Suchtkranke Eltern: Über drei Millionen Kinder wachsen in seelischer Not auf

6

NEUSS. Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche wachsen mit alkohol- oder drogenabhängigen Eltern auf. Manche zerbrechen daran. Eine Caritas-Beraterin berichtet von drastischen Schicksalen. Und eine Schülerin erzählt, wie sie es trotzdem schafft.

Suchtkranke Eltern belasten ihre Kinder stark – was sich auch in der Schule bemerkbar macht. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Als sie 13 Jahre alt ist, fügt sich Amelie immer wieder Schnittverletzungen an den Beinen zu. Der Kinderarzt wird aufmerksam. Ihre Mutter sucht Hilfe, findet einen Kinderpsychologen. Amelies Vater ist schwer alkoholabhängig. Er trinkt schon, als seine Tochter zur Welt kommt. Zweimal ist er lange in einer Entzugsklinik. Es hört aber nicht auf. «Es ging mir sehr schlecht. In der Schule habe ich total abgebaut», erzählt die heute 17-Jährige aus Neuss. «Ein Jahr lang war ich komplett zerbrochen, habe mich von der sozialen Welt isoliert.» Der Vater schlägt Amelies Mutter. Auch ihre jüngere Schwester leidet, hat Angst. Eine extreme Lage.

Mehr als drei Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden in suchtbelasteten Familien groß, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Die Dunkelziffer sei noch viel höher. Die meisten haben alkoholkranke Eltern, oft ist es auch Drogenabhängigkeit. Die Kinder sind permanent überfordert, es kommt häufig zu psychischen oder sozialen Störungen. Viele haben später selbst Alkohol- oder Drogenprobleme.

Amelie wirkt überraschend ruhig, reflektiert. Sie macht gerade ihren Realschulabschluss nach und zugleich eine Ausbildung als Sozialassistentin – alles andere als selbstverständlich. Denn die Alkoholsucht ihres Vaters zieht sich durch ihr ganzes Leben. Als sie noch klein war, flüchtete ihre Mutter mit ihr monatelang zu den Großeltern, sagt die 17-Jährige. Beim ersten Entzug des Vaters ging Amelie noch zur Grundschule. Fast vier Jahre lang – bis Mitte 2020 – wird sie unterstützt von Kids im Zentrum (KiZ) der Caritas in Neuss. Wie auch viele andere Jungen und Mädchen mit süchtigen Eltern.

«Der Suchtkranke kreist nur um sich selbst und hat die Kinder nicht im Blick», schildert KiZ-Mitarbeiterin Susanne Ricken. «Kinder übernehmen Eltern-Verantwortung, sie dürfen keine Kinder sein, ihre Gefühle nicht ausleben und sie sind häufig sehr einsam.» Bei KiZ können sich die Jungen und Mädchen in einer Gruppe austauschen, spielen, toben, es gibt Ausflüge und Freizeiten. «Bei uns lernt man auch, über die Situation zu sprechen. Wir bieten feste Ansprechpartner und stabile Beziehungen», sagt Ricken.

Amelie hat viel zu tragen. Wenn der Vater durchdreht, die Mutter flüchtet, ist es Amelie, die versucht, den Vater zu beruhigen. Doch immer wieder packt die Mutter ihre Kinder und schlüpft bei einer Freundin unter. Die Kinder tastet der Vater nicht an. Amelie kümmert sich als große Schwester um die Jüngere, lenkt sie ab, kocht.

«Früher habe ich alles auf mich geschoben. Ich dachte, er trinkt wegen mir, weil er erst 24 war, als ich auf die Welt kam»

Inzwischen sei es besser geworden, meint sie. Vielleicht ist Amelie aber auch nach externer Hilfe gefestigter. Der Vater trinkt weiter abends Bier und Korn, versteckt den Alkohol. «Wir erkennen sofort, ob er betrunken ist oder nicht.» Ihre Schwester ist jetzt zwölf. «Wenn mein Vater trinkt, hat er keine Kontrolle.» Aber er werde nicht mehr handgreiflich gegen die Mutter. «Weil er Angst hat, dass wir sonst alle weg sind.»

Wie viele Kinder suchtkranker Eltern fühlte sich Amelie schuldig. «Früher habe ich alles auf mich geschoben. Ich dachte, er trinkt wegen mir, weil er erst 24 war, als ich auf die Welt kam.» Heute weiß sie: «Er ist krank, süchtig nach Alkohol.» Ihre Mutter habe manchmal «einen Hass» auf ihn und schlaflose Nächte, die Kinder aber immer nach Kräften unterstützt. Habe der Vater keinen Alkohol intus, könne man prima mit ihm auskommen.

