildung von kleinen festen Gruppen aus Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrkräften, die zeitlich versetzt den Unterricht beginnen, Pause machen und Mahlzeiten einnehmen, oder die abwechselnde physische Anwesenheit in der Schule;
  • der Informationsaustausch von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonal.

Auch wenn es keine Voraussetzung für die Wiedereröffnung von Schulen sei, sollten Lehrerinnen und Lehrer nach Mitarbeitenden des Gesundheitspersonals und Risikogruppen vorrangig Zugang zu Covid-19-Impfungen erhalten, um das Übertragungsrisiko des Virus zu verringern. (ots)

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4 KOMMENTARE

  1. Oho, beachtliche Zahl an ausgefallenen Stunden. Und jetzt stellen wir dagegen die Stunden, die durch vorausplanbare Besuche bei Ärzten und Kieferorthopäden in einem normalen Schuljahr ausfallen und leider, leider zur Schulzeit stattfinden „müssen“.
    (Ich weiß schon, der Vergleich hinkt ein wenig, aber ich hab mich beim Nachspannen meiner Zahnspange nach dem Termin etwas vertreten.)

  2. Populistische Stimmungsmache.Warum zum Geier wird nicht für Schulöffnungen mit sicherenLuftfilterne etc.protestiert?Und warum wird Schule immer als allein seligmachend für das Wohl der Kinder gesehen?Ganz ehrlich,hätt ich früher ne Weile zuhause lernen müssen,hätt ich es genossen!Es wird nie an die Schüler gedacht,die im homeschooling gut klarkommen….

  3. Nicht böse gemeint, aber:

    Wie viele Stunden fallen aus, weil Kinder oder Lehrer in den unhygienischen Schulen an anderen Krankheiten erkranken (Magen-Darm-Infekten, grippalen Infekten usw.)?
    Wie viele Stunden fallen aus, weil in einem Land Krieg herrscht oder Terrorregime den Mädchen den Zugang zur Bildung untersagen?
    Wie viele Stunden fallen aus, weil Menschen auf der Flucht sind?
    Wie viele Stunden fallen aus, weil Kinder arbeiten müssen, um zum Familienunterhalt beizutragen?
    Wie viele Stunden fallen für I-Kinder aus, weil sie an der Regelschule nicht vernünftig gefördert werden?
    Wie viele Stunden fallen (bei uns) dem Personalmangel zum Opfer?
    Wie viele Stunden fallen aus, weil korrupte Politiker das Geld für Bildung lieber in die eigene Tasche stecken?
    Wie viel Geld kostet eigentlich unser Bildungsföderalismus (17 Kultusministerien!!!) und kommt gar nicht erst bei den zu Bildenden an?
    Wie viele Stunden fallen aus, weil (klimabedingte) Naturkatastrophen Schulen zerstören?

    1.800.000.000 Stunden sind eine riesige und beeindruckende Zahl, die zu Recht angemahnt wird, aber ich bin mir fast sicher, dass das aus den oben genannten Gründen nur die Spitze des Eisbergs ist!

    In Ländern wie Australien und Kanada, in denen DU schon seit Jahrzehnten eine fest etablierte Größe ist, sieht die Bilanz vielleicht weniger katastrophal aus!

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