„Das gibt einen Riesenknatsch“: Angekündigte Testpflicht in Kitas sorgt für Unmut

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MÜNCHEN. In den Schulen wird schon längst konsequent getestet. Doch in den Kitas sind die Eltern bislang nur gebeten, per Selbsttests Infektionen bei ihrem Nachwuchs aufzuspüren. Dies soll nun zwar zur Pflicht werden – in Bayern jedenfalls -, aber was bringt eine Pflicht auf Treu und Glauben?

Komm Schatz, wir machen noch schnell einen Corona-Test! Foto: Shutterstock

Schnell noch das verkleckerte Müsli weggewischt, Zähne geputzt, Schneehose angezogen – «jetzt komm doch endlich!». In den meisten Familien mit kleinen Kindern ist der morgendliche Ablauf eng getaktet – selbst kleine Verzögerungen führen zu großem Stress. Im neuen Jahr wird es nun noch enger: Drei Mal in der Woche müssen Kita-Eltern ihren Nachwuchs obendrein auf Corona testen und das negative Ergebnis in Krippe oder Kindergarten «glaubhaft versichern». Bringt das wirklich ein Plus an Sicherheit? Oder ist die neue Regelung ein bürokratischer Rohrkrepierer, weil zu viele Eltern es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen werden?

«Das ist wieder einmal ein Schnellschuss, der nicht geeignet ist, sofort in die Praxis umgesetzt zu werden», wählt Gabriele Stark-Angermeier vom Vorstand des Caritasverbands München und Freising am Mittwoch deutliche Worte. «Ich habe den Eindruck, dass die bayerische Staatsregierung nicht immer genau die Situation vor Ort erkennt – was das wieder an Problemen bedeutet!»

«Die Umsetzung der Testpflicht geht an der Realität unserer Kitas vorbei»

Auch Andrea Betz von der Diakonie München und Oberbayern kritisiert: «Die Umsetzung der Testpflicht geht an der Realität unserer Kitas vorbei.» Das Kabinett hatte am Dienstag beschlossen, dass Kinder ab einem Alter von einem Jahr ihre Kita nach den Weihnachtsferien nur noch dann betreten dürfen, wenn ihre Sorgeberechtigten «drei Mal wöchentlich glaubhaft versichern, dass bei dem Kind ein Selbsttest mit negativem Ergebnis vorgenommen wurde». Auch negative Schnell- und PCR-Tests gelten. Führt die Kita Lolli-Tests durch, reicht ein zusätzlicher Selbsttest zum Wochenbeginn.

Das Vertrauen in die Angaben der Eltern könne bei dem gewählten Verfahren «sehr auf die Probe gestellt werden», formuliert es Christiane Münderlein vom Evangelischen Kita-Verband Bayern diplomatisch. Um unmissverständlich klarzustellen: «Diese Testnachweispflicht ist nicht das, was sich Fachleute und Öffentlichkeit unter der von Ministerpräsident Markus Söder angekündigten „systematischen Testpflicht für Kitas“ vorgestellt haben.»

Wer den Test in der morgendlichen Hektik verschusselt hat, wird das an der Kita-Tür vermutlich ungern zugeben. Und auch Corona-Leugner oder Pandemie-Verharmloser dürften von der vagen Vorgabe eher weniger zum regelmäßigen Testen, schon eher aber zu falschen Angaben animiert werden. Die Expertinnen aus der Praxis erwarten daher neben einem hohen Verwaltungsaufwand durch die Dokumentation der Nachweispflicht zahlreiche Diskussionen und Konflikte.

«Es wird so sein, dass manche Eltern das nicht so ernst nehmen», ist sich Stephanie Haan, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe bei der Arbeiterwohlfahrt, sicher. Noch dazu werde sich nicht jedes Kleinkind brav mehrfach die Woche testen lassen. «Unterm Strich wird man eine etwas höhere Quote als jetzt erreichen, aber keine 100 Prozent.» Stattdessen kommt laut Haan viel Zusatzarbeit auf die Pädagogen zu.

Das sieht Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) anders: «Die Testnachweispflicht ist für Eltern wie Einrichtungen gleichermaßen praktikabel – ohne dass wir neuen bürokratischen Aufwand schaffen.»