«Auch suchtkranke Eltern wollen gute Eltern sein», betont Ricken. Zum KiZ kommen Kinder ab sechs Jahre, der Bedarf ist enorm. Sexueller Missbrauch und Vernachlässigung sind nicht selten. Manchmal wird mit anderen Fachstellen für eine sichere Unterbringung im Heim gesorgt. Den Kindern fehlt Anregung, sie haben viele Defizite, Lernschwächen, fallen in der schulischen Leistung ab. «Es gibt es viele Kinder, denen man helfen könnte. Verarbeitet man das Thema nicht, holt es einen später ein, so etwas geht niemals spurlos an einem Menschen vorbei.» Dennoch gebe es zu wenig Hilfsangebote, die Finanzierung sei schlecht.

Auch Spielsucht habe erhebliche Auswirkungen auf die ganze Familie. «Wenn das gesamte Hab und Gut verspielt wird, bleibt nichts mehr übrig für die Kinder», erläutert Ricken. Weil Sucht als Schande gelte, versuchten in der Regel alle Familienmitglieder, Probleme zu verheimlichen. Amelies Familie habe man nach außen nichts angemerkt. «Aber wir wussten, wie sehr die Kinder gelitten haben.»

Amelie ist auf einem guten Weg. Mit 16 hat sie ihren Hauptschulabschluss gemacht. «Ich hätte mehr schaffen können.» Das holt sie nach, strebt im zweiten Schritt eine Ausbildung zur Erzieherin an. Ihr Blick auf den Vater ist milde: Er habe eine furchtbare Kindheit gehabt, mit Alkohol, Gewalt, mehreren Pflegefamilien. Sie selbst ist dankbar für die Hilfe. «Mir würde es viel schlechter gehen sonst. Die Ausbildung hätte ich nie angefangen.» Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

In jeder Schulklasse sitzen im Durchschnitt drei bis vier Kinder suchtkranker Eltern

Anzeige


6 KOMMENTARE

  1. Schön einmal auch die anzutreffenden Schwierigkeiten bei manch Eltern zu sehen. Leider spielt dieser Bericht doch einigen Kreisen („Schulen offen halten“) argumentativ hervorragend in die Karten.

    Suchtkranke Elternteile gab es schon vor Corona und die Sucht auf die Substanzen der Suchtmittel Alkohol und Drogen zu beschränken empfinde ich nicht objektiv, da es neben der
    substanzgebundenen Abhängigkeit, die substanzungebundene Abhängigkeit (sogenannte Verhaltenssüchte) gibt.

    Und auch die Anlaufstellen für Hilfen – wie hier (KiZ) der Caritas in Neuss – haben das gleiche Problem wie öffentliche Schulen und von Trägern unterhaltene KiTa´s, nämlich das durch immer weniger finanzieller Unterstützungen diese Einrichtungen schlicht kaputtgespart werden und solche Angebote wie KIZ kaum noch angeboten werden können.

  2. Ergänzung:
    Folgende wichtigen Basisinformationen zu „vergessene Kindern“ (Children of Alcoholics/Addicts =COAs) aus suchtbelasteten Familien sollten erwähnt werden:
    • Sucht ist eine Krankheit.
    • Die Eltern sind wegen ihrer Sucht keine schlechten Menschen.
    • Das Kind hat keine Schuld am Suchtproblem von Vater oder Mutter.
    • Es kann den Eltern nicht helfen und es ist auch nicht seine Aufgabe, deren Sucht zu kontrollieren oder zu heilen.
    • Das Kind hat trotz der Suchtkrankheit im Elternhaus das Recht, Kind zu sein, zu spielen,
    die Welt zu entdecken, Freundschaften zu entwickeln, die eigenen Fähigkeiten zu erproben
    und sich selbst zu lieben und zu achten.

  3. @KritischerDad*NRW
    Ihre Ausführungen veranlassen mich, etwas ausführlicher zu antworten. Leider habe ich den Artikel erst jetzt entdeckt.

    Meiner Erfahrung nach kann ein Kind suchtkranker Eltern -und das trifft nicht nur auf die im Artikel offenbar angespielte „Unterschicht“ zu, das gibt es auch in „besseren Kreisen“ und nicht nur mit Alkohol und Spielsucht- vor mehreren Problemen gleichzeitig stehen, die in einer kurzfristig nicht lösbaren Konfliktlage enden. Genannt seien vor dem Hintergrund der im Artikel genannten Entdeckung durch den Kinderarzt z.B.:

    1.: Offenbart das Kind sich in der Schule, könnten die dazu fachlich qualifizierten Mitarbeiter (Sozialarbeiter / Sozialpädagogen) verpflichtet sein, das Jugendamt zur Abwendung einer Kindeswohlgefährdung einzuschalten.
    2.: Offenbart es sich den Mitschülern, kann es in der Schule sowohl Unterstützung als auch Ablehnung erfahren. Das kommt sehr auf den Status in der „Peer-Group“ an. Und „Petzen“ gibt es auch noch.
    3.: In beiden Fällen läuft es Gefahr, Freunde und / oder Familie zu verlieren.
    4.: Manchmal kommt noch Druck aus der Verwandtschaft usw. hinzu, den Mund zu halten.

    Es kann also oft jahrelang still vor sich hin leiden und, wie im Artikel beschrieben, zum „Ritzer“ werden. Erst, wenn der Leidensdruck zu groß wird, muss es sich entscheiden, ob es an einer als immer unerträglicher empfundenen Situation etwas ändern will. Und das betrifft nicht nur Suchterkrankungen… Diese Problematik bestand und besteht unabhängig von Corona und der von Ihnen angesprochenen Frage von Schulschließungen.

    Durch den Lockdown im letzten Jahr scheinen aber, so zumindest mein persönlicher Eindruck, einige Ehen / Partnerschaften den Bach runtergegangen zu sein – und die Trennungen machten den Kindern zu schaffen. Es gab Kinder, die nach der Trennung der Eltern während des Lockdowns mehrmals umziehen mussten. Statistische Daten dazu liegen noch nicht vor, aber vermutet werden könnte, dass ähnlich wie nach Weihnachten oder den Sommerferien die Scheidungszahlen hochgehen dürften.

    Dazu kommt, dass der Lockdown für einzelne Schüler Vor- wie Nachteile zugleich hatte. Als Vorteile wurden z.B. genannt, dass das frühe Aufstehen und Anfahrtswege sowie nervende Mitschüler wegfielen, die beim Lernen störten. Aber schon im nächsten Satz wurde ausgeführt, dass, neben der Technik, die Eltern im Homeoffice auch ganz schön nerven könnten, vor allem während gleichzeitig stattfindender Videokonferenzen. Die sozialen Kontakte wurden während oder „nach der Schule“ virtuell oder in Person gepflegt. Meine Aufgabe als Lehrer bestand in dieser Situation u.a. darin, die Informationen auf eine Art und Weise hin- und zurückzubringen, die keinen allzu tiefen Eingriff in die häusliche Privatsphäre darstellte – 8 Stunden Videokonferenz hält sowieso keiner aus. Den Rückmeldungen zufolge gelang dies einigermaßen.

    Dass während des Lockdowns in 2021 und der damit verbundenen Geschäftsschließungen, Arbeitsplatzverluste, Ängste usw. der Eltern dieses einfache „Nerven“ nicht weniger geworden sein dürfte, bleibt anzunehmen. Dass die Meldung von Süchten, Missbrauch usw. gestiegen sind, ist belegt und dient als Argument gegen Schulschließungen. Und obwohl Korrelation keinen ursächlichen Zusammenhang begründet, darf ein solcher zumindest vermutet werden. Aber wie sah es vorher aus? Wurde da eine Dunkelziffer zutage gefördert? Wir wissen es nicht.

    Eine weitere Frage, die sich mir aufdrängt, ist, ob solche während der Schulschließungen in einzelnen Familien entweder in Gang gesetzten oder verstärkt zutage getretenen Prozesse einfach dadurch unterbunden werden können, dass die Schüler von 7 – 16 h „rausgeholt“ werden – und das, um vielleicht infiziert wiederzukommen: bei uns waren schon im Herbst halbe Klassen in Quarantäne.

    Wenn also solche belastenden Situationen für die Kinder verhindert werden sollen, wäre es hilfreich, auch die Eltern „rauszulassen“ – es gibt Betriebe, die seit letztem Jahr Homeofficepflicht haben, immer mehr kleine Existenzen in unterschiedlichsten Branchen gehen den Bach runter. Das aber scheint man an verantwortlicher Stelle unter Verweis auf das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Überlastung der Krankenhäuser!) billigend in Kauf zu nehmen. Warum gilt dieses Grundrecht verdammt nochmal nicht im selben Maße für Schüler?