«Es bleibt nur zu hoffen, dass am 10. Januar genügend Tests vorhanden sind, dass das Ganze auch umgesetzt werden kann»

Tatsächlich gibt es das Konzept mit drei wöchentlichen Selbsttests bereits seit längerem – auf freiwilliger Basis. Doch nach den Erfahrungen der Träger holt höchstens ein Fünftel der Eltern die Berechtigungsscheine für die kostenlosen Tests überhaupt ab. Wie viele sie dann auch tatsächlich regelmäßig nutzen, ist unbekannt. Zumal es in vielen Apotheken derzeit Probleme gibt, die Berechtigungsscheine einzulösen.

«Es bleibt nur zu hoffen, dass am 10. Januar genügend Tests vorhanden sind, dass das Ganze auch umgesetzt werden kann», blickt Maria Magdalena Hellfritsch vom bayerischen Verband katholischer Kindertageseinrichtungen sorgenvoll auf den Starttermin. Sie plädiert daher wie viele andere Fachleute für PCR-Pooltests analog zu den Grundschulen. Doch dafür sind bei rund 10.200 Kitas im Freistaat die Laborkapazitäten zu knapp, wie das Sozialministerium erläutert.

Doch selbst wenn es die Laborkapazitäten gäbe, würde es nach Aussagen der Verbände oftmals an fehlenden Personalkapazitäten scheitern. «Es geht nicht, dass immer mehr Aufgaben auf die Kitas abgewälzt werden, aber sie immer das gleiche Budget und das gleiche Personal haben», betont Haan. Auch Caritas-Expertin Stark-Angermeier fordert das Ministerium auf, die Tests nicht auf die Einrichtungen oder die Eltern abzuwälzen, sondern «wirklich Geld in die Hand zu nehmen und die personellen Ressourcen aufzustocken».

Doch es sieht nicht so aus, als ob derartige Wünsche rasch erhört würden. Nicht nur bei Jacqueline Fleßa, der Vorsitzenden des Verbands der Kita-Fachkräfte in Bayern, bleibt daher Ernüchterung: «Solange das auf Freiwilligkeit beruht, müssen die Mitarbeiter mit dem schlechten Bauchgefühl arbeiten, dass ein Kind vielleicht doch erkrankt ist – und sie können nichts machen.» Von Elke Richter, dpa

Dunkelfeld: Auch in Kitas explodiert das Infektions-Geschehen – häufig unbemerkt

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19 KOMMENTARE

  1. Tja, genauso funktioniert die Testpflicht in den brandenburgischen Schulen: die Eltern versichern per Unterschrift, dass der Schnelltest negativ war. Ob der Schnelltest tatsächlich für das Kind verwendet wurde, wissen nur Eltern und Kind. Ein Kind erzählte, dass Mama immer dann testet, wenn es schläft. Da denkt man sich dann schon seinen Teil…

    • Dasselbe in Baden-Württemberg: Jede Grundschule macht es anders. Bei meinem eigenen Kind 3x zu Hause, an meiner Schule 2x zu Hause, einmal in der Schule, usw.

      An meiner Schule auch nur 1x in der Schule, weil Querdenker-Eltern in de Elternbeiratssitzung wohl lauthals verkündeten, die Unterschriften/Tests zu manipulieren…

      Aber laut Omi Schopper ist ein dichtes und engmaschiges Netz an Sicherheit vorhanden.

      Real gab es heute bei zwei meiner Kinder in unterschiedlichen Schulen Fälle in der Klasse. Ein Fall wurde nur bekannt, da sich das Kind bei einer Freundin über Whatsapp meldete. Eltern sind Querdenker, denen die Meldung sch**ßegal war…

  2. Tja, und anderswo erkennen Schulleitungen die PoC-Antigentestzertifikate von offiziellen, ärztlich geführten Testzentren nicht an, sondern bestehen darauf, dass die Eltern auf einem Zettel quittieren einen Selbsttest durchgeführt zu haben. Dabei weiß doch nahezu jeder, dass ein reiner Nasenabstrich von einem Laien niemals so zuverlässig ist, wie ein Nasen-Rachen-Abstrich von geschultem, medizinischem Personal…