    Und um die Diskussion hier vielleicht doch noch etwas in Schwung zu bringen: Welche Fantasien und was für ein Misstrauen den Erziehungsberechtigten gegenüber stecken hinter der Argumentation „Verdacht auf Kindeswohlgefährdung durch Schulschließungen“?

    • @ Mein Name ist Hase
      Aus der Familie heraus genommen zu werden oder dies in den Raum zu stellen ist idR das traumatischste Erlebnis für Kinder. Auch wenn das richtig und nötig ist und es ihnen damit auf Dauer besser geht, bewerten Kinder dies erstmal schlimmer, als die /den erfahrene/n Vernachlässigung/Missbrauch ect.
      Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass ein Kind sich offenbart, wenn es sich dieser Konsequenzen bewusst ist. Ich sehe eine Lösung darin, dass das Kind hier selbstbestimmter sein kann. Ich „kann“ jederzeit gehen, ich „kann“ jederzeit wiederkommen. Ich „muss“ nicht, andere möchten mir nur helfen. Geht es mir schlecht, kann ich Hilfe annehmen und eine Weile ausziehen, aber ich werde nicht zwangsweise zum Heimkind, nur so oft und so lange ich möchte…. Naja, das ist alles total schwierig! Heimkinder büxen ständig aus und der Grund ist immer derselbe : Sie wollen nach Hause.

  4. Thema Jugendamt :

    Hier wäre es einmal gut, zu reflektieren, welche Bedeutung das Jugendamt in der Gesellschaft hat und ob es dabei für die Gesellschaft überhaupt vordergründig um die Kinder geht…

    Man denke an die Zeiten, als Menschen auf den Märkten standen und sich zu ihrer Unterhaltung anschauten, wie andere Menschen gedemütigt, gequält oder sogar hingerichtet wurden und Vergleiche dies einmal mit den öffentlichen “ Hinrichtungen“ im TV, die scheinbar heutzutage eine Ersatzunterhaltung dafür bieten sollen. Und nebenbei auch vom Bildungsbürgertum gerne und viel geschaut werden! Der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ meint nämlich nicht das Publikum, sondern die Darstellenden und dient dazu, sich selber zu vergewissern, etwas „besseres“ zu sein. Durch diesen Begriff „Unterschichtenfernsehen“ kann man sich aber als Zielgruppe für diese makaberen Sendungen absetzen, weil ja für andere gedacht und man wollte sich nur mal amüsieren, was primitive Leute doch so primitives gucken. Kurz : Man guckt das aber guckt das offiziell garnicht! Da war die Fernsehchefetage echt schlau!

    Es war wohl auch in Mittelalterzeiten so, dass es bei dem „sich für was besseres halten“ auch immer darum ging, das eigene Selbstbewußtsein zu stärken und das Sicherheitsgefühl ( ich bin was besseres, mir kann also nichts passieren).

    Darauf gründet wohl auch unser ganzer Wettbewerbseifer und es fängt schon an, so bald das Kind auf der Welt ist. Da werden Mütter von heute auf morgen zu Konkurentinnen : “ Die macht was anders, Hilfe, ist die besser und ich bin eine Stufe tiefer?“ Und dann muss man die Andere runter machen um wieder eine Stufe höher zu erklimmen. Gut ist also, wenn man auf jemanden herab blicken kann und deshalb weiß, dass man gesellschaftlich nicht selber auf der letzten Stufe steht. So wird eine angebliche Unterschichtmutter auch ganz wohlwollend mit allen Klischees angenommen. Ganz übel wird es dann aber, wenn die anderen Mütter feststellen, dass diese angebliche Unterschichtmutter garnicht ins Klischee passt… Die ist zwar Arm, aber nicht dumm, hat gut erzogene glückliche Kinder und… oh, nein… das Eine hat auch noch das Zeug zum studieren! Wenn die Assimutter ein Kind mit besseren Noten hat oder bewusst auf Einnahmen verzichtet um das Kind nicht in der Ganztagsbetreuung zu verwahren oder von dem wenigen Geld den Kindern zwei Shettys kauft, wo wir doch alles Geld fürs Auto und für Urlaub brauchen und keine Lust haben aufs Fahrrad auszuweichen und…. oh nein… heißt das die Assimutter lebt auch noch ökologisch sinnvoller obwohl wir mehr Geld für Bio haben? Wenn die Assimutter also in auch nur irgendeiner Sache irgendwie vorbildlich ist, heißt das ich bin auf der gleichen Stufe oder darunter?

    Nun, wenn sich andere Mütter sowas fragen, dann hat man aufgrund der darauf folgenden Reaktionen als „Assimutter“ auf einmal das Gefühl, wir sind noch nicht weit vom Mittelalter entfernt.

    Klar ist, dieses Verhalten in der Gesellschaft und überhaupt das abwerten Anderer und somit auch alle Formen von Rassismus haben etwas mit fehlendem Selbstbewusstsein und mit Selbstschutz zu tun.

    Und hier kommt jetzt die WAFFE namens JUGENDAMT ins Spiel :
    In unserer Wohlstands Gesellschaft ist nicht mehr der Reiche eine Respektsperson, sondern der Soziale! Wir haben die Möglichkeit, weil wir nicht hungern, flüchten, kämpfen müssen uns darauf zu konzentrieren, sozial alles richtig zu machen und aus Wohlstand auch die Möglichkeit aller Details auszuschöpfen. Das ist auch gut! Wir wollen die Welt verbessern. Gleichzeitig sind wir aber keine besseren Menschen als Menschen anderswo, wir sind nur privilegierter und haben mehr Möglichkeiten. Deshalb treiben solche Bestrebungen auch immer negative Blüten, die unseren Ego oder unsere Selbstverliebtheit und Selbstgerechtigkeit zeigen.

    Wenn man also in so einer Gesellschaft Andere eine Stufe tiefer (verknechten) möchte, sich behaupten, kämpfen, sie verjagen möchte und seine eigenen Vorteile sichern – dann greift man nicht zur Waffe, sondern schickt das Jugendamt!

    Denn damit verweist man eine Familie, alleine schon durch die Beauftragung dieser Behörde, auf einen bestimmten unteren Platz in der Gesellschaft. Der Grund sind oft nicht die Kinder und diese Ämter wissen das. Es geht mal um Rache, mal um Neid, mal um Nachbarschaftliche Auseinandersetzungen und Interessen und um persönliche Bedürfnisse und eben den Sozialstatus, der in unserer heutigen Gesellschaft ALLES über uns sagt.

    Man muss sich natürlich auch trauen. Die gut situierte Familie, nicht das man sich lächerlich macht. Aber die alleinerziehende Geringverdienerin – die kann man doch leicht platt machen, da findet man doch bestimmt was. Da kann doch garnicht alles gleichzeitig klappen. Vielleicht ist die Küche schmutzig oder am Monatsende werden nur noch Spaghetti ohne Ketchup gegessen oder die geht nicht zum Elternabend, weil sie keinen Babysitter hat oder sie geht doch hin und lässt den großen Bruder sitten, der dazu noch nicht alt genug ist. Doch, da kann man was finden. Und mit dem Spruch :“Mit deinem Sohn kriegst du nochmal gaaanz große Probleme (kann ich nicht bestätigen) wenn der in die Pubertät kommt“ kann man auch nichts falsch machen, denn das ist einfach extrem Wahrscheinlich.

    Ich hatte also 2x schon das Jugendamt geschickt bekommen und einmal in Form einer indirekten Androhung und muss sagen, daß Jugendamt wird nochmal mein bester Freund werden!

    Fall 1:
    Vermieter wollen Miete um 200 Euro erhöhen und das geht nur, wenn ich zustimme oder ausziehe. Ich halte aufgrund der Mängel im Haus dagegen. Ein Gutachter bestätigt die Mängel. Daraufhin wechseln die Vermieter die Strategie und schicken mir das Jugendamt, von wegen “ Wie kann man seine Kinder in einem Haus mit solchen Mängeln leben lassen!“ und der Hoffnung, dass ich dann ausziehen muss. Und wenn das Jugendamt vielleicht noch was anderes findet und die Kinder wegnimmt, dann braucht Vermieter auch kein schlechtes Gewissen ob seiner Geldgier mehr zu haben und kann sich als Held feiern. Vermieter war übrigens Land Niedersachsen ;-). Was war das Ergebnis? Jugendamt war da und Land Niedersachsen musste ganz schnell ein paar Mängel beheben! Jugendamt ist nämlich da um Hilfe zu leisten und nicht um Eltern zu ärgern oder zu erpressen.