  3. Ich finde es total an der Realität vorbei das mein ungeimpftes Personal unter Aufsicht testen muss – hier wird also das Vertrauen untereinander nicht vorausgesetzt.
    Die Eltern dürfen die Kd weiterhin Zuhause testen – dieses Bertrauen den Eltern gegenüber ist also wohl höher als das gegenüber dem Personal
    So ein Quatsch

  4. Kurz und knapp: funktioniert nicht. Die wenigsten Eltern nutzen die Tests, die wir jede Woche aus der Kita kriegen. Lieber Augen zu und durch. Keiner will in Quarantäne. Die Eltern sagen nicht mal Bescheid, wenn sie selbst in Quarantäne oder positiv sind. Schicken die Kids munter in die Kita. Verantwortung kann man nur auf Menschen übertragen, die bereit und fähig sind, diese auch zu tragen.

  5. Ich finde das unmöglich.Kinder werden tag täglich krank in die kita geschickt,es hustet und schnupft an allen Ecken und das seit Monaten immer wieder.Es gab zuletzt Kindermit 40 Grad Fieber in der Einrichtung,die morgens geschickt wurden.Man KANN den Eltern rinfach nicht mehr vertrauen.Die schicken ihre Kinder ständig in krankem Zustand und warten was passiert ob ein Anruf kommt oder ob das Kind mit durch den Tag geschlrppt wird ,was ihnen offensichtlich lieber ist ohne daran zu denken,dass auch das Personal und der Rest der Kinder mit Krankheiten angesteckt werden können.Denn schliesslich soll man ja bei den ganz Kleinen keine Maske tragen um zu gewährleisten das Sie die Mimik sehen.Ich appeliere auch an Kinderärzte,oft kommen Kinder mit Bronchitis oder grünem eckligen Rotz und es hrisst“der Doktor sagte es ist nichts schlimmes“.

    • Das kann ich alles nur bestätigen.

      Kinder werden mit Zäpfchen gebracht, das Eltern das ihren eigenem Nachwuchs antun ist unglaublich. Kinderärzte relativieren alles. Schicken Kinder mit Hand-Mund-Fuss, dollen Husten ungetestet und Durchfall zurück, es wäre nichts.

      Oft gibt es aber auch keine Bestätigung vom Arzt, da weiss man dann nicht, ob die Eltern überhaupt waren oder nicht.

      Ich verstehe dieses Hin und Her nicht. Wer möchte das sein Kind betreut wird und die Einrichtungen offen bleiben sollen, der muss das Testen IN der Einrichtung hinnehmen, es ist nun mal ein Ausnahmezustand

      • Ich kann den beiden Vorrednerinnen voll und ganz zustimmen. Uns erwischte der 13. Oktober mit heftigem Durchfall beim Kleinkind. Weil es endlos erschien, ging es ab ins Krankenhaus. Ein Fehler hoch 800. Tausend hustende, Schnupfende und ein spuckendes über 7 Stunden lang. Die Klinik und die Landesregierung fühlen sich für die fehlenden Maßnahmen nicht verantwortlich. Denn es sieht bei uns in anderen Kinderkrankenhäusern nicht besser aus. Die Misere ging kurz nach dem Magen Darm weg war mit Bronchitis, die höchst wahrscheinlich aus dem m Krankenhaus stammt. Zwei Wochen später wieder ab in die Kita, leider zu viele Kids mit Symptomen, daher folgte die nächste Infektion. Nach Genesung kurze Zeit Kita, prompt wieder zu Hause wegen Mittelohrentzündung. Heute gab es die Operation mit Paukenröhrchen.
        Hätte ich dem Kleinkind gern erspart.

        Ein Dank an alle Eltern, denen das Arbeiten gehen wichtiger ist, als dem Kind ausreichend Genesungszeit zu geben.