    Fall 2 :
    Streit mit einer Bekannten. Sie findet mich nicht normal und will mich zwingen, ein normales Leben zu führen. Ich soll nicht als Selbständige durch Straßenmusik und mit Ponyreiten spärlich und unsicheres Geld verdienen, sondern einen Vormittags – Job auf 400 Euro Basis annehmen, meine Tiere soll ich verkaufen und nicht so schön ländlich wohnen (nicht das Haus aus Fall1) und soviel Geschick darin haben, aus wenig etwas zu machen, sondern im Plattenbau wohnen, wo ich“ hingehöre „. Sie verletzt mich am Telefon, darauf ich sie und damit hat sie ein Alibi kein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Dann ging es u a mit einer noch nicht stubenreinen Katze und Krankheit meinerseits wirklich chaotisch Zuhause zu und somit hat sie endlich einen Anlass gefunden. Da liege ich mit Schlaganfall im KH (Kinder bei Oma) und kriege dort im Bett liegend eine SMS, dass sie mir das Jugendamt schickt. Getan hat sie es aber doch erst nicht und ich den Kontakt abgebrochen. Ein halbes Jahr später war sie aufgrund von Trennung persönlich schlecht zufrieden und beschloss ihr Vorhaben nachzuholen. So schickte sie mir das Jugendamt, obwohl schon ein halbes Jahr keinen Kontakt mehr zu mir habend. Leute, das Jugendamt möchte wegen akuter Kindeswohl – Gefährdung gerufen werden und nicht ein halbes Jahr später wegen Rache, Neid und Frust! Und nein, das Jugendamt zwang mich nicht, die Ponys zu verkaufen, sondern gab mir hilfreiche Tipps, wie ich meine Selbständigkeit erhalten und mich diesbezüglich unterstützen lassen kann und das ich – nebenbei – Anspruch auf Pflegegeld bezüglich meiner geistig behinderten Tochter hätte…

    Fall 3 :
    Ach das ist noch neu… Da geht es um Präsenzpflicht und Attestpflicht und so…

    Abschließend : Wie kommt es, dass Eltern so allergisch auf das Jugendamt reagieren und hier nicht zugänglich sind? Was können wir ändern? Wie entsteht Sucht? Vielleicht macht einen auch manchmal die Gesellschaft krank? Ich habe das Glück, kein Suchtproblem zu haben, aber ich kann es nachvollziehen, dass man Sucht entwickelt wenn man wie in oben genannten Fällen ausgegrenzt und wie „Dreck“ behandelt wird. In meinem Fall hat sich das eher körperlich ( Schlaganfall, epileptische Anfälle) geäußert – früher hatte ich eine Gesundheit „wie ein Pferd“. Und klar ist auch, dass mit Sucht ein Teufelskreis entsteht. Wie es im kleinen Prinzen heißt „ich trinke, weil ich nicht trinken will“. Das ist dann wiederum ein Anlass für das hochmütige Volk, sich „bestätigt“ zu sehen und das wiederum verstärkt weiter die Sucht.
    Interessant war hier Corona, als auf einmal alle Neu-Einsamen eine Haustier“sucht“ entwickelten. Zeigt, dass die angeblich „besseren“ Menschen es in entsprechenden Situationen eben auch nicht besser können…

  5. Sucht ist eines der teuersten Gesellschaftsprobleme aber als Krankheit verdrängt
    (Ich nehme den Vater von Amelie als Alkoholiker damit nicht in Schutz)

    Ich kann nur feststellen, dass nach der Veröffentlichung die Schlagzeile („Verdacht auf Kindeswohlgefährdung durch Schulschließungen“?) geändert wurde („Suchtkranke Eltern: Über drei Millionen Kinder wachsen in seelischer Not auf“), so wie es öfters vorkommt.

    Dadurch wird der Bericht nachträglich schnell in andere Bahnen gelenkt. Hier dreht sich aber weiter alles nur um Alkohol, aus dem Erfahrungsbericht von Amelie, nachvollziehbar, aber zur Sucht(krankheit) leider nicht objektiv.
    Da sind dann noch: Bulimie (Ess-Brech-Sucht); Internetsucht; Magersucht; Nikotinsucht; Sportsucht; (Glücks-)Spielsucht; Sexsucht; Arbeitssucht; Kaufsucht; usw..

    Man sollte sich immer im Klaren sein: Sucht basiert auf einer Fehlsteuerung des Belohnungssystems im Gehirn und ist eine Krankheit, viele Faktoren spielen eine Rolle und ein Abhängiger findet seltenst alleine aus dieser fatalen Situation heraus.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here