  6. Wie bereits gewohnt…. (ein ministerieller Wortwechsel)

    „Husten, wir haben ein Problem!! Die Infektionszahlen in den Kitas schnellen in die Höhe, obwohl wir doch gesagt haben, dass das nicht passieren wird, weil Kitas doch auch `sichere Orte´ sind. Jetzt werden die Leute nervös und fordern, dass wir was tun sollen.“

    „OK, was können wir machen, um so zu tun als ob wir was machen- die Leute sollen endlich die Klappe halten …. aber Achtung! .. es darf nix kosten?“

    „Tun wir einfach so, als ob die Eltern zuverlässig etwas auf Bitte oder Anordnung hin machen werden, was sie freiwillig zwar auch schon hätten machen können… es aber bislang unterlassen haben und damit alles so ist, wie vorher!“

    „OhhhhhKeeee??! ….worin liegt denn dann der Wert der Maßnahme?“

    „Na ist doch klar…wenn es schiefgeht, dann können wir den „Schwarzen Peter“ an die Eltern weiterschieben, die ja dann trotz Bitte oder Anordnung nicht das gemacht haben, was sie zwar schon lange hätten machen können, es aber nicht getan haben und es dann auch nicht gemacht haben, als wir sie dazu aufgefordert haben…ist doch klar, oooder?“

    „Äähhhmmm, ja?! …. so wird es wohl sein…OK…solange es nix kostet!“

    • Gute Zeit für einen Tee bei Mad Hatter und Karnickel:

      One pill makes you larger, and one pill makes you small
      And the ones that mother gives you, don’t do anything at all

      And if you go chasing rabbits, and you know you’re going to fall
      Tell ‚em a hookah-smoking caterpillar has given you the call

      When the men on the chessboard get up and tell you where to go
      … and your mind is moving low

      When logic and proportion have fallen sloppy dead …
      Feed your head, feed your head

      (Jefferson airplane – White rabbit)

  7. Aber wie soll es denn funktionieren mit der Testpflicht für Kitakinder?
    Bei der Vorstellung, jetzt den Morgenkreis immer erst mit ’ner fröhlichen Testrunde zu beginnen, gruselt es mich irgendwie auch.

  8. Leben,in Mecklenburg-Vorpommern, wir als Eltern,müssen uns zweimal,die Woche,Testen,und vorlegen,damit unsere Kinder, verschont bleiben,wir dürfen die Kita,nicht betreten, im halbstündigen Takt,bringen und abholen, klappt ganz gut!

  9. Was ich halt einfach nicht verstehe:
    Wir sind jetzt fast zwei Jahre im Pandemiemodus, und die Leute, die eigentlich für die Planung und Festlegung von erforderlichen Schutzmaßnahmen zuständig wären, haben immer noch nicht kapiert, daß die Vorbereitung dieser Maßnahmen FRÜHZEITIG!!! erfolgen muß.
    Statt dessen wird jetzt wieder den Ereignissen hinterher gehechelt.
    Ich frage mich, wie viele Winterwellen noch übers Land ziehen müssen, bis unsere Politiker merken, daß sie Entscheidungen treffen müssen, BEVOR die Inzidenzen zum Höhenflug ansetzen.
    Über die Richtigkeit dieser Entscheidungen wird es natürlich immer Uneinikeit geben, weil man es nie allen recht machen kann.
    Aber deshalb kann man doch nicht immer erst rumeiern bis das Kind entgültig in den Brunnen gefallen ist, verflixt nochmal.

  10. Die Kinder müssen am meisten unter dieser ganzen scheiße leiden aber Hauptsache jeder Idiot rennt auf den Weihnachtsmarkt oder fährt in den Urlaub oder kriegt es nicht Mal geschissen Abstand einzuhalten im einzelhandel ich könnte kotzen das ich meinem Kind diese ganze kacke antun muss nur weil es so viele idiotische erwachsene gibt die nur an sich selbst denken ich bin einer von diesen Menschen der seinem Kind diese ganze Drecksscheiße nicht zumuten wird und das mit einem Lächeln im Gesicht den fast alle erwachsenen halten sich nicht an dir Regeln also warum zum Teufel sollte man sich dann an diese beschissene Regel halten sollen lächerlich damit noch mehr Idioten weiter machen was sie wollen ich hasse Menschen !

    • Wie wäre es mal, wenn sie Punkte setzen würden. Dann könnte man auch verstehen, was sie sagen wollen.
      Mein Fazit aus Ihrem Text. Sie wollen Ihre Kinder nicht testen und somit lieber die PädagogInnen und andere Kinder gefährden, weil viele Erwachsene (oft auch Eltern) sich nicht an Regeln halten können. Sie handeln also einfach genauso wie diese Menschen. Ganz toll, so wird das nix.

